Samstag 22. September 2018

Jugendkirche Linz: Innovativer Ankerpunkt für Jugendliche

Linz hat seit einigen Jahren eine Jugendkirche, die in der Stadtpfarrkirche Urfahr beheimatet ist. Inzwischen ist der GRÜNE ANKER, wie sich die Jugendkirche Linz nennt, um einige Räumlichkeiten gewachsen, die von Bischof Scheuer gesegnet wurden.

Jugendlichen (Kirchen-)Raum geben – leistungsfreien Raum, wo sie einfach einmal sein dürfen, wo sie punktuell „andocken“ können und wo auch Fragen nach Sinn und Spiritualität Platz haben: Das ist die Idee hinter der Jugendkirche Linz, die 2011 als Pilotprojekt begann und seit 2015 – mit Zustimmung des dortigen Pfarrgemeinderats – fix in der Stadtpfarrkirche Urfahr etabliert ist. Sie teilt sich das Gotteshaus mit der Pfarrgemeinde vor Ort.

 

Die Jugendkirche Linz ist in dieser Form einzigartig in ganz Österreich. 2011 wurde im Jugendpastoralteam der Diözese Linz die Entscheidung getroffen, eine Jugendkirche für die Stadt Linz zu konzipieren. Nach längerer Standortsuche, bei der u. a. auch die Linzer Tabakfabrik und ein Schiff auf der Donau angedacht waren, erfolgte ab 2012 der „Probebetrieb“ in der Stadtpfarrkirche Urfahr. Seit 2015 ist die Jugendkirche hier fix „verankert“ – und trägt seit Jänner 2017 den Namen GRÜNER ANKER.

 

Ihr Angebot – es reicht von Konzerten und JamSessions über Buchpräsentationen, Lesungen, Ausstellungen und Theaterproduktionen bis hin zu modernen Gottesdienstformen – richtet sich an 14- bis 24-jährige Jugendliche und junge Erwachsene aus unterschiedlichen Milieus. Hauptzielgruppe sind junge Menschen mit wenigen Berührungspunkten zur Kirche. Die Angebote sind offen für alle Jugendlichen, unabhängig von ihrem religiösen, sozialen oder kulturellen Hintergrund. Es braucht keine Vertrautheit mit rituellen Abläufen oder Gebeten. Das Konzept zielt auf punktuelle Kontakte ab – ohne Bedingung und ohne Verpflichtung zu ehrenamtlichem Engagement. Damit ist die Jugendkirche Linz eine wertvolle Ergänzung zur pfarrlichen Jugendseelsorge. Kontakte mit Jugendlichen ergeben sich über die Firmvorbereitung, über Schulen und über diverse Veranstaltungen der Jugendkirche (Theateraufführungen, Reisen etc.)

 

 

Neue Räumlichkeiten gesegnet

 

Neben dem Kirchenraum der Stadtpfarrkirche Urfahr, der Ankerpunkt für die Angebote der Jugendkirche ist, stehen den Jugendlichen ab jetzt weitere Räumlichkeiten zur Verfügung: Im Mai 2017 erfolgte der Spatenstich für Um- und Zubauarbeiten, die im Frühjahr 2018 fertiggestellt wurden. Im alten Pfarrhof wurden Räume renoviert, die nun als Lager, Büro und Gruppenraum genutzt werden können. Durch einen 20 Meter langen und 3 Meter breiten Zubau ist eine Begegnungszone entstanden, in der auch gekocht und gegessen werden kann und die als Ausstellungsfläche zur Verfügung steht. Darüber hinaus erschließt der Holzzubau die neu renovierten Räumlichkeiten. Geplant und umgesetzt wurde die Holzkonstruktion von SchülerInnen der HTL1 Bau und Design in Linz und ihrem Lehrer Martin Wolfesberger. Das Konzept der verschiedenen Räume bietet „die Möglichkeit, die Frage nach Gott neu, kreativ und herausfordernd zu stellen und den jungen Menschen so zu begegnen, dass sie dabei sich selbst und Gott auf die Spur kommen“, heißt es im Leitbild der Jugendkirche Linz. Dieser „Experimentierraum“ verändert auch die Jugendkirche selbst, die sich so immer wieder neu entdeckt.

 

Am 11. April 2018 wurden die neuen Räumlichkeiten im Rahmen eines Festaktes, der unter dem Motto „Anker setzen“ stand, von Bischof Dr. Manfred Scheuer gesegnet. Unter den etwa 120 Festgästen waren neben zahlreichen Jugendlichen auch Persönlichkeiten des kirchlichen und öffentlichen Lebens sowie KooperationspartnerInnen aus den Bereichen Schule und Kultur. Gekommen waren unter anderem die Direktorin von Pastorale Berufe und damit diözesane Zuständige für die Jugendkirche Mag.a Brigitte Gruber-Aichberger, Pastoralamtsdirektorin Mag.a Gabriele Eder-Cakl, die Pfarrassistentin der Stadtpfarre Urfahr Mag.a Ursula Jahn-Howorka und Dechant Mag. Zarko Prskalo. Als VertreterInnen der Politik nahmen LAbg. Dr.in Elisabeth Manhal (in Vertretung von Landeshauptmann Mag. Thomas Stelzer), Kulturstadträtin Doris Lang-Mayrhofer, Vizebürgermeister Mag. Bernhard Baier und Vizebürgermeisterin Karin Hörzing (in Vertretung von Bürgermeister MMag. Klaus Luger) teil. Musikalisch gestaltet wurde der Festakt vom Chor „Total Verchort“ und von der Band des GRÜNEN ANKERS.

 

Festakt zur Segnung der neuen Räumlichkeiten mit Auftakt in der Stadtpfarrkirche Urfahr
120 Gäste kamen zum Festakt zur Segnung der neuen Räumlichkeiten des GRÜNEN ANKERS.
Der Chor "Total verchort" des GRÜNEN ANKERS

© GRÜNER ANKER / Hanner

 

 

„Heiliger Nutzraum“, wo Jugendliche in Würde pubertieren dürfen

 

Aufgebaut hat die Jugendkirche Linz GRÜNER ANKER der 44-jährige Klemens Hager. Der gelernte Tischler begleitet seit 23 Jahren Jugendliche beim Erwachsenwerden – zuerst in einem Jugendzentrum, dann im Dekanat Gallneukirchen Ost und seit 2011 in der nunmehr einzigen Jugendkirche Österreichs. Der Leiter des GRÜNEN ANKERS nahm in seinen Eröffnungsworten Bezug auf den Namen der Jugendkirche Linz: „GRÜNER ANKER steht für ein Bei-Gott-Einkehren, Ankern, Verweilen, Aufs-Leben-Anstoßen, um dann wieder aufzubrechen. Der Anker ist auch eine Anspielung auf den Ort der Jugendkirche neben der Donau. Für uns von der Jugendkirche ist der GRÜNE ANKER ein ‚heiliger Nutzraum‘, in dem das Experiment Leben Platz hat und wo Jugendliche ‚in Würde pubertieren‘ dürfen. Grün ist die Farbe der Jugendlichkeit, des Wachstums, des Aufblühens und der Hoffnung – genau dafür steht die Jugendphase.“

 

Der Leiter des GRÜNEN ANKERS Klemens Hager bei der Begrüßung.

Der Leiter der Jugendkirche Linz GRÜNER ANKER Klemens Hager. © GRÜNER ANKER / Hanner

 

Mag.a Brigitte Gruber-Aichberger, Direktorin von Pastorale Berufe und in der Diözese Linz für die Jugendkirche GRÜNER ANKER zuständig, nannte als Gründungsziel der Jugendkirche, junge Menschen mit Gott, Glaube und christlicher Lebensweise in Berührung zu bringen. Der konzeptionelle Ansatz von „Jugendkirche“ sei es, Jugendlichen und jungen Erwachsenen Kirchenraum zur Verfügung zu stellen. Gruber-Aichberger wörtlich: „Nicht Kirchenverantwortliche gestalten etwas FÜR die Jugendlichen, sondern die Kirche – im doppelten Sinn verstanden – ist damit Gestaltungsraum VON jungen Menschen.“ Die Direktorin von Pastorale Berufe dankte dem Leiter der Jugendkirche Klemens Hager und seinem Team für deren Begeisterung und Engagement, der Pfarrgemeinde der Stadtpfarrkirche Urfahr für ihre Offenheit und Gastfreundschaft und allen KooperationspartnerInnen in Diözese, Stadt Linz und Nachbarschaft für das verlässliche Miteinander. Den Jugendlichen wünschte Gruber-Aichberger „dass die neu gestalteten Räume wirklich zu euren Räumen werden und dass das Miteinander wächst“.

 

Die Direktorin von Pastorale Berufe Mag.a Brigitte Gruber-Aichberger

Mag.a Brigitte Gruber-Aichberger, Direktorin von Pastorale Berufe. © GRÜNER ANKER / Hanner

 

Raum für Entwicklung von Fähigkeiten und Freundschaften

 

Bischof Dr. Manfred Scheuer nahm in seiner Ansprache Bezug auf den Raum für die Entwicklung von Fähigkeiten und von Freundschaften, den die Jugendkirche GRÜNER ANKER Jugendlichen bieten möchte. „Die Nähe eines Menschen kann Raum geben und damit leben lassen, sie kann aber auch einengen und die Luft ausgehen lassen. Vermutlich haben die meisten schon einmal die Erfahrung gemacht: ‚Da bin ich fehl am Platz‘, weil vermittelt wurde: Du bist hier fremd; du verstehst nichts; du bist anders. Deine Kleidung, dein Stil, deine Kultur oder Subkultur, deine Sprache und dein Gehabe passen hier nicht. Oder: Du bist eine Bedrohung, du störst die Kreise anderer, du bist eine unerwünschte Konkurrenz! Du wirst hier nicht mehr gebraucht, du bist überflüssig, du bist nichts mehr wert.“ Scheuer wies darauf hin, dass nach Erik Erikson vier Fähigkeiten die Konstituierung der menschlichen Identität bestimmen: die Fähigkeit, hoffen zu können (Vertrauen gegen Misstrauen), die Fähigkeit, wollen zu können (Autonomie gegen Scham und Zweifel), die Fähigkeit, ein Ziel anstreben zu können (Initiative gegen Schuldgefühle), und die Fähigkeit, ein Werk zu vollbringen (Werksinn gegen Minderwertigkeitsgefühle). Ebenso wichtig wie diese Fähigkeiten seien für junge Menschen Freundschaften. Habe man früher Stoßgebete gen Himmel geschickt, so schreibe man heute Statusmeldungen auf Facebook – „als Stoßgebet, dass da im omnipotenten Netz jemand ist, der zuhört, der an mir, meinem Profil Interesse hat“, so der Diözesanbischof.

 

Bischof Manfred Scheuer segnete die neuen Räumlichkeiten der Jugendkirche Linz GRÜNER ANKER.
Bischof Manfred Scheuer segnete die neuen Räumlichkeiten der Jugendkirche Linz GRÜNER ANKER.
Bischof Manfred Scheuer segnete die neuen Räumlichkeiten der Jugendkirche Linz GRÜNER ANKER.

© GRÜNER ANKER / Hanner

 

 

Glückwünsche von VertreterInnen des Landes Oberösterreich und der Stadt Linz

 

Die VertreterInnen der Politik, LAbg. Dr.in Elisabeth Manhal, Kulturstadträtin Doris Lang-Mayrhofer, Vizebürgermeister Mag. Bernhard Baier und Vizebürgermeisterin Karin Hörzing, zeigten sich begeistert vom Konzept der Jugendkirche, dem vielfältigen Angebot und den neuen Räumlichkeiten. Sie sprachen den Verantwortlichen ihren Dank dafür aus, dass die Jugendkirche besondere Möglichkeiten für junge Leute schaffe, und wünschten weiterhin viel Erfolg.

 

Kulturstadträtin Doris Lang-Mayrhofer
Vizebürgermeisterin Karin Hörzing
Vizebürgermeister Bernhard Baier
LAbg. Elisabeth Manhal

© GRÜNER ANKER / Hanner 

 

Besonders beeindruckt waren die Ehrengäste aus der Politik von der Aufführung des Theaterstücks „#bodenlos – Geschichte einer Ausgrenzung“, das Teil des Festaktes war. Das Stück war von Jugendlichen der Jugendkirche unter der Regie von Elisabeth Kreil selbst erarbeitet worden und wird am 12., 13,. 22. und 24. April 2018 jeweils um 20.00 Uhr im GRÜNEN ANKER auf die Bühne gebracht. Die Festgäste durften das Stück vorab sehen und waren berührt und betroffen. „#bodenlos“ zeigt anhand einer Klassensituation, wie Machtmechanismen hinter einer Mobbing-Geschichte funktionieren und wie rasch Ausgrenzung geschieht. (Alle Infos unter www.grueneranker.at)

 

 

Berührendes Theaterstück „#bodenlos – Geschichte einer Ausgrenzung“, konzipiert und gespielt von Jugendlichen des GRÜNEN ANKERS
Berührendes Theaterstück „#bodenlos – Geschichte einer Ausgrenzung“, konzipiert und gespielt von Jugendlichen des GRÜNEN ANKERS
Berührendes Theaterstück „#bodenlos – Geschichte einer Ausgrenzung“, konzipiert und gespielt von Jugendlichen des GRÜNEN ANKERS
Berührendes Theaterstück „#bodenlos – Geschichte einer Ausgrenzung“, konzipiert und gespielt von Jugendlichen des GRÜNEN ANKERS
Berührendes Theaterstück „#bodenlos – Geschichte einer Ausgrenzung“, konzipiert und gespielt von Jugendlichen des GRÜNEN ANKERS
Berührendes Theaterstück „#bodenlos – Geschichte einer Ausgrenzung“, konzipiert und gespielt von Jugendlichen des GRÜNEN ANKERS

© GRÜNER ANKER / Hanner

 

Nach der feierlichen Segnung der neuen Räumlichkeiten, die Bischof Manfred Scheuer vornahm, klang das Fest mit einem gemütlichen Beisammensein aus.

 

Segnung der neuen Räumlichkeiten des GRÜNEN ANKERS | gemütlicher Ausklang
Segnung der neuen Räumlichkeiten des GRÜNEN ANKERS | gemütlicher Ausklang
Segnung der neuen Räumlichkeiten des GRÜNEN ANKERS | gemütlicher Ausklang
Segnung der neuen Räumlichkeiten des GRÜNEN ANKERS | gemütlicher Ausklang

© GRÜNER ANKER / Hanner

 

 

GRÜNER ANKER: Angebote im Lifestyle der Jugendlichen

 

Die Angebote der Jugendkirche Linz GRÜNER ANKER reichen von Konzerten und JamSessions über Buchpräsentationen, Lesungen und Ausstellungen bis hin zu modernen Gottesdienstformen („Kraft-Hafen“ jeden letzten Sonntag im Monat um 19.00 Uhr). Auch gemeinsames Kochen steht jeden Mittwoch um 17.00 Uhr auf dem Programm. Singbegeisterte können im Chor des GRÜNEN ANKERS andocken, der jeden Mittwoch am Abend probt. Sportliche können sich dem wöchentlichen Lauftreff jeden Dienstag um 17 Uhr anschließen. Die Anker lichten heißt es immer wieder einmal in den Ferien: Gemeinsame Reisen führen etwa nach Kroatien oder zu Schnee- und Skispaß in Österreich. Im April 2018 wird mit „#bodenlos – Geschichte einer Ausgrenzung“ die zweite Theaterproduktion des GRÜNEN ANKERS auf die Bühne gebracht. Bei eigenen Ideen der Jugendlichen bietet der GRÜNE ANKER Unterstützung und Infrastruktur.

 

Wichtig bei allen Angeboten ist, dass nicht nur für Jugendliche, sondern mit ihnen gearbeitet wird, dass sie so intensiv wie möglich eingebunden werden und mitgestalten können. Jugendliche können etwa Ausstellungen selbst mitentwickeln oder durch die Ausstellung führen. Bei Konzerten werden sie in die Ton- und Lichttechnik eingebunden, bei den Theaterstücken sind sie bei der Konzeptionierung und in der Umsetzung mit dabei. So können sie sich je nach ihren Begabungen einbringen. Bei allen Angeboten wird darauf geachtet, dass sie in der Sprache der Jugendlichen, in deren Rhythmus und Lifestyle umgesetzt werden. Die Themen müssen einen Bezug zur Lebenswelt der Jugendlichen haben.

 

www.grueneranker.at

 

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