Freitag 20. Februar 2026

Bischöfe danken Van der Bellen für "unaufgeregten Dienst" am Gemeinwohl

Im Zeichen des guten Miteinanders von Staat und Kirche und des ausdrücklichen Dankes für das Wirken von Bundespräsident Alexander Van der Bellen am Gemeinwohl hat am 4. November 2025 eine Begegnung der Bischofskonferenz mit dem Staatsoberhaupt stattgefunden.

Auf Einladung des Bundespräsidenten waren die Bischöfe im Rahmen ihrer Vollversammlung am Dienstag zu Gast in der Wiener Hofburg. Es war nach 2017, 2019 und 2023 die bereits vierte Begegnung des amtierenden Staatsoberhaupts mit den Mitgliedern der Bischofskonferenz. Für den designierten Wiener Erzbischof Josef Grünwidl und den Grazer Weihbischof Johannes Freitag, die heuer ernannt wurden, war es die erste Begegnung dieser Art. Beide wurden vom Bundespräsidenten ausdrücklich begrüßt und erneut beglückwünscht.

 

In seiner Ansprache erinnerte Van der Bellen an die zahlreichen wichtigen personellen Veränderungen in Kirche und Politik hierzulande sowie weltweit seit dem letzten Treffen vor zwei Jahren: Heute habe die Welt einen anderen Papst und einen anderen US-Präsidenten, und in Österreich gebe es einen neuen Bundeskanzler und einen neuen Wiener Erzbischof.

 

Die Begräbnisfeierlichkeiten für Papst Franziskus, bei denen er so wie Tausende andere vom Papst Abschied nehmen konnte, seien für ihn "sehr berührend und bewegend" gewesen, so der Bundespräsident. Es freue ihn, dass die Wahl von Papst Leo XIV. so positiv aufgenommen worden sei - "auch von der Katholischen Frauenbewegung, der bekanntlich Gleichberechtigung genauso wie mir und meiner Frau ein großes Anliegen ist". Vor diesem Hintergrund freue er sich schon auf die beabsichtigte erste persönliche Begegnung mit Papst Leo XIV., so Van der Bellen.

 

Austausch mit Bundespräsident Alexander Van der Bellen und seiner Frau Doris Schmidauer

Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Doris Schmidauer im Gespräch mit den Bischöfen Manfred Scheuer, Wilhelm Krautwaschl, Hermann Glettler und Benno Elbs. © Peter Lechner / HBF

 

 

Gemeinsame Herausforderungen

 

Im Blick auf die Vereinigten Staaten bereite ihm der wachsende Einfluss von nationalistisch-katholischen Kräften rund um US-Vizepräsident James David Vance Sorgen, so der Bundespräsident unter Verweis auf einen jüngst erschienenen Beitrag in der "Financial Times". Diese Sorge teilten auch die österreichischen Bischöfe, hielt der Vize-Vorsitzende der Bischofskonferenz, Bischof Manfred Scheuer, in seiner Ansprache fest. "Fragen im Zusammenhang mit Integralismus und Rechtsextremismus nehmen wir sehr ernst", betonte der Linzer Bischof in Vertretung des Bischofskonferenz-Vorsitzenden Erzbischof Franz Lackner, der am Dienstag in Salzburg das Requiem für den verstorbenen Landesrat Josef Schwaiger leitete und daher nicht an der Begegnung in der Hofburg teilnahm.

 

Die Kirche habe eine "friedensstiftende und verbindende Funktion" für Gesellschaft und Demokratie "und wir sind davon überzeugt, dass wir einen entscheidenden Beitrag leisten müssen", sagte Bischof Scheuer. Vor allem bei Fragen nach Sinn, Ethik und Wahrheit müsse und wolle die Kirche im gesellschaftlichen Diskurs bleiben. Die "größte Gefahr für die Demokratie" gehe derzeit von "Desinformation und organisierter Lüge" aus, weil dadurch jenes Vertrauen destabilisiert und zerstört werde, das für das Zusammenleben in der Gesellschaft und auch für Politik nötig sei.

 

 

Dank für "Charisma der Unaufgeregtheit"

 

Viele gesellschaftliche Probleme entstünden dadurch, dass sich einzelne Werte verabsolutieren. Freiheit und Gleichheit seien auf den verbindenden Wert der Geschwisterlichkeit angewiesen, so Scheuer unter Verweis auf die politische Werte-Trias der Französischen Revolution. "Das gemeinsame Ringen um das Gemeinwohl, um Gerechtigkeit und Friede braucht auch den Kompromiss", betonte der Stellvertretende Bischofskonferenz-Vorsitzende unter bewusster Bezugnahme auf die jüngste Ansprache des Bundespräsidenten zum Nationalfeiertag am 26. Oktober. Die Bischofskonferenz wolle ihm, Van der Bellen, "ein Wort des Dankes" aussprechen: "für den Einsatz für das Miteinander, für das Charisma der Unaufgeregtheit gerade in Phasen der Empörung und für das Wirken für die Republik".

 

Der Vize-Vorsitzende der Bischofskonferenz erinnerte in diesem Zusammenhang an den Europapolitiker Robert Schuman (1886-1963), der allen Verantwortungsträgern drei Haltungen empfahl: "Entdramatisieren, Humor bewahren und die Schläge, die man bekommt, nicht erwidern." Scheuer abschließend an den Bundespräsidenten: "Danke, alles Gute und Gottes Segen!"

 

Begegnung der Mitglieder der Österreichischen Bischofskonferenz mit Bundespräsident Alexander Van der Bellen am 4. November 2025 in der Wiener Hofburg

Begegnung der Mitglieder der Österreichischen Bischofskonferenz mit Bundespräsident Alexander Van der Bellen am 4. November 2025 in der Wiener Hofburg. © Peter Lechner / HBF

 

 

Bischof Scheuer: "Der Mensch ist dem Menschen von Natur aus Freund"

 

Die viertägige Vollversammlung der Österreichischen Bischofskonferenz in Wien dauert noch bis Donnerstag, 6. November 2025. Am Dienstagnachmittag fand ein Austausch der Bischöfe mit den Spitzen der diözesanen Caritas-Organisationen im Wiener Erzbischöflichen Palais statt.

 

Liturgischer Höhepunkt der Vollversammlung war ebenfalls am Dienstag ein abendlicher Festgottesdienst um 18 Uhr im Stephansdom, zu dem alle Gläubigen eingeladen waren. Der Feier stand Erzbischof Franz Lackner vor; die Predigt hielt Bischof Manfred Scheuer.

 

Der Linzer Bischof rief in seinen Worten zu Empathie, Solidarität und gesellschaftlicher Verantwortung auf. Der Mensch sei "dem Menschen von Natur aus ein Freund", betonte Scheuer in Anlehnung an das biblische Bild des "guten Hirten" und verteidigte die Fähigkeit zum Kompromiss, der "weder faul noch feige, sondern Ausdruck des Willens zum Miteinander und zur Versöhnung" sei. Kritik übte er hingegen an einer "Globalisierung der Gleichgültigkeit" als Folge einer Wohlstandskultur, die unempfindlich gegen das Leiden anderer mache in der Haltung eines "es betrifft uns nicht, es interessiert uns nicht, es geht uns nichts an".

 

Ein dauerhafter Friede sei jedoch "ohne Gerechtigkeit, ohne den Schutz der Menschenrechte, ohne Freiheit und ohne die Achtung des Rechts" nicht möglich, betonte der Linzer Diözesanbischof und stellvertretende Bischofskonferenz-Vorsitzende. Angesichts von 80 Jahren Frieden und Demokratie in Österreich "sollten wir nicht zu denen zählen, die dem Faszinosum des Gegeneinanders, des Konfliktes und des Krieges nachtrauern", so Scheuer. Friede, Demokratie und Sozialpartnerschaft seien kein Verdienst der Nachgeborenen, sondern ein "kostbares Gut", das bewahrt werden müsse.

 

"Hüter und Anwalt des Lebens"

 

In seiner Predigt unter dem Titel "Der Wolf und der Hirte" nahm Bischof Scheuer philosophische und gesellschaftliche Grundfragen in den Blick. Der Mensch sei nicht - wie der Philosoph Thomas Hobbes (1588-1679) es beschrieben habe - von Natur aus ein Wolf für den anderen ("Homo homini lupus"), sondern "zur Kooperation, zur Freundschaft und zur Verantwortung füreinander berufen". Gesellschaftlicher Zusammenhalt entstehe somit nicht durch Abgrenzung, sondern durch Mitgefühl und Bereitschaft, "Hüter des Lebens" zu sein.

 

Als einen "modernen Pranger des 21. Jahrhunderts" bezeichnete Scheuer aktuelle Spaltungs- und Empörungskultur-Tendenzen in sozialen Medien, wo Menschen verurteilt und bloßgestellt werden würden. Ähnlich kritisch betrachtete er sogenannte "Blasen", in denen eine Haltung der Selbstgerechtigkeit, "Mitleid mit sich selbst" und eine "Hermeneutik des Verdachts", die das gesellschaftliche Klima vergifte, vorherrsche. "Haltungen, die nur auf Distanz gehen und sich heraushalten, wie die Rollen des Zuschauers, des reinen Beobachters, der bloßen Kritik ohne Solidarität, des Zynikers ohne Ehrfurcht, des Richters von außen... kommen aus der eigenen Blase, aus der Bubble nicht heraus", so das Fazit Scheuers.

 

Die Verwundbaren der Gegenwart

 

Mit Bezug auf den Philosophen Ernst Bloch (1885-1977) und den Feldkircher Bischof Benno Elbs mahnte Scheuer, Kälte und Gleichgültigkeit gegenüber Leidenden zu überwinden. "Wir dürfen niemals vergessen, wozu Menschen fähig sind, wenn sie aufhören, die Weltmuttersprache, die Empathie, zu sprechen", zitierte Scheuer Elbs.

 

Ein tragfähiges Miteinander entstehe nur durch persönliche Begegnung und Nähe zu jenen, "die verwundet, verwaist oder vergessen sind". Als Beispiele nannte der Linzer Bischof die Verwundbaren der Gegenwart, die nicht die materiellen und psychischen Ressourcen hätten, wie Armutsgefährdete, Pflegebedürftige oder Flüchtlinge. "Ohne Berührung mit der Not kommen wir nicht zu einem tragfähigen Miteinander, zu Kooperation in der Gesellschaft und in der Kirche", erinnerte Scheuer.

 

Bischof Manfred Scheuer

Bischof Manfred Scheuer hielt die Predigt beim Festgottesdienst. © Kathpress

 

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