Saturday 1. October 2022

Pfarrgemeinderatswahl 2022: Lebendige Kirche am Ort ist den Menschen ein Anliegen

In den meisten der 486 oö. Pfarren wurde am Sonntag, 20. März 2022 der Pfarrgemeinderat gewählt. Das vorläufige Endergebnis zeigt, dass vielen KatholikInnen das Engagement für eine lebendige Kirche am Ort ein Anliegen ist.

Am Sonntag, 20. März 2022 haben Oberösterreichs KatholikInnen ihre VertreterInnen in die Pfarrgemeinderäte (PGR) gewählt. Die PfarrgemeinderätInnen werden in den kommenden fünf Jahren mit ihrem ehrenamtlichen Engagement Vielfalt und Lebendigkeit in den oberösterreichischen Pfarren gewährleisten. Die gewählten Frauen und Männer aller Altersgruppen gestalten das Leben und die Entwicklung ihrer Pfarrgemeinde wesentlich mit.

 

Rund 7.000 Menschen stellten sich am 20. März 2022 der Wahl zum Pfarrgemeinderat. Bei einem Auszählungsgrad von 86 Prozent gibt es ein vorläufiges Endergebnis: Fast 100.000 Wahlberechtigte haben in den bisher ausgezählten Pfarren ihre Stimme bei der Pfarrgemeinderatswahl in Oberösterreich abgegeben und knapp 4.800 PfarrgemeinderätInnen gewählt. Die prozentuelle Wahlbeteiligung liegt damit bei rund 16 Prozent – etwa jede/r sechste Katholik/in hat sich an der Wahl beteiligt. Die Diözese Linz liegt damit im Österreich-Ranking hinter den Diözesen Eisenstadt (20 Prozent) und St. Pölten (18 Prozent) auf Platz 3. „Dieses Ergebnis ist eine gute Rückendeckung für die neuen PfarrgemeinderätInnen. Wir können mit dieser Pfarrgemeinderatswahl zufrieden sein“, sagt Mag.a Beate Schlager-Stemmer, Referentin für Pfarrgemeinderäte in der Abteilung Pfarrgemeinde und Spiritualität.

 

Die Wahlergebnisse wurden in den einzelnen Pfarren meist schon am Wahlsonntag ausgehängt bzw. auf der Website präsentiert. Bis vor Ostern können die Pfarren ihre Ergebnisse an die Abteilung Pfarrgemeinde und Spiritualität einmelden. Nach der Wahl finden bis 1. Mai die konstituierenden Sitzungen statt, bei denen die Pfarrgemeinderatsobleute, deren StellvertreterInnen und SchriftführerInnen gewählt werden.

 

Eine junge Familie bei der Pfarrgemeinderatswahl in der Stadtpfarre Braunau

Eine junge Familie bei der Pfarrgemeinderatswahl in der Stadtpfarre Braunau. © Herbert Fink / Stadtpfarre Braunau. 

 

 

Pfarrgemeinderäte erhöhen die Mitgliederzahl

 

Bemerkenswert ist, dass die Pfarrgemeinderäte ihre Mitgliederzahl auch nach zwei Corona-Jahren und einer von der Pandemie geprägten Wahlvorbereitung leicht erhöhen können. „Es wurde damit gerechnet, dass wir 2022-27 kleinere Pfarrgemeinderäte in Oberösterreich haben werden. Dem ist nicht so – wir haben bei einem Auszählungsgrad von 86 Prozent schon mehr Gewählte als bei der Wahl 2017 nach der vollständigen Auszählung, nämlich rund 4.800 Frauen und Männer“, freut sich Schlager-Stemmer.

 

 

Höherer Frauenanteil, mehr Neugewählte, Besonderheiten

 

Die Frauen in den Pfarrgemeinderäten sind weiter auf dem Vormarsch. Lag der Frauenanteil bei den gewählten PfarrgemeinderätInnen im Jahr 2017 bei 57 Prozent, so sind 2022 insgesamt 64 Prozent Frauen.

 

Auch der Erneuerungsgrad ist 2022 höher als 2017: Waren vor fünf Jahren knapp 45 Prozent der Gewählten zum ersten Mal im Pfarrgemeinderat, so sind es 2022 über 47 Prozent.

 

Einige Pfarrgemeinderäte mit Besonderheiten seien exemplarisch genannt: Besonders junge Gewählte hat der Pfarrgemeinderat Ternberg mit einem Durchschnittsalter von rund 34 Jahren. Besonders weiblich ist der Pfarrgemeinderat Altmünster: 10 von 13 gewählten PfarrgemeinderätInnen sind Frauen. Besonders viele Mitglieder haben die Pfarrgemeinderäte von Timelkam (21 Gewählte von insgesamt 27 Mitgliedern) und Freistadt (20 Gewählte von insgesamt 27 Mitgliedern).

 

 

PfarrgemeinderätInnen gestalten Veränderungen aktiv mit


Bischof Dr. Manfred Scheuer bedankte sich bei all jenen, die sich mit ihrer Stimme bei der Pfarrgemeinderatswahl für eine lebendige Kirche am Ort eingesetzt haben sowie jenen, die die Wahl vorbereitet und durchgeführt haben. Weiter sagte er: „Mein besonderer Dank gilt jenen Engagierten, die bei der Pfarrgemeinderatswahl kandidiert haben. Pfarrgemeinderatsmitglieder geben der Kirche am Ort ein konkretes Gesicht und verleihen dem Evangelium Mund, Hand und Herz. Sie tragen wesentlich dazu bei, dass die Kirche am Ort nah bei den Menschen und wirksam in der Gesellschaft ist. Auch in den neuen Pfarrstrukturen bleiben sie von großer Bedeutung – sie treffen Richtungsentscheidungen und gestalten Veränderungen aktiv mit. Für die nächsten fünf Jahre und die anstehenden Aufgaben wünsche ich viel Freude, Zuversicht und Gottes Segen.“

 

Mag.a Beate Schlager-Stemmer, Referentin für Pfarrgemeinderäte in der Abteilung Pfarrgemeinde und Spiritualität: „Die vergangenen zwei Jahre im Zeichen von Corona haben die Wahl und vor allem die KandidatInnenfindung, die in die Zeit des Lockdowns fiel, stark beeinflusst. Es war nicht immer möglich, mit Menschen in herkömmlicher Form in Kontakt zu kommen. Gleichzeitig entstanden während der Corona-Pandemie neue Formen kirchlichen Lebens und gemeinschaftlicher Kommunikation am Ort. Es ist dem großen Engagement der 3.000 Frauen und Männer in den PGR-Wahlvorbereitungsgremien zu verdanken, dass die Wahlbeteiligung zufriedenstellend ist.“ Gewählt zur werden bedeute für die PGR-Kandidatinnen und -Kandidaten Wertschätzung und Unterstützung. Pfarrgemeinderätinnen und Pfarrgemeinderäte am Ort hätten ein gutes Image, so Schlager-Stemmer. Sie stünden dafür, dass die Grundaufträge der Kirche – stärkender Gottesdienst, gastfreundliche Gemeinschaft, christliche Hoffnung erzählen, Not sehen und helfen – gelebt würden, so die Referentin.

 

Beate Schlager-Stemmer (Mitte) bei der Wahl mit Ehemann Stefan und Tochter Helene in der Pfarre Pichl bei Wels

Die diözesane Referentin für Pfarrgemeinderäte Beate Schlager-Stemmer (Mitte) bei der Wahl mit Ehemann Stefan und Tochter Helene in der Pfarre Pichl bei Wels. © Pfarre Pichl bei Wels

 

Auch Mag.a Monika Heilmann, Leiterin der Abteilung Pfarrgemeinde und Spiritualität, ist mit dem Ergebnis zufrieden: „Das monatelange Engagement der Wahlvorstände in den Pfarrgemeinden hat Früchte getragen. In fast allen oberösterreichischen Pfarren stehen mit dem heutigen Wahlsonntag die Pfarrgemeinderäte für die Funktionsperiode 2022 bis 2027 fest. Sie werden das pfarrliche Leben gestalten und prägen. Sie übernehmen für fünf Jahre Aufgaben in der Koordination der verschiedenen gemeinschaftsstiftenden Aktivitäten, treffen notwendige Entscheidungen im Bereich der Seelsorge, der Verwaltung und bezüglich pfarrlicher Bauprojekte. Im Pfarrgemeinderat wirken die gewählten, ehrenamtlichen Frauen und Männer gemeinsam mit den hauptamtlichen Seelsorgern und Seelsorgerinnen und Priestern für eine lebendige Kirche am Ort.“ Die Umsetzung der Pfarrstrukturreform, die bereits in vollem Gang sei, erfordere die aktive Beteiligung der PfarrgemeinderätInnen, so Heilmann: „Konkret bedeutet das, dass Seelsorgeteams aufgebaut werden und in der neuen, größeren Pfarre ein gutes Zusammenspiel aller pastoralen Orte entwickelt wird.“

 

„Die Pfarrgemeinderatswahl ist ein starkes Zeichen, dass Menschen die Kirche am Ort mittragen“, betont Dr. Slawomir Dadas, Generaldechant, Pfarrer in Wels-Hl. Familie und Pfarrprovisor in Gunskirchen. Er sei stolz auf jene Frauen und Männer, die in gesellschaftlich und kirchlich bewegten Zeiten bereit seien, „als Zeuginnen und Zeugen der Botschaft vom liebenden, barmherzigen Gott aufzutreten und gemeinschaftsstiftend zu arbeiten“. Durch die Corona-Pandemie seien Menschen aus ihrer bisherigen Verankerung in den Gemeinschaften herausgefallen, die Kluft zwischen gesellschaftlichen Gruppen habe sich verstärkt. Innerkirchliche Krisen und Missstände hätten vielfach das Vertrauen in die Institution Kirche beschädigt. Umso erfreulicher sei, dass Frauen und Männer aller Altersgruppen dennoch bereit seien, sich ehrenamtlich in den Pfarren zu engagieren. Dadas wörtlich: „Es gibt genug Menschen, die sagen: ‚Weil die Zeit so herausfordernd ist, möchte ich dabei sein, um beim Aufbau der Gemeinschaft mitzuhelfen‘. ‚Weil die Gemeinschaften bedroht sind, möchte ich dabei sein, um zu zeigen, dass wir als Kirche am Ort darum bemüht sind, die Botschaft Jesu zu leben und nicht zu verdunkeln.‘ ‚Weil die Menschen gegeneinander aufgehetzt wurden, möchte ich dabei sein, um an einem neuen Stil des gemeinsamen Lebens zu arbeiten, um zum Frieden, zu mehr Verantwortung füreinander beizutragen.‘“ Dadas dankte allen KandidatInnen, WählerInnen und WahlorganisatorInnen und wünschte den künftigen PfarrgemeinderätInnen alles Gute.

 

 

Berührende Vorstellgottesdienste

 

In den 180 Pfarren, die ihre Pfarrgemeinderäte nach dem Urwahlmodell wählten, wurden die Pfarrgemeinderäte am 20. März 2022 im Gottesdienst vorgestellt und mit Applaus begrüßt. Die einzelnen Mitglieder, die bis dorthin noch nicht bekanntgegeben worden waren, standen aus der Feiergemeinde auf, wurden beklatscht und traten am Ende des Gottesdienstes für ein Foto zusammen heraus.

 

In Linz-Auwiesen in der Pfarre Marcel Callo nahm Pastoralamtsdirektorin Gabriele Eder-Cakl am Vorstellgottesdienst teil. „Christ*in-Sein geht gemeinsam besser als allein. Vielleicht heißt es auch Urwahlmodell, weil ihr wie in der christlichen Urgemeinde immer wieder in der Gemeinschaft hier am Ort zusammenkommt. Früher war es das Wohnzimmer, heute ist es hier in Auwiesen die ehemalige Fabrik, in der die Kirche beheimatet ist. Immer geht es darum, im Namen Jesu für ein gutes Leben für alle zu sorgen“, so Eder-Cakl

 

Vorstellung des Pfarrgemeinderats in Linz-Auwiesen
Vorstellung des Pfarrgemeinderats in Linz-Auwiesen mit Pastoralamtsdirektorin Gabriele Eder-Cakl
Vorstellung des Pfarrgemeinderats in der Pfarre Hagenberg.

© Pfarre Hagenberg / © Pfarre Linz-Auwiesen

 

 

Pfarrgemeinderatswahl 2022

 

Unter dem Motto „Mittendrin – Pfarrgemeinderat weit denken“ stellen sich etwa 7.000 Menschen in der Katholischen Kirche in Oberösterreich am heutigen Wahlsonntag, 20. März 2022 der Pfarrgemeinderatswahl. Von insgesamt rund 915.000 KatholikInnen in Oberösterreich sind ca. 732.000 berechtigt, ihre Stimme abzugeben. Sie wählen in den oberösterreichischen Pfarren etwa 5.500 Pfarrgemeinderäte und -rätinnen. Gemeinsam mit den amtlichen und delegierten Mitgliedern werden etwa 8.000 Menschen Verantwortung für das Leben und die Entwicklung der Pfarrgemeinden übernehmen.

 

Die Pfarrgemeinderätinnen und Pfarrgemeinderäte beraten als Leitungsgremium in regelmäßigen Sitzungen die weitreichenden Themen der Pfarre und treffen Richtungsentscheidungen. Sie tragen für das Leben und die Entwicklung der Pfarrgemeinde Verantwortung. Ausgehend von der Situation der Menschen am Ort, dem sozialen und kulturellen Milieu, arbeitet der Pfarrgemeinderat an der Entwicklung der Gemeinde, damit sie als Lebensraum des Evangeliums glaubwürdig ist. Konkret berät und entscheidet er, wie die Grundaufträge von Kirche – Gottesdienst feiern, Glaube erfahrbar machen, Gemeinschaft leben, Not sehen und helfen – gelebt werden.

 

Die Pfarrgemeinderäte sind ein Ergebnis des II Vatikanischen Konzils (1962-65). Die Linzer Diözesansynode (1970-72) verfasste ein Statut, eine Geschäftsordnung und eine Wahlordnung, die mit Überarbeitungen bis heute Gültigkeit haben. Als erster Wahltermin in der Diözese Linz gilt der 8. April 1973. Seit 1987 wird österreichweit alle fünf Jahre zu einem gemeinsamen Termin gewählt. 2022 ist die 11. Pfarrgemeinderatswahl in der Diözese Linz.

 

www.dioezese-linz.at/pgr-wahl

 

KA OÖ-Präsidentin Maria Hasibeder wählte in ihrer Pfarre Linz-St. Konrad: "Durch die Teilnahme an der PGR-Wahl kann ich das vielfältige Engagement aller Generationen würdigen."
Pfarrgemeinderatswahl in der Stadtpfarre Bad Ischl

© Pfarre Linz-St. Konrad_Michael Moder / © Christian Öhler

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