Sonntag 28. Mai 2017

Mein Weg nach Santiago de Compostela

von Wolfgang Haderer

Vor einigen Jahren habe ich das Buch von Paulo Coello „Auf dem Jakobsweg“ gelesen und seither habe ich die gängige Jakobs-Literatur verschlungen. Als dann noch ein mir bekannter, in meinem Ort lebender Jakobspilger seinen Weg in einem Buch veröffentlichte, wurde mein Wunsch, diesen Weg ebenfalls zu gehen, immer konkreter.  

Mich begeisterten die geschilderten Eindrücke, die scheinbar fast jeder Pilger machte: Man lernt sich selbst besser kennen und kommt sich und dem Göttlichen scheinbar näher und natürlich lockte auch einen alten Pfadfinder wie mich das Abenteuer.

 

Als sich der Termin meiner Pensionierung abzeichnete stand fest, dass das für mich der richtige Zeitpunkt für meine Pilgerreise ist und ich bin meiner Frau sehr dankbar, dass sie meinen Entschluss mittrug.

 

Mein Weg
Pilgerschuhe
Am Weg.

 

Am 12. Mai 2014 begann meine Reise mit dem Flug nach Biarritz und mit dem Bus nach St.Jean de Pied de Port, wo ich mich im Pilgerbüro registrieren ließ und von dort begann ich den klassischen Teil des Jakobsweges, den Camino Frances von St.Jean über Pamplona, Longrono, Burgos, Leon, Astorga nach Santiago de Compostela (ca. 800 km – je nach Führer). Ich bin täglich ca. 30 Kilometer gepilgert und habe die 28 Tage, die ich nach Santiago gebraucht habe, sehr bewusst einfach gelebt, also in den Herbergen genächtigt und selbst gekocht oder das Pilgermenü gegessen. Ich habe, obwohl Gepäckstransport schon angeboten wird, meinen Rucksack mit ca. 10 kg den ganzen Weg lang getragen (Pilgerehre). Ich denke, diese Voraussetzungen sollen eine Pilgerschaft von einer gewöhnlichen Wanderung unterscheiden.

 

Wegweiser bei Najera
Typische Herberge - in Zubiri
Warten auf den Einlass vor der Herberge in O Pedrouzo
Am Weg - bei Cirauqui
Am Weg nach Santo Domingo de la Calzada: Regenbogen

 

Ich werde oft gefragt, wie es mir beim Gehen ergangen ist, weil sich viele nicht vorstellen können, sich einen Monat täglich auf den Weg zu machen. Ich habe in der Zeit vorm Jakobsweg trainiert, aber ich bekam doch am Beginn einen ordentlichen Muskelkater. Später erinnerten mich meine Füße oft daran, dass dieses tägliche Gehen doch nicht selbstverständlich ist.

 

Mit der Zeit automatisiert sich das Gehen, je nach Etappe und Attraktivität der Landschaft war ich ganz in mich gekehrt (ich ging den ganzen Weg alleine) oder nahm die Schönheiten am Weg mit allen Sinnen auf. Es gab Phasen, da musste jeder Kilometer erarbeitet werden und andere, da fühlte mich ich als ob ich fliege, ja manchmal habe ich regelrecht am Weg mit mir getanzt. Für mich bewahrheitete sich der Spruch: gehen ist beten mit den Füßen.

 

Blumen am Wegesrand - Meseta
Cruz de los Valdientes am Weg nach Beldorado
Herberge in Boadillo del Camino
Puenta la Reina

 

In den Pausen und in den Herbergen war es ganz leicht mit Pilgerkollegen ins Gespräch zu kommen. Und diese Begegnungen mit verschiedenen Menschen aus aller Welt, die tiefgründigen Gespräche, aber auch gemeinsam, um zu kochen und Spaß zu haben, waren ein prägendes Erlebnis meines Jakobsweges. Ich konnte auch spontane Pilgergottesdienste mitfeiern und die Gemeinschaft mit meinem Schöpfer spüren. Es war für mich sehr tröstlich zu erkennen, wie viele meiner Pilgerkollegen, wie ich, Menschen auf der Suche waren.

 

Wohlverdientes Fußbad
Gemütliches Beisammensein in Najera
Taufbecken - Boadillo del Camino
Kathedrale Leon
 

 

Wenn ich mich heute frage,  welche Bedeutung meinen Pilgerweg für mein Leben hat, so werden die emotionalen Höhepunkte des Weges bleiben: das alte Kirchlein Eunate, wo ich meine spirituelle Pilgerschaft  begonnen habe, an Cruz de Ferro, wo ich mit meinem bisherigen Leben, dem Guten und den Fehlern abschließen und mir selbst verzeihen konnte und der Augenblick, am Ziel in Santiago zu sein, wo ich so klar gespürt habe, wie sehr ich getragen und begleitet bin. Ich habe durch die vielen Stunden des alleine Gehens gelernt im Jetzt zu stehen, Ängste aber durch Ehrgeiz zu besiegen, zuzulassen und zu vertrauen.

Diese Erfahrung auch ins tägliche Leben hineinzunehmen ist eine permanente Herausforderung in meinem „Camino vitae“ dem Pilgerweg des Lebens.

 

Wolfgang Haderer

 

Kirche Eunate
Cruz de ferro
Mein Donaustein
Angekommen in Santiago de Compostela
Angekommen in Santiago de Compostela
Kathedrale in Santiago de Compostela
Täglicher Pilgergottesdienst in Santiago

Pilger-Segen
Pilgerschatten. © Herbert Schiller

Möge dein Weg dir freundlich entgegenkommen,

möge der Wind dir den Rücken stärken.

Möge die Sonne dein Gesicht erhellen

und der Regen um dich her die Felder tränken.

Und bis wir beide, du und ich, uns wiedersehen,

möge Gott dich schützend in seiner Hand halten.

 

aus Irland

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Auf-brechen

Aufbrechen

Einen ersten Schritt wagen

Aus bequemer Sicherheit

in unbekanntes Dunkel treten

 

Den festen Boden verlassend

das schwankende Boot besteigen

wie Petrus

den der Glaube

über das Wasser trug

 

Aufbrechen

Sich vorbehaltlos

auf den Weg machen

Altvertrautes zurücklassen

Sich den Unebenheiten

Steigungen und Gefahren

des Weges stellen

seinen Schönheiten und Wundern

sich öffnen

 

Einen ersten Schritt wagen

ohne noch den zweiten zu kennen

ohne die haltende Hand zu spüren

Ohne ihn gibt es kein Vorwärts

keinen Weg

 

Es gibt kein Glück 

ohne das Wagnis des Vertrauens

 

(Friederike Stadler)

 

 

 

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Weg-Gehen

Manchmal

einen Weg zu Fuß

zurücklegen

und der Versuchung widerstehen

alles und sofort

möglichst bequem

zu erreichen

 

Die Mühe

auf mich nehmen

die das Gelände erfordert

und langsam

Schritt für Schritt

mit Bodenkontakt

dem Ziel näher kommen

 

Im Gehen

Zeit zum Atmen haben

die Sinne anfüllen

und die Seele

dabei sein lassen

 

Der gegangene Weg

verlang ein Stück von mir

Dafür beschenkt er mich

mit dem Glück des Ankommens

und einer tiefen Zufriedenheit

 

So wird jeder gegangene Weg

zum bleibenden Schatz

Weil Wege zu gehen

wesentlich zum Menschwerden gehört

Und weil weniger mehr ist

 

Eilzugstempo

oder Schrittgeschwindigkeit

Das ist die Frage

 

(Friederike Stadler)

inpuncto: Pilgern.

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(Stefanie Petelin)

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Die Seele geht zu Fuß...

 

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Pilgern - die Seele geht lieber zu Fuß...

An-Kommen

Nach langer Abwesenheit

versuche ich

wieder anzukommen

bei Dir

und bei mir

 

Aus dem Trubel

dem Lärm und

den grellen Farben

will ich ankommen

beim Sein

in Dir

und in mir

 

will ankommen

im Frieden

zu Hause

bei mir

 

und im Leben

mit Dir

 

(Friederike Stadler)

Schuhbiduh - WEG-GEHEN. © Stefan Schweiger
Blick auf die Pfarrkirche Viechtwang, am Weg zur Lasslbergkapelle an Maria Himmelfahrt. © Wolfgang Herndl.

Wallfahrtsservice.de

Eine Material- und Austauschbörse

Besonders lesenswert: "Nachgefragt". Dr. Michael Rosenberger (KTU Linz) beantwortet Fragen wie: Dürfen Wallfahrer auch mal lustig sein? Sind reine Männerwallfahrten heute noch/wieder sinnvoll? Kann man auch alleine pilgern?

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