Saturday 19. June 2021

Bischof Scheuer erinnert an gottlose "Entmenschlichung" von KZ-Häftlingen

In KZ wie Mauthausen wurde "Entmenschlichung" als "eine perfide Strategie der Nationalsozialisten" zum System: Daran hat Bischof Manfred Scheuer in einem Text für die Konzertlesung "die Freiheit kam im Mai" in Traun erinnert.

Bischof Manfred Scheuer hatte den Text anlässlich einer Konzertlesung mit Erinnerungen des in Mauthausen internierten griechischen Autors Iakovos Kambanellis (1921-2011) verfasst und dem Veranstalter zur Verfügung gestellt. Die von Kambanellis beschriebene Behandlung, der Häftlinge in dem oberösterreichischen Lager ausgesetzt waren, widerspreche der biblischen Botschaft von der Gottebenbildlichkeit bzw. der Unsterblichkeit jedes Menschen diametral. Unveräußerliche Rechte seien eine Gabe, "mit denen Gott selbst und nicht erst der moderne Staat die Menschen ausgestattet habe", schrieb Scheuer.

 

"Die Freiheit kam im Mai" nannte Iakovos Kambanellis seine Erinnerungen an seine NS-Gefangenschaft, und so lautete auch der Titel der Veranstaltung am Abend des 4. Juni 2021 im Kulturpark Traun. Olga Kessaris sang die Lieder der "Mauthausen Cantata" von Mikis Theodorakis und griechische Widerstandslieder, Franz Richard Reiter und Elena Strubakis lasen aus dem Buch Kambanellis' vor.

 

'Die Freiheit kam im Mai': Konzertlesung am 4. Juni 2021 im Kulturpark Traun

"Die Freiheit kam im Mai": Konzertlesung am 4. Juni 2021 im Kulturpark Traun. © werner redl

 

Bischof Scheuer, der die Einladung dazu aus Termingründen nicht wahrnehmen konnte, zitierte in seinem Schreiben an die Veranstalter selbst aus den Erinnerungen des griechischen Autors. Kambanellis wurde beim Versuch, aus dem seit 1941 besetzten Griechenland in die Schweiz zu fliehen, 1943 in Österreich verhaftet und ins Konzentrationslager Mauthausen gebracht. Dort blieb er bis zur Befreiung des Lagers durch die Alliierten am 5. Mai 1945 inhaftiert. In seiner Autobiografie schilderte er das brutale, entwürdigende Ritual der Nazi-Schergen an den Neuankömmlingen. "Sie griffen den Wesenskern des Menschen an: Sie sprachen ihm das Recht auf Menschsein ab und rüttelten damit an einer Idee, die sich lange anbahnte und sich in der Erklärung der Menschenrechte 1948 manifestierte", schrieb Scheuer.

 

Heute werde bei der dort verankerten Aussage "all men are created equal" (dt.: alle Menschen sind gleich geschaffen), mehr auf das "equal" als auf das "created" gehört, merkte der Bischof an. Dennoch sei festzuhalten: Grundelemente für die spätere Entwicklung der Menschenrechte seien von der biblischen Botschaft her die Vorstellung von der Gottebenbildlichkeit bzw. der Unsterblichkeit jedes Menschen als des sakralen Kerns jeder Person". Grundlegend seien auch das christliche Verständnis vom Leben des einzelnen als einer Gabe sowie die Botschaft von der "Menschwerdung Gottes, der sich mit den Armen und Geringen identifiziert".

 

Aus Anlass seines 100. Geburtstages Ende 2021 erklärte das griechische Ministerium für Kultur und Sport das Jahr 2022 zum "Iakovos-Kambanellis-Jahr". Das Gedenken wurde am 7. Oktober 2018 vorweggenommen, als auf dem Wiener Stephansplatz eine öffentliche Marathonkonzertlesung zu "Die Freiheit kam im Mai" stattfand: Hundert Persönlichkeiten lasen damals das gesamte Buch von Iakovos Kambanellis; den Ehrenschutz übernahmen Kardinal Christoph Schönborn, der lutherische Bischof Michael Bünker, Oberrabbiner Arie Folger, Metropolit Arsenios Kardamakis, Altbundespräsident Heinz Fischer und der ehemalige griechische Präsident Karolos Papoulias.

 

Kathpress

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