Tuesday 29. September 2020

Christkönigssonntag

Menschlichkeit wider die Herrschaft des Menschen über den Menschen

Mit dem Christkönigssonntag endet das Kirchenjahr. Seinen Anfang jedoch nimmt das Reich Christi – errichtet durch die Kraft der Liebe.

Im Zentrum des Festes steht darum – wie der Name verrät – die Königsherrschaft Christi.

 

Die Weltgeschichte wird gerne und häufig nach Herrschern, Königen und Kaisern, Republiken und Regierungen strukturiert. Und auch die Geschichte jedes Einzelnen ist von der politischen, kulturellen und ökonomischen Situation der Epoche bestimmt. Die einen leben in Frieden und Wohlstand, die anderen in Krieg und Armut – beeinflusst von der politischen Ordnung. Nicht zufällig ist darum die Sinnfrage nach Zeit und Herrschaft: Wer herrscht in unserer Zeit? Wovon sind wir beherrscht? Was dominiert unser Leben? Wofür opfern Menschen ihre Zeit? Und wem geben sie die Ehre?

 

Theologischer Hintergrund

 

Das Hochfest Christkönig ist kein ungefährliches Sinnbild der Kirche: Es kann das Missverständnis auslösen, dass sich die Kirche eine eigene geistliche Machtfülle verleiht und mit ihm Herrschaftsansprüche befriedigen will. Umgekehrt kann es aber auch die Provokation auslösen, dass die wahre Herrschaft die Herrschaft der Menschlichkeit ist, wie sie Jesus Christus gelebt hat. Christus ist dann als ein König zu verstehen, der sein Reich mit Armut, Ohnmacht und allein mit der Kraft der Liebe errichtet. Dieses Königreich Christi ist somit ein verborgenes Reich, das in den Herzen seinen Anfang nimmt und in der Befreiung und Rettung der Menschen in der Not seine irdische Gestalt annimmt. So sind auch die Evangelien des Feiertages der jeweiligen Lesejahre (A: Mt 25,31-46; B: Joh 18,33b-37; C: Lk 23,35-43) Texte, die zeigen, wie Christus sich verstanden hat: als Gesalbter, der den Armen die Frohbotschaft und den Leidenden die Rettung bringt.

 

Geschichtlich ist das Christkönigsfest das jüngste der Herrenfeste und wurde von Papst Pius XI. 1925 aus Anlass der 1600-Jahr-Feier des Konzils von Nicäa als Antwort auf die destruktiven Entwicklungen seiner Zeit eingesetzt. Denn gerade im aufkeimenden Nationalsozialismus und in den anderen totalitären Systemen ist die Frage danach, wer wirklich der Herr ist, nachvollziehbar. Auch wenn Jesus vor Pilatus sagt: „Mein Königreich ist nicht von dieser Welt” (Joh 18,36) – überall, wo sich Gerechtigkeit und Friede küssen, wo die Macht der Liebe wirksam ist, da ist sein Reich spürbar.

 

 

Ursprünglich wurde das Fest übrigens Ende Oktober gefeiert. Erst später wurde es an das Ende des Kirchenjahres, also an den Sonntag vor den ersten Adventssonntag, verlegt, um so symbolisch den Blick auf die Wiederkunft Christi zu richten. Damit nimmt es als junges Ideenfest auch einen Aspekt des Wirkens Christi besonders in den Fokus, der in der theologischen Bezeichnung des Festes bereits durchschimmert: „Hochfest unseres Herrn Jesus Christus, des Königs des Weltalls”. Gerade im Zusammenhang mit der Frage, welche Macht, welche Mächtigen tatsächlich heute unsere Lebens- und Weltzeit bestimmen, ist dies ein noch immer zeitgemäßes Fest, das allerdings erst wieder Gehör erlangen muss, wenn Gott sagt: „Ich bin das Alpha und das Omega” (Off 1,8).

 

Quellenangabe:

Einspieler, Klaus / Katholische Kirche Kärnten: Die Herrenfeste, die Ideenfeste und die Zeit im Jahreskreis. URL: http://www.kath-kirche-kaernten.at/themen/detail/C671/die_herrenfeste_die_ideenfeste_und_die_zeit_im_jahreskreis [Stand: 06/2014]

 

Jeller, Stefanie / Erzdiözese Wien: Christkönigsfest. URL: http://www.erzdioezese-wien.at/site/glaubenfeiern/imkirchenjahr/allefeste/christknigsfest/article/32631.html [Stand: 06/2014]

 

Katholische Kirche in Oberösterreich (Hrsg.) (o.A.): aufdanken - Gott in der Zeit des Menschen. Linz: Eigenverlag. URL: www.aufdanken.at [Stand: 06/2014]

 

Downloads:

Broschüre "aufdanken"

Medienliste "aufdanken"

 

(sp)

Zum Nachdenken
Lichtquelle. © Roland Lengauer

 

Das Kirchenjahr mit seiner immer erneuten Vergegenwärtigung und Darstellung des Lebens Christi ist das größte Kunstwerk der Menschen; und Gott hat sich dazu bekannt und gewährt es Jahr für Jahr, schenkt es in immer neuem Licht, als begegnete es einem zum ersten Mal.

(Jochen Klepper)

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