Mittwoch 22. Februar 2017

Pilgern / Wallfahren

In den letzten 25 Jahren ist ein ungeheurer Boom des Pilgerns ausgebrochen. Während die meisten Menschen im Alltag immer seltener zu Fuß unterwegs sind, suchen sie sich in ihrer Freizeit stets weitere und schwierigere Wege, die sie erwandern. 

Unter diesen Wegen haben jene eine besondere Anziehungskraft, die spirituelle Wege, Pilgerwege sind.

 

Etymologisch stammt der Ausdruck „pilgern“ aus dem Lateinischen (peregrinus, peregrinari) und meint das Unterwegssein in der Fremde, im Ausland. Pilgern ist ein „Fremd-gehen“ der anderen Art (Detlef Lienau). Der Ausdruck „wallfahren“ hingegen stammt vom Begriff „wedeln“, unstet hin- und herbewegen, oder auch vom Begriff „wandeln“ im Sinne des Auf- und Abgehens. Im Mittelalter wird „wallfahren“ zur direkten Übersetzung des Wortes „peregrinari“ – die beiden Begriffe sind inhaltsgleich und werden nicht unterschieden. Ohnehin gibt es nur in der deutschen Sprache zwei Begriffe für das Phänomen – in allen anderen Sprachen ist nur ein Begriff bekannt: Pilgrimage, pélerinage, pellegrinaggio, peregrinaje, peregrinação usw.

 

Was macht das Pilgern zum Pilgern?

  1. Es geht um eine Bewegung, einen Ortswechsel. PilgerInnen suchen das Fremde, das Neue und Unbekannte, ja auch die Überraschung. Sie wollen durch die Begegnung mit ihr sich selbst neu entdecken und kennenlernen.
  2. Um das Fremde zu suchen, muss man weggehen von der Heimat, von der eigenen Gemeinschaft. Heimatlose NomadInnen sind keine PilgerInnen. Pilgernde wissen, wo sie (im Alltag) hingehören.
  3. 3) Jeder Pilgerweg hat ein Ziel. Der Weg selbst ist nicht das Ziel, sondern wird durch das Ziel erst zum Pilgerweg. Denn die Ausrichtung auf das Ziel zwingt PilgerInnen, viele sehenswerte Orte links und rechts vom Weg liegen zu lassen. Der Pilgerweg engt ein – und richtet die Aufmerksamkeit ganz in eine Richtung aus. Vagabundierendes Umherstreifen ist kein Pilgern.
  4. Auch wenn Pilgernde die Heimat verlassen und sich ganz auf das Ziel ausrichten, bleiben sie in ihrem Inneren mit der Heimat verbunden. Zwischen ihnen und den Daheimgebliebenen, aber auch zwischen ihnen und den Menschen entlang des Weges, bei denen sie Nahrung, Obdach und Hilfe finden, besteht ein festes Band. Pilgernde erfahren sich getragen.
  5. Pilgerwege kann man nicht machen, sie müssen wachsen. Sie entstehen nicht dadurch, dass ein Touristikbüro Markierungen an die Wegkreuzungen hängt, sondern dadurch, dass zahllose Menschen sie gegangen sind und als heilsam erlebt haben. Pilgerwege atmen Geschichte und (Lebens-) Geschichten. 

Rast am Pilgerweg.

 

Am Anfang einer Pilgerfahrt steht vielleicht nur ein vages Gefühl, dass das bisherige Leben nicht genügt, dass es mehr Leben geben muss als das, was man schon erfahren hat. Und dann beginnt das Abenteuer der Wallfahrt. Wer aufbricht, weiß nicht, wie ihn der Weg verändern wird. Wallfahren ist gefährlich, denn es nimmt einem die Kontrolle über das eigene Leben aus der Hand. Mit Pilgernden passieren Dinge, die sie so nicht erwartet oder gesucht haben und die doch sehr heilsam sein können. Wer in diesem Sinne eine oder mehrere Wochen gepilgert ist, wird spüren: Auf dem Weg ist eine Macht gegenwärtig, die sich geheimnisvoll entzieht. Und die doch bergend, schützend, wohltuend ist. Für Menschen, die das spüren, ist der Pilgerweg zum spirituellen Weg geworden.

 

Alles zum Thema "Pilgern" aus der Diözese Linz

 

Quellenangabe:

Rosenberger, Michael: Vertiefende Informationen unter: www.wallfahrtsservice.de/nachgefragt/

 

(iu)

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