Thursday 18. April 2019

Ölweihmesse im Linzer Mariendom als Auftakt zu den Kartagen

Am Mittwoch, 17. April 2019 um 15.00 Uhr weihte Bischof Manfred Scheuer im Linzer Mariendom im Beisein von etwa 100 Priestern und Diakonen und zahlreichen Gläubigen die heiligen Öle für die Diözese Linz: das Chrisamöl, das Krankenöl und das Katechumenenöl.

In den diözesanen Bischofskirchen werden jedes Jahr am Gründonnerstag (oder einem anderen osternahen Tag vor dem Gründonnerstag) durch den Ortsbischof die heiligen Öle geweiht, die anschließend in der gesamten Diözese verteilt werden: das Chrisamöl, das Krankenöl und das Katechumenenöl.

 

In der Diözese Linz wird die Chrisam-Messe (Missa Chrismatis) traditionell am Mittwoch vor dem Gründonnerstag um 15.00 Uhr gefeiert. Bei dieser Feier werden mehrere große Kessel mit Öl in der Karwoche zum Altar im Linzer Mariendom gebracht und dort im Beisein vieler Priester und Diakone der Diözese Linz vom Bischof geweiht. Die Priester erneuern in diesem Gottesdienst zudem ihr Weiheversprechen und bitten erneut um die Weihegnade.

 

Bischof Manfred Scheuer bei der Weihe der heiligen Öle.

Chrisammesse mit Bischof Manfred Scheuer im Linzer Mariendom. © Diözese Linz / Fürlinger

 

 

Heilige Öle helfen ChristInnen

 

Mit Ausnahme von Salzburg, wo das Öl als Spende einer Familie mit Ölbaumplantage der Erzdiözese geschenkt wird, kaufen Österreichs Diözesen das Olivenöl beim Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem ein. Er bezieht es aus der von ChristInnen besiedelten Ortschaft Taybeh. Nach der Ernte 2018 hat der Ritterorden 12.000 Halbliterflaschen importiert, die für den Hausgebrauch verkauft werden: auf Adventmärkten, in Klosterläden oder in den Komtureien des Ordens. In Großgebinden haben die Diözesen 255 Liter abgenommen – für die heiligen Öle. Taybeh ist wie andere Orte auch aufgrund der wirtschaftlich schlechten und politisch schwierigen Lage in den Palästinensergebieten von starker Auswanderung betroffen. Die Abnahme des wichtigen landwirtschaftlichen Produkts hilft den Menschen vor Ort direkt, wie die Linzer KirchenZeitung in ihrer Ausgabe vom 11. April berichtet.

 

 

Das Ziel – Gott selbst – wieder in den Blick nehmen

 

In seiner Predigt nahm Bischof Manfred Scheuer eingangs Bezug auf den Brand in der Pariser Kathedrale Notre-Dame vor zwei Tagen, der nach wie vor weltweit für Erschütterung und Bestürzung sorgt. Der Brand einer Kathedrale sei eine Wunde für die Seele von Menschen, aber auch für die kulturelle und religiöse Identität von Völkern, sofern es diese noch gebe, so Scheuer. Kritischer Nachsatz des Bischofs: „Oder wird da sichtbar, was sich in den Herzen und in den Beziehungen schon längst abgespielt hat, nämlich die Destruktion von Religion und Kultur? Ist Notre-Dame so etwas wie ein Phantomschmerz Europas? Hier und da hat man das Bewusstsein: Es geht uns etwas ab ohne Religion.“

 

In der Karfreitags-Diskussion der letzten Wochen und Monate hätten sich die einen für einen gemeinsamen Feiertag stark gemacht, andere hätten dazu keinen Grund gesehen. Der Karfreitag sei aber nicht nur ein Tag im Kalender, sondern Teil des menschlichen Lebens – mit Scheitern, Verlust und Traurigkeit als Realitäten auch im Leben von Priestern, so Scheuer, der auch die Missbrauchskrise thematisierte: „Vielen geht es so wie es den beiden Jüngern, die nach Emmaus gegangen sind: Das Erschrecken über das, was über uns alle in den letzten Monaten, ja Jahren hereingebrochen ist, die Beschämung über das, was an die Öffentlichkeit gekommen ist, der Schmerz über das Ausmaß an Versagen in kirchlichen Reihen, die Trauer über das zerbrochene Leben von Opfern, aber auch von Tätern, der Schock darüber, wie eine ‚aufgeklärte Öffentlichkeit‘ pauschal den Stab über die Kirche und die Bischöfe und Priester im Besonderen bricht, schlussendlich die Ratlosigkeit vieler Menschen angesichts der kulturellen Situation, die einer geistigen und geistlichen Wüste gleicht, einem Scherbenhaufen nicht ganz unähnlich – das alles verleitet viele von uns zur Resignation und Emigration.“ Es gebe die Hoffnung, mit dem diözesanen Plan zur Neustrukturierung der Seelsorge neue Impulse für die Belebung einer lebensfördernden Religiosität zu setzen, die Hoffnung auf eine „Mission in die Breite und in die Tiefe, die Hoffnung, mit dem Evangelium, mit Lebensfreundlichkeit, mit Frieden und Gerechtigkeit Vorreiter sein zu können. Die Realität sieht nach Scheuers Diagnose anders aus: „Wir werden zurückgeworfen in unseren eigenen Saft, auf unsere Strukturen, auch auf unsere Sünden.“

 

Bischof Scheuer bei seiner Predigt.

Bischof Manfred Scheuer ermutigte in seiner Predigt dazu, das Ziel im Blick zu behalten. © Diözese Linz / Fürlinger

 

Der Diözesanbischof erinnerte am Tag der Erneuerung des Weiheversprechens von Priestern und Diakonen an die allgemeine Berufung aller Gläubigen zur Heiligkeit. Scheuer ortete in diesem Zusammenhang eine „Unbeholfenheit für das Verständnis von Heiligkeit, aber auch und im Besonderen für die Rede von Berufung und Gnade“. Heiligkeit, Vollkommenheit werde oft im moralischen Sinn bzw. im Sinn der Perfektion gedacht bzw. missverstanden. Scheuer wörtlich: „Im Neuen Testament steht dafür ‚telos‘: das Ziel, die Ausrichtung auf Vollendung hin. Es geht also darum, das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren, die Orientierung nicht zu verlieren.“ Die Erneuerung der Weiheversprechen von Priestern und Diakonen bei der Chrisammesse könne heißen, das Ziel – Gott selbst – wieder in den Blick zu nehmen. Denn, so Scheuer: „Jesus hat sich beim Letzten Abendmahl nicht an ‚Perfekte‘, ‚moralisch Vollkommene‘ hingegeben. Der Zwölferkreis war eine Mischung von Angst, Hilflosigkeit, Feigheit, Ohnmacht, Verrat, Liebe, Freundschaft und Verleugnung. Es geht um die Besinnung darauf: Was ist unsere Sendung?“

 

Jeder Mensch sei eine Mission, betonte Scheuer unter Bezugnahme auf ein Wort von Papst Franziskus im Apostolischen Schreiben „Evangelii Gaudium“. Der Bischof: „Erneuerung des Weiheversprechens heißt, daran zu denken: Ich bin eine Mission. Ich bin ‚gebrandmarkt‘ für die Mission, Licht zu bringen, zu segnen, zu beleben, aufzurichten, zu heilen, zu befreien.“ Letztlich gehe es bei Mission darum, zu zeigen, was man liebe: „Es geht darum, Jesus zu zeigen, von dem wir sicher sein dürfen, dass er uns liebt.“ Mit dem evangelischen Theologen und NS-Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer gab Scheuer zwei Impulse für die derzeitige Situation der Kirche: „Erstens: nüchtern wahrnehmen, in welcher Situation sich die Kirche befindet. Auf dieser Basis sollen wir zweitens mutig für die Weitergabe des Evangeliums eintreten. Das ist auch das zentrale Thema, wenn wir über eine Kirchenreform sprechen. Nur mit der Besinnung auf den Kern unserer Aufgabe bekommen wir eine Öffnung zu den Menschen, die den Kontakt zur Kirche verloren haben.“

 

Dafür brauche es eine Vertiefung der Beziehung zu Jesus Christus, die kein „Fertigprodukt“ sei, sondern wachsen und reifen müsse, Höhen und Tiefen kenne und „in die Verlassenheit von Gott und den Menschen“ führen könne. Der Diözesanbischof dankte Priestern und Diakonen für ihren Dienst und ihr Zeugnis. Scheuer wörtlich: „Vieles hat sich in den letzten Jahrzehnten verändert, vieles wird sich weiter verändern. Ich erbitte für uns, dass wir diese Veränderungen aus der Mitte des Glaubens, aus dem Ostergeheimnis her leben können.“

 

Predigtgedanken von Bischof Manfred Scheuer zum Nachlesen

 

 

Gesalbt als Kind Gottes mit königlicher Würde

 

Das Wort Chrisam bedeutet Salböl. Beim Öl handelt es sich um reines Olivenöl, dem wohlduftender Saft der Balsampflanze beigegeben wird. Die Salbung mit Öl unterstreicht die besondere Würde jedes Menschen als Kind Gottes und macht die besondere Erwählung durch Gott sinnlich erfahrbar. Die Gesalbten sollen spüren, dass Gott sie „mit dem Öl der Freude“ salbt (vgl. Psalm 45,8). Die Salbung nimmt Bezug auf die alttestamentliche Salbung von Königen, Priestern und Propheten, die damit als von Gott Gesegnete ausgezeichnet wurden. Diese alttestamentliche Salbung ist eine Vorausschau auf Jesus Christus als den Gesalbten Gottes (hebräisch: Messias, griechisch: Christos von chrinein = salben), der von sich mit den Worten Jesajas sagt: Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe. (Lukas 4,18-19)

 

Bischof Manfred Scheuer bei der Weihe der heiligen Öle.

Die drei heiligen Öle wurden von Bischof Manfred Scheuer geweiht. © Diözese Linz / Fürlinger

 

Die drei heiligen Öle und ihre Verwendung

 

Mit dem Chrisamöl – dem zudem der wohlduftende Saft der Balsampflanze beigeben wird – werden beispielsweise die Tauf- und FirmkandidatInnen gesalbt. Es wird auch bei der Weihe von Priestern und Bischöfen verwendet. Das Chrisamöl erinnert an die Verbundenheit aller Getauften mit Christus, dem Gesalbten. Darüber hinaus werden damit auch die Wände einer neuen Kirche, Altäre und neue Glocken gesalbt.

 

Das Krankenöl soll als Gabe von Gottes guter Schöpfung den Kranken in ihren Leiden Heilung bringen, den Leib stärken und beleben. Auf der Stirn und in den Handflächen wird es bei der Feier der Krankensalbung aufgetragen.

 

Das Katechumenenöl ist jenes Öl, mit dem (speziell erwachsene) TaufwerberInnen (Katechumenen) in der Vorbereitungszeit auf die Taufe (Katechumenat) gesalbt werden – als Bestärkung auf dem Weg zur Taufe, als Schutz und zur Bewahrung vor dem Bösen. Die Salbung soll ihnen Kraft, Entschlossenheit und Weisheit schenken, damit sie „das Evangelium Christi (…) tiefer erfassen und die Mühen und Aufgaben eines christlichen Lebens hochherzig auf sich nehmen“, wie es im Weihegebet heißt.

 

Die heiligen Öle wurden nach der Chrisammesse verteilt.
Die heiligen Öle wurden nach der Chrisammesse verteilt.
Die heiligen Öle wurden nach der Chrisammesse verteilt.

© Diözese Linz / Fürlinger

 

 

Ölweihmesse mit Bischof em. Aichern im Klagenfurter Dom

 

Der emeritierte Linzer Bischof Maximilian Aichern feierte am Mittwoch um 9.00 Uhr im Klagenfurter Dom die „Missa chrismatis“ gemeinsam mit dem Gurker Domkapitel und zahlreichen Priestern und Diakonen der Diözese. Im Rahmen des Gottesdienstes wurden die heiligen Öle geweiht, die während des Jahres für die Sakramentenspendung verwendet werden. Aufgrund der Sedisvakanz in der Diözese und weil der Chrisammesse ein Bischof vorstehen muss, hat die Diözesanleitung den emeritierten Linzer Bischof zur Feier eingeladen, die von Priester- und Domschola der Diözese Gurk musikalisch mitgestaltet wird.

 

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