Dienstag 13. November 2018

Vom Mesner zum Leiter des Jägerstätter-Instituts

„Alles, was ich bislang gemacht habe, kommt hier zusammen“, sagt Dr. Andreas Schmoller über seine neue Aufgabe als Leiter des „Franz und Franziska Jägerstätter Institut“ der Katholischen Privat-Universität Linz. Ein Interview.

Mit Franz Jägerstätter verbindet Sie Ihre Tätigkeit als Mesner. Doch das ist lang her.

 

Schmoller: Stimmt. Ich war 13, als mich mein Vorgänger fragte, ob ich es machen wolle. Ich dachte mir nichts dabei und sagte Ja. Da drückte er mir den Schlüssel für die Kirche in die Hand. Ab sofort war ich der Mesner von Neukirchen an der Vöckla, bis zur Matura bei den Franziskanerinnen in Vöcklabruck.

 

Was sagten Ihre Eltern dazu?

 

Sie nahmen es zur Kenntnis. Wir sind sechs Kinder und wuchsen sehr frei, aber doch behütet heran.

 

Mag. Dr. Andreas Schmoller ist der neue Leiter des Franz und Franziksa Jägerstätter Instituts der Katholischen Privat-Universtätit Linz.

Mit Frau und Kindern wohnt Andreas Schmoller weiterhin in Salzburg. © www.neumayr.cc, Neumayr/Leo

 

Ihre Karriere klingt nach Bilderbuch. Studium der Theologie und Romanistik. Pädagogischer Leiter der KZ-Gedenkstätte und des Zeitgeschichte Museum Ebensee. Doktorat in Geschichte. Dann eine Stelle an der Universität Salzburg. So perfekt kann man es nicht planen, oder?

 

Es hat sich immer gut ergeben. Nach der Matura wusste ich bloß, dass ich richtig gut Französisch können wollte. Also entschied ich mich für ein Lehramtsstudium. Weil ich ein zweites Fach brauchte, nahm ich Theologie dazu. Das war zunächst eine recht pragmatische Entscheidung. Durch den Zivildienst kam ich nach Ebensee. Daraus ergab sich der Gedenkstättenjob, der nur Teilzeit war. Deshalb suchte ich mir ständig zusätzlich Projekte – mit Überlebenden, zum NS-Widerstand oder für die Oberösterreichische Landesausstellung. Mit dem Doktorat in Geschichte wollte ich mir eigentlich nur beweisen, dass ich es konnte. Interessanterweise entstand daraus die Uni-Anstellung in Salzburg.

 

Sind Sie ein Jägerstätter-Fan?

 

Das würde ich so nicht sagen. Außerhalb der Kirche erlebte ich Jägerstätter nicht als das große Thema. Da gibt es andere.

 

Warum trotzdem Jägerstätter?

 

Alles, was ich bisher gemacht habe, kommt hier zusammen. Außerdem finde ich es interessant, für die Kirche zu arbeiten. Bisher habe ich meistens in kirchenfernen Milieus gelebt. Ich hoffe, dass mir diese Erfahrung etwas bringt.

 

Wozu braucht es das Jägerstätter-Institut?

 

Es geht um das wissenschaftliche wie gesellschaftliche Erbe. Das Institut soll Synergien schaffen. Die Jägerstätter-Schriften sollen konserviert, archiviert, digitalisiert und weiter erforscht werden. Zudem soll eine historisch-kritische Edition für die nächsten Generationen erstellt werden, und es sollen die Biografien weiterer NS-Widerständiger erforscht werden.

 

Was ist das Faszinierende an Franz Jägerstätter?

 

Biografien sind generell faszinierend. Von Jägerstätter gibt es eine tolle Biografie und eben seine Briefe. Er war kein Intellektueller wie Dietrich Bonhoeffer oder die Mit­glieder der Weißen Rose. Dennoch kam er zu dieser kristallklaren Beurteilung des NS-Regimes und zog seine Gewissensentscheidung, den Wehrdienst zu verweigern, durch. Seine Religiosität ist ambivalent, anziehend wie verstörend. Würden wir heute mit ihm über seinen Glauben ins Gespräch kommen, würden wir ihn wohl fragen, ob er mit seiner Religion nicht übertreibt.

 

Das Interview führte Maria Appenzeller. Es erschien im „informiert“, der MitarbeiterInnen-Zeitung der Diözese Linz in der Ausgabe 9/2018.

 

Franz und Franziska Jägerstätter-Institut

 

Das „Franz und Franziska Jägerstätter Institut“ wurde von der Katholischen Privat-Universtiät Linz (www.ku-linz.at) gegründet und im Mai 2018 eröffnet. Zweck ist das Erbe der Jägerstätters zu sichern.

 

Zur Instituts-Website.

 

Katholische Kirche in Oberösterreich
Diözese Linz

Kommunikationsbüro
Herrenstraße 19
Postfach 251
4021 Linz
TEL: 0732 / 7610 - 1170
FAX: 0732 / 7610 - 1175

DVR: 0029874(117)

www.dioezese-linz.at
post@dioezese-linz.at
https://www.dioezese-linz.at/
Darstellung: