Friday 3. February 2023

25 Jahre Allianz für den freien Sonntag Oberösterreich

Am 17. Oktober 2022 fand im Lentos Kunstmuseum Linz der Festakt zu 25 Jahre Allianz für den freien Sonntag Oberösterreich statt. Etwa 100 Gäste aus Kirche, Politik und Gesellschaft setzten damit ein Zeichen für gemeinsame freie Zeit am Sonntag.

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Vor 25 Jahren, am 27. November 1997, wurde in Oberösterreich die erste Allianz für den freien Sonntag gegründet – ein gemeinnütziger und überparteilicher Zusammenschluss von Politik, Kultur, Kirchen, Gewerkschaften und Zivilgesellschaft mit dem Ziel, gemeinsam für den Erhalt des arbeitsfreien Sonntags einzustehen. In der Erklärung der Oberösterreich-Allianz von 1997 ist zu lesen: „Der arbeitsfreie Sontag stellt für alle Gruppierungen, die im kulturellen, religiösen, sportlichen, sozialen und politischen Bereich tätig sind, eine unverzichtbare Grundlage dar. Die Ausweitung der Sonntagsarbeit in gesellschaftlich nicht notwendige Bereiche bedeutet einen gravierenden Einschnitt in das Gefüge der Gesellschaft.“


Das Beispiel Oberösterreichs machte österreichweit Schule: Alle österreichischen Landesregierungen nahmen den arbeitsfreien Sonntag in die Verfassung auf. Im Jahr 2001 kam es zur Gründung der österreichischen Allianz für den freien Sonntag. Die Idee einer gesellschaftlichen Allianz zur Erhaltung bzw. zur Wiedererlangung des arbeitsfreien Sonntags ging schon bald über die Grenzen Österreichs hinaus, sodass es mittlerweile in Deutschland, Polen und der Slowakei Allianzen gibt. Am 18. Februar 2011 wurde schließlich die Europäische Sonntagsallianz gegründet. Gemeinsames Ziel ist es, öffentliches Bewusstsein für die Bedeutung des gesellschaftlichen Werts gemeinsamer freier Zeit zu schaffen. Damit soll dem Trend entgegengewirkt werden, dass alle Lebenszeit zu Arbeits- und Konsumzeit wird.


Bei der Festveranstaltung am 17. Oktober 2022 im Lentos Kunstmuseum Linz blickten die Gründungsmitglieder Bischof em. Maximilian Aichern und Betriebspfarrer em. Hans Gruber sowie AK OÖ-Präsident Andreas Stangl auf die Anfänge der Allianz in Oberösterreich zurück. In einer Interviewrunde mit Mitgliedern der Allianz Oberösterreich wurde die Bedeutung des arbeitsfreien Sonntags für Kultur, Bildung und Sport betont. Aktuelle Herausforderungen für Politik und Gesellschaft skizzierten Bischof Wilhelm Krautwaschl als kirchlicher Sprecher und Philipp Kuhlmann als gewerkschaftlicher Sprecher der Allianz Österreich. Grußworte sprachen Bischof Manfred Scheuer, Landeshauptmann Thomas Stelzer und Bürgermeister Klaus Luger. Den Festvortrag zum Thema „Entschleunigung“ hielt Fritz Reheis, Sozialwissenschaftler und Gründer der Deutschen Gesellschaft für Zeitpolitik. Durch den Abend führten Christian Öhler, Pfarrer von Bad Ischl („Ich arbeite nicht am Sonntag, sondern für den Sonntag“) und Sprecher der Allianz OÖ, und Anna Wall-Strasser, Vorsitzende der Katholischen Arbeitnehmer:innen Bewegung Österreich.

 

: Vertreter:innen der Mitgliedsorganisationen der „Allianz für den freien Sonntag OÖ“ feierten gemeinsam deren 25-jähriges Bestehen im Lentos Kunstmuseum Linz

Vertreter:innen der Mitgliedsorganisationen der „Allianz für den freien Sonntag OÖ“ feierten gemeinsam deren 25-jähriges Bestehen im Lentos Kunstmuseum Linz / © Diözese Linz - Kienberger

 

Klares gemeinsames Bekenntnis zum arbeitsfreien Sonntag


Bischof Manfred Scheuer betonte in seinen Grußworten, der Sonntag sei geprägt vom Ausschluss jeglicher Verzweckung und Nutzbarmachung. Daher gehe dieser Tag und das damit verbundene dritte Gebot weit über die Forderung einer allgemeinen Sonntagsruhe im Sinne des Geschlossenhaltens der Geschäfte hinaus. Scheuer wörtlich: „Es ist ein Tag, an dem die Fragen nach dem Woher komme ich? Wer bin ich? Wohin gehe ich? gestellt werden. Der Sonntag ist ein Zeitzeichen, ein Signal, das Alltag, Arbeit, die tägliche Sorge und die Produktivität überschreitet und auch aufhebt – ein Tag der Befreiung und ein Tag der Freiheit. Der Sonntag ist eine Form der Muße, also eine Form der Zustimmung zur Welt und zum Leben im Ganzen, ein Tag der Orientierung, der Vergewisserung des Lebenssinns, ein Tag der Gemeinschaft, der Kultur und der Pflege gesellschaftlicher Beziehungen. Ich denke, gerade durch das Sonntagsruhegebot wird deutlich, dass die Würde des Menschen mehr ist als der Marktwert und mehr als ein Produktionsfaktor.“ Mittelfristig würde die Ausweitung der Sonntagsarbeit zu mehr Unruhe, zu mehr Stress und Fremdbestimmung führen, zeigte sich Scheuer überzeugt. Ein kulturelles und soziales Miteinander sei nicht ohne zeitliche Freiräume denkbar, die für möglichst viele Menschen verbindlich seien. Der Bischof: „Ich danke der Allianz für den freien Sonntag, dass es sie gibt – das ist ein gewaltiges Zeichen in unserer Gesellschaft. Sie hat Zeichen gesetzt, die zu mehr Freiheit, mehr Würde und mehr Selbstbestimmung führen und die auch dem Frieden dienen.“

 

Bischof Manfred Scheuer

Bischof Manfred Scheuer / © Diözese Linz - Kienberger

 

Landeshauptmann Thomas Stelzer dankte allen, die sich in den Dienst der Idee eines arbeitsfreien Sonntags und damit in den Dienst für die Oberösterreicher:innen stellen. „Die Arbeit ist ein wichtiger Teil des Lebens, sie stiftet im besten Fall Sinn und unterstützt die persönliche Würde. Zu einem guten Leben gehört auch, dass man ein Leben in Balance gestalten kann – dass man Zeiten findet, um zur Ruhe zu kommen, nachzudenken, vorauszudenken, Kraft zu schöpfen, sich umfassend der Familie zu widmen. Dafür ist der Sonntag eine ganz wichtige Zeit.“ Die Allianz sei ein Manifest gegen einen falsch verstandenen Egoismus nach dem Motto: „Es muss immer alles verfügbar sein, wenn ich es gerade will“. In Zeiten wie diesen werde spürbar, wie wichtig es sei, dass die Gemeinschaft einspringe, wenn der bzw. die Einzelne überfordert sei. Umgekehrt sei es unerlässlich, dass der bzw. die Einzelne zu dieser Gemeinschaft beitrage. Der Landeshauptmann erneuerte das Bekenntnis zur Allianz für den freien Sonntag: „Wir wollen keine ‚Rund um die Uhr‘-Verfügbarkeit. Es ist wichtig, dass wir das Grundbekenntnis zum arbeitsfreien Sonntag in unserer Landesverfassung festhalten – auch als Aufforderung, es weiter zu festigen und zu gestalten.“

 

Landeshauptmann Thomas Stelzer

Landeshauptmann Thomas Stelzer / © Diözese Linz - Kienberger

 

Bürgermeister Klaus Luger, der „Hausherr“ des Kunstmuseum Lentos, dankte allen Menschen und Organisationen, die die Allianz für den freien Sonntag in den vergangenen 25 Jahren mitgetragen haben. Die Erfolge der Allianz zeigten, was das Miteinander gesellschaftlich relevanter Kräfte bewirken könne. Es gehe nicht nur um den arbeitsfreien Sonntag, sondern „um ein grundsätzliches gesellschaftliches Anliegen, nämlich dass nicht nur Arbeitgeber über Verfügbarkeit und Einsatzbereitschaft entscheiden, sondern dass es ein klares Recht der Beschäftigten in unserem Land – auch der Selbstständigen – auf ein gemeinsames, selbstbestimmtes Leben gibt“, so Luger. Arbeit werde ein zentraler Faktor im Leben von Menschen bleiben, aber es gebe weitere, ebenso zentrale Werte: „Zeit zu haben für andere Menschen, Zeit zu verbringen mit anderen Menschen.“ Der Bürgermeister an die Anwesenden: „Ich wünsche uns allen, dass wir es schaffen, in den nächsten Jahren und Jahrzehnten, die viele Herausforderungen bringen werden, eine Arbeitswelt zu gestalten, in der der Mensch nicht reine Arbeitskraft ist.“

 

Bürgermeister Klaus Luger

Bürgermeister Klaus Luger / © Diözese Linz - Kienberger

 

Erfolgsmodell über Oberösterreichs Grenzen hinaus


Betriebspfarrer em. Hans Gruber, Gründer und ehemaliger Sprecher der Allianz für den freien Sonntag OÖ, bezeichnete sich selbst als „Geburtshelfer der Allianz“: „Im November 1996 überraschte kirchliche Entscheidungsträger während einer Versammlung im Bildungshaus Schloss Puchberg in Wels die Meldung über ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs auf Verlangen der Regierung von Großbritannien mit dem Inhalt, dass der wöchentliche freie Tag nicht der Sonntag sein müsse. Auf nationaler Ebene beschloss im März 1997 das österreichische Parlament eine weitere Sonntags-Ausnahmeregelung im Arbeitsruhegesetz.“ Angesichts eines derartigen Großangriffs auf die Sonntagsruhe brauchte es „eine Koalition all derer, denen dieser Tag heilig ist: Familien, Kirchen, Parteien, Vereine von Sport bis Blasmusik, Gewerkschaften, kleine Geschäftsleute – all jene, die Interesse daran haben, dass sich Menschen noch an einem gemeinsamen freien Tag treffen können. Denn eine Abschaffung des freien Sonntags trifft nicht nur die christlichen Kirchen, es ist ein Generalangriff auf jegliches gemeinschaftliche Leben“, so Gruber. Katholische Arbeitnehmer:innen Bewegung (KAB) und Betriebsseelsorge trieben das Projekt voran, als starke Partner wurden Gewerkschaft und Arbeiterkammer gewonnen. Zehn arbeitsintensive Monate dauerte der Aufbau einer Vernetzung zum arbeitsfreien Sonntag: Am 27. November 1997 konnte die „Allianz für den freien Sonntag“ in Oberösterreich von 30 Organisationen feierlich gegründet werden. Für Gründungsmitglied Gruber ist die Allianz für den freien Sonntag „ein zivilgesellschaftliches Erfolgsmodell, auf das wir stolz sein können – im Namen von Zeitwohlstand und Lebensqualität haben sich über ideologische Grenzen hinweg Organisationen zusammengetan, die den Sonntag als gemeinschaftlichen Tag verteidigen“.

 

Bischof em. Maximilian Aichern ist gleichermaßen der „Ahnherr“ der Allianz für den freien Sonntag. Als damaliger „Sozialbischof“ brachte er das Anliegen auch in der Bischofskonferenz ein und war dort lange Jahre der zuständige Referatsbischof. Er erinnerte sich: „Die Diskussion um den freien Sonntag ist schon sehr alt, es gab sie schon in meiner Kindheit. Auch im Sozialhirtenbrief zu 100 Jahre ‚Rerum novarum‘, den wir österreichischen Bischöfe 1990 verfasst haben, hat der arbeitsfreie Sonntag eine große Rolle gespielt – das älteste Sozialgesetz ist das dritte Gebot: Du sollst den Tag des Herrn heiligen. Es geht aber in der Gesellschaft nicht nur um den religiösen Aspekt, sondern um die notwendige Ruhe der Menschen nach Zeiten der Arbeit.“ Aichern zeigte sich dankbar, dass es gelungen sei, den arbeitsfreien Sonntag in die Verfassungen von Bund und Ländern einzuschreiben. Nach Oberösterreich hätten auch andere Diözesen eine Allianz für den freien Sonntag gegründet. Beim „Dialog für Österreich“ im Jahr 1999 in Salzburg habe es der damalige Vorsitzende der Bischofskonferenz Johann Weber zuwege gebracht, dass bei der Abstimmung der Delegierten nahezu 100 Prozent für eine Allianz auf Österreich-Ebene stimmten. 2001 wurde nach langen Diskussionen mit Sozialpartnern, Verantwortlichen aus Wirtschaft und Politik der Beschluss für die Allianz für den freien Sonntag Österreich gefasst.

 

AK OÖ-Präsident Andreas Stangl betonte, der Sonntag dürfe nicht zum Berufsalltag werden. Jenen Menschen, die an Sonn- und Feiertagen für die Grundversorgung arbeiteten, gebühre ein besonderer Dank. Stangl: „Sonntagsarbeit darf und soll in der Zukunft nur die Ausnahme von der Regel sein. Statt einer umfassenden ‚Rund um die Uhr‘-Verfügbarkeit muss die Erwerbsarbeit auf ein notwendiges Maß beschränkt und die Ausnahme bleiben. Nur gemeinsam konnten und können wir eine Aushöhlung des freien Sonntags abwehren.“ Die Allianz habe 2004 die allgemeine Sonntags-Öffnung beim Lebensmittelhandel auf dem Linzer Bahnhof verhindern und Verkaufsfläche und Sortiment beschränken können. Auch in Zukunft gelte es, gemeinsam wachsam zu bleiben. Der AK OÖ-Präsident: „Ich appelliere an den Herrn Landeshauptmann, keine Sonder-Sonntagsöffnungen zuzulassen. Und an alle Allianzmitglieder, mit der oberösterreichischen Landespolitik an einem Strang zu ziehen und die Landesverfassung ernst zu nehmen. In dieser steht: ‚Das Land Oberösterreich bekennt sich zum Sonntag und zu den staatlich anerkannten Feiertagen als Tage der Arbeitsruhe. Es achtet die mit diesen Tagen verbundenen Traditionen‘.“

 

Bischof em. Maximilian Aichern berichtete von den Anfängen der Allianz für den freien Sonntag Oberösterreich
Allianz-Gründungsmitglied Hans Gruber
AK OÖ-Präsident Andreas Stangl

© Diözese Linz - Kienberger

 

„Wir brauchen den freien Sonntag, um zu erkennen, was es heißt, Mensch zu sein“


Bischof Wilhelm Krautwaschl, als zuständiger Referatsbischof kirchlicher Sprecher der Allianz für den freien Sonntag Österreich, erinnerte an die Bedeutung von Aktion und Kontemplation für ein erfülltes Leben: Die Arbeit bedürfe einer Zielbestimmung durch Zeiten der Ruhe und Erholung – „sonst kann es zur Trennung von Arbeit und Leben, und zwar vom Leben in Fülle, kommen.“ Mit dem Sonntag müsse „ein Signal für die Notwendigkeit der Sinnfindung im Leben“ gesetzt werden, so Krautwaschl. Die Rückbindung von Arbeit und Wirtschaft in das Ganze eines gelungenen Lebens sei die erste große Herausforderung für Gesellschaft und Politik, die gerade in der Corona-Zeit bewusst geworden sein sollte. „Wirtschaft darf kein Selbstläufer sein, sondern bedarf der Besinnung auf die umfassenden Bedürfnisse der Menschen. Den Wunsch der Menschen danach sehen wir am Arbeitsmarkt deutlich“, so Krautwaschl. Als zweite Herausforderung nannte er die Frage des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Dass Gemeinschaft brüchig geworden sei, habe nicht zuletzt die Coronakrise gezeigt und beschleunigt. „Es bedarf des Treffens und der Begegnung möglichst direkter Art – und nicht nur indirekter Art über die ‚un‘sozialen Kommunikationsmittel. Man muss sich den anderen ‚antun‘, um eine Gesellschaft ohne Gräben zu gestalten. Der Sonntag als ein Tag, an dem möglichst viele die Möglichkeit der Begegnung haben, als ein Tag der gemeinsamen freien Zeit, ist ein wichtiger Faktor einer den Menschen haltenden, ihm Orientierung gebenden Gesellschaft. Die Gesellschaft braucht einen über alle Menschen geteilten Sinn, damit der Mensch mehr Mensch werden kann.“ Die dritte Herausforderung sah Krautwaschl bei der Kirche selbst: „Der Sonntag als ‚Herrentag‘ steht in besonderer Beziehung zu Jesus Christus. Er verweist auf den Mittelpunkt und den Zielpunkt christlichen Lebens. Wir müssen uns als Kirche fragen, wie wir in unserer Feier des Sonntags den Blick auf Jesus Christus offenhalten können. Wie müssen unsere Organisationsstrukturen verändert werden, um den Lebensstrukturen der Menschen von heute gerecht zu werden?“ Menschen bräuchten den Sonntag, um ihrer wahren Berufung gerecht zu werden, so Krautwaschl abschließend: „Wir brauchen den freien Sonntag, um zu erkennen, was es heißt, Mensch zu sein.“

 

Bischof Wilhelm Krautwaschl, kirchlicher Sprecher der Allianz für den freien Sonntag Österreich

Bischof Wilhelm Krautwaschl, kirchlicher Sprecher der Allianz für den freien Sonntag Österreich / © Diözese Linz - Kienberger

 

Philipp Kuhlmann, gewerkschaftlicher Sprecher der Allianz für den freien Sonntag Österreich, sah die aktuellen Herausforderungen bei der Erhaltung des arbeitsfreien Sonntags darin, „die echten Gefahren zu erkennen und den Wert dieser Zeit im Bewusstsein zu halten“. So sei etwa das oftmals genannte Argument der Konkurrenz durch den Internethandel für eine Öffnung im Handel nur ein Scheinargument: „Auch eine Öffnung am Sonntag würde an diesem Umbruch im Handel nichts ändern. 24 Stunden am Tag online verfügbar zu sein ist einfach eine andere Sache, als Geschäfte länger zu öffnen. Profitinteressen weniger Unternehmer:innen sind tatsächliche Gründe.“ Dem müsse immer wieder der Wert gemeinsamer freier Zeit für die gesamte Gesellschaft entgegengehalten werden. „Solange uns bewusst ist, dass der Sonntag für uns wichtig ist, dass der Sonntag gemeinsame freie Zeit ist, die wir als Gesellschaft und als Individuen brauchen, so lange haben wir den arbeitsfreien Sonntag. Wichtig ist auch, dass sich Menschen, die am Sonntag dankens- und notwendigerweise wertvolle Arbeit für die Gesellschaft erbringen, und jene, die am Sonntag nicht arbeiten, nicht gegeneinander ausspielen lassen.“

 

Philipp Kuhlmann, gewerkschaftlicher Sprecher der Allianz für den freien Sonntag Österreich

Philipp Kuhlmann, gewerkschaftlicher Sprecher der Allianz für den freien Sonntag Österreich / © Diözese Linz - Kienberger


Stimmen von Mitgliedern aus der Allianz zur Bedeutung des freien Sonntags


Gerda Weichsler-Hauer, Vorsitzende der Naturfreunde Oberösterreich
„Der Sonntag ist jener Tag, an dem wir Naturfreund:innen unsere Gemeinschaft pflegen und unsere Naturerlebnisse genießen können. Damit dies für die Mehrzahl unserer Mitglieder möglich ist, braucht es weiterhin einen breiten Schulterschluss für einen grundsätzlich arbeitsfreien Sonntag.“

 

Ulrike Kneidinger-Peherstorfer, Familienbeirat der Oö. Landesregierung
„Familien brauchen den freien Sonntag zur Beziehungspflege – für gemeinsame Unternehmungen, das Pflegen der Hobbys, für gemeinsames Erleben. Es braucht unverplante Zeit – Zeit für tiefgründigere Gespräche, aber auch Zeit, um ältere Menschen zu besuchen, zu sich zu holen und Zeit miteinander zu verbringen. In unserer Leistungsgesellschaft braucht es einen Tag ohne Leistungsdruck, das dient der psychischen Gesundheit.“

 

Landesrat Manfred Haimbuchner, Familienbeirat der Oö. Landesregierung
„Gemeinsame Familienzeit ist unersetzbar – nicht nur für Kinder, sondern auch für Eltern. Daher appelliere ich an alle Verantwortungsträger, den arbeitsfreien Sonntag beizubehalten, denn Sonntag ist Familienzeit. Es gibt ohnehin viele Berufszweige – beispielsweise im Gesundheitssektor –, in denen auch am Wochenende gearbeitet werden muss, um das Versorgungsgesetz aufrechtzuerhalten. All jenen, die daher auch am Sonntag arbeiten, gebührt mein herzlicher Dank.“

 

Konsulent Herbert Offenberger, Ehrenpräsident des ASVÖ Oberösterreich
„Das Wesentliche am freien Sonntag im Sportbereich ist in erster Linie die Gemeinschaft, das Teamwork in allen Bereichen. Fast alle Meisterschaftsspiele in der Gruppe oder in der Mannschaft finden an den freien Sonntagen statt. Es wäre nicht mehr möglich, all diese Tätigkeiten durchzuführen, wenn es den freien Sonntag nicht mehr geben würde. Der freie Sonntag ist natürlich auch wichtig für die verschiedenen Trainingseinheiten in der Gruppe. In diesem Sinne wünschen wir vom Sport uns auf alle Fälle auch weiterhin den freien Sonntag.“

 

Jasmine Chansri, Geschäftsführerin der Volkshilfe Oberösterreich
„Wir unterstützen als Volkshilfe die Allianz, weil der arbeitsfreie Sonntag einer der wenigen verbliebenen Ruhepole ist, an dem sich das Sozialwesen Mensch mit anderen Menschen treffen kann. Je mehr die Menschen sonntags arbeiten, umso weniger Chancen haben sie, Kontakte mit anderen zu knüpfen und zu pflegen. Statt Hetze, permanentem Druck und ständiger Erreichbarkeit braucht es gerade in Krisenzeiten wie diesen Entschleunigung und mehr Zeitwohlstand für alle.“

 

Daniela Schwabegger, Präsidentin Landesverband der Elternvereine öffentlicher Pflichtschulen OÖ
„Der freie Sonntag, an dem die meisten Arbeiten ruhen und Geschäfte geschlossen haben, bietet wertvolle Qualitätszeit für Familien. Ausschlafen, gemütlich gemeinsam frühstücken, miteinander spielen, sporteln, basteln, musizieren, Ausflüge machen, Feste feiern. Eine verlässliche Pause vom fordernden Alltag. In unserer schnelllebigen Zeit mit dem Anspruch ununterbrochener Verfügbarkeit etwas absolut Kostbares, das es unbedingt zu bewahren gilt.“

 

Landesrat Stefan Kaineder (Grüne)
„Den freien Sonntag gibt es, weil Gesetze und Verordnungen ihn schützen. Wenn sich – so wie im Oberösterreichischen Landtag – alle Parteien für diesen freien Sonntag aussprechen, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich das ändert, eher gering. Musik, Tanz, Familie und Gesellschaft brauchen eines, um zu funktionieren: einen Rhythmus. Der Sonntag gibt unserer Gesellschaft einen Rhythmus. Deshalb finde ich es sehr wichtig, dass wir den freien Sonntag bewahren.“

 

Gesprächsrunde mit Gerda Weichsler-Hauer, Ulrike Kneidinger-Peherstorfer, Herbert Offenberger, Jasmine Chansri und Landesrat Stefan Kaineder

Gesprächsrunde mit Gerda Weichsler-Hauer, Ulrike Kneidinger-Peherstorfer, Herbert Offenberger, Jasmine Chansri und Landesrat Stefan Kaineder / © Diözese Linz - Kienberger


Wohlstand an selbstbestimmter Zeit als neues Leitbild


In seinem Festvortrag meinte Fritz Reheis, Sozialwissenschaftler und Gründungsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Zeitpolitik: „Wir leiden an der Beschleunigungskrankheit. Ihre Symptome zeigen sich als Beschleunigungsfallen mit wachsendem Zerstörungspotenzial. Auf der Suche nach neuen Maßen für den Umgang mit Zeit kann die Ökologie der Zeit weiterhelfen. Sie gibt Auskunft über körperliche und psychische, soziokulturelle und naturale Eigenzeiten und Rhythmen, mit denen wir uns synchronisieren müssen.“ Therapie und Prävention könnten nicht auf individuelle Entschleunigungsmaßnahmen beschränkt bleiben, sondern müssten vielmehr vernetzt und politisch gestaltet werden sowie letztlich in eine andere, zeitbewusstere Form des Wirtschaftens münden, so Reheis. Nur so werde nachhaltige Resonanz mit der Natur, den Mitmenschen und mit sich selbst möglich. Der Sozialwissenschaftler: „Die Formel ‚Zeit ist Geld‘ hat uns in eine Sackgasse geführt. Die Neuausrichtung von Fortschritt erfordert ein neues Leitbild für Wohlstand. An die Stelle der grenzenlosen Steigerung des materiellen Wohlstands muss der Wohlstand an selbstbestimmter Zeit treten.“
Ein entscheidendes Element der Ökologie der Zeit ist für Reheis die Pause: Kaum ein Lebewesen sei ohne Unterbrechung aktiv. Beim Menschen diene die Pause zusätzlich zum geistigen Innehalten, zur Reflexion. „Eine Kultur der Reflexion ist unverzichtbar, wenn der Mensch seine immer weiter reichenden und immer schneller aufeinander folgenden Eingriffe in die Welt auch begreifen und kontrollieren will“, zeigte sich Reheis überzeugt.

 

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Mitglieder der Allianz für den freien Sonntag Oberösterreich


Arbeitnehmereinrichtungen:
Arbeiterkammer OÖ | Österreichischer Gewerkschaftsbund OÖ 

 

Bildungsbereich:
Landesverband der OÖ. Elternvereine an Höheren und Mittleren Schulen | OÖ. Landesverband der Elternvereine an öffentlichen Pflichtschulen | Verband der OÖ Volkshochschulen

 

Familienorganisationen:
Familienbeirat der Oö. Landesregierung | OÖ Familienbund | OÖ Kinderfreunde | Katholischer Familienverband

 

Kirchliche Einrichtungen:
Evangelische Kirche OÖ | Evangelische Frauenarbeit OÖ | Evangelische Jugend OÖ | Forum für das Laienapostolat der Diözese Linz | Katholische Kirche in Oberösterreich | Katholische Aktion Oberösterreich | Katholische Jugend und Jungschar der Diözese Linz | Ordenskonferenz der Diözese Linz

 

Kultur- und Freizeitorganisationen:
Alpenverein – Landesverband OÖ | Naturfreunde – Landesgruppe OÖ | OÖ Forum Volkskultur, ARGE der volkskulturellen Landesverbände OÖ | Migrare

 

Politische Parteien:
Die Grünen OÖ | Freiheitliche Partei Österreichs Landesorganisation OÖ | Österreichische Volkspartei Landesorganisation OÖ | Sozialdemokratische Partei Österreichs | Landesorganisation OÖ

 

Rettungseinrichtungen und Hilfsorganisationen:
Arbeiter Samariterbund OÖ | OÖ Hilfswerk | Rotes Kreuz OÖ | Volkshilfe – Landesorganisation OÖ | Feuerwehrkommando OÖ

 

Sportorganisationen:
Allgemeiner Sportverband OÖ – ASV | ARGE für Sport und Körperkultur OÖ – ASK | Forum Kirche und Sport Turn- und Sportunion OÖ - UNION

 

Informationen zur Allianz für den freien Sonntag Österreich:
https://www.freiersonntag.at/

Katholische Kirche in Oberösterreich
Diözese Linz

Kommunikationsbüro
Herrenstraße 19
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4021 Linz
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