Monday 10. May 2021

Bischof em. Ludwig Schwarz

Bischof Dr. Ludwig Schwarz.

Wenn ich meinen Glauben nicht hätte, wäre ich wie ein Schiff ohne Steuer und wie eine Zisterne ohne Wasser.

Es fehlte die Grundoption für mein christliches Leben; denn der Jünger Christi kann nur in dem Maß Salz der Erde und Licht der Welt sein, als sein Leben mit dem Glauben übereinstimmt und aus dem Glauben erfließt. Im Neuen Bund gilt, dass Gott „den gerecht macht, der an Jesus Christus glaubt“ (Röm 3,26). So ist der Glaube das gerade Gegenteil von Selbstruhm und Vertrauen auf eigene Kräfte.


Die gläubige Existenz verdankt sich daher einer Initiative Gottes und kann nicht von Menschen gemacht werden. Darum ist auch nur der Glaubende in der Lage, jenen Rede und Antwort zu stehen, die ihn nach dem Grund seiner Hoffnung fragen (vgl. 1 Petr 3,15). Wir sind also nur dann auf dem Weg zur Integration, zum Gewinn der Mitte, wenn die Grundentscheidung unseres Glaubens all unsere Fähigkeiten und Energien zusammenfasst im Suchen nach Licht und Sinn für unser Dasein.


Wenn ich keinen Glauben hätte, könnte ich weder Gott erkennen noch eine Antwort auf die Gaben Gottes und auf die Nöte der Mitmenschen finden. Es käme dann zu keinem Mitvollzug der schöpferischen und befreienden Liebe in meinem eigenen Dasein wie auch in meinem Verhältnis zur Welt. Im lebendigen Glauben wächst jenes Grundvertrauen, das meinem Leben Mut und Zuversicht verleiht. Nicht umsonst verlangt Christus immer den Glauben, sowohl von den Menschen, die mit verschiedenen Anliegen kommen, wie auch von seinen Jüngern. Wiederholt tadelt er Letztere wegen ihres Unglaubens oder schwachen Glaubens. Die Grundoption des Christen heißt eben Glaube, erfüllt von Vertrauen, Hoffnung und aktiv in der Liebe. Unglaube oder Oberflächlichkeit im Glauben sind keine Grundoption für Gott und das Gute.


Denn Glaube, Hoffnung und Liebe, anbetende Liebe zu Gott und dienende Liebe gegenüber dem Nächsten, gehören unzertrennlich zusammen. Wenn ich keinen Glauben hätte, wäre mein Leben zerfahren, ohne Sinn und Ziel. Im Glauben aber erhalte ich Unerschütterlichkeit und Festigkeit, weil ich mich in Freiheit Gott ganz überantworte (vgl. Dei Verbum 5). 

Dr. Ludwig Schwarz, Bischof von Linz

 

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