Tuesday 21. September 2021

Berge als Schule der Sehnsucht

Zum 70-jährigen Bestehen des Gipfelkreuzes auf dem Warscheneck feierte Bischof Manfred Scheuer am 7. August 2021 bei wunderbarem Bergwetter auf Einladung des Alpenvereins Sektion Windischgarsten mit über 250 Bergbegeisterten die Gipfelmesse. 

Anlass für die Messe auf 2.388 Metern Höhe war die Errichtung des Gipfelkreuzes vor 70 Jahren durch den Alpenverein im Gedenken an die Gefallenen des Garstner- und Stodertals. Zudem wurde der 120. Geburtstag der Zellerhütte gefeiert.

 

In seiner Predigt erinnerte sich Bischof Scheuer an seine erste Besteigung des Warschenecks vor mehr als 52 Jahren: „In meinem Tourenbuch ist das Warscheneck nach dem Schafberg als zweiter Berg eingetragen. Es war am 14. und 15. Juni 1969, als wir in der Petriner Klassengemeinschaft über die Zellerhütte den Gipfel in insgesamt dreieinhalb Stunden erreichten. Wegen des schlechten Wetters feierten wir damals die Messe nicht auf dem Gipfel, sondern bei der Zellerhütte. Unter 'Trauriges' habe ich vor mehr als 52 Jahren geschrieben: 'Meine Bergschuhe waren mir zu klein, daher hatte ich an den Füßen mehrere Blasen.'“

 

Wichtig beim Bergsteigen waren ihm selbst „Wegbegleiter und Bergführer, durch die sich der äußere Aufstieg mit dem inneren Weg, dem Besteigen der Berge des Herzens verband. Das Gehen im Schweigen, das gemeinsame Steigen, das Warten aufeinander, die Verwiesenheit aufeinander am Seil, das Teilen des Essens und Trinkens, die gemeinsamen Abende wurden Persönlichkeit bildend, Gemeinschaft stiftend, Freundschaft stiftend.“ Auch die spirituelle Dimension sei immer präsent gewesen. Scheuer wörtlich: „Die Berge waren eine Schule der Sehnsucht, mich nicht mit zu wenig zufriedenzugeben, die Ziele meines Lebens nicht zu niedrig anzusetzen.“

 

Die Berge würden auf die Fragen nach einem letzten Sinn und Ziel des Lebens verweisen, so Scheuer: „Ein Sinn und Ziel, das nicht ins Leere geht, nicht in der Absurdität des Alltags endet, sondern die Treue zur Erde und die Hoffnung auf Glück miteinander verbindet und versöhnt.“

 

Gipfelkreuze wie jenes auf dem Warscheneck seien zum Zeichen der Erlösung geworden, gleichsam zum Weltenbaum und zur Weltenachse, die Himmel und Erde zusammenhält. Bischof Scheuer: „So sind in unseren Landen Kreuze auf den Bergen aufgestellt, die gleichsam alle diese Berge mit Golgatha, mit Christus, mit der Erlösung in Verbindung bringen, das Zeichen der Versöhnung von Schöpfung und Mensch, von Mensch und Gott aufstellen und uns den Mut geben, die Nähe des Schöpfers zu glauben und zu lieben, in ihr zu verweilen. Die Berge können Freiheit, Überblick, Sammlung und Höhe geben.“ Die Menschen liefen heute Gefahr, selbst auf den Berg herauf den Lärm der Tiefe zu verlegen und auch die Höhe zur Tiefe zu machen. Der Bischof: „Ein Gipfelkreuz kann helfen, hier wirklich Höhe zu finden, Abstand, Freiheit, Begegnung mit dem Schöpfer, Fähigkeit zum Stillewerden vor ihm, zur Besinnung und so zu neuer Einkehr im Gebet.“

 

Bischof Scheuer dankte allen, die vor 120 Jahren die Zellerhütte gebaut und vor 70 Jahren das Gipfelkreuz errichtet hatten, aber auch „allen, die sich um die Wege kümmern und diese nach dem Winter wieder herrichten; allen, die arbeiten, damit wir uns an der Schönheit der Berge erfreuen können, den Hüttenleuten, den Bergführern und den Freunden vom Alpenverein sowie der Bergrettung für ihr Engagement, für die unzähligen Stunden der Übungen und des Einsatzes, gerade auch in äußerst schwierigen Situationen“.

 

Gedanken von Bischof Manfred Scheuer zum Nachlesen

 

Gipfelmesse auf dem Warscheneck mit Bischof Manfred Scheuer
Gipfelmesse auf dem Warscheneck mit Bischof Manfred Scheuer
Gipfelmesse auf dem Warscheneck mit Bischof Manfred Scheuer
Gipfelmesse auf dem Warscheneck mit Bischof Manfred Scheuer

© Gottfried Waibel

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