Dankbarkeit alleine reicht nicht aus. Erntedank ruft auch zur Solidarität auf.
Gedanken von Bischof Manfred Scheuer

Dankbarkeit alleine reicht nicht aus. Erntedank ruft auch zur Solidarität auf.
Gedanken von Bischof Manfred Scheuer
Dankbarkeit für die Gaben der Schöpfung
Die Tradition des Erntedanks reicht bis in die Antike zurück. Schon im Römischen Reich, im antiken Griechenland und in Israel waren Rituale zum Dank für die Ernte bekannt. Auch die biblischen Wurzeln des Festes liegen im Alten Testament: Kain und Abel bringen Gott Opfer aus ihrer Ernte beziehungsweise ihrer Herde dar (Genesis 4). Diese Tradition des „Erstlingsopfers“ wurde im Christentum weitergeführt. In der römisch-katholischen Kirche ist das Erntedankfest seit dem 3. Jahrhundert belegt.
Das Erntedankfest in seiner heutigen Form geht jedoch auf einen bäuerlichen Brauch zurück, den die Kirche im 18. Jahrhundert aufgegriffen hat. Nach Abschluss der Erntearbeiten überreichten Gesinde und Erntearbeiter den Bauern einen Kranz aus geflochtenem Getreide. Als Zeichen der Anerkennung und Freude über die eingebrachten Früchte wurde gemeinsam gefeiert. Daraus entwickelte sich das Erntedankfest, wie es heute in vielen Pfarren und Pfarrgemeinden begangen wird.

Foto: Diözese Linz / Jack Haijes
Im Mittelpunkt steht dabei die Dankbarkeit. Erntedank erinnert daran, dass Nahrung, Gesundheit, Gemeinschaft und die Früchte der Erde nicht selbstverständlich sind. Das Fest macht bewusst, wie sehr wir von der Schöpfung, vom Einsatz vieler Menschen und von einem verantwortungsvollen Umgang mit den natürlichen Ressourcen abhängig sind. Dankbarkeit verbindet sich daher mit der Verantwortung für die Bewahrung der Schöpfung, für nachhaltiges Handeln und für einen gerechten Umgang mit den Gütern dieser Welt.
Das Erntedankfest bezieht sich auf kein konkretes Ereignis der Heilsgeschichte und gehört daher nicht zum offiziellen Kirchenjahr. Einen verbindlichen Termin gibt es nicht. In vielen Pfarren wird es jedoch am ersten Oktoberwochenende gefeiert. Die Gottesdienste sind häufig mit einer Segnung der Erntegaben, einer feierlichen Prozession und der Eucharistie verbunden.
So ist Erntedank bis heute mehr als die Erinnerung an eine erfolgreiche Ernte. Es ist ein Fest der Dankbarkeit, der Gemeinschaft und der Wertschätzung für die Gaben der Schöpfung, die unser Leben täglich tragen.
Die Erntekrone und ihre Symbolik
Zur Feier des Erntedanks werden die Kirchen mit Getreide, Früchten, Gemüse, Blumen und Brot geschmückt und gesegnet. Das zentrale Symbol des Erntedankfests ist die Erntekrone, die sich aus dem Kranz der Erntehelfer entwickelt hatte. Die Krone ist Ausdruck des Dankes für die Ernteerträge sowie ein Zeichen der Anerkennung für die harte Arbeit in der Landwirtschaft.

Foto: Diözese Linz / Frauenkommission / Laurenz Kaiser
Erntekronen werden aus geflochtenen Getreideähren gebunden und mit Feldfrüchten und Bändern dekoriert. Ihre vier Arme symbolisieren die vier Jahreszeiten und stehen auch für Hoffnung, Glaube, Sorge und Dank. Mancherorts werden auch sechsbögige Erntekronen verwendet. Der Kranz, der die Arme verbindet, symbolisiert das Jahr, das die Jahreszeiten zusammenhält, bzw. steht für den Zusammenhalt der Gemeinschaft und auch für die Ewigkeit ohne Anfang und Ende. Das Kreuz an der Spitze der Krone verbindet den landwirtschaftlichen Dank mit dem christlichen Glauben.
Das aufwändige Binden der Erntekronen ist eine Gemeinschaftsarbeit. In den meisten Gemeinden sind die Mitglieder der örtlichen Landjugend für die Gestaltung der Erntekrone verantwortlich. Im Rahmen der Erntedankprozession werden sie zur Kirche gebracht. Dort stehen sie während des Gottesdienstes häufig neben den Gaben am Altar oder werden aufgehängt. Im Rahmen des Gottesdienstes werden vielerorts auch kleine Getreidesträußchen verteilt, die später auf Feldern oder Gräbern in die Erde gesteckt werden.
Erntedankfeiern in den Pfarren in Oberösterreich
Hier finden Sie eine Liste mit allen Erntedankfeiern in der Diözese Linz (vorbehaltlich, dass alle Erntedank-Gottesdienste eingetragen wurden)

Foto: Diözese Linz / Frauenkommission / Laurenz Kaiser
Alle hier ersichtlichen Gottesdienste wurden von den Pfarren der Katholischen Kirche in Oberösterreich eingetragen. Sollte Ihre Pfarre nicht aufscheinen, wurde der Gottesdienst nicht eingetragen oder es findet kein Gottesdienst statt.