Sunday 28. February 2021

Tag der Straßenkinder: Besuch aus Indien bei Bischof Scheuer

Anlässlich des Tages der Straßenkinder, der am Gedenktag des Jugendheiligen Don Bosco am 31. Jänner gefeiert wird, war am 25. Jänner 2019 Besuch aus Indien bei Bischof Scheuer, einem Land, in dem es um die elf Millionen Straßenkinder gibt.

Rund um den Gedenktag des Jugendheiligen Don Bosco, der im Turin des 19. Jahrhunderts obdachlose Kinder von der Straße holte, macht die Hilfsorganisation Jugend Eine Welt österreichweit auf die schwierige Situation von Straßenkindern aufmerksam, lädt insbesondere Schulklassen und Jugendgruppen zu kreativen Aktionen ein und bittet um Spenden für Don Bosco Straßenkinderprojekte.

 

Am Freitag, 25. Jänner 2019 war Hildegard Pesendorfer von der Jugend Eine Welt-Regionalstelle Oberösterreich mit drei Ehrengästen aus Indien zu Besuch bei Bischof Dr. Manfred Scheuer in Linz.



Schwerpunktthema: Bahnhofskinder in Indien

 
Jedes Jahr steht ein anderes Land bzw. Thema im Fokus der Kampagne „Tag der Straßenkinder“. Heuer fragt Jugend Eine Welt angesichts der vielen Straßenkinder auf indischen Bahnhöfen, ob diese „auf dem Abstellgleis“ seien. Der Salesianerpater Jiji Kalavanal, Lokesh Kumar, der früher selbst auf der Straße lebte und seine Frau Pratiba, berichteten bei dem Bischofsbesuch über ihre Arbeit, ihre persönlichen Erfahrungen und die Don-Bosco-Hilfe in Indien.

 

Tag der Straßenkinder: Besuch aus Indien bei Bischof Scheuer

V. l.: Hildegard Pesendorfer (Jugend Eine Welt Regionalstelle Oberösterreich), Pratiba und Lokesh Kumar, Bischof Manfred Scheuer, Salesianerpater Jiji Kalavanal. (c) Diözese Linz / Fürlinger


Die Zahl der Kinder, die den Großteil ihres Lebens auf der Straße verbringen, wird derzeit auf rund 150 Millionen geschätzt. Eine unglaubliche Zahl, dennoch ist ihr schweres Schicksal weitgehend unbekannt bzw. wird in vielen Ländern als selbstverständlich hingenommen.          

 

Lokesh Kumar: Der lange Weg von der Straße zum Erfolg

 

Seit frühester Kindheit träumte Lokesh Kumar von einem freien Leben und davon, Menschen zu helfen und sich künstlerisch auszudrücken. Heute arbeitet der 33-jährige Inder als Schauspieler und Trainer in Bangalore, ist glücklich verheiratet und selbst Vater. Immer wieder kommt er im lokalen Straßenkinderzentrum „BOSCO“ vorbei, um den dort betreuten Kindern als Freund und Vorbild zur Seite zu stehen. Denn er wird nie vergessen, wie wichtig die Unterstützung der von Jugend Eine Welt jahrelang geförderten Don Bosco-Einrichtung für ihn selbst in einer der schwierigsten Phase seines Lebens war.

 

Straßenkind in Bangalore

 

Lokesh wuchs in Tumkur auf, einer Stadt im Südosten des indischen Bundesstaates Karnataka. „Die Situation bei uns zuhause war schrecklich“, erinnert er sich. Gemeinsam mit seiner Mutter musste er schon in jüngsten Jahren auf der Straße Geld verdienen. Er war erst sieben Jahre alt, als er den Beschluss fasste, seine Familie zu verlassen und sich allein durchzuschlagen.

Lokesh fuhr mit dem Bus in die 70 Kilometer entfernte Hauptstadt Bangalore und lebte fortan als Straßenkind – sein Lebensmittelpunkt war der Hauptbahnhof. Er bettelte, sammelte Lumpen, Altpapier und Altplastik und übernahm kleine Gelegenheitsjobs. Schon damals wurde Lokesh von Mitarbeitern des Don Bosco Straßenkinderzentrums kontaktiert, die ihn dazu bewegen wollten, das Straßenleben aufzugeben und zur Schule zu gehen. Das „BOSCO“-Zentrum und seine Freizeitangebote gefielen ihm gut – aber bleiben wollte er nicht.  „Ich hatte mich an das Leben auf der Straße gewöhnt, ich war süchtig danach und wollte meine Freiheit nicht aufgeben“, erinnert er sich.

 

Straßenkinder auf dem Abstellgleis?

Straßenkinder auf dem Abstellgleis? (c) Salesianer Don Boscos

 

Nicht willkommen in der eigenen Familie             

 

Das freie Leben sollte abrupt enden: Eines Tages, als Lokesh im Areal des Bahnhofes Lumpen und Altpapier sammelte, wurde er von der Polizei aufgegriffen und in ein staatliches Kinderheim gesteckt, wo er die folgenden drei Jahre verbrachte und zur Schule ging. Schließlich machten die Behörden seinen Vaters ausfindig, der mittlerweile mit einer anderen Frau verheiratet war und keine Lust hatte, Lokesh wieder in die Familie aufzunehmen. Man einigte sich darauf, dass Lokesh zumindest die Sommerferien bei der Familie seines Vaters verbringen sollte – ein großer Fehler. Denn ein friedliches Zusammenleben zwischen  Lokesh und seiner Stiefmutter erwies sich als völlig unmöglich, der Junge lief davon. Allerdings kehrte er nicht ins Kinderheim zurück, sondern auf die Straße. Er begann, auf dem Gemüsemarkt von Bangalore als Verkäufer zu arbeiten.  

Neustart nach Lepra-Infektion

 

Das Team von „BOSCO“ ließ den kreativen Straßenjungen, der bei seiner Verkaufstätigkeit immer wieder große schauspielerische Begabung erkennen ließ, nicht aus den Augen und versuchte immer wieder, ihn von der Straße zu holen. Doch erst, als Lokesh schwer an Lepra erkrankte, war er bereit, sein Leben zu ändern. Zwei Jahre verbrachte er in einem Lepra-Behandlungszentrum, danach folgten Aufenthalte in mehreren Don Bosco-Einrichtungen. 2002 kehrte er nach erfolgreichem Schulabschluss zu „BOSCO Bangalore“ zurück, wo er eine fünfjährige juristische Ausbildung absolvierte, obwohl er darauf nicht wirklich Lust hatte: Sein Herz schlug ausschließlich für die Kunst. Da niemand in der Lage war, Lokesh die teure Ausbildung an einer künstlerischen Hochschule zu finanzieren, nutzte er jede freie Minute, um sich privat in künstlerischen Fähigkeiten weiterzubilden. Mit Erfolg - heute ist Lokesh Kumar viel gefragter Trainer und Schauspieler, der regelmäßig in Filmen, Reality Shows und TV-Serien mitwirkt. Seit 2012 ist er glücklich verheiratet und mittlerweile selbst Vater.

 

Tag der Straßenkinder: Besuch aus Indien bei Bischof Scheuer 

Lokesh Kumar (re.) war selbst Straßenkind in Indien - heute ist er als Schauspieler Vorbild für viele andere. Der Salesianerpater Jiji Kalavanal (li.) dokumentiert seit vielen Jahren die Arbeit der Salesianer.

 

 

P. Jiji Kalavanal dokumentiert die Arbeit der Salesianer multimedial

 

Kaum einer kennt die vielfarbige Welt der Salesianer Don Boscos, die in 132 Ländern vertreten sind, so gut wie er: Seit Jahrzehnten dokumentiert Salesianerpater Jiji Kalavanal diese in professionellen Fotos, Dokumentationen, Filmen und Multimedia-Materialien. Als Direktor des im indischen Bangalore angesiedelten Medienzentrums „Don Bosco IMAGE“ ist er eng verbunden mit dem von Jugend Eine Welt seit Jahren unterstützten Don Bosco-Hilfsprojekt „BREADS“, das allerärmsten Kindern in den Bundesstaaten Kerala und Karnataka zur Seite steht, darunter tausenden Straßenkindern.

 

In einem Kurzfilm, der auf der Musik und dem Text von "This is me" (Hymne des erfolgreichen Kinofilms "The Greratest Showman") basiert, dokumentiert Kalavanal den Weg vom Straßenkind zum selbstbewussten Erwachsenen, so wie es der Weg von Lokesh Kumar war:

 

In diesem Kurzfilm dokumentiert der Salesianerpater Jiji Kalavanal den Weg vom Straßenkind zum selbstbewussten Erwachsenen.

 

Weitere Infos und Materialien auf www.tagderstrassenkinder.at bzw. www.jugendeinewelt.at

 

Jugend Eine Welt Spendenkonto:

Raiffeisen Landesbank Tirol

IBAN: AT66 3600 0000 0002 4000

SWIFT/BIC-Code: RZTIAT22

Stichwort „Tag der Straßenkinder“

oder online auf www.jugendeinewelt.at

 

Tipp: Interesse an einem Freiwilligeneinsatz bzw. Zivildienst in einem Don Bosco-Hilfsprojekt in Afrika, Asien oder Lateinamerika?
Infos auf www.jugendeinewelt.at bzw. www.volontariat.at
Der nächste Infotag findet am 15. Juni 2019 in Linz statt.

 

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