Samstag 14. Februar 2026

Manfred Scheuer: 10 Jahre Bischof von Linz

Am 17. Jänner 2016 wurde Manfred Scheuer im Linzer Mariendom feierlich in sein Amt als Bischof von Linz eingeführt. In den vergangenen 10 Jahren hat er die Katholische Kirche in Oberösterreich entscheidend geprägt und gestaltet.

Auf die Frage, welche Bilanz er nach 10 Jahren als Bischof in der Diözese Linz ziehe, sagte Bischof Manfred Scheuer kürzlich in einem Interview, es sei noch nicht die Zeit, Bilanz zu ziehen – wie etwa im Sinne einer Pensionierung. „Wichtig erscheint mir eher: Was nehme ich aus zehn Jahren Vergangenheit in den Blick? Es ist die Frage: Bin ich ein liebender, ein hoffender, ein glaubender Mensch im Angesichte Gottes, im Angesichte der anderen und auch gerade der Armen gewesen?“, so der Bischof. Auf die Frage nach seinem größten Erfolg antwortete er einmal: „Vielleicht, dass ich dem einen oder anderen wohnungslosen Menschen eine Freude gemacht habe.“ Wichtig ist ihm, wie er immer wieder in Predigten und Ansprachen betont, dass durch ihn selbst und durch die Kirche mehr Liebe und Freude in die Welt kommt.

 

Einige Blitzlichter und Wegmarken aus den vergangenen 10 Jahren sollen die Anliegen von Bischof Manfred Scheuer verdeutlichen und zeigen, wie er das Bischofsamt lebt.

 

 

Amtseinführung 2016: „Ich komme alt und neu in die Diözese Linz“

 

Am 18. November 2015 war er von Papst Franziskus zum neuen Bischof von Linz ernannt worden, bereits knapp zwei Monate später, am 17. Jänner 2016, übernahm der gebürtige Oberösterreicher Manfred Scheuer mit 60 Jahren in einem feierlichen Gottesdienst im Linzer Mariendom das Bischofsamt von seinem Vorgänger Ludwig Schwarz SDB – als 14. Bischof der Diözese Linz. Ein im doppelten Sinn historisches Datum: Auf den Tag genau 34 Jahre davor, am 17. Jänner 1982, war Bischof Schwarz‘ Vorgänger Maximilian Aichern zum Bischof von Linz geweiht worden. Da Bischof Scheuer bereits im Dezember 2003 im Innsbrucker Dom zum Bischof geweiht worden war, fand keine Bischofsweihe, sondern eine Amtseinführung statt. 

Etwa 6.000 Menschen feierten trotz eisiger Kälte im Linzer Mariendom mit dem neuen Bischof.

 

Bereits in seiner Antrittspredigt wurde vieles von dem deutlich, was Bischof Manfred Scheuer charakterisiert bzw. was ihm als Bischof von Linz ein Anliegen ist: eine lebendige Gottesbeziehung mit Zeiten des Gebets, des Rückzugs und der Stille, eine wohlüberlegte, differenzierte Sicht- und Ausdrucksweise, ein ehrlicher, klarer Befund zur Kirche, ein gutes Miteinander aller durch die Taufe berufenen Christ:innen, der Dialog mit der Ökumene und der interreligiöse Dialog (besonders mit der Israelitischen Kultusgemeinde und der Islamischen Religionsgemeinde), der Dialog mit Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft und das Anliegen, jungen Menschen einen Platz zum Leben zu geben, ihnen zu sagen: Wir brauchen dich, du gehörst dazu.

 

Bericht zur Amtseinführung

 

Am 17. Jänner 2016 wurde Manfred Scheuer als Bischof von Linz in sein Amt eingeführt.

Am 17. Jänner 2026 übernahm Manfred Scheuer das Bischofsamt von seinem Vorgänger Ludwig Schwarz. 
© Diözese Linz / Hermann Wakolbinger

 

Neu-Kennenlernen der Diözese Linz: Neun Regionaltreffen 2016

 

In seiner Antrittspredigt sagte Manfred Scheuer: „Ich komme alt und neu in die Diözese Linz und nach Oberösterreich. Hier ist meine Herkunft und hier war auch meine Heimat und Zugehörigkeit. Freilich bin ich auch entwöhnt und habe anderswo meine Wurzeln geschlagen. Und so brauche ich Zeit, um hier wieder anzukommen.“ 1955 in Haibach ob der Donau geboren, hatte Manfred Scheuer seine Kindheit und Jugend in Oberösterreich verbracht. Das Theologiestudium führte ihn nach Rom, wo er am 10. Oktober 1980 zum Priester geweiht wurde. In den folgenden Jahrzehnten wirkte er als Pfarrseelsorger und Spiritual in der Diözese Linz und als Lehrender in Linz, Freiburg im Breisgau, Salzburg und St. Pölten sowie als Professor für Dogmatik und Dogmengeschichte in Trier. 2003 wurde er zum Bischof von Innsbruck ernannt und kehrte nach Österreich zurück.

 

Die Rückkehr nach Oberösterreich bedeutete also ein Neu-Kennenlernen der Diözese. Zuhören, hinhören, ins Gespräch kommen: Das war das Anliegen von Bischof Manfred Scheuer bei neun regionalen Treffen von April bis Juni 2016, bei denen er die Themen und Anliegen von haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen und die Situation in den oö. Regionen und Dekanaten kennenlernte.

 

Eins von neun Regionaltreffen im Jahr 2016 führte Bischof Manfred Scheuer nach Rohrbach.

Eins von neun Regionaltreffen im Jahr 2016 führte Bischof Manfred Scheuer nach Rohrbach. © Diözese Linz / Haijes

 

Linzer Mariendom: Neugestaltung des Altarraums und 100-Jahr-Jubiläum

 

Vorbereitungen zu einer Neugestaltung des Altarraums im Linzer Mariendom hatte es bereits unter Bischof Ludwig Schwarz gegeben. Die Ausführung der Altarraum-Neugestaltung im Linzer Mariendom nach einem Entwurf des Architekturbüros KUEHN MALVEZZI mit dem Künstler Heimo Zobernig fand unter Bischof Manfred Scheuer statt. Herzstück der Umgestaltung ist die erhöhte Altarinsel in der Vierung des Doms, auf der sich Altar, Ambo, Bischofssitz (Kathedra) und Priestersitz befinden. Alle vier Orte sind aus Jura-Kalkstein gefertigt, der in den Farben des Doms gehalten ist und aus der Nähe von Eichstätt (Bayern) stammt.

 

Am 8. Dezember 2017, dem Patrozinium des Mariendoms, weihte Bischof Manfred Scheuer den neuen Altar in der Kathedrale und segnete Ambo, Kathedra und Priestersitz. „Mit der Neugestaltung des Domes wollen wir ein starkes Zeichen dafür setzen, dass die Kirche kein Museum ist, sondern Gegenwart und Zukunft hat“, so Scheuer in seinen Predigtworten.

2024 feierte der Mariendom sein 100-Jahr-Jubiläum. Bei rund 75 Veranstaltungen von April bis Dezember 2024 konnten im Mariendom insgesamt mehr als 25.000 Gäste begrüßt werden. Das Jubiläum der größten Kirche Österreichs brachte auch die Eröffnung des angebauten Domcenters mit sich. „Ich spüre, dass der Mariendom in den letzten Jahrzehnten wieder mehr in den Herzen der Menschen angekommen ist, als dies in meiner Jugend in den 1970er-Jahren der Fall war“, schrieb Bischof Manfred Scheuer 2024 im Jubiläumsbuch für den Mariendom.

 

Bericht von der Altarweihe

 

Am 8. Dezember 2017 weihte Bischof Manfred Scheuer im Linzer Mariendom den neuen Altar.

Am 8. Dezember 2017 weihte Bischof Manfred Scheuer im Linzer Mariendom den neuen Altar. © Diözese Linz / Hermann Wakolbinger

 

 

Das Ohr bei den Menschen: Seit 2018 Visitationswochen in den Dekanaten

 

Bischof Manfred Scheuer führte eine neue Form der Pfarrvisitation ein: Jeweils eine Woche lang besucht er seit 2018 gemeinsam mit seinem Visitator:innen-Team ein ganzes Dekanat mit allen Pfarren. Neben der Begegnung mit haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen steht der Kontakt mit Menschen aller Altersgruppen vor Ort im Zentrum. 26 Visitationen gab es bisher stattgefunden, die 27. Visitationswoche findet von 1. bis 7. März 2026 im Dekanat Kallham statt.

 

Selfie mit Bischof Manfred Scheuer und Jugendlichen bei einer Begegnung im Rahmen der Dekanatsvisitation in Freistadt

Selfie mit Jugendlichen bei einer Visitation im Dekanat Freistadt. © Diözese Linz / Haijes

 

Seit 2019: Zukunftsweg der Diözese Linz

 

Als Bischof, als Priester und als Christ ist Scheuer die geistliche Dimension und Vision einer lebendigen Kirchengemeinschaft wichtig, die er in Predigten, Schriften und Büchern entfaltet. „Kirche weit denken“, unter diesem Motto steht der Zukunftsweg der Katholischen Kirche in Oberösterreich. Bischof Scheuer ist es wichtig, Kirche nicht nur weit, sondern auch tief zu denken. Einmal sagte er: „Wenn es um die Vertiefung geht, sollten wir nicht bei den Strukturen und Machtfragen steckenbleiben. Entscheidender ist die Frage: Wie können wir Gott lieben? Wie kommt mehr Liebe und Freude in die Welt?“

 

Die Auftaktveranstaltung, das erste von insgesamt vier „Diözesanforen“, fand im November 2019 im Bildungshaus Schloss Puchberg statt. Insgesamt wurden acht Themenfelder bearbeitet. Zwei Ergebnisse daraus: die Fortschreibung der Pastoralen Leitlinien für die Diözese und die Erarbeitung einer Reform der Pfarrstruktur. Beim 4. Diözesanforum am 25. Jänner 2020 empfahlen 94,5 Prozent der Delegierten Bischof Manfred Scheuer eine Umsetzung des Modells.

 

Am 4. Mai 2021, dem Gedenktag des hl. Florian, unterzeichnete Diözesanbischof Manfred Scheuer die Gesetzestexte für die Umsetzung der neuen Pfarrstruktur. Fünf Pionier-Dekanate – Linz-Nord, Braunau, Eferding, Schärding und Weyer – begannen noch im gleichen Jahr den Weg vom Dekanat zur neuen Pfarre, die jeweils aus mehreren Pfarrgemeinden besteht. Mittlerweile (Stand Jänner 2026) sind 26 der 39 neuen Pfarren gegründet worden. Ziel der neuen Struktur ist es vor allem, einen unterstützenden Rahmen für eine inhaltliche, an der Botschaft Jesu orientierte Neuausrichtung der Christinnen und Christen zu schaffen, damit Kirche im Sinne des Evangeliums auch weiterhin nah bei den Menschen und wirksam in der Gesellschaft ist. Bischof Manfred Scheuer im Diözesanblatt vom Mai 2021: „Kirchliche Strukturen sollen gute Rahmenbedingungen schaffen, damit Kirche als offene und positive Kraft in unserer Gesellschaft erlebbar ist.“

 

Neben der Territorialreform gab es auch Veränderungen auf Diözesanebene: Die früheren Ämter und Einrichtungen wurden als sieben Bereiche der Diözesanen Dienste neu strukturiert. Neu aufgestellt wurden auch die diözesanen Gremien.

 

Zum Artikel: Bischof Manfred Scheuer hat entschieden: Zukunftsweg wird umgesetzt

 

Am 1. Februar 2021 gab Bischof Manfred Scheuer bei einer Pressekonferenz, die als Livestream übertragen wurde, mit Gabriele Eder-Cakl und Slawomir Dadas den Start zur Umsetzung der Pfarrstrukturreform bekannt. 

Am 1. Februar 2021 gab Bischof Manfred Scheuer bei einer Pressekonferenz, die als Livestream übertragen wurde, mit Gabriele Eder-Cakl und Slawomir Dadas den Start zur Umsetzung der Pfarrstrukturreform bekannt. © Diözese Linz / Maria Appenzeller

 

 

Zentrale Themen und Anliegen von Bischof Manfred Scheuer 

 

Lebendiger Glaube und Spiritualität

 

Bischof Scheuers Wahlspruch lautet: „Der Geist macht lebendig“ (Joh 6,63). In einem Interview mit der diözesanen Pressestelle und der Kirchenzeitung zu seinem 70. Geburtstag sagte er: „Für mich ist der Heilige Geist der Lebensspender, der Atem, der Trost oder auch der Lebendigmacher, der Beziehungsstifter, der Vollender. Es gibt eine ganze Reihe von Bildern und Symbolen, die mit dem Heiligen Geist verbunden werden: der Wind, auch die Kraft, die Energie. Ich glaube, es ist wichtig, dass wir Gott nicht zu eindeutig definieren. Diese Bilder erschließen etwas von der Wirklichkeit Gottes, was dem Wort allein nicht möglich ist. Der Geist ist jedenfalls an Jesus gebunden. Und er ist dazu da, dass wir anderen nützen oder dass wir andere aufbauen. Er ist nie egoistisch, die Beziehung zu Jesus und die Beziehung zur Gemeinschaft ist das Entscheidende.“

 

Seine jüngste Buchveröffentlichung trägt den Titel „Mehr oder weniger? Dem rechten Maß im Leben nachspüren“ (Tyrolia 2025) und widmet sich der Frage, wie christliches Leben geht. Scheuers Überzeugung: Ein maßvolles Leben und seine spirituelle Verortung helfen, mit der Komplexität der Welt zurechtzukommen. Es ist wichtig, das Leben immer wieder neu zu ordnen und einzelne Aspekte richtig zu dosieren, um Überforderung und Verwirrung zu vermeiden.

 

Zum Bericht über die Buchpräsentation

 

Am 6. März 2025 präsentierte Bischof Manfred Scheuer sein jüngstes Buch 'Mehr oder weniger? Dem rechten Ma? im Leben nachspüren' im Linzer Priesterseminar.

Bischof Manfred Scheuer präsentierte sein Buch „Mehr oder weniger?
Dem rechten Maß im Leben nachspüren“ (Tyrolia 2025).
© Diözese Linz / Johannes Kienberger

 

 

Wacher Blick für Menschen in Not

 

Bischof Manfred Scheuer hat einen wachen Blick für Menschen in Not, die mit existentiellen Herausforderungen zu kämpfen haben: etwa sozial benachteiligte Menschen, wohnungslose Menschen und Menschen auf der Flucht. Für sie mahnt er globale Verantwortung, Mitgefühl und Solidarität ein. Ganz im Sinne von Papst Franziskus, den er häufig zitiert, sieht Manfred Scheuer es als zentrale Aufgabe der Kirche und jedes Christen bzw. jeder Christin an, auf die Not von Menschen zu schauen und sich ihrer anzunehmen. „Die Botschaft der Heiligen Schrift mutet uns zu, dass wir einander aufgetragen sind, einander Patron sind, füreinander sorgen, Verantwortung tragen, einander Hüter und Hirten sind. Das Evangelium traut uns zu, dass wir Freunde und Anwälte des Lebens sind, dass wir Lebensräume schaffen, in denen in die Enge getriebene Menschen Ja zum Leben sagen können“, formuliert Bischof Scheuer immer wieder in seinen Predigten. Denn: „Wo diese Option für die Armen, wo Barmherzigkeit verweigert wird, dort machen sich in einer Gesellschaft Kälteströme breit. Ohne Hinwendung zu den konkret Armen wird die Rede von Humanität zu einem Phantombild und zur leeren Abstraktion.“ 

 

Wallfahrt mit obdachlosen Menschen nach Vöcklabruck.

2022 führte die schon traditionelle Wallfahrt mit obdachlosen Menschen nach Vöcklabruck. © Caritas

 

 

Ökumene und interreligiöser Dialog

 

Bereits in seiner Predigt zur Amtseinführung bekannte sich „Ökumene-Bischof“ Manfred Scheuer zum ökumenischen Miteinander der christlichen Kirchen. Innerster Auftrag der Ökumene sei „die schöpfungstheologisch begründete Ethik, der Schrei nach Gerechtigkeit, die Sorge um den Erhalt der Lebensmöglichkeiten und der Widerstand gegen Gewalt“, sagte er damals.

 

Als großes persönliches Anliegen bezeichnete Scheuer am Tag seiner Amtseinführung am 17. Jänner, der traditionell auch als „Tag des Judentums“ begangen wird, den interreligiösen Dialog, etwa mit der Israelitischen Kultusgemeinde und der Islamischen Religionsgemeinde, denn, so Scheuer: „Nur durch tragfähige Kontakte im interreligiösen Dialog und durch gelebte Toleranz kann gemeinsames Leben gelingen und ein friedliches Miteinander möglich werden.“

 

Manfred Scheuer ist in der Österreichischen Bischofskonferenz für die Ökumene und die Kontakte zum Judentum verantwortlich. Darüber hinaus ist er Mitglied und Vorsitzender der Ökumene-Kommission. Außerdem ist Scheuer stellvertretender Vorsitzender im Ökumenischen Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ).

 

Auch in der Diözese Linz pflegt der Bischof den Austausch mit anderen christlichen Kirchen und Religionsgemeinschaften. Eine Besonderheit und ein österreichweites Novum war das „Gemeinsame Wort“, das Bischof Manfred Scheuer und Superintendent Gerold Lehner im Jahr 2017 anlässlich 500 Jahre Reformation verfassten. Der Bischof äußert sich auch regelmäßig zum „Tag des Judentums“ und an anderen Gedenktagen und unterstreicht dabei die Bedeutung der jüdischen Religion für das Christentum.

 

Beitrag zum "Gemeinsamen Wort" 

 

Eine Besonderheit und ein österreichweites Novum war das 'Gemeinsame Wort', das Bischof Manfred Scheuer und Superintendent Gerold Lehner im Jahr 2017 anlässlich 500 Jahre Reformation verfassten.

V. l.: Dr. Manfred Scheuer (Diözesanbischof der römisch-katholischen Diözese Linz), Dr.in Hannelore Reiner (Oberkirchenrätin i. R. der Evangelischen Kirche A. B. in Österreich), Dr. Gerold Lehner (Superintendent der Evangelischen Kirche A. B. in Oberösterreich) und Univ.-Prof. Dr. Franz Gruber (Rektor der Katholischen Privat-Universität Linz) mit dem gedruckten „Gemeinsamen Wort“. © Diözese Linz / Kraml

 

Gedenkarbeit und Erinnerungskultur

 

Zu Scheuers geistlicher Vision gehört auch, dass die Botschaft Gottes in kritischer und solidarischer Zeitgenossenschaft zu den Menschen getragen wird. Dazu zählt für ihn vor allem die Einmahnung einer Erinnerungskultur in der Gesellschaft. Manfred Scheuer war – noch während seiner Innsbrucker Zeit – Postulator im Seligsprechungsprozess von Franz Jägerstätter, der aus Glaubens- und Gewissensgründen nicht für das NS-Regime in den Krieg ziehen wollte und daher hingerichtet wurde (seine Seligsprechung erfolgte am 26. Oktober 2007). Unter seiner Ägide – Scheuer ist Magnus Cancellarius der Katholischen Privat-Universität Linz – wurde das Franz und Franziska Jägerstätter Institut an der KU gegründet.

 

Die Gedenkarbeit auch für andere Märtyrer und Opfer, insbesondere des NS-Regimes (etwa Matthias Spanlang und P. Engelmar Unzeitig), ist dem Bischof ein großes Anliegen. So wurde etwa auf sein Betreiben hin eine Publikation von Leidenszeugen der NS-Zeit im Bischofshof verfasst. Scheuer unterstützte auch die Erstellung des „Gedächtnisbuchs Oberösterreich“ zur Erinnerung an Widerstand und Verfolgung erstellt, das kontinuierlich ergänzt wird. Bischof Scheuer vertritt die Österreichische Bischofskonferenz im Mauthausen-Komitee Österreich und im Kuratorium des Nationalfonds für Opfer des Nationalsozialismus.

 

Der wichtigste Beitrag des christlichen Glaubens für eine Kultur der Erinnerung sei das Wachhalten der Frage nach den Toten und ihrem Geschick, schrieb Bischof Scheuer im Vorwort zu seinem Buch „Kraft zum Widerstand. Glaubenszeugen im Nationalsozialismus“ (2017, Tyrolia Verlag). „Christen erinnern sich der Toten, nicht damit sie leben, sondern weil sie leben … In der ‚memoria passionis‘ geht es um die Verweigerung, sich damit abzufinden, dass die Toten in alle Ewigkeit tot bleiben, die Besiegten besiegt und die Durchgekommenen und Erfolgreichen in alle Ewigkeit oben bleiben.“

 

Präentation des Gedächtnisbuches OÖ mit Bischof Manfred Scheuer

Präsentation des Gedächtnisbuches OÖ im Mai 2024 im Schlossmuseum Linz. © Diözese Linz / Johannes Kienberger

 

 

Kunst

 

Auch die Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst prägt die Arbeit von Bischof Scheuer, was sich nicht zuletzt an wechselnden Ausstellungen im Bischofshof zeigt (seit 2018, derzeit Heribert Friedl). Bleibendes Zeichen ist dort die unter Scheuer entstandene neue Kapelle, gestaltet von Alfred Haberpointner. Darüber hinaus war Scheuer Impulsgeber für Publikationen zu Kunst und Kirche, die vom Fachbereich Kunst und Kultur herausgegeben wurden. Bei der Präsentation von „Kunst und Kirche. Stachel und Trost“ im Juli 2022 sagte Scheuer: „Kunst und Kultur entspringen der menschlichen Sehnsucht, nach dem Mehr des Daseins zu fragen. Man kann wohl sagen, dass in all ihren Ausfaltungen Kultur ein menschliches Lebensmittel ist, das zur Bewältigung der Wirklichkeit beiträgt.“

 

Bericht zur Eröffnung der Ausstellung von Heribert Friedl

 

Bischof Manfred Scheuer bei der Eröffnung zur Ausstellung von Heribert Friedl im Bischofshof.

Bischof Manfred Scheuer bei der Eröffnung der Ausstellung von Heribert Friedl im Bischofshof. © Diözese Linz / Johannes Kienberger

 

Lebenslauf von Bischof Manfred Scheuer

Kondolenzbuch für Bischof Maximilian Aichern
Kondolenzbuch für Altbischof Maximilian Aichern
Zukunftsweg

Visionen für die Runde 5

Kreative und vielfältige Methoden ermöglichen Zukunfts-Bilder.

Amtseinführung von Pfarrer und Pfarrvorständ:innen in der neuen Pfarre Hausruck-Ager

Amtseinführung von Pfarrer und Pfarrvorständ:innen in der neuen Pfarre Hausruck-Ager

Mit 1. Jänner 2026 erfolgte die kirchenrechtliche Gründung der neuen Pfarre Hausruck-Ager. Am 31. Jänner 2026 wurden...
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