Monday 20. January 2020

Kinostart des Dokudramas „Otto Neururer – Hoffnungsvolle Finsternis“ in Oberösterreich

Nach der erfolgreichen Weltpremiere in Innsbruck läuft die Tournee der Otto-Neururer-Verfilmung  „Hoffnungsvolle Finsternis“ durch alle Bundesländer. Oberösterreich-Start war am Dienstag, 14. Oktober 2019 in Ried/Tumeltsham.

Am Dienstag, 15. Oktober startete im Movie Ried/Tumeltsham um 19.30 Uhr die Kinotour des Films „Otto Neururer – Hoffnungsvolle Finsternis“ durch Oberösterreich. Der Film zeigt Menschen auf den Spuren des Tiroler Priesters Otto Neururer, der als erster österreichischer Priester in einem Konzentrationslager von den Nazis ermordet wurde. 

 

Der Film wird in insgesamt acht Kinos in Oberösterreich unter Teilnahme von Regisseur Hermann Weiskopf, Drehbuchautor Dr. Peter Mairund gelegentlich auch von Schauspieler Ottfried Fischer vorgestellt und läuft dann mindestens eine Woche. Informationen gibt es in den jeweiligen Kinos.

 

 

Film zeigt Menschen auf den Spuren des Tiroler Priesters

 

36 Stunden dauert der qualvolle Todeskampf des Tiroler Priesters Otto Neururer im KZ Buchenwald: Jahrzehnte später macht sich Heinz Fitz, ein alternder Schauspieler und Lebensborn-Kind, mit der jugendlichen Straftäterin Sofia und dem an Parkinson erkrankten Pfarrer Anton auf die Suche nach den Spuren des seligen Priesters Otto Neururer. Heinz unternimmt die Reise durch Otto Neururers Leben, um wieder beten zu können und um die Scham über die Schuld des Vaters, der als eingefleischter Nazi Schreckliches angerichtet hat, in ihm zu heilen und inneren Frieden zu finden.

 

Otto Neururer (geboren am 25. März 1882 in Piller bei Landeck in Tirol) wurde 1907 von Fürstbischof Altenweisel zum Priester geweiht. Als Pfarrer von Götzens Götzens griff er in seinen Predigten immer wieder den Nationalsozialismus an. Auf Grund seiner Einstellung hatte die Gestapo Otto Neururer im Visier. Im Dezember 1938 wurde er von der Geheimen Staatspolizei (GESTAPO) verhaftet. Der Vorwurf gegen ihn lautete, er würde sich gegen den Nationalsozialismus stellen. Denn Otto Neururer erklärte mehrmals, alle Menschen zu lieben, und dazu gehörten auch die Juden. Außerdem wurde er beschuldigt, die Ehe zwischen einem gewalttätigen, aus der Kirche ausgetretenen, fanatischen Nazi und einem dreißig Jahre jüngeren, naiven, schwangeren Mädchen verhindert zu haben. Otto Neururer sah es als seine Pflicht an, das Mädchen und das Sakrament der Ehe zu schützen.

 

Nach gewalttätigen Verhören im Innsbrucker Gestapo-Gefängnis wurde Otto Neururer im März 1939 ins KZ Dachau nahe München verlegt. Dort ließen ihn die mörderische Arbeit in der Kiesgrube, die ständige Gewalt und der ewige Hunger körperlich verfallen. Obwohl es im KZ strengstens verboten war, seelsorgerisch tätig zu sein, predigte Otto Neururer heimlich und nahm KZ-Häftlingen unerlaubt die Beichte ab. Dafür wurde er verprügelt. Noch im September wurde er ins KZ Buchenwald nahe der Stadt Weimar. Hier sahen ihn die Lagerkommandanten als hartnäckigen Gegner des Nazi-Regimes. Trotz der Warnungen seiner Freunde, der Schmerzen und der ständigen Krankheiten, tröstete er andere, betete mit ihnen und gab ihnen Mut. Selbst den schlimmsten KZ-Schergen vergab er.

 

Im Frühjahr 1940 versprach ihm die Lagerleitung, dass er bald heim nach Tirol dürfe. In diesem Moment bat ihn ein Berliner Häftling, ihm zu helfen, um zum katholischen Glauben überzutreten. Ottos Freunde warnten ihn: Der Berliner Häftling könnte ihn an die Lagerleitung verraten. Außerdem stand auf religiöse Beeinflussung die Todesstrafe. Doch Otto Neururer begann mit dem Berliner Häftling den Taufunterricht, nahm ihm die Beichte ab und spendete ihm das Sakrament der Vergebung.

 

Wenige Tage später kam es zum Verrat. Otto Neururer wurde in den Todesbunker gebracht, wo er kopfüber aufgehängt wird und nach 36 qualvollen Stunden starb. Sein Leichnam wurde in der Stadt Weimar verbrannt, während als offizielle Todesursache Herzschwäche angegeben wurde. Am 24. November 1996 wurde er von Papst Johannes Paul II seliggesprochen.

 

Lucas Zolgar als Otto Neururer mit Antonio Wannek als SS-Mann Martin Sommer

Lucas Zolgar als Otto Neururer mit Antonio Wannek als SS-Mann Martin Sommer. © avgproduktion

 

Regisseur Hermann Weiskopf: Kleiner Film mit großem Potenzial


Regisseur Hermann Weiskopf fasziniert an der Gestalt Otto Neururers, „dass ein Mensch trotz seiner körperlichen Zerbrechlichkeit“ – Neururer war von schwacher Gesundheit – „so stark sein kann“. Dazu kommen seine Konsequenz im gewaltfreien Widerstand und seine Standfestigkeit in der Ablehnung der NS-Ideologie. Zur Zeit seiner Hinrichtung am 30. Mai 1940 war Neururer der erste ermordete deutsche Priester seines Lagers.

Weiskopf hält den Film „Otto Neururer“ persönlich für einen „kleinen Film, aber mit großem Potenzial“.

 

Für ihn und seine AVG Filmproduktion e. U. Innsbruck ist es die fünfte Produktion – erneut mit Ottfried Fischer, der die Entstehung des Films auch finanziell unterstützt. So wie die Diözese Innsbruck, die Republik Österreich, das Land Tirol, zahlreiche Gemeinden, öffentliche Institutionen und private Geldgeber. Besonders hob Weiskopf die Mitwirkung von Ottfried Fischer als Schauspieler und Co-Produzent hervor: „Fischer ist ein großer Künstler mit einer besonderen Sensibilität.“

 

 

Ottfried Fischer: Vergangenheitsbewältigung muss enden bei einem „Nie wieder“

 

Der gemeinsame Einsatz gegen das Vergessen führte zu einer langjährigen Freundschaft von Ottfried Fischer mit dem Tiroler Regisseur Hermann Weiskopf. „Wir müssen die Finger in die Wunden legen, denn Vergangenheitsbewältigung muss enden bei einem „Nie wieder“, so der bayrische Schauspieler. Wichtig sei, dass Künstler diese Geschichten erzählen, sie müssten dafür brennen. „Ich kann es nicht mehr hören“ dürfe man nicht zulassen, unterstrich Fischer. Filme wie „Otto Neururer – Hoffnungsvolle Finsternis“ seien wichtig, deshalb müsse man sie machen.

 

Die Rolle des Pfarrers Anton war eine große Anstrengung für den 65-Jährigen, war es doch die erste Tätigkeit nach einem viereinhalbmonatigen Krankenhausaufenthalt. „Doch ich wollte unbedingt!“ In einer Sequenz des Films betet Fischer das Vaterunser in einer beeindruckenden Tiefe. „Ich schaffte es, die negative Kraft des Krankseins, die verlorengegangen ist, in diese Betszene zu übertragen. Das Vaterunser ist außerdem ein sagenhaftes Gebet, das viel selber macht“, so Fischer. „Der Film und die Dreharbeiten haben mir persönlich geholfen, dass ich mich gesundheitlich wieder wohler gefühlt habe.“ Augenzwinkernd meinte Fischer, Neururer hätte auch beim Zustandekommen dieses Films ein kleines Wunder gewirkt, Papst Franziskus könne den Tiroler schon heiligsprechen.

 

Jasmin Mairhofer als jugendliche Straftäterin Sofia mit Ottfried Fischer als Pfarrer Anton

Jasmin Mairhofer als jugendliche Straftäterin Sofia mit Ottfried Fischer als Pfarrer Anton. © avgproduktion

 

Schirmherrschaft durch Glettler, Müller, Lieder und Van Staa

 

Vier Tiroler Persönlichkeiten haben „als wichtigen Beitrag gegen das Vergessen“ die Schirmherrschaft für den Film übernommen.

 

 

Bischof Hermann Glettler: Neururer war Sehender in einer Zeit der Verblendung


Ganze 15 Jahre lang (1917 bis 1932) lebte Otto Neururer während seiner Tätigkeiten als Stadtpfarrkooperator von St. Jakob und Religionslehrer im sogenannten „Kooperatorenhaus“ – das heutige Bischofshaus am Domplatz 5 in Innsbruck. „Ich bin alleine schon dadurch beschenkt durch die Nähe zur ehemaligen Wohnstätte von Neururer“, so Innsbrucks Bischof Hermann Glettler. Neururer sei eine Lichtgestalt gewesen, die schon früh erkannt habe, dass mit dem System etwas nicht stimmt. „Otto Neururer war ein Sehender in einer Zeit der Verblendung. Ich hoffe, dass viele den Film sehen und das in einer Zeit, wo wir uns viel vorgaukeln lassen“, so Glettler.

 

Die emeritierte Superintendentin der evangelischen Kirche, Luise Müller: „Ich musste keine Sekunde nachdenken, hier spielt katholisch oder evangelisch keine Rolle. Es ist unverzichtbar, dass wir nicht vergessen.“

 

Der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Günter Lieder: „Wie sich Otto Neururer exponiert hat, davor ziehe ich den Hut. Der Film ist ein wichtiger Beitrag gegen das Vergessen!“

 

Alt-Landeshauptmann Herwig van Staa: Jeder weiß, das Nazi-Regime war verantwortlich für die größten Gräueltaten der Geschichte. Unrecht kann man nicht beseitigen, aber bewusst machen. Ein Film gegen das Vergessen!“

 

 

Preise und Auszeichnungen bei internationalen Festivals

 

Die Erfolgsgeschichte des Tiroler Films über den Märtyrerpfarrer „Otto Neururer – Hoffnungsvolle Finsternis" hat im Frühjahr dieses Jahres begonnen und reißt nicht ab. Nach einer Vorführung in der Filmotheka im Vatikan hat das Filmteam zahlreiche Einladungen zu internationalen Filmfestivals erhalten. Der bereits mehrfach preisgekrönte Film „Otto Neururer – Hoffnungsvolle Finsternis“ hat seine Sammlung erst vor kurzem mit weiteren Auszeichnungen erweitert - sehr zur Freude von Regisseur Hermann Weiskopf und dem Ko-Produzenten des Films Ottfried Fischer.

 

 

Bisherige Auszeichnungen:

  • Jury Award“ (Jury-Preis) „Bester Spielfilm“
    „Audience Award (Publikums-Preis) „Bester Spielfilm“

    beim „Vero Beach Wine and Film Festival 2019“ in Vero Beach, Florida, USA,
  • Lucas Zolgar – „Bester Darsteller“
    Gwen Mc Guirk - Preis für „Beste Kostüme“

    beim West Europe International Film Festival 2019 in Brüssel
  • Bester Internationaler Film
    beim Borderscene Film Festival 2019 in Las Cruces, New Mexico, USA
  • Gwen Mc Guirk - Preis für „Beste Kostüme“
    beim Filmfestival Valencia 2019

Der Film „Otto Neururer – Hoffnungsvolle Finsternis“ wird noch bei weiteren Filmfestivals gezeigt: beim Portoviejo Film Festival in Ecuador, beim Over-The-Rhine International Film Festival in Cincinnati, USA, sowie auf dem Southampton International Film Festival 2019 in England. Dabei darf sich das Filmwerk dank zahlreicher Nominierungen mit den besten Filmen des Jahres weiter messen.

 

 

Seit wenigen Tagen auf großer Kinopremierentour in Österreich – in über 50 ausgesuchten Kinos in allen neun Bundesländern

 

Seit der Kino-Weltpremiere am 4. Oktober 2019 in Innsbruck besuchen Regisseur Hermann Weiskopf sowie Drehbuchautor Peter Mair und zeitweise auch Publikumsliebling Ottfried Fischer über 50 weitere Premierenabenden in allen österreichischen Bundesländern, wo der Film nach den jeweiligen Premierenabenden samt Publikumsgespräch im Programm der Kinos weiter zu sehen sein wird.

 

Infos zu den Premierenterminen und Kinostarts unter: www.ottoneururer.com

 

Im nächsten Jahr wird der Film „Otto Neururer – Hoffnungsvolle Finsternis“ auch in Deutschland, Frankreich und Italien in ausgesuchten Kinos gezeigt werden.

 

Ottfried Fischer mit Jasmin Mairhofer und Heinz Fitz

Ottfried Fischer mit Jasmin Mairhofer und Heinz Fitz. © avgproduktion

 

 

Oberösterreich-Termine

 

Oberösterreich-Premiere

Dienstag, 15. Oktober, 19.30 Uhr

Star Movie Ried/Tumeltsham

mit Produzent Hermann Weiskopf, Drehbuchautor Peter Mair und Ottfried Fischer

 

Mittwoch 16. Oktober, 19.30 Uhr

Kinotreff Leone/Bad Leonfelden

mit Produzent Hermann Weiskopf und Drehbuchautor Peter Mair

 

Donnerstag 17. Oktober 19.30 Uhr

Dieselkino Braunau

mit Produzent Hermann Weiskopf, Drehbuchautor Peter Mair und Ottfried Fischer

 

Freitag 18. Oktober, 19.30 Uhr

Hollywood Megaplex PlusCity Pasching

mit Produzent Hermann Weiskopf, Drehbuchautor Peter Mair und Ottfried Fischer

 

Sonntag 20. Oktober, 17.30 Uhr

Cineplexx Linz

mit Produzent Hermann Weiskopf und Drehbuchautor Peter Mair

 

Dienstag 22. Oktober, 19.30 Uhr

Star Movie Regau-Vöcklabruck

mit Produzent Hermann Weiskopf und Drehbuchautor Peter Mair

 

Mittwoch 23. Oktober, 19.30 Uhr

Star Movie Wels

mit Produzent Hermann Weiskopf und Drehbuchautor Peter Mair

 

Donnerstag 24. Oktober, 19.30 Uhr

Star Movie Steyr

mit Produzent Hermann Weiskopf und Drehbuchautor Peter Mair

 

www.ottoneururer.com/kinotouren

 

(Quelle: Diözese Innsbruck)

 

 

Oberösterreich-Bezug durch Matthias Spanlang

 

Mit dem Namen Otto Neururer ist der Name Matthias Spanlang eng verbunden. Der Pfarrer von St. Martin im Innkreis wurde gemeinsam mit dem Priester Otto Neururer aus Tirol im KZ Buchenwald bei Weimar ermordet.

 

Matthias Spanlang wurde am 20. Februar 1887 in Stockham, Pfarre Kallham, geboren. 1910 wurde er zum Priester geweiht. Ab 1918 war er als Feldkurat zunächst bei der Garnisonsseelsorge Linz und nach der Neuregelung der Militärseelsorge 1922 als Brigadepfarrer tätig. 1925 wurde Spanlang schließlich Pfarrer in St. Martin im Innkreis. Spanlang hatte bereits in Zeitungsartikeln aus dem Jahr 1930 vor den Nationalsozialisten gewarnt. Am 29. Mai 1940 wurden die Priester Otto Neururer und Matthias Spanlang in den Lagerbunker gebracht. Beide quälte man dort zu Tode. Sie waren bei der seelsorglichen Betreuung eines Häftlings in die Falle eines Spitzels getappt. Während Neururer 1996 seliggesprochen wurde, fand Pfarrer Spanlang, den dasselbe Schicksal wie Neururer ereilte, wenig Beachtung. Dabei wurde er schon am 13. März 1938, einen Tag nach dem Einmarsch von Hitlers Truppen in Österreich, verhaftet. Jahrelang hatte der Pfarrer in der Rieder Zeitung gegen die illegalen Nationalsozialisten in seiner Pfarre St. Martin geschrieben und gepredigt. Den örtlichen Parteibonzen, die seine Verhaftung betrieben und offenbar sogar mehrmals seine Entlassung aus dem KZ verhindert hatten, gelang es nach Kriegsende, sich in perfider Weise den Nachforschungen der Sicherheitsdirektion zu entziehen. Sie scheuten nicht einmal davor zurück, ihr totes Opfer zu verspotten: Den Tod habe sich Pfarrer Spanlang selbst zuzuschreiben, da er ja gegen eine Vorschrift der Lagerleitung verstoßen hat. 

 

(Quelle: Kathpress / KirchenZeitung)

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