Freitag 22. Februar 2019

Katholische Schultage: Präsenzkraft aus christlicher Identität

„Präsenzkraft als Schlüssel für Lern-Beziehungen“ war das Thema der der Österreich weiten Tagung der Schulerhalterinnen und Schulerhalter sowie Direktorinnen und Direktoren katholischer AHS und BMHS im Bildungshaus St. Virgil von 14.-16. Jänner 2019.

Impulse setzten Werner Rauchenwald vom Institut für Führungskompetenz und Motivation, P. Hubert Lenz von der Hochschule Vallendar, Jochen Krautz von der Bergischen Universität Wuppertal, Wilhelm Pichler vom Abteigymnasium Seckau und P. Ferdinand Karer vom Gymnasium Dachsberg.

 

Rudolf Luftensteiner: "Ordensschulen sind Orte der Würde."

 

Bei der Schultagung äußert sich der Bereichsleiter für Bildung und Ordensschulen bei den Ordensgemeinschaften Österreich Rudolf Luftensteiner mit Blick auf die steigenden SchülerInnenzahlen bei Ordensschulen: „Die Ordensschulen freuen sich sehr, dass es auch heuer wieder ein Schülerplus gab, weil für uns das auch eine Bestätigung der hervorragenden Arbeit der PädagogInnen ist. Gerade in einer Gesellschaft, die den Wert des Menschen immer mehr festmacht an der Leistung und Brauchbarkeit sind Bildungseinrichtungen, in denen der Mensch, jeder Mensch, als geliebtes Kind Gottes, Würde, Schutz und Ansehen erfährt, von höchster Dringlichkeit. Ordensschulen sind solche Orte der Würde, des Schutzes und der Wertschätzung jedes einzelnen Menschen in seiner Einzigartigkeit. Da sind wir ein wichtiges widerständlerisches Zeichen. Wir schätzen jeden Menschen."

 

Direktor P. Ferdinand Karer vom Gymnasium Dachsberg (3. vl) und Direktor Wilhelm Pichler vom Abteigymnasium Seckau (4.vl) mit Schülerinnen, Schüler und Klassenvorstand
SchülerInnen des Abteigymnasiums Seckau präsentieren die Netzwerk-Lernfelder
v.l. Rudold Luftensteiner, Maria Plankensteiner, Michael Haderer, Anton Eder

Katholische AHS und BMHS-Schultage: "Präsenzkraft aus christlicher Identität". (c) Ferdinand Kaineder

 

Stille und Präsenz machen Intuition zugänglich

 

„In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst.“ Diese Weisheit des Heiligen Augustinus stellte Werner Rauchenwald am ersten Tag der Schultagung mit etwa 80 TeilnehmerInnen in die Mitte seines Impulses, um dann gleich eine heute weit verbreitet Illusion zu benennen: „Das größte Problem der Kommunikation ist die Illusion, sie hätte stattgefunden.“ Rauchenwald ermutigt die Schulverantwortlichen zu einer tiefen Präsenz, „um als Hüterinnen und Hüter von Prozessen da sein zu können“. Mit Übungen wurde gezeigt, „dass Leere Fülle sein kann und Prozesse entscheidend sind neben Lösungen und Zielen. Dabei geht es um jenen Teamgeist, der gemeinsam auf ein Ziel hin arbeitet und füreinander agiert.“ Eine aktive Strategie ist die entsprechende Struktur zur Zielerreichung und Präsenzfähigkeit. Wer präsent ist, hat keine Geschichte als solche, weil das Ego schweigt. „Stille und Präsenz machen Intuition zugänglich und dadurch gute Entscheidungen möglich“, weiß Rauchenwald, der die MEK-Strategie (Motivation-Energie-Konzentration) empfiehlt. Und: „Gebet ist eine solche MEK-Strategie.“ Körpersprachlich gab er den Privatschulverantwortlichen einen zielführenden und sinnmachenden Tipp mit: „Schauen sie aus wie die Lösung, nicht wie das Problem.“

 

Wir leben in einer Beziehung

 

Der Pallotiner P. Hubert Lenz von der Hochschule Vallendar ging der Berufung aus der Taufe nach mit dem Aspekt „Schöpfen aus der Quelle“. Lenz sensibilisierte für die „Luft, die wir atmen. Luft ist nicht alles, aber ohne Luft ist alles nichts. Ohne Luft können wir nicht leben.“ Der Mensch lebt in einer großen Unverfügbarkeit. Im Menschen ist allerdings etwas, was weit über die Eltern hinausragt. Das gibt ihm Freiheit und Würde. „Wir leben davon, dass ein anderer mich bejaht“, sprach Lenz die Dimension an, die wir uns selbst nicht geben können: Der Eigenwert und die Sehnsucht nach einem Du begegnen einander. Lenz sieht am Christlichen ganz zentral: „Gott ist immer schon da. Er sagt Du und Ja. Wir leben in einer Beziehung.“ Gerade auch beim Misslingen ist Gottes Zuspruch: „Ist schon gut“. „Da – Du – Ja“ ist die Luft, die nicht alles ist, aber ohne die wir nicht leben können. Der Ursprung von allem ist, dass Gott eine Beziehung zum Menschen aufbaut. „Diese Liebe können wir weder durch Leistung verdienen noch durch Schuld aufheben oder zerstören. Diese Liebe ist mächtiger als alles Dunkel, als alle Sünde und Tod. Mit seinem Sterben und Auferstehen erlöst Jesus Christus den Menschen vom Kreisen um sich selbst entlang von Beachtung, Anerkennung, Selbstbehauptung und Akzeptanz.“ Lenz erinnert daran, „dass die Taufe das tiefe Eintauchen in diese Ja-Wirklichkeit Gottes ist“.

 

Ordensschulen weiterentwickeln

 

„Eine gute Schule ist noch lange nicht gut. Es heißt, sich ständig weiterzuentwickeln.“ Der Direktor des Abteigymnasium Seckau Wilhelm Pichler machte seine Erfahrungen unter dem Thema "Change im Abteigymnasium Seckau“ für die Kolleginnen und Kollegen zugänglich: „Es geht immer darum, in den Veränderungsprozessen den Blick auf das Ganze nicht zu verlieren. Das heißt bei uns als benediktinische Schule ora et labora et lege. Dazu braucht es Begeisterung und die Herzenshaltung der Liebe.“ Das Abteigymnasium Seckau hat Handlungsfelder der Zukunft im Unterrichtsplan abgebildet, „also neue Fächer neu unterrichten“. Das Handwerk wurde zum Spezifikum unter "Werkstatt:Luft" entwickelt. Unter "Netzwerk Kunst", "Netzwerk Körper" und "#Respekt" wurden weitere Schwerpunkte definiert.

 

P. Ferdinand Karer vom Gymnasium Dachsberg stellte den Kolleginnen und Kollegen ihr neues Zeitmodel für Unterrichtsstunden abseits des "50-Minuten-Taktes" vor. "Die Freiheit ist der kostbarste Teil des Menschen", hat Karer an die Turnsaalwand schreiben lassen. Eigenverantwortung braucht diese Freiheit. Die Selbstständigkeit einzulernen ist das Ziel. Der Umgang mit der Zeit wird damit bewusster und intensiver gestaltet. Praktisch: "Wir sind im zweiten Jahr. Das Schuljahr ist viel ruhiger und konzentrierter geworden. Es gibt keine 50-Minuten Stunden mehr. Lange und kurze Einheiten wechseln einander ab." Die kurzen Einheiten dauern 43 Minuten und die langen Einheiten 73 Minuten. Dazwischen liegt eine FLEX-Zeit. "Vertiefen statt Drüberwischen, Förderung der individuellen Wahlmöglichkeit, Verantwortung übernehmen, Stärkung der Teamfähigkeit und Selbstreflexion fördern", sieht Karer als die Zielsetzung. Unsere Erfahrung. "Gerade die längeren Einheiten nehmen der Schule die Hektik." Bei der FLEX-Zeit löst sich der Klassenverband auf und jeder Schüler geht zu einem Lehrer, "der sie in einer persönlichen Aufgabenstellung fördern kann".

 

Jochen Krautz vom der Bergischen Universität Wuppertal referierte zum Thema "Time for change? Schule zwischen demokratischem Bildungsauftrag und manipulativer Steuerung".

 

Veranstaltet wurde die Tagung unter Federführung von Rudolf Luftensteiner und Michael Haderer für die Ordensgemeinschaften Österreich, die Kirchliche Pädagogische Hochschule Wien/Krems und das Interdiözesane Amt für Unterricht und Erziehung.

 

Quelle: Medienbüro der Ordensgemeinschaften Österreichs

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