Tuesday 22. September 2020

Berührendes Sternenkinder-Gedenken im Linzer Mariendom

Gedenkgottesdienst für Sternenkinder 2019 | Linzer Mariendom

Kinder, die nicht bzw, nicht lange gelebt haben und dennoch unvergessen sind: Bei einem Gedenkgottesdienst am 8. Dezember 2019 mit Bischof Scheuer im Linzer Mariendom wurde der Trauer um die „Sternenkinder“ Zeit und Raum gegeben.

Viele Familien gedachten weltweit am zweiten Sonntag im Dezember, am 8. Dezember 2019, ihrer (Sternen-)Kinder, die vor, während oder kurz nach der Geburt gestorben sind. Eine Lichterkette rund um die Welt soll an diesem Tag deutlich machen, dass diese Kinder nicht vergessen sind („Worldwide Candle Lighting“).

 

Am 8. Dezember 2019 um 15.00 Uhr feierte Bischof Manfred Scheuer im Linzer Mariendom einen Gedenkgottesdienst für Sternenkinder. Über 200 Menschen – Erwachsene und Kinder, Paare, Familien und Einzelpersonen – waren gekommen, um am Gedenken teilzunehmen. Gestaltet wurde der Gottesdienst von MitarbeiterInnen der Krankenhausseelsorge der Diözese Linz, von BEZIEHUNGLEBEN.AT und der Katholischen Frauenbewegung in Oberösterreich. Im gemeinsamen Erinnern, Schweigen, Beten und Singen wurde erfahrbar, dass Trauernde nicht allein sind und dass im Miteinander Hoffnung, vielleicht auch Trost entstehen kann.

 

Gedenkbuch für Sternenkinder

Gedenkbuch für Sternenkinder. © kfb oö / Sandra Schlager

 

Zerbrochen – und dann?

 

Der Gottesdienst stand unter dem Motto „Zerbrochen – und dann?“. Verdeutlicht wurde das Thema durch einen Tonkrug, der in einem ersten Schritt zerschlagen wurde: Scherben als Symbol für zerbrochene Hoffnungen und Träume, für ein viel zu kurzes, zerbrochenes Leben, für Verletzungen, die aus Unverständnis und Hilflosigkeit entstanden sind. In einem zweiten Schritt waren die Mitfeiernden eingeladen, eine Scherbe zu nehmen und mit Goldfäden zu verbinden – in Anlehnung an die japanische Tradition der Goldreparatur, bei der eine zerbrochene wertvolle Keramikschalewieder zusammengefügt wird: nicht ohne sichtbare Risse, aber die Bruchstellen werden nicht nur mit Kitt und Lack geflickt, sondern auch mit Goldstaub. So wirken gerade die Bruchstellen besonders kostbar, das ganze Gefäß ist neu und anders ... Dieser Einladung kamen nahezu alle TeilnehmerInnen nach; behutsam und mit großer Sorgfalt wurden Scherben zusammengebunden und mit Liebe gelegt.

 

Tonkrug ...
... in Scherben, ...
... die liebevoll verbunden werden.
So sind gerade die Brüche besonders kostbar.

© kfb oö / Sandra Schlager

 

 

Bischof Scheuer: „Sie haben ein Recht, die Bitterkeit und den Schmerz gegenüber Gott und den Menschen zu äußern“

 

Bischof Manfred Scheuer fand in seiner Predigt berührende Worte für jenen Schmerz, den Eltern nach dem frühen Tod eines Kindes durchleben: „Ein Kind verlieren – das ist ein Schmerz, der an die Grenze dessen geht, was ein Mensch ertragen kann. Zeit heilt nicht einfach die Wunden. Die Erinnerung ist schmerzlich. Erinnerung ist ja etwas Gegenwärtiges, nichts Abgeschlossenes, nicht im Perfekt, nicht einfach Vergangenes. Die Erfahrung des Todes greift massiv in das gegenwärtige Leben ein, in die Lebensfreude und Lebensannahme, in die Beziehungen, in die Lebenskraft.“ Bei Betroffenen gebe es die Sehnsucht, dem verlorenen Leben einen Platz zu geben. Kerzen, Fotos, Hand- und Fußabdrücke, das Nennen der Namen seien Zeichen der Erinnerung, „eines schmerzlichen Gedächtnisses, in dem aber vielleicht das Erfahrene – nicht auf einmal und auch nicht planbar – angenommen und verwandelt wird. Wir – eure Familien, Freunde und Nachbarn – wir können euch das Leid eures Herzens nicht abnehmen, aber da sein können und wollen wir, mit euch trauern, mit euch beten, und mit euch schauen auf Gott.“

 

Sternenkinder würden unauslöschliche Spuren und eine Lücke hinterlassen, die nicht gekittet werden könne, so Scheuer. Der Bischof weiter: „Beim Tod eines noch nicht oder gerade geborenen Kindes stirbt ein Stück Zukunft. Der Abbruch einer positiven Lebenserwartung bedeutet einen dramatischen Einbruch in einen hoffnungsvollen Lebensplan. Beim Verlust des Kindes entsteht die Empfindung, selbst gestorben zu sein bzw. selbst nicht mehr zu leben. Voreilige Antworten helfen nicht weiter, Erklärungen machen das Kind nicht wieder lebendig, eine Bagatellisierung des Schmerzes bringt nichts. Man sollte nicht vorschnell einen Sinn hineinprojizieren. Sie haben ein Recht, die Bitterkeit und den Schmerz gegenüber Gott und den Menschen zu äußern. Im Klagegebet machen wir Menschen uns und Gott nichts vor. Die Klage ist am meisten der Ehrlichkeit verpflichtet, sie ist am meisten geerdet.“ 

 

Früh verstorbene Kinder seien Menschen mit voller Würde, denen Gottes Heilsorge wie allen Menschen gelte. Scheuers Überzeugung: „Wir dürfen sicher sein, dass Christus gerade denen besonders nahe und um deren Heil besorgt ist, deren Lebenszeit so kurz und durch Krankheit und Leiden gezeichnet ist. Vertrauen dürfen wir in dieser Gedenkstunde, dass eure Kinder nun ganz und für immer angekommen sind und bleibende Heimat gefunden haben bei Gott. Immer ist dieser Gott ein Einladender, der mit offenen Armen auf uns wartet. Seine Liebe lässt uns leben – hier und dort. In solcher Hoffnung und solchem Vertrauen dürfen wir ihr Leben Gott anvertrauen.“ 

 

Predigtgedanken von Bischof Manfred Scheuer zum Nachlesen

 

Bischof Manfred Scheuer beim Gedenkgottesdienst

Einfühlsame Predigtgedanken von Bischof Manfred Scheuer. © kfb oö / Sandra Schlager

 

Im Anschluss an den Gottesdienst folgten viele Mitfeiernde der Einladung, auf dem Domplatz bei Tee und Keksen ins Gespräch zu kommen: untereinander, mit den BeraterInnen von BEZIEHUNGLEBEN.AT, mit SeelsorgerInnen der Krankenhausseelsorge und mit dem Bischof.

 

Gespräche auf dem Linzer Domplatz bei Keksen und Tee

Gespräche bei Tee und Keksen nach dem Gedenkgottesdienst auf dem Linzer Domplatz. © kfb oö / Sandra Schlager

 

 

Der Trauer um Sternenkinder Zeit und Raum geben

 

Der Katholischen Kirche in Oberösterreich ist es ein Anliegen, betroffenen Menschen einen Raum für ihre Trauer zu eröffnen und sie in Seelsorge und Beratung zu begleiten. In ganz Oberösterreich gibt es in Kirchen, Kapellen, Krankenhäusern und auf Friedhöfen Gedenkorte für Kinder, die vor, während oder kurz nach der Geburt gestorben sind. Rund um den 8. Dezember, aber auch an anderen Terminen werden zahlreiche Gedenkfeiern abgehalten.

 

Alle Gedenkorte und Termine für Gedenkfeiern:

www.dioezese-linz.at/sternenkinder

Katholische Kirche in Oberösterreich
Diözese Linz

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