Friday 6. December 2019

Mit Bildung die Armutsspirale durchbrechen

Am Sonntag, 17. November 2019 ruft Papst Franziskus zum dritten Mal weltweit den „Welttag der Armen“ aus. Aus diesem Anlass macht die Caritas OÖ auf die versteckte Armut von Kindern aufmerksam.

In Österreich fällt der Welttag mit dem "Elisabethsonntag" der Caritas zusammen, an dem die in allen Pfarren durchgeführte Spendensammlung für Bedürftige bereits lange Tradition hat.

 

1.084 Alleinerziehende und 863 Familien mit gesamt 4.630 Kindern erhielten im Vorjahr Unterstützung von den Caritas-Sozialberatungsstellen. „Damit Kinder aus sozial benachteiligten Familien der Armutsspirale entkommen können, gibt es auch unsere Lerncafés, wo sie kostenlos Lernunterstützung erhalten“, sagt Caritas OÖ-Direktor Franz Kehrer, MAS. Die Caritas bittet um Spenden für diese Unterstützung für Menschen in Not in Oberösterreich.

 

Gerade bei Familien schlägt die Armut verhältnismäßig oft zu. Besonders armutsgefährdet sind aktuell der verfügbaren Statistikdaten aus 2018 AlleinerzieherInnen (Armutsgefährdungsquote: 37 %) und Familien mit mindestens drei Kindern (26 %). Bei beiden Gruppen liegt die Armutsgefährdungsquote deutlich über jener bei der Gesamtbevölkerung (14 %). In Oberösterreich sind 37.000 Kinder bis 14 Jahren armuts- oder ausgrenzungsgefährdet, das sind 17 Prozent von allen Kindern im Bundesland. Menschen, die nur einen Pflichtschulabschluss haben, sind ebenso besonders stark von Armut bedroht. In Österreich sind das 32 Prozent der Armutsgefährdeten (312.000 Personen).

 

„Kindern, die in Armut aufwachsen müssen, fehlt es an wichtigen ,Nährstoffen‘ für eine gute Zukunft: an einem stabilen sozialen Umfeld, an Entwicklungs- und Bildungschancen“, so Caritas-Direktor Franz Kehrer. „Die Existenzsorgen der Eltern belasten auch die Kinder, oft fehlt es an Zeit oder Möglichkeiten, um sie gezielt in ihren Fähigkeiten zu fördern. Und wenn Kinder schon früh von sozialer Ausgrenzung betroffen sind, leidet darunter auch die Entwicklung des eigenen Selbstbewusstseins und Selbstwertgefühls.“ 

 

Caritas-Direktor Franz Kehrer, MAS

Caritas OÖ-Direktor Franz Kehrer, MAS. © Caritas / Hermann Wakolbinger

 

Dadurch setzt sich eine unheilvolle Armutsspirale in Gang, denn die schwierige Situation zuhause schlägt sich oft in Problemen in der Schule nieder oder es wird von vornherein für die Kinder jener Bildungsweg bestimmt, den auch die Eltern eingeschlagen hatten. Ein geringerer Bildungsgrad hat dann jedoch geringere Chancen auf dem Arbeitsmarkt zur Folge.

 

Caritas-Lerncafés helfen, dass Kinder in Oberösterreich die Armutsspirale durchbrechen

„Wir wissen aus unserer Arbeit als Caritas, dass Kinder, die in Armut aufwachsen, im späteren Leben schwer am vererbten ‚Rucksack Armut‘ zu tragen haben. Bildung hilft, die Armutsspirale zu durchbrechen“, sagt Caritas-Direktor Franz Kehrer. Daher hat die Caritas mit den „Lerncafés“ eine kostenlose Lern- und Nachmittagsbetreuung ins Leben gerufen. Mit Unterstützung von freiwilligen MitarbeiterInnen werden hier Kinder zwischen 6 und 15 Jahren aus sozial benachteiligten Familien gefördert. „Oft können sich die Eltern keine Nachhilfe leisten, haben selbst keine ausreichende Schulbildung oder auch zu geringe Deutschkenntnisse, um die Kinder beim Lernen zu unterstützen. Dazu kommen beengte Verhältnisse in zu kleinen Wohnungen“, so Kehrer. Durch die Zeit und Zuwendung, die die MitarbeiterInnen der Lerncafés den Kindern schenken, werden große Erfolge erzielt: 96 % von 228 SchülerInnen in den oberösterreichischen Lerncafés schafften letztes Jahr den positiven Abschluss des Schuljahres. „Ein 13-jähriges Mädchen litt sehr unter der Trennung der Eltern, den finanziellen Schwierigkeiten und psychischen Belastungen zuhause. Durch die Aufmerksamkeit, die wir ihr widmeten, blühte sie dann innerhalb kürzester Zeit auf, entwickelte einen großen Lerneifer und ist jetzt überglücklich, ein positives Zeugnis geschafft zu haben“, erzählt Christine Schön, Leiterin des Caritas-Lerncafés Vöcklabruck.

 

Christina-Elisa Haslehner (2. v. r.) engagiert sich im Caritas-Lerncafé in Linz-Auwiesen.

Christina-Elisa Haslehner (2. v. r.) engagiert sich im Caritas-Lerncafé in Linz-Auwiesen. © Caritas OÖ                    

 

Spenden für Menschen in Not in Oberösterreich

 

Die sechs Caritas-Lerncafés sind aus Spenden finanziert. Es gibt zwei Lerncafés in Linz und je eines in Marchtrenk, Steyr, Vöcklabruck und Wels. „Mit Spenden können wir armutsbetroffene Familien auch in unseren 12 Caritas-Sozialberatungsstellen unterstützen sowie in Einrichtungen wie dem Krisenwohnen oder dem Haus für Mutter und Kind. Jetzt im November bitten wir die OberösterreicherInnen um Spenden, um diese Unterstützung zu ermöglichen“, erklärt Caritas-Direktor Kehrer.

 

Spendenkonto

Raiffeisenlandesbank

„Inlandshilfe“

IBAN: AT203400000001245000

BIC: RZOOAT2L

Online-Spenden unter www.caritas-linz.at

 

 

Schwerpunkte auch im Vatikan

 

Papst Franziskus feiert am Sonntag, 17. November 2019 um 10 Uhr die Heilige Messe im Petersdom und hat dazu besonders Armuts-Betroffenen aus Rom und verschiedenen italienischen Diözesen eingeladen sowie Menschen, die sich für diese einsetzen. 1.500 von ihnen kommen nach dem Ende der Messe in die vatikanische Audienzhalle zum Mittagessen mit dem Papst. Zeitgleich gibt es auf dem Petersplatz in einem Medizinzentrum eine Woche lang kostenlose Untersuchungen und Behandlungen durch AllgemeinmedizinerInnen wie auch durch FachärztInnen für Kardiologie, Diabetes, Dermatologie, Rheumatologie, Infektionskrankheiten, Gynäkologie und Augenheilkunde. Neben konkreter Hilfe steht dabei auch der Hinweis darauf an alle BesucherInnen des Vatikans im Vordergrund.

 

 

Papst Franziskus: Botschaft zum Welttag der Armen

 

In seiner Botschaft zum diesjährigen "Welttag der Armen" nimmt Papst Franziskus Christen in die Pflicht, Menschen am Rand der Gesellschaft zu helfen, ihnen wieder Hoffnung zu geben und eine andere Gesellschaft voranzutreiben. Dazu bedürfe es nicht nur Hilfsaktionen, reiche doch manchmal schon viel weniger: "Stehenzubleiben, zu lächeln, zuzuhören", so der Papst. Arme sollten gesehen werden als "junge und alte Menschen, die allein sind, und die man nach Hause einlädt, um gemeinsam mit ihnen zu essen; Männer, Frauen und Kinder, die auf ein freundliches Wort warten." Die Realität sei leider oft eine andere: Arme und Ausgegrenzte würden oft "mit Phrasen abgespeist und nur widerwillig unterstützt", vielfach sogar "als Parasiten oder Abfall behandelt, ohne dass die Mittäter dieses Skandals dabei irgendein Schuldgefühl empfinden", kritisiert der Papst. Oft werde den Armen "nicht einmal ihre Armut verziehen".

Den Verantwortlichen redet der Papst ins Gewissen und bezeichnet die derzeitige Wirtschaftspolitik, bei der sich eine Minderheit auf Kosten vieler anderer bereichere, als "kurzsichtig". MigrantInnen würden vielerorts für politische Zwecke instrumentalisiert und man verweigere ihnen "Solidarität und Gleichbehandlung". Franziskus wörtlich: "Man kann viele Mauern bauen und die Eingänge verbarrikadieren, um sich auf trügerische Weise im eigenen Reichtum sicher zu fühlen, zum Nachteil derer, die man außen vorlässt." Das werde jedoch nicht für immer so sein: Jeder müsse sich am Ende vor dem göttlichen Gericht für sein Handeln verantworten.

 

Botschaft von Papst Franziskus im Wortlaut

 

Papst Franziskus

Papst Franziskus ruft den 3. Welttag der Armen aus. © Stefano Spaziani

 

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