Saturday 21. May 2022

Wolfgang von Regensburg (31.10.)

Ein Heiliger, der mit Äxten wirft - ist der vielleicht gar nicht so heilig?

Keine Sorge: er soll seine Axt von einem Berg ins Tal geworfen haben, um zu erfahren, wo er seine Kirche bauen soll - drum zählt das Beil zu seinen Attributen. 

Wolfgang wurde um 924 im baden-württembergischen Pfullingen als Sohn angesehener, aber dennoch armer Eltern geboren. Nach Privatunterricht bei einem Kleriker wurde Wolfgang in der Klosterschule auf der Bodenseeinsel Reichenau erzogen - sein Studienfreund Heinrich wurde im Jahr 956 Erzbischof von Trier und so folgte ihm Wolfgang und wurde Lehrer und Leiter der Trierer Domschule.

 

Ein unscheinbarer Glaubensbote als Bischof?

 

Statt für die vorgezeichnete Laufbahn als Nachfolger im Bischofsamt entschied sich Wolfgang für ein gänzlich anderes Leben: er wurde 964 in Einsiedeln (Schweiz) zum Benediktinermönch und vier Jahre später von Bischof Ulrich von Augsburg zum Priester geweiht. In den folgenden Jahren zog Wolfgang als Glaubensbote durch Noricum, bis der Passauer Bischof auf dessen Erfolge aufmerksam wurde und ihn als neuen Bischof von Regensburg vorschlug. Doch sowohl Kaiser Otto I. als auch Teile des Klerus zweifelten daran, dass der unscheinbare Wolfgang dafür geeignet sein könnte. Der Legende nach soll dann einer der Zweifler erkrankt und von Wolfgang geheilt worden sein - und so wurde Wolfgang 972 Bischof von Regensburg.

 

Heiliger Wolfgang vor der Pfarrkirche St. Wolfgang.

 

Vielseitig und umsichtig: ein gütiger und menschenfreundlicher Zeitgenosse voll sozialem Engagement!

 

In den 22 Jahren seines vielseitigen und umsichtigen bischöflichen Wirkens reformierte Wolfgang bestehende Klöster, gründete neue Stifte, förderte die Bildung und das geistliche Leben des Klerus und der Orden, vertiefte die Spiritualität und Religiosität des Volkes und kümmerte sich um die Armen, Notleidenden und Kranken.

 

Bereits zu Lebzeiten war Wolfgang wegen seiner Menschenfreundlichkeit und Güte, seiner Askese und Bescheidenheit, seiner Fürsorge und Heilkraft ausgesprochen beliebt und wurde wie ein Heiliger verehrt. Zum Heiligen wurde Wolfgang jedoch erst 1052 durch Papst Leo IX. Im Spätmittelalter zählte Wolfgang schließlich zu den bedeutendsten Heiligengestalten.

 

Sterben ist keine Schande - Erfahrungen für die eigene Todesstunde sammeln

 

Während einer Reise der Donau entlang durch Österreich zu den Regensburger Besitzungen im Osten, starb Wolfgang am 31. Oktober 994 nach Empfang der Sakramente in Pupping bei Eferding in der Kirche vor dem Altar. Auch hier rankt sich eine Legende um den Tod des beliebten Bischofs: seine Begleiter wollten den Menschen, die den Bischof beim Sterben sehen wollten, den Zutritt in die Kirche verwehren, er aber hieß ihnen, Einlass zu gewähren, denn Sterben sei keine Schande und außerdem könne man so bereits Erfahrungen für die eigene Todesstunde sammeln.

 

Wolfgangsverehrungen - nicht nur im Kloster St. Emmeram und am Wolfgangsee

 

Wolfgangs Leichnam befindet sich heute in der Wolfgangs-Krypta im Kloster St. Emmeram. Doch nicht dieser Ort allein hat große Bedeutung für Wolfgang: so wurde beispielsweise der frühere Abersee nach ihm benannt und ist heute unter dem Namen Wolfgangsee bekannt und berühmt.

 

Der Legende nach soll Wolfgang nämlich ein Einsiedlerleben am Abersee geführt haben, dem er seit seiner Missionarstätigkeit ganz besonders zugetan war. Zunächst bewohnte er dort eine Höhle und führte ein so strenges Leben, dass dies nicht einmal ein Laienbruder durchhalten konnte: in besagtem Wald soll ein Waldhelfer bei Rodungsarbeiten so großen Durst gelitten haben, dass Wolfgang eine Quelle entspringen ließ, deren Wasser später als heilend erachtend wurde.

 

Zahlreiche Orte erinnern an den heiligen Wolfgang: die Wallfahrtskapelle Falkenstein, die Kirche St. Wolfgang (die um 1500 übrigens nach Rom, Santiago de Compostela und Aachen die beliebteste Wallfahrtstätte in Europa war), die Wolfgangseiche in Thalmassing und viele andere Orte im mitteleuropäischen Raum, die Wolfgangs Namen tragen.

 

Wolfgang und der Teufel

 

Immer wieder soll Wolfgangs Einsiedlerleben durch den Teufel gestört worden sein, sodass er beschloss, eine Kirche an einem freundlicheren Ort zu bauen und zwar genau an jenem Ort, wo er die Axt, die er ins Tal warf, wiederfinden sollte. Doch viele Schwierigkeiten taten sich beim Bau der Kirche auf, sodass ihm wiederum der Teufel seine Mithilfe anbot - allerdings unter der Bedingung, dass das erste lebende Wesen, das nach der Fertigstellung die Kirche betritt, des Teufels sei: als dies ein Wolf war, soll der Teufel diesen gepackt haben und mit ihm durch die Kirchendecke entschwunden sein.

 

Ein Patron für viele?

 

Diese Legenden erklären auch Wolfgangs Darstellung im Bischofsgewand oder Benediktinerhabit mit Bischofsstab, Kirchenmodell, Axt, Wolf oder Teufel.

 

Wolfgang ist nicht nur Patron von Bayern und Regensburg, sondern unter anderem auch der Hirten, Schiffer, Holzarbeiter und Zimmerleute, Köhler, Bildhauer und unschuldig Gefangener. Angerufen wird der heilige Wolfgang unter anderem bei Schlaganfällen, Gicht, Lähmungen, Fußleiden sowie Hauterkrankungen und Hautentzündungen ("Wolf").

 

 

Weitere Literatur:
Bogner, Maximilian (2008): Der Wolfgangsweg - von Regensburg nach St. Wolfgang am Wolfgangsee. Bauer. 208 Seiten. ISBN: 978-3955510275

 

Pfarl, Peter (2013): Der Wolfgangsweg: Von Regensburg über Altötting nach St. Wolfgang am Wolfgangsee. Verlag Friedrich Pustet. 120 Seiten. ISBN: 978-3791724812

 

Lipp, Franz (1972): Das Beil des heiligen Wolfgang. In: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereines 117. S. 159-180. URL: http://www.landesmuseum.at/pdf_frei_remote/JOM_117a_0159-0180.pdf [Stand: 10/2014]

 

Weitere Links:
www.heiliger-wolfgang.de
www.wolfgangsweg.de


Quellenangaben:
Schauber, Vera / Schindler, Hanns Michael: Wolfgang von Regensburg. In: Schauber, Vera / Schindler, Hanns Michael (1993): Heilige und Namenspatrone im Jahreslauf. München: Pattloch Verlag. S. 559-560.


Schäfer, Joachim: Wolfgang von Regensburg. In: Ökumenisches Heiligenlexikon. URL: http://www.heiligenlexikon.de/BiographienW/Wolfgang.html [Stand: 10/2014]

 

(sp)

Zum Nachdenken
Sonne strahlt durch Wolke

Ein Heiliger ist einer, der durch seine Person die Menschen davon überzeugt, dass Gott lebt.

(Nathan Söderblom)

Selige und Heilige der Diözese Linz
Darstellung des Heiligen am Severinaltar in Neapel (um 1470)

Severin von Norikum (8.1.)

Mann Gottes. Diplomat mit Hirn und Herz. Nothelfer mit Weitblick. Betender Mönch. An der Zeitenwende predigt Severin...

Einblick in die Kunstaustellung im Stift St. Florian.

Florian (4.5.)

Wilhelm Neuwirth, emeritierter Propst von St. Florian, stellt anlässlich des 1700 Jahr-Gedenkens an den Tod des...

"Traum" - handschriftlich von Franz Jägerstätter.

Franz Jägerstätter (21.5.)

Der 2007 seliggesprochene Franz Jägerstätter hat durch seinen Lebensweg auch heute noch viel zu sagen.
Franz Jägerstätter. © Diözese Linz
Franz Jägerstätter -Kraftfahrzeugausbildung

Kurz-Biographie mit Zeittafel: Franz Jägerstätter 1907 - 1943

Franz Jägerstätter wird am 20. Mai 1907 in St. Radegund, Oberösterreich (Diözese Linz), als Kind der ledigen...

Franziska Jägerstätter bei der Seligsprechung

Seliger Franz Jägerstätter: Feier der Seligsprechung im Linzer Mariendom

„Wir entsprechen der Bitte,… dass … Franz Jägerstätter Märtyrer, Familienvater fortan als Seliger angerufen werden...

Franz Jägerstätter

Stimmen zur Seligsprechung Franz Jägerstätters

Der anglikanische Priester Paul Oesterreicher, Pax Christi, Bischof Manfred Scheuer, sowie der Pfarrer der...
Florian - der Film

„Florian”

aus der Reihe: CULTUS Heilige

Katholische Kirche in Oberösterreich
Diözese Linz

Kommunikationsbüro
Herrenstraße 19
Postfach 251
4021 Linz
TEL: 0732 / 7610 - 1170
FAX: 0732 / 7610 - 1175

DVR: 0029874(117)

www.dioezese-linz.at
post@dioezese-linz.at
https://www.dioezese-linz.at/
Darstellung: