Dienstag 14. August 2018

Zulehner: Österreich ist nach wie vor ein christliches Land

Pastoraltheologe Paul Michael Zulehner

Österreich ist nach "wie vor ein christliches, ein katholisches Land". Auf dieses "überraschende" Ergebnis der jüngsten Studie "Christsein in Westeuropa" des US-amerikanischen Thinktanks "Pew Research Center" wies der Wiener Theologe und Werteforscher Paul Zulehner hin.

Die Selbsteinschätzung der Österreicherinnen und Österreicher als christlich liegt demzufolge mit 80 Prozent im europäischen Spitzenfeld – und das gelte auch für Menschen, die nicht am kirchlichen Leben teilnehmen oder gar nicht Mitglied sind, sagte Zulehner am Sonntag, 3. Juni 2018 im ORF-Religionsmagazin "Orientierung". Er ortete ein sehr stabiles "Kulturchristentum" im Land.

 

Wie die klare Mehrheit der Bewohner Westeuropas sehen sich die ÖsterreicherInnen als Christen; gleich hoch wie hierzulande ist dieser Anteil in traditionell katholischen Ländern wie Italien und Irland, mit 83 Prozent etwas höher in Portugal. 77 bzw. 75 Prozent sind es in den Nachbarländern Deutschland und Schweiz, 64 Prozent in Frankreich, Schlusslichter hinsichtlich der Selbsteinschätzung als christlich sind mit 52 bzw. 51 Prozent Schweden und Norwegen.

 

Es zeige sich auch in der Politik, dass die Berufung auf ein christlich geprägtes Abendland wieder en vogue geworden sei - oft in Abgrenzung zum Islam. Dabei leben laut Zulehner 80 Prozent der österreichischen Bevölkerung unter ihresgleichen und habe kaum oder gar keinen Kontakt mit Fremden. Gerade unter diesen sei die "Abwehr" aber am stärksten und die Zustimmung zu einer Politik am höchsten, die nicht auf Integration, sondern auf Abschottung von Fremden setzt.

 

In der Frage, ob Nationalismus dem Bekenntnis zur Religion vorausgehe oder umgekehrt Religion einer abgrenzungsbereiten Heimatverbundenheit, neige er – so Zulehner – zu ersterem. Denn im Grunde hätten alle die gleichen Anweisungen des Evangeliums: dass auf der einen Welt Zusammengehörigkeit und universelle Solidarität gefragt sind, und "dass uns nicht egal ist, wenn jemand in der Ägäis ertrinkt". Der Pastoraltheologe sieht die Kirche beim Flüchtlings- und Ausländerthema derzeit zwar sehr polarisiert, aber dies sei keine Folge der Theologie, sondern der Sozialpsychologie - also der persönlichen Befindlichkeit: Ist jemand von Ängsten geprägt oder sich seiner selbst so sicher, dass er offen auf andere zugehen kann? Dem Nationalismus kann nach Überzeugung Zulehners am besten durch eine engagierte Bildungspolitik und die Förderung einer "Begegnungskultur" entgegengewirkt werden.

 

 

Kirchgänger sind islamkritischer

 

Die Pew-Studie mit knapp 25.000 Befragten aus 15 westeuropäischen Ländern ergab hinsichtlich der Ansichten über diverse gesellschaftliche Themen teils große Unterschiede zwischen den drei Gruppen Kirchgänger, nicht praktizierende Christen und Konfessionslose. 54 Prozent der praktizierenden Christen in Österreich (EU-15-Schnitt: 40 Prozent) sprachen sich z. B. für eine "Eindämmung der Zuwanderung" aus, während dieser Anteil bei nicht-praktizierenden Christen bei 37 und bei Konfessionslosen bei 28 Prozent lag.

 

Besonders gegenüber muslimischen Migranten sind bei Christen Vorbehalte spürbar: Im Westeuropa-Schnitt sieht rund die Hälfte von ihnen laut Befragung den Islam als "grundsätzlich nicht mit ihrer nationalen Kultur und ihren nationalen Werten vereinbar"; ein Drittel wäre nicht bereit, Muslime als Familienmitglieder zu akzeptieren (Konfessionslose: 11 Prozent).

 

Kathpress

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