Wednesday 15. July 2020

Bischofskonferenz: Erzbischof Lackner neuer Vorsitzender, Bischof Scheuer sein Stellvertreter

Am 16. Juni 2020 hat die Österreichische Bischofskonferenz den Salzburger Erzbischof Franz Lackner zum neuen Vorsitzenden gewählt. Sein Stellvertreter ist der Linzer Diözesanbischof Manfred Scheuer.

Erzbischof Franz Lackner (63) folgt Kardinal Christoph Schönborn (75) nach, der nach 22 Jahren das Amt von sich aus altersbedingt zurücklegt hat. Der Metropolit der Salzburger Kirchenprovinz war schon in den letzten fünf Jahren Schönborns Stellvertreter in der Bischofskonferenz. Die Wahl erfolgte am Dienstag in Mariazell, wo der katholische Episkopat bis Donnerstag seine Vollversammlung abhält. Zum Stellvertretenden Vorsitzenden der Bischofskonferenz wurde der Linzer Bischof Manfred Scheuer (64) gewählt.

 

Kardinal Schönborn hatte die Sommervollversammlung am Montag, 15. Juni 2020 noch eröffnet und die Sitzung bis zur Wahl am Dienstagvormittag geleitet. Mit der Annahme seiner Wahl hat dann der Salzburger Erzbischof in einem Zug das Amt an der Spitze der Bischofskonferenz übernommen. Kurz danach erfolgte die Wahl des Stellvertretenden Vorsitzenden. Das neue Führungsduo Lackner-Scheuer steht somit für die nächsten sechs Jahre an der Spitze des heimischen Episkopats.

 

Mit dieser personellen Weichenstellung endet die mittlerweile 22 Jahre andauernde Ära von Kardinal Schönborn an der Spitze der Bischofskonferenz. Am 30. Juni 1998 hatte der Wiener Erzbischof vom damaligen Grazer Diözesanbischof Johann Weber den Vorsitz in der Bischofskonferenz übernommen, den er aufgrund mehrfacher Wiederwahl seither ohne Unterbrechung innehatte. Zuletzt war Schönborn im November 2016 für weitere sechs Jahre im Amt bestätigt worden.

 

Anfang März hatte Kardinal Schönborn schriftlich von sich aus seinen Rücktritt erklärt. Somit hätte ursprünglich die Wahl seines Nachfolgers bereits Mitte März stattfinden sollen. Die Frühjahrsvollversammlung der Bischofskonferenz musste jedoch aufgrund der Corona-Pandemie kurzfristig abgesagt werden und Kardinal Schönborn wurde damals von den Bischöfen gebeten, sein Amt bis auf Weiteres auszuüben.

 

Gleichzeitig wurde damals von der Bischofskonferenz eine bischöfliche Ad-hoc-Kommission unter dem Vorsitz des Kardinals eingesetzt, der auch Erzbischof Lackner sowie die Diözesanbischöfe Scheuer (Linz) und Wilhelm Krautwaschl (Graz-Seckau) angehören. Die Kommission hat seither in der Regel wöchentlich per Videokonferenz getagt und sich mit allen wichtigen und unaufschiebbaren Fragen angesichts der Corona-Krise befasst.

 

 

Moderator, Gesicht und Stimme

 

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz ist kirchenrechtlich gesehen kein "Oberbischof" und hat daher auch keine Befugnisse, in die vom Kirchenrecht klar geregelten und sehr umfassenden Kompetenz der Diözesanbischöfe einzugreifen. Formal ist er nur ein auf sechs Jahre gewählter Vorsitzender eines Gremiums, das relativ wenige Eigenkompetenzen hat. Freiwillig und somit einstimmig können die Diözesanbischöfe jedoch die Themenbereiche ausdehnen, die sie österreichweit verbindlich regeln wollen, was auch immer wieder geschieht und gerade während der Corona-Krise der Fall war.

 

Der Vorsitzende leitet laut Statut die Vollversammlung der Bischofskonferenz, die er zuvor einberufen und mit Unterstützung des Generalsekretärs vorbereitet hat. Seine Aufgabe ist nach innen mehr die eines Moderators unter den Bischöfen, gleichzeitig ist er nach außen Stimme und Gesicht des österreichischen Episkopats. Weil zu seinen Kompetenzen auch die Beziehungen zwischen Kirche und Staat gehören, hat der jeweilige Vorsitzende der Bischofskonferenz real ein großes Gewicht in der österreichischen Kirche.

 

Der bisherige Vorsitzende Kardinal Christoph Schönborn, sein Nachfolger Erzbischof Franz Lackner und dessen Stellvertreter Bischof Manfred Scheuer.

Der bisherige Vorsitzende Kardinal Christoph Schönborn, sein Nachfolger Erzbischof Franz Lackner und dessen Stellvertreter Bischof Manfred Scheuer. © Kathpress / Paul Wuthe

 

 

Schönborn: "War der richtige Zeitpunkt für Amtsübergabe"

 

"Ich bin überzeugt, es war der richtige Zeitpunkt für die Amtsübergabe." Das betonte Kardinal Christoph Schönborn nach der Wahl von Erzbischof Franz Lackner zum neuen Vorsitzenden der Bischofskonferenz im Kathpress-Interview. Er freue sich über die Wahl Lackners zu seinem Nachfolger, so Schönborn. Den Salzburger Erzbischof zeichne u. a. große Lebenserfahrung, Klarheit und Direktheit aus. Gemeinsam mit dem neuen Stellvertreter Bischof Manfred Scheuer stehe nun ein "gutes Tandem" an der Spitze der Bischofskonferenz, so Schönborn.

 

Das sei freilich auch notwendig, den es stünden mit den wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Coronakrise, dem Klimawandel oder der Flüchtlingsfrage große Herausforderungen an. Es sei gut zu spüren, "dass die jüngeren Bischöfe, die nun in der Verantwortung stehen, diesen guten Geist der Gemeinschaft haben und auch den Geist der Verantwortung für unser Land und den Glauben".

 

Die Coronakrise habe gezeigt, dass es in Österreich – "Gott sei Dank" – gut tragende  Strukturen und Institutionen gibt. Das Entscheidende sei aber, dass diese Strukturen und Institutionen von vielen Menschen getragen sind, die den Dienst an den anderen, den Dienst am Gemeinwohl an erste Stelle stellen. Gerade in Krisenzeiten brauche es diese Haltung, die die Gesellschaft zusammenhält und das werde in Zukunft sehr dringlich erforderlich sein, so Schönborn.

 

Er blicke jedenfalls mit großer Dankbarkeit auf die vergangenen 22 Jahre als Vorsitzender der Bischofskonferenz zurück. Es seien zwar teilweise auch sehr schwierige Jahre – "konfliktreich und Skandal-belastet" – gewesen, zugleich sei aber auch "sehr viel im Stillen gewachsen, was für das Leben wichtig ist".


 

Sommervollversammlung der Österreichischen Bischofskonferenz in Mariazell

 

Bei der Vollversammlung der Bischöfe, die von 15. bis 18. Juni 2020 in Mariazell stattfindet, gelten besondere Corona-Schutzmaßnahmen. So mussten alle Mitglieder der Bischofskonferenz im Vorfeld einen Corona-Test machen. Auch das Tagungsprogramm musste der Situation angepasst werden: So ist diesmal kein Studiennachmittag mit externen Personen geplant. Die sonst übliche Festmesse zum Abschluss der Tagung in der Basilika mit zahlreichen Gläubigen entfällt ebenfalls.

 

Die Corona-Pandemie steht auch inhaltlich im Zentrum der Tagung. Neben den gesamtgesellschaftlichen Konsequenzen der Krise sind genauso ihre Auswirkungen auf die Kirche ein zentrales Thema der bischöflichen Beratungen.

 

Die Vollversammlung der Bischofskonferenz endet am Donnerstag, 18. Juni. Für Freitag, 19. Juni, ist um 10 Uhr eine Pressekonferenz mit Kardinal Schönborn sowie dem neuen Vorsitzenden der Bischofskonferenz in Wien geplant. Anders als sonst üblich wird die Pressekonferenz im Stephanisaal auf Stephansplatz 3 stattfinden, der aufgrund seiner Größe genug Platz für die nötigen Abstände bietet.

 

Bischofskonferenz Mariazell

Sommervollversammlung der österreichischen Bischöfe in Corona-Zeiten. © Kathpress / Josef Kuss

 

 

Biografie Erzbischof Franz Lackner

 

Franz Lackner wurde am 14. Juli 1956 als Anton Lackner in Feldbach geboren und stammt aus dem südoststeirischen Dorf St. Anna am Aigen. Lackner wuchs in kleinbäuerlichen Verhältnissen auf und begann nach der Pflichtschule eine Lehre als Elektriker. In Zypern, wo er von 1978 bis 1979 als UNO-Soldat diente, erwuchs in ihm die Entscheidung, Priester zu werden. Lackner trat  daraufhin 1979 in das Aufbaugymnasium Horn ein.

 

1984 folgte der Eintritt in den Franziskanerorden. Er nahm den Ordensnamen seines Ordensgründers (Franz von Assisi) an und legte 1989 als Franz Lackner die Ewige Profess ab. 1991 wurde er zum Priester geweiht. Nach dem Theologiestudium in Wien und dem philosophischen Doktorat an der päpstlichen Universität Antonianium des Franziskanerordens in Rom unterrichtete der Steirer dort Metaphysik, bis er 1999 zum Provinzial der Franziskanerprovinz von Wien berufen wurde. Im selben Jahr erfolgte der Lehrauftrag in Philosophie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Heiligenkreuz.

 

Im Oktober 2002 wurde Franz Lackner zum Weihbischof der Diözese Graz-Seckau ernannt und am 8. Dezember 2002 zum Bischof geweiht. Am 10. November 2013 wählte das Salzburger Dom- und Metropolitankapitel Lackner zum Erzbischof von Salzburg; Papst Franziskus bestätigte am 18. November die Wahl. Am 12. Jänner 2014 wurde Lackner in das Amt des 91. Bischofs von Salzburg eingeführt.

 

Als Metropolit der Salzburger Kirchenprovinz steht Erzbischof Lackner an der Spitze der westösterreichischen Diözesen. So wurde Lackner im vergangenen Jahr im Auftrag von Papst Franziskus als Apostolischer Visitator nach Kärnten entsandt, um die Situation in der Diözese Gurk zu klären. In der Bischofskonferenz ist Lackner für die Referate Universitäten und Theologische Fakultäten und Ehe, Familie und Lebensschutz zuständig. Vor fünf Jahren wurde er im Zuge der  Frühjahrsvollversammlung (2. bis 5. März 2015) zum Stellvertretenden Vorsitzenden der Bischofskonferenz gewählt.

 

Der neue Vorsitzende der Bischofskonferenz Erzbischof Franz Lackner (l.) und sein Stellvertreter Bischof Manfred Scheuer

Der neue Vorsitzende der Bischofskonferenz Erzbischof Franz Lackner (l.) und sein Stellvertreter Bischof Manfred Scheuer. © Kathpress / Paul Wuthe

 

 

Lebenslauf Bischof Manfred Scheuer

 

Bischof Manfred Scheuer wurde am 10. August 1955 in Haibach ob der Donau in Oberösterreich geboren. Nach der Matura am Bischöflichen Gymnasium Petrinum Linz studierte er an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Linz Theologie und trat in das Linzer Priesterseminar ein. Von 1976 bis 1981 setzte er seine Studien an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom fort. Am 10. Oktober 1980 wurde Scheuer in Rom zum Priester geweiht.

 

Zusammen mit Aufgaben in der Seelsorge begann seine akademische Laufbahn. Neben Lehraufträgen in Linz, St. Pölten und Salzburg wirkte er auch in Deutschland an der Albert-Ludwig-Universität in Freiburg und schließlich von 2000 bis 2003 an der Theologischen Fakultät Trier als Professor für Dogmatik und Dogmengeschichte.

 

Am 21. Oktober 2003 ernannte Papst Johannes Paul II. Manfred Scheuer zum Bischof der Diözese Innsbruck, wo er am 14. Dezember 2003 die Bischofsweihe empfing. Am 18. November 2015 wurde Scheuer schließlich von Papst Franziskus zum neuen Bischof der Diözese Linz ernannt, deren Leitung er am 17. Jänner 2016 übernahm.

 

In der Bischofskonferenz ist Scheuer derzeit für die Ökumene und die Kontakte zum Judentum verantwortlich. Er ist Mitglied der Glaubenskommission und der Finanzkommission der Bischofskonferenz sowie für das Mauthausen Komitee, den Nationalfonds für Opfer des Nationalsozialismus, die Missionsverkehrsarbeitsgemeinschaft/MIVA, das Studentenförderungswerk "Pro Scientia" zuständig.

 

Österreichische Bischofskonferenz

 

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