Dienstag 11. Dezember 2018

In Kreuz und Tod: Gottes Nähe?

Gekreuzigt, gestorben und begraben: Eine Schande und ein Ärgernis war der Tod Jesu für die Zeitgenossen. Heute erfahren Menschen das Kreuz als Quelle, die auch in der Wüste des Lebens da ist.

Von Buddha wird erzählt, dass er mit 80 Jahren versehentlich an einer Lebensmittelvergiftung gestorben sei. Vor seinem Tod erwiesen ihm noch die Vornehmen aus der Gegend die Ehre. Er nahm einen letzten Mönch in seine Gefolgschaft auf und verstarb schließlich mit einem weisen Wort auf den Lippen. Sokrates wiederum, einer der bemerkenswertesten Philosophen der Antike, starb im Alter von 70 Jahren. Er wurde im Jahr 399 vor Christus zum Tod verurteilt. Unmittelbar vor seiner Hinrichtung soll Sokrates mit seinen Vertrauten noch über die Unsterblichkeit der Seele diskutiert haben, dann leerte er – ruhig, besonnen, ja fast heiter – den Giftbecher und starb. Ein schöner, wenn auch unvorhergesehener Tod ereilte Muhammad. Er hauchte am 8. Juni 632 nach Christus sein Leben in den Armen seiner Lieblingsfrau Aischa aus. Zum Zeitpunkt seines Todes war der 62-jährige religiöser und politischer Führer über fast die gesamte Arabische Halbinsel.

 

Alles stand auf dem Spiel

Ganz anders war es bei Jesus von Nazaret. Er starb nicht alt, nicht geachtet, nicht im Kreis seiner Gefährten. Er hauchte sein Leben auch nicht würdevoll aus, sondern „krepierte” als Hingerichteter unter Schmerzen – nackt, bloßgestellt, scheinbar von Gott verlassen, einsam. Jesus selbst wollte diesen Tod nicht. Er bat am Ölberg sogar leidenschaftlich um Verschonung und Rettung vor dem Tod. Trotz der vorhersehbaren tödlichen Konfrontation, die Jesus spätestens durch seine Tempelkritik auslöste, ist er in Jerusalem geblieben.

 

 


Jesus blieb in der Bedrohung, weil für ihn Gott und seine so ganz andere Herrschaft auf dem Spiel standen: Der Gott, von dem Jesus nicht abrückte, auf den er sich fest-legen, ja „fest-nageln” ließ, aber ist ein Gott, der freudig Vergebung schenkt – unabhängig von alteingesessenen Instanzen. Sein Gott ist ein Gott, der auf Menschen zugeht, ihnen sogar nachgeht, sie sucht. Dieser Gott legt nicht unnütze Bürden auf. Er erschwert Leben nicht. Im Gegenteil: Wo Gott ist, bekommen Menschen vielmehr einen neuen Zugang zum Leben, zu den Mitmenschen, zu Gott. Das Kreuz zeigt also, wie ernst es Jesus mit all dem war. Er entfernte sich keinen Millimeter von seiner Überzeugung.

 

Das Kreuz verbindet

Zwei Erfahrungen haben mir im Besonderen einen Zugang zum Gekreuzigten und zur Botschaft des Kreuzes eröffnet: Mein Vater erlitt 1988 einen schweren Gehirnschlag. Er verlor dabei sein Sprachzentrum und konnte nicht mehr sprechen, nicht mehr lesen oder alles verstehen. Er war rechtsseitig gelähmt und bis zu seinem Tod mit 51 Jahren beim Essen, Gehen, Baden, Anziehen auf die Hilfe meiner Mutter angewiesen. Trotz Überforderung, trotz Enttäuschung, trotz Aussichtslosigkeit der Lage erlebte ich, wie nahe uns in dieser Zeit der Gekreuzigte kam, wie viel Kraft von ihm ausging – von ihm, der am eigenen Leib Begrenzung, Leid, Aussichtslosigkeit und Tod erfahren hatte. Ich entdeckte Jesus, den Gekreuzigten, als Mit-Leidenden, als Mit-Tragenden, als Mit-Lebenden.


Zum zweiten Mal erahnte ich die Nähe des Gekreuzigten zwischen den Schläuchen der Beatmungsmaschine und der Blutwaschanlage meines Schwiegervaters. Wochenlang lag er – aufgrund einer Hirnblutung – auf einer Intensivstation im Koma. Als er unerwartet wieder aufwachte, durften wir noch sieben gemeinsame Monate erleben, zwei davon sogar zu Hause. „Ich bin da, ich lasse euch nicht alleine, weil ich selbst Leid, Angst, Einsamkeit und Tod kenne” – darin liegt für mich eine der wichtigsten Botschaften des Kreuzes.


Quelle: Stefan Schlager, Theologische Erwachsenenbildung

Dr. Stefan Schlager
Dr. Stefan Schlager
Referatsleiter
T.: 0732/7610-3245
Kapuzinerstraße 84
4021 - Linz
 Angela Eckerstorfer
Angela Eckerstorfer
Sekretärin
T.: +43 (0732) 7610 3241
Kapuzinerstraße 84
4021 - Linz

Glauben

Gelassener leben,
weil letztlich nicht alles von mir abhängen muss;

 

Weitherzigkeit wagen und Weitblick einüben,
weil da ein größerer Horizont ist als das eigene Ich;

 

die Mitmenschen wahrnehmen
und mich für andere einsetzen,
weil einer langen Atem gibt und Vorbild dafür ist;

 

Durststrecken aushalten
 und kleine (Fort-)Schritte wagen,
weil es eine Beziehung gibt, die trägt und ermutigt;

 

Hoffnung haben und Humor,
weil ich weiß, wem ich vertraue, auf wen ich setze.

 

(Stefan Schlager)

Blogs
Eder-Cakl
26.03.2018

„Vielleicht ist irgendwo Tag“

Was heißt Auferstehung und (wie) kann dieses Ereignis in die heutige Zeit übersetzt werden? Interview der Zeitung...
Blog in der Stadt
Broschüre: Spuren des Glaubens

 

Die Broschüre "Spuren des Glaubens" wurde 2009 anlässlicher der Aktion "glaubenswert" herausgegeben. Sie bietet Hintergrundwissen zu den grundlegenden Themen unseres Glaubens und regt zum Gespräch über den eigenen Glauben an.

Wenn ich meinen Glauben nicht hätte...
Sr. Johanna Pobitzer

Sr. Dr.in Johanna Pobitzer

Wenn ich meinen Glauben nicht hätte, dann hätte ich keine Instanz, auf die ich mich verlassen könnte, dann müsste ich...

KonsR Mag. Franz Wild

KonsR Mag. Franz Wild

Wenn ich meinen Glauben nicht hätte - Das ist gar nicht so einfach zu sagen, wie das wäre. Seit meiner Kindheit...

Elisabeth Schobesberger.

Elisabeth Schobesberger

Wenn ich meinen Glauben nicht hätte, dann hätte mein Leben keine Richtung mehr und es wäre ziemlich leer. Leer – in...

Marianne Höftberger

Marianne Höftberger

Wer glaubt, ist nicht allein, hat Papst Benedikt XVI bei seinem Besuch in Österreich gesagt. Das ist auch meine...
Theologische Erwachsenenbildung
Feldaist

Glaubenseinführung

Viele Menschen (nicht alle) leben in Wohlstand, materiell geht uns nichts ab. Doch früher oder später ahnt jeder...
Spiritualität
Hoffnungsvolle Abendstimmung am Simssee. © Stefanie Petelin

Trauern

Abschied zu nehmen ist eine der schwersten Erfahrungen im Leben. Neben dem Verlust eines nahestehenden Menschen...

Kapelle am Berg. © Maria Grill

Beten

Im Gebet haben alle menschlichen Gefühle und Gedanken Platz. Singend, schweigend, durch gelesene oder gesprochene...

Begleitet. © hotblack/morguefile.com

Begleiten

Unser Leben ist wie eine Landschaft. Wir leben in unterschiedlichen Lebens-Feldern. Unter den Feldern fließt das...

Schuh in der Wiese. © Stefan Schweiger

Pilgern

Das Nötigste im Rucksack, gutes Schuhwerk an den Füßen und dann: aufbrechen, Weg-gehen. Den Alltag, die Hektik, den...

Tag des Pfarrfotos in der Pfarre Leonding - St. Johannes. © Thomas Eberdorfer

Berufen sein

Am Anfang steht Gottes Ruf.Den gilt es wahrzunehmen,zu verstehen. Möglicherweise ruft Gott leise und unaufdringlich...
Sinnsprüche
Advent

Advent

Sinnspruch im Dezember 2018 - von Stefan Schlager

RFG008.jpg Herbst-Impressionen-2015

Was bleibt?

Sinnspruch im November 2018 - von Stefan Schlager

RFG0118.jpg Herbst-Impressionen-2015

Kohelet - zeitlos

Sinnspruch im Oktober 2018 - von Stefan Schlager

Traunkirchen

Humor

Sinnspruch im September 2018 - von Stefan Schlager

Tagpfauenauge-NÖ Botanik 2017

Große Pause

Sinnspruch im August 2018 - von Stefan Schlager
Katholische Kirche in Oberösterreich
Diözese Linz

Kommunikationsbüro
Herrenstraße 19
Postfach 251
4021 Linz
TEL: 0732 / 7610 - 1170
FAX: 0732 / 7610 - 1175

DVR: 0029874(117)

www.dioezese-linz.at
post@dioezese-linz.at
https://www.dioezese-linz.at/
Darstellung: