„Plötzlich war ich derjenige, der Trost brauchte"
„Ich war es gewohnt, anderen Trost zu spenden“, betonte Bischofsvikar Johann Hintermaier. Und plötzlich sei er es gewesen, der Trost brauchte. Hintermair schilderte in seinem Vortrag eindringlich, wie Krankheit das Selbstbild erschüttert. Der gewohnte Alltag, die berufliche Rolle, selbst der Glaube – alles werde fragil. „Es ist, als ob dir der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Und du musst lernen, auf neuem Grund zu stehen.“
Bischofsvikar Hintermaier: In der Kranheit tiefe Hoffnung gefunden
Doch in dieser Erschütterung habe sich auch etwas Kostbares gezeigt: eine neue, tiefere Form von Hoffnung. Nicht jene naive, die Heilung erzwingen will, sondern eine Hoffnung, „die bleibt, auch wenn das Ergebnis ungewiss ist“.
Besonders eindrucksvoll war seine Reflexion über die doppelte Rolle des Priesters: als Seelsorger und als Patient. „Ich habe gemerkt: Meine Seele braucht genauso Pflege wie mein Körper.“ Er sprach von der Bedeutung kleiner Gesten – eines Zuhörens, einer Hand auf der Schulter, eines Blicks, der sagt: „Du bist nicht allein.“ Diese Erfahrungen hätten sein Verständnis von Seelsorge verändert. Heute sehe er sich nicht mehr nur als Begleiter anderer, sondern auch als Lernender im Umgang mit eigener Verletzlichkeit.
Heilende Beziehungen
Hintermaier plädierte dafür, dass Krankenhäuser und Betreuungseinrichtungen wieder stärker auf die seelischen Dimensionen des Heilens achten sollten. Medizinische Kompetenz sei unverzichtbar, aber sie genüge nicht allein. „Was heilt, ist Beziehung – die zwischen Arzt und Patient, Pflegerin und Leidendem, Mensch und Mensch.“ Zum Schluss zitierte er einen Satz, der im Publikum nachhallte: „Ich habe nicht gelernt, den Tod zu besiegen, sondern das Leben zu bejahen – mitten in der Krankheit.

Johann Minihuber (Geschäftsführer Barmherzige Schwestern Linz und Geschäftsführer Oö. Ordensspitäler Koordinations GmbH), Dietbert Timmerer (Holding Vorstand der Kreuzschwestern Europa Mitte GmbH), Gesundheitsreferentin LH-Stv. Christine Haberlander, Bischofsvikar Johann Hintermaier, Prior Thomas Väth (Prior Barmherzige Brüder Krankenhaus Regensburg) und Direktor Peter Ausweger (Provinzverwaltung | Gesamtleiter Barmherzige Brüder Ordensprovinz Europa Mitte) © Oö-Ordensspitäler
Patient:innen im Zentrum von Medizin und Pflege
Wie können in den mittlerweile hochtechnologisierten Krankenhäusern Werte, Bedürfnisse und Vorstellungen von Patientinnen integriert werden? Dieser Frage stellte sich der 23. Internationale Kongress der oö. Ordensspitäler, der sich dem Thema „Patient:innen im Zentrum von Medizin und Pflege" widmete. Nahezu 500 Personen aus dem Gesundheits- und Sozialwesen – unter ihnen zahlreiche leitende Akteure – nahmen daran teil – entweder in Präsenz oder online. Begrüßt wurden sie von Sr. Cordula Kreinecker, der Generaloberin der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul. Die Grußworte sprachen Gesundheitsreferentin LH-Stv. Christine Haberlander und Bischof Manfred Scheuer.

V. l.: Bischof Manfred Scheuer, Sr. Cordula Kreinecker (Generaloberin der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul), Gesundheitsreferentin LH-Stv. Christine Haberlander, Johann Minihuber(Geschäftsführer Barmherzige Schwestern Linz und Geschäftsführer Oö. Ordensspitäler Koordinations GmbH) © Oö.-Ordensspitäler
Bischof Scheuer: „Den Menschen beistehen"
„Der Weg der Kirche ist der Mensch“, zitierte Bischof Manfred Scheuer die Worte von Papst Johannes Paul II., welche dieser im Hinblick auf Arbeit und Wirtschaft, auf Wissenschaft und Technik formuliert. Das gelte, so der Bischof, auch für das Gesundheitswesen: „Es geht im Gesundheitswesen darum, den Menschen in „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst“ beizustehen, sie zu begleiten und in eine je größere Fülle des Lebens führen [„Gaudium et spes 1“] . Krankenanstalten stehen im Dienst an der Fülle des Lebens angesichts der Bedrohung des Lebens durch Entfremdung, Vereinsamung, Krankheit und Tod.
„Es wäre höchst unverantwortlich und auch unvernünftig, die Schulmedizin zu verachten", so der Bischof weiter. Es wäre aber auch eine Reduktion, in der Krankheit nichts anderes als eine Fehlleistung der Maschine Mensch zu sehen und die Heilung als die Reparatur eines Defektes zu verstehen oder Pflege rein ökonomisch zu sehen: „Für Gesundheit und Gesundung braucht es ein schöpferisches und konstruktives Miteinander von Medizin, Wissenschaft, Technik, IT, Ökonomie, aber auch von Pflege, von Selbstverantwortung der Patienten, von der Sorge um die Seele und den Humor. Nicht minder entscheidend ist der wertschätzende Umgang, der Res-pekt aller Beteiligten untereinander wie auch das professionelle und persönliche Miteinander.








