Dienstag 20. November 2018

Bischof Scheuer präsentierte Buch über Tiroler Caritas-Direktor Steinkelderer

Bischof Manfred Scheuer hat in Zusammenarbeit mit seinem ehemaligen theologischen Referenten Josef Walder einen historischen Sonderband über die KZ-Erfahrungen des Innsbrucker Priesters und Caritas-Direktors Dr. Josef Steinkelderer herausgegeben.

Am Montag, 25. September 2017 präsentiert Bischof Manfred Scheuer um 18.00 Uhr im Haus der Begegnung in Innsbruck den dritten Band der „notae“. Dieser Sonderband von „historischen Notizen aus der Diözese Innsbruck“ von Bischof Scheuer ist in Zusammenarbeit mit seinem ehemaligen theologischen Referenten Josef Walder entstanden und bewahrt die Erinnerungen an die KZ-Erfahrungen des Innsbrucker Priesters und Caritasdirektors Dr. Josef Steinkelderer. „Indem hier seine Aufzeichnungen und Schriften erstmals veröffentlicht werden, möge die Erinnerung zur Versöhnung führen“, so der Herausgeber Bischof Scheuer.

 

Der erste Caritas-Direktor der Diözese Innsbruck, Josef Steinkelderer (1904-1972), war nach den Worten von Bischof Manfred Scheuer einer der entscheidenden "Baumeister" der Kirche in Innsbruck. Scheuer äußerte sich am Montagabend bei der Präsentation des Buches "Zum Verbrecher, zum Cretin, zum Tier. Rechtlosigkeit, Entmündigung und Entwürdigung eines Priesters im KZ", zu der rund 200 Interessierte ins Innsbrucker Haus der Begegnung gekommen waren. Herausgeber des Bandes über den Tiroler Geistlichen, der jahrelang in Konzentrationslagern inhaftiert war, sind Scheuer selbst sowie sein langjähriger theologischer Referent Josef Walder.

 

V. l.: Diözesanadministrator Jakob Bürgler, Günther Steinkelderer (Neffe des ersten Caritasdirektors) mit Gattin Christine, Bischof Manfred Scheuer, Caritasdirektor Georg Schärmer, Diözesanarchivar Martin Kapferer und Mitherausgeber Josef Walder

V. l.: Diözesanadministrator Jakob Bürgler, Günther Steinkelderer (Neffe des ersten Caritasdirektors) mit Gattin Christine, Bischof Manfred Scheuer, Caritasdirektor Georg Schärmer, Diözesanarchivar Martin Kapferer und Mitherausgeber Josef Walder. © Diözese Innsbruck / Sigl

 

Lebenszeugnisse wie jenes von Steinkelderer würden dem Evangelium ein Gesicht geben und die Hoffnung nähren, dass Gewalt nicht das letzte Wort hat, betonte der Bischof. Der einstige Caritas-Chef sei von seiner Biografie stark geprägt gewesen: "Das KZ war für ihn ein Seminar, in dem sich die Erfahrung des Grauens und das Erleben echter Solidarität verbanden". Zugleich habe Steinkelderer auch den Grundstein für die Aufarbeitung der NS-Zeit in der Kirche gelegt.

 

Ansprache von Bischof Manfred Scheuer zum Nachlesen

 

Der Theologe Josef Walder erinnerte bei der Präsentation mit Blick auf Steinkelderers Leben und Wirken daran, das Leiten von Menschen heute nicht zu übersehen. "Wir müssen uns berühren lassen und erkennen, dass hinter jeder Not ein konkretes menschliches Gesicht steht", forderte er. Diese Sichtweise Josef Steinkelderers scheine gerade in einer Zeit, in der die Aufrüstungsspirale wieder angekurbelt werde, von besonderer Bedeutung zu sein, so Walder.

 

Der heutige Caritas-Direktor der Diözese Innsbruck, Georg Schärmer, unterstrich die inspirierende Kraft, die auch heute noch von Steinkelderer ausgehe. Auch die Innsbrucker Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer würdigte das Wirken des Priesters und dessen Einsatz für die Stadt Innsbruck und das Land Tirol.

 

Steinkelderer schreibt in seinen Reflexionen wörtlich über die "Kirche hinter dem Stacheldraht", zumal im Dritten Reich "langsam und scheinbar unmerklich, aber zielsicher, um das ganze kirchliche Leben Stacheldraht gewunden" worden sei. Steinkelderer kritisiert auch die "Selbsterlösung" und "Einschüchterung" des Nationalsozialismus, den "Terror bei Gegenwehr" sowie die Verwundung und Behinderung dadurch.

 

Steinkelderer, geboren 1904 und 1932 zum Priester geweiht, scheute in der NS-Zeit den offenen Konflikt mit dem Regime nicht, weshalb er unter Vorwänden als "Volksverräter" verhaftet wurde. Im November 1939 kam er ins KZ Sachsenhausen, ein Jahr später wurde er ins KZ Dachau verlegt. Dort gab es einen eigenen Block für Priester, in dem diese ab 1941 für sich selbst Gottesdienste feiern durften. In zahlreichen, teils verschlüsselten Briefen aus dem Konzentrationslager zeichnet er ein Bild vom Alltag im KZ, beschreibt aber auch die Solidarität der Häftlinge untereinander. Der neue "notae"-Band gibt anhand dieser Briefen und Tagebucheinträge Einblicke in Steinkelderer Gefühls- und Gedankenwelt.

 

Steinkelderer mit Ungarnflüchtlingen

Josef Steinkelderer mit Ungarnflüchtlingen. © Diözese Innsbruck / Richard Müller

 

Nach Kriegsende wurde Steinkelderer vom damaligen Bischof Paulus Rusch beauftragt, die Caritas als Amt der gerade erste entstehenden Diözese Innsbruck aufzubauen, wobei ihm seine Englischkenntnisse und die überregionale Vernetzung zugute kamen. Caritas-Schwerpunkte waren schon damals u.a. Flüchtlingshilfe, Jugendhilfe, Hilfe für Suchtkranke und Internationale Zusammenarbeit. Später engagierte sich Steinkelderer durch sozialen Wohnbau besonders für die Bekämpfung der Wohnungsnot und gründete Caritas-Sozialschulen. Der erste Caritas-Direktor der Diözese Innsbruck starb 1972.

 

Kathpress

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