Monday 12. April 2021

Eduard-Ploier-Preis und Eduard-Ploier-Journalistenpreis verliehen

Vier PreisträgerInnen des Eduard-Ploier-Preises für Entwicklungszusammenarbeit und die Preisträgerin des Eduard-Ploier-Journalistenpreises wurden von Landeshauptmann Mag. Thomas Stelzer und Bischof Dr. Manfred Scheuer geehrt.

„Gerade die letzten Jahre haben uns drastisch vor Augen geführt, dass wir hohes Interesse daran haben müssen, gemeinsam gegen Flucht- und Migrationsursachen anzukämpfen. Daher ist es auch so wichtig, jene vor den Vorhang zu holen, die vor Ort Hilfe und Aufbauarbeit leisten“, betonte Landeshauptmann Mag. Thomas Stelzer in seiner Rede am 20. Juni 2017 im Linzer Landhaus.

 

Bischof Manfred Scheuer betonte in seinen Grußworten, Entwicklungszusammenarbeit sei in den letzten Jahrzehnten politischer geworden und müsse es zwangsläufig auch sein: Es gebe keine Entwicklung ohne Gerechtigkeit und politisches Engagement. So würden lokale Bauern und Unternehmer in den Ländern des Südens unter dem Wettbewerbsdruck subventionierter Importe leiden, einheimische Unternehmen hätten kaum eine Chance, groß zu werden. Bischof Scheuer wies darauf hin, dass trotz globaler Vernetzung und vordergründiger Nähe ferner Kontinente in den Köpfen der Menschen wenig Wissen und Verständnis für die Lebenssituation von Menschen in Ländern des Südens herrsche. „Wer weiß Bescheid über die Auswirkungen des Klimawandels für die Mangrovenwälder Südostasiens? Wie emotional betreffen die Dürremeldungen aus Afrika, die Verzweiflung der Menschen, die sie zur Flucht treibt?“ Es brauche daher, so der Bischof, VermittlerInnen, die eine vorschnell vermutete und postulierte Nähe tatsächlich Realität werden ließen: „Menschen, die zum einen durch die Zusammenarbeit und Unterstützung vor Ort vermitteln, die aber zum anderen auch durch ihren Vermittlungstransfer von Wissen und Beziehung nach Oberösterreich dafür sorgen, dass konkrete Personen und Projekte die fernen Regionen nahebringen.“ Scheuer dankte den PreisträgerInnen dafür, dass sie mit ihrem Einsatz in der Entwicklungszusammenarbeit einen wesentlichen Beitrag für das menschliche Zusammenrücken unterschiedlicher Weltgegenden leisten.

Darüber hinaus würdigte Bischof Scheuer jene JournalistInnen, die sich „auch den ‚good news‘ verschrieben haben und aufzeigen, wie Hilfe zur Selbsthilfe Kreise zieht, wie Menschen zur Teilhabe und zur Mitbestimmung befähigt werden“. Bischof Scheuer dankte allen JournalistInnen, die „Journalismus auch als Auftrag verstehen, die Welt zum Besseren zu verändern“.

 

Grußwort von Bischof Manfred Scheuer zum Nachlesen

 

 

Der Eduard-Ploier-Preis 2017 ging an:

 

  • CHILDRENPLANET - Verein für die internationale Entwicklungszusammenarbeit, Obmann Christian Gsöllradl-Samhaber, für die Projekte „HopefulWaterProject, Evergreen School, Teachers Incentives Program und Holzwerkstätten - Ausbildung Jugendlicher in Kambodscha.
  • Ingrid Gumpelmaier-Grandl aus Eferding, für das Projekt „Fairytale FAIR Fashion Fair-Trade-Mode-Projekt in Nepal“.
  • PRO SUDAN, Obmann Mag. Dr. Johann Rauscher, für das Projekt „Hilfe zur Selbsthilfe im Südsudan“.
  • Schwester Johanna BRANDSTETTER in Hwange, SIMBABWE, von den Missionsschwestern vom Kostbaren Blut für ihr LEBENSWERK.

V. l.: 1. Reihe: Elisabeth Maria Ploier, Ingrid Gumpelmaier-Grandl, Sr. Johanna Brandstetter CPS, Mag. a Karin Maria Bayr / 2. Reihe: Bischof Dr. Manfred Scheuer, Obmann Mag. Dr. Johann Rauscher, LH Mag. Thomas Stelzer, Christian Gsöllradl-Samhaber

1. Reihe sitzend: Elisabeth Maria Ploier (Gattin des verstorbenen Eduard Ploier), Ingrid Gumpelmaier-Grandl, Sr. Johanna Brandstetter CPS, Mag. a Karin Maria Bayr

2. Reihe stehend: Diözesanbischof Prof. Dr. Manfred Scheuer, Obmann Mag. Dr. Johann Rauscher, Landeshauptmann Mag. Thomas Stelzer, Obmann Christian Gsöllradl-Samhaber

© Land OÖ / Sabrina Liedl

 

Aus der Laudatio von Landeshauptmann Thomas Stelzer für CHILDRENPLANET - Verein für die internationale Entwicklungszusammenarbeit, Obmann Christian Gsöllradl-Samhaber, ausgezeichnet für die Projekte „HopefulWaterProject, Evergreen School, Teachers Incentives Program und Holzwerkstätten - Ausbildung Jugendlicher in Kambodscha.

 

Childrenplanet ist ein oö. Entwicklungshilfe-Verein, der 2009 von Christian Gsöllradl-Samhaber gegründet wurde und in bilateraler Kooperation mit der kambodschanischen Organisation Evergreen Community in der Provinz Stung Treng im Nordosten Kambodschas anhand von humanitärer Projektarbeit menschliche Grundbedürfnisse, wie sauberes Wasser, Bildung, Medizin und Jobperspektiven schafft.  Der Vereinssitz von Childrenplanet ist in Sierning/Steyr.

 

Der Verein Childrenplanet finanziert seine Projekte hauptsächlich aus Spendengeldern und verfolgt ausschließlich gemeinnützige Ziele. Alle der 21 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für den Verein erbrachten Leistungen beruhen auf freiwilliger Basis.

Mr. Long Lypo gründete im Jahr 2006 in Stung Treng (Kambodscha) die Evergreen Community. Lypo wollte es den Kindern aus dem ländlichen Bereich, deren Eltern sich die Schule für ihre Kinder in keiner Weise oder kaum leisten konnten, ermöglichen, Englisch und andere alltägliche Fähigkeiten zu lernen. 2009 besuchte Christian Gsöllradl-Samhaber mit Freunden aus Österreich das Projekt „Evergreen Community“ und beschloss, Mr. Lypo unter die Arme zu greifen. Aus diesem Grund wurde noch im selben Jahr die österreichische Partnerorganisation der Evergreen Community, Childrenplanet, gegründet.
 

Diese enge und vertrauensvolle Partnerschaft ermöglichte es, dass bereits im Jahr 2010 mit der Erweiterung und dem Umbau der Schule begonnen werden konnte.

 

Als NGO (Non-governmental-organization) hat es sich Childrenplanet zum Ziel gesetzt, den Menschen – durch Bildung und Vermittlung von Kulturtechniken – Aussicht auf eine positive Zukunft zu stellen.  Darunter versteht man nicht nur das Erlernen der Schrift, der Kunst des Rechnens und der Sprache, sondern auch die Fähigkeit, sich selbst durch Agrartechniken und landwirtschaftliche Kenntnisse, sowie handwerkliche Arbeiten auf eigene Beine zu stellen.

2010 begann in Kooperation mit Childrenplanet der Ausbau der Schule. Es konnte ein Gebäude mit drei Klassenzimmern errichtet werden. Anschließend wurde dieses auch noch durch einen Speisesaal und Küche erweitert.

 

Bildung ist eine wichtige Ressource für ein selbstbestimmtes Leben und aus diesem Grund ermöglicht die Evergreen Community Kindern Unterricht und begleitet sie durch ihren Alltag. Dies reicht von medizinischer Versorgung und dreimal täglich zur Verfügung gestelltem Essen bis zu außerschulischen Aktivitäten, wie Landwirtschaft, Fischzucht oder auch Mülltrennung.

Seit 2013 verfügt Childrenplanet über eine Zivildienststelle, die „zivil-dienstpflichtigen Österreichern die Möglichkeit bietet, einen 12-monatigen Zivilersatzdienst im Ausland zu leisten“.

 

Childrenplanet sieht sich auch als kultureller und bildungspolitischer Informationsübermittler zwischen Kambodscha und Österreich. Aus diesem Grund halten Childrenplanet-Mitglieder sowie ehemalige Volontärinnen und Volontäre als auch Auslandzivildiener regelmäßig Vorträge an diversen österreichischen Schulen sowie Bildungseinrichtungen und berichten über deren Werken und Wirken im Projektdorf.


Childrenplanet sieht den Trinkwasserzugang als erste Basis eines armutsfreien und menschenwürdigen Lebens und hat diesbezüglich im Jahr 2010 mit dem sogenannten „HopefulWaterProject“ damit begonnen, die Wasserversorgung (Nutz- und Trinkwasser) für die Bevölkerung zu sichern. Bisher wurden 33 gebohrte und handgegrabene Trinkwasserbrunnen, sechs Wasserreservoire und Bewässerungsanlagen für Ackerfelder errichtet, was vielen Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser ermöglicht und für die Bewirtschaftung der Felder wichtige Nutzwasserressourcen bereitstellt. Da das Wasser ebenso essentiell für die Landwirtschaft ist, von welcher der Großteil der Bevölkerung lebt, wird auch an Bewässerungssystemen gearbeitet, um durch die lange Trockenperiode zu kommen.

 

Der „WoodWorkshop“ ist ein Projekt, wo aus regionalem Holz für den überregionalen Verkauf prädestinierte Produkte hergestellt werden. Unter pädagogischer Leitung von lokalen Tischlern und Holzfacharbeitern sollen den Jugendlichen die verschiedensten Techniken der Holzverarbeitung beigebracht und 20 Ausbildungsplätze bis 2020 geschaffen werden.

 

Obmann Christian Gsöllradl-Samhaber CHILDRENPLANET (2. v. r.) mit Bischof Manfred Scheuer, LH Thomas Stelzer und Elisabeth Maria Ploier

Obmann Christian Gsöllradl-Samhaber CHILDRENPLANET (2. v. r.) mit Bischof Manfred Scheuer, LH Thomas Stelzer und Elisabeth Maria Ploier. © Land OÖ / Sabrina Liedl

 

Aus der Laudatio von Landeshauptmann Thomas Stelzer für Ingrid Gumpelmaier-Grandl aus Eferding, ausgezeichnet für das Projekt „Fairytale FAIR Fashion Fair-Trade-Mode-Projekt in Nepal“:

 

Frau Gumpelmaier-Grandl ist im Dezember 1968 in Grieskirchen geboren, verheiratet und Mutter von 2 Söhnen. Nach ihrer Ausbildung an der BAKIP in Linz war sie mehrere Jahre in Wien und lebt seither mit ihrer Familie in Eferding. Mit ihrem Gatten betreibt sie einen „Eine-Welt-Laden“ in Eferding.

 

Frau Gumpelmaier-Grandl bezeichnet sich selber als Gestalterin und Brückenbauerin. Sie ist immer aktiv, wenn es um die Verbesserung der Lebensqualität in ihrem Umfeld geht – und das Umfeld kann auch schon mal bis zum Himalaya gehen.

 

Als vor mehreren Jahren einfach noch viel zu wenig bio-faire Mode erhältlich war, ergriff Frau Gumpelmaier-Grandl die Gelegenheit. Nach dem Motto: Warte nicht, bis andere aktiv werden, such dir Verbündete und mach den ersten Schritt, besuchte sie einen FairTrade-Partner in Nepal, den ihr Mann zuvor kennengelernt hatte. Sie machte sich mit den Gegebenheiten in Kathmandu vertraut und startete voller Mut ein Modeprojekt.

 

Die Mode sollte für viele Frauen tragbar sein, nicht nur für „Junge in der Stadt“ Schritt für Schritt entwickelte sie das Projekt, baute eine Photovoltaik-Anlage am Dach der Schneiderei, damit man die stundenlangen Stromausfälle überbrücken konnte und erweiterte das Sortiment: Taschen, Schmuck und seit kurzem auch Kinderkleider und Männershirts gehören nun neben der vielfältigen Damenmode-Kollektion zum Sortiment.
 

Mittlerweile ist sie seit 7 Jahren mit ihrer Mode „FAIRytale“ am Markt. Die Mode wird gemeinsam mit kleinen Partner-Manufakturen in Nepal erzeugt und in Österreich vertrieben. Sie ist gelistete Lieferantin für alle Weltläden.

 

Um ihr Fair Trade Projekt voranzubringen, fliegt Frau Gumpelmaier-Grandl 2 bis 3 x im Jahr nach Nepal und erarbeitet dort in Nepal Seite an Seite mit ihren Teams neue Designs, neue Techniken - immer auf Augenhöhe. Gerade in der Zeit nach dem schweren Erdbeben war sie ihren Partnern eine große Stütze. Frau Gumpelmaier-Grandl hat die schwierigen Zeiten hinter sich, Fehl¬produktionen mit großer Stückzahl und auch ein Handelsembargo an der indisch-nepalesischen Grenze überstanden.

 

Frau Gumpelmaier-Grandl macht nicht Mode, weil es zu wenig Mode gibt auf der Welt, sondern weil es viel zu wenig bio-faire Mode gibt! Und FAIRytale zeigt: Ein anderer Handel ist möglich! Sie veranstaltet Modeschauen in ganz Österreich - vom Pfarrsaal bis zum Bierzelt. Dabei erzählt sie über die Kraft und Wirkung des fairen Handels. Die ständig steigende Nachfrage, das positive Feedback und das Zusammenwachsen mit ihren Partnern in Nepal, aber auch mit den vielen WegbegleiterInnen hier vor Ort stärken sie immer wieder.

Die Katholische Frauenbewegung in OÖ, Frau Mag.a Leppen und Frau Dipl.Päd.in Weilguni, hat Frau Ingrid Gumpelmaier-Gradl für den Eduard-Ploier-Preis vorgeschlagen.

 

Ingrid Gumpelmaier-Grandl (2. v. r.) mit Bischof Manfred Scheuer, LH Thomas Stelzer und Elisabeth Maria Ploier

Ingrid Gumpelmaier-Grandl (2. v. r.) mit Bischof Manfred Scheuer, LH Thomas Stelzer und Elisabeth Maria Ploier. © Land OÖ / Sabrina Liedl

 

Aus der Laudatio von Landeshauptmann Thomas Stelzer für PRO SUDAN, Obmann Mag. Dr. Johann Rauscher, ausgezeichnet für das Projekt „Hilfe zur Selbsthilfe im Südsudan“:

 

Seit 10 Jahren gibt es die Sudanhilfe auch in der Form des „Vereins ProSudan“, der von Obmann Mag. Dr. Johann Rauscher gegründet wurde. Obmann Rauscher ist bereits seit 30 Jahren im Sudan tätig und seit der Trennung 2011 im Südsudan.

 

Der Verein befasst sich mit einer Vielzahl von Tätigkeiten, die im öffentlichen Bereich stattfinden. Die vorrangigsten Ziele von Pro Sudan sind die Förderung der Bildung von Kindern und Jugendlichen, Berufsausbildung von Jugendlichen und Erwachsenen, Frauenprojekte und landwirtschaftliche Projekten sowie die Unterstützung von lokalen Sozialprojekten (Kinderausspeisungen, Sozialarbeit, pastorale Arbeit) und die Unterstützung von medizinischen Projekten. Der Grundsatz bei Unterstützungsmaßnahmen ist „Hilfe zur Selbsthilfe“.

 

Die politischen Veränderungen sind eine große Herausforderung: Seit 9. Juli 2011 gibt es zwei unabhängige Staaten. Jedes dieser beiden Länder, mit einer fast 40-jährigen gemeinsamen Bürgerkriegsgeschichte, hat jetzt mit eigenen internen Problemen zu ringen. Beide Länder kämpfen mit großflächigen internen Konflikten mit zehntausenden Toten - die Zivilbevölkerung ist die große Verliererin.

 

Auf Grund dieser Entwicklung mussten auch die Schwerpunktregionen von Pro Sudan neu definiert werden. Bis 2011 lag der Focus auf dem Nordsudan.
 

Seit 2012 wurden die Vereinsaktivitäten fast ausschließlich auf den Südsudan fokussiert, weil dort die Hilfe nach dem Ende des Sezessionskrieges am dringendsten benötigt wurde. Trotz der permanenten Unsicherheit und des Bürger¬krieges ist im Südsudan seither sehr viel geschehen.

 

Pro Sudan hat die Komplettrenovierung der diözesanen St. Theresa Grundschule (2500 Schüler), Areal der Juba-Kathedrale, in Angriff genommen. 8 Klassen wurden bereits nachhaltig saniert. Vier Klassen müssen voraussichtlich noch baulich saniert werden. Eine große Herausforderung der nächsten Jahre wird die berufliche Weiterbildung der Lehrer sein.

Das Frauenbildungszentrum in der Diözese Rumbek (ca. 400km nördlich von Juba), das der örtlichen Bevölkerung zugutekommt, wird auch unterstützt. Dort werden Nähkurse, Alphabetisierungskurse, Erste Hilfe-Kurse, Haushaltsführungskurse, Gartenbauschulungen, Ernährungskurse usw. angeboten. Wichtigste Zielgruppe sind die Frauen. Diese tragen die Hauptlast der Familienführung, obwohl mehr als 80 % Analphabeten sind.

Der Südsudan ist derzeit eine der schlimmsten Krisenregionen der Erde.


Gegenwärtig entsteht ein Gartenbauprojekt zur Ernährungssicherung für die 5000 Einwohner des Dorfes Nyancot in der Nähe von Rumbek in Kooperation mit der Organisation „Bahati Sasa“. Die Situation in der Gegend ist wegen der aktuellen kriegsbedingten Hungersnot sehr prekär. Da sichert dieses Projekt nachhaltig das Überleben eines ganzen Dorfes.

 

Lange Tradition beim Verein Pro Sudan haben die Partnerschaften unter anderem mit der MIVA, dem Land Oberösterreich, der Caritas Diözese Graz-Seckau, Eine Welt für Alle Attnang und vielen mehr.


Mit Hilfe dieser Partner und durch die vielen Benefizverkäufe von einheimischem Kunsthandwerk und Produkten aus den Werkstätten unserer Projektpartner erfreut sich das Finanzaufkommen des Vereins eines ständigen Wachstums. 70.000 Euro konnten im vergangen Jahr und insgesamt 450.000 Euro in den letzten 10 Jahren gesammelt werden. Das sind stolze Beträge, die die Not in dem vom Bürgerkrieg stark gezeichneten Land lindern halfen. Gerade dieses hohe Finanzaufkommen und die mannigfachen Projektimplementierungen zeigen, dass jeder Euro, der gespendet wird, zu einer konkreten Hilfe für die Menschen vor Ort wird.

 

Karin Eder hat Pro Sudan für den Eduard-Ploier-Preis 2017 vorgeschlagen.

 

Obmann Mag. Dr. Johann Rauscher, PRO SUDAN (2. v. r.)mit Bischof Manfred Scheuer, LH Thomas Stelzer und Elisabeth Maria Ploier

Obmann Mag. Dr. Johann Rauscher, PRO SUDAN (2. v. r.)mit Bischof Manfred Scheuer, LH Thomas Stelzer und Elisabeth Maria Ploier. © Land OÖ / Sabrina Liedl

 

Aus der Laudatio von Landeshauptmann Thomas Stelzer für Schwester Johanna BRANDSTETTER in Hwange, SIMBABWE, von den Missionsschwestern vom Kostbaren Blut für ihr LEBENSWERK.

 

Schwester Johanna wurde am 2. März 1942 als fünftes von acht Kindern in Königswiesen geboren. Nach ihrer Grundschul-Ausbildung begann sie die Missionsschule der Wernberger Schwestern. Sie bezeichnet ihren Berufungsweg selbst als „einfach und unkompliziert“, da die ältere Schwester, Sr. Emanuela Brandstetter – sie ist heute ebenfalls anwesend -, bereits bei den Wernberger Missionsschwestern eingetreten war. Sie hatten beide den Wunsch, als Missionarinnen ihren Beitrag „zur Besserung der Welt“ zu leisten.

 

Schwester Johanna ging 1966 als Missionarin nach Simbabwe und war als Krankenschwester und Finanzverwalterin wesentlich daran beteiligt, das St. Anne’s Missions Hospital in Brunapeg zu führen und weiterzuentwickeln. Das St. Anne’s ist ein ländliches Hospital, das sich über einen Zeitraum von vier Jahrzehnten, ausgehend von zwei Einzelgebäuden im Jahr 1960 mit 35 Betten für das Einzugsgebiet von 50.000 Menschen, kontinuierlich weiterentwickelte. 1970 gab es 10 Gebäude und im Jahr 2000 bereits 25 Gebäude mit 200 Betten für das Einzugsgebiet von 150.000 Menschen. Gebaut wurde, wenn Geld vorhanden war.

 

Da es bis 1984 nur eine Ärztin gab, wurden die Krankenschwestern - wie Schwester Johanna - gleichsam zu „Busch-Hospital Assistenz-Ärztinnen“, die sich nicht selten um das Einrichten unkomplizierter Knochenbrüche und das Anlegen von Gips, um das Nähen und Behandeln von Schuss- und Bajonette-Wunden, besonders während des Unabhängigkeitskrieges, aber auch um das Annähen und Flicken von abgebissenen Ohrläppchen, Nasen und Lippen - durch meist menschliche Bisse – kümmern mussten.

 

Schwester Johanna war aber auch unterwegs zu entlegenen Dörfern, um Geburtshilfe zu leisten oder Schwerkranke ins Krankenhaus zu transportieren. Insbesondere während der Regenzeit waren solche Krankenrufe nicht ungefährlich, da etwa ausgetrocknete Flussbeete im Nu zu reißenden Flüssen werden konnten.

 

Nach einer Reihe von Morden an Missionarinnen und Missionaren im Land verließen die Mehrzahl der weißen Angestellten 1977 die Missionsstation, um die einheimischen Kollegen durch die Anwesenheit nicht in Gefahr zu bringen.


Diese Zeit bis 1980 nutzte Schwester Johanna für eine weitere Ausbildung in Europa und Kanada. 1980 kehrte sie wieder nach Brunapeg zurück.

 

Innerhalb von 10 Jahren wurden mit internationaler Hilfe Aufbauarbeiten der lokalen Regierung im Gesundheitssystem in entlegenen Gegenden vorangetrieben, sodass sich jedermann eine moderne medizinische Behandlung leisten konnte. Nach allerlei Problemen gingen die internationalen Unterstützungen zurück. Damit verbunden auch die Arbeitsmoral und der Lebensstandard im Allgemeinen. Das führte allmählich zu Auseinander¬setzungen, diesmal Schwarz gegen Weiß, die schließlich im Jahr 2000 zum zweiten Auszug der Weißen aus Brunapeg führten.

 

Nach einem längeren Heimaturlaub kam Schwester Johanna 2001 nach Mariannhill in Südafrika, wo sie bis 2003 bei einem Aidsprojekt engagiert war.

 

Im selben Jahr kehrte Schwester Johanna wieder nach Simbabwe zurück. Seit 2005 arbeitet sie im St. Patrick’s Hospital in Hwange in der Nähe der Victoriafälle. Mit dem Erreichen ihres 70. Geburtstages im Jahr 2012 gab sie die Spitals-Administration in die Hände einer einheimischen Mitschwester und koordiniert seither die Bauprojekte vor allem im St. Patrick’s Hospital.  Aktuell liegt ihr die Ausstattung eines Rehabilitationszentrums in einer neu errichteten ordenseigenen Gesundheitsstation in Bulawayo sehr am Herzen.


Das St. Patrick’s Hospital wurde errichtet, um die ärmere Bevölkerung versorgen zu können. Die nächsten Hospitäler sind zwischen 100 km (Victoria Falls) und über 300 km (Bulawayo) entfernt.

 

Menschen, die Schwester Johanna kennen, schätzen bei ihr ihre Sorge um die Kranken und Armen – dies nicht nur mit Worten, sondern vor allem mit positiven Taten. Projekte nimmt sie nicht nur in Angriff, sondern setzt sie mit dem Team des Hospitals selbst in die Tat um. Sie leitet dabei die bauliche Organisation, die Verwaltung und nicht zuletzt die Organisation der finanziellen Mittel. Ihre Arbeit versteht sie als Dienst an der Verbesserung der medizinischen Versorgung zum Wohle der armen Bevölkerung. Trotz widriger und gefährlicher Umstände hat sie nie aufgegeben. Und sie ist bis heute eine einfache und frohe Missionsschwester geblieben.

 

Schwester Maria Andreas Weißbacher, Missionsschwester vom Kostbaren Blut vom Kloster Wernberg, Pater Bernhard Pagitsch von den Missionaren von Mariannhill im Schloß Riedegg und Mag. Andreas Reumayr, Leiter der Missionsstelle in Linz, haben Sr. Johanna Brandstetter für den Eduard-Ploier-Preis 2017 vorgeschlagen.

 

Sr. Johanna Brandstetter CPS (2. v. r.) mit Bischof Manfred Scheuer, LH Thomas Stelzer und Elisabeth Maria Ploier

Sr. Johanna Brandstetter CPS (2. v. r.) mit Bischof Manfred Scheuer, LH Thomas Stelzer und Elisabeth Maria Ploier. © Land OÖ / Sabrina Liedl

 

Den Eduard-Ploier-Journalistenpreis 2017 erhielt Frau Mag.a Karin Maria BAYR, Redaktionsleiterin bei der BezirksRundschau Rohrbach.

 

Aus der Laudatio von Landeshauptmann Thomas Stelzer:

 

Frau Mag. Bayr wurde 1984 in Rohrbach geboren. Ihr Studium hat Frau Mag. Bayr an der Universität Salzburg absolviert. Nach dem Bakkalaureat  folgte das Magisterstudium, das sie 2008 erfolgreich abgeschlossen hat. In Ihrer Magisterarbeit schrieb sie über das Thema „Lokaljournalismus und seine Bedeutung für alte Menschen im ländlichen Lebensbereich“.

Frau Mag. Bayr ist seit 2008 bei der BezirksRundschau Rohrbach tätig und seit 2010 Redaktionsleiterin. Sie ist mit ganzem Herzen Lokaljournalistin, da sie davon überzeugt ist, dass es für die Menschen wichtig ist – in Zeiten der Globalisierung – Informationen aus ihrem unmittelbaren Umfeld verständlich dargestellt zu erhalten. Wichtig ist ihr vor allem, die Leser auch über Facebook zu erreichen, die man vielleicht aufgrund des Smartphone-Zeitalters mit den Printprodukten nicht mehr so gut erreichen kann.

 

In einem reichen Land wie Oberösterreich zu leben und sozial abgesichert zu sein, ist ein Privileg. Frau Mag. Bayr sieht es daher in unser aller Verantwortung, den Wohlstand mit jenen zu teilen, die weniger haben. Als journalistische Verantwortung versteht Frau Mag. Bayr, den Leserinnen und Lesern näher zu bringen, wie Entwicklungszusammenarbeit fruchtet. Sie möchte Bewusstseinsbildung betreiben, um unsere Lebenswelt „enkeltauglich“ zu machen und aufzeigen, wie man durch eigenes Handeln Positives bewirken kann.

 

Oft sind es kleine Dinge, die etwas dazu beitragen. Zum Beispiel wenn man als Konsumentin oder Konsument fair gehandelten Kaffee kauft, für den die Bauern in Kolumbien ordentlich bezahlt werden. Oder sich für Bananen entscheidet, für deren Produktion die Menschen anderswo auf der Welt nicht ausgebeutet werden bzw. die nicht auf Kosten der Natur „hergestellt“ werden. Mit dem erwirtschafteten Geld das Auslagen zu finden, soll für alle Bauern – auch in der dritten Welt – möglich sein.

 

In ihrem Beruf als Lokaljournalistin hat Frau Mag. Bayr die Möglichkeit, Menschen für Entwicklungsarbeit zu sensibilisieren, indem sie gerne über RohrbacherInnen und Rohrbacher sowie Menschen aus den weiteren Gemeinden des Bezirkes Rohrbach schreibt, die sich in anderen Teilen der Welt für Mitmenschen einsetzen. Gerne berichtet sie über „good news“-Themen, die beispielgebend und nachahmenswert für ein gutes Zusammenleben in der Gesellschaft sind.

 

Die mehr als 20 Reportagen von Frau Mag. Bayr, sowohl über die Familie Margit und Dietmar Wengler aus St. Martin im Mühlkreis, die bereits seit 10 Jahren Hilfe zur Selbsthilfe in Sri Lanka betreiben als auch Beiträge in der BezirksRundschau Rohrbach über Entwicklungshilfeprojekte und die Unterstützung von Menschen in den Entwicklungshilfeländern durch den Kauf von fair gehandelten Produkten haben die Jury besonders beeindruckt.

 

 Mag.a Karin Maria Bayr, Redaktionsleiterin BezirksRundschau OÖ (Ulrichsberg, Bezirk Rohrbach, 2. v. r.) mit Bischof Manfred Scheuer, LH Thomas Stelzer und Elisabeth Maria Ploier

Mag.a Karin Maria Bayr, Redaktionsleiterin BezirksRundschau OÖ (2.v. r.), mit Bischof Manfred Scheuer, LH Thomas Stelzer und Elisabeth Maria Ploier. © Land OÖ / Sabrina Liedl

 

 

Eduard-Ploier-Preis und Eduard-Ploier-Journalistenpreis

 

Der Eduard-Ploier-Preis für Entwicklungszusammenarbeit wird seit 1999 in Würdigung der Verdienste von Eduard Ploier alle zwei Jahre verliehen und ist ein gemeinsamer Preis des Landes Oberösterreich und der Diözese Linz. Mit dem Eduard-Ploier-Journalistenpreis werden seit 2001 publizistische Leistungen gewürdigt, die das Gedankengut der Entwicklungszusammenarbeit und die Hilfe zur Selbsthilfe einer breiten Öffentlichkeit vermitteln. Die PreisträgerInnen wurden von einer Jury ermittelt.

 

 

Entwicklungszusammenarbeit in Oberösterreich

 

Das Land OÖ engagiert sich seit Jahrzehnten in der Entwicklungszusammenarbeit und unterstützt rund hundert Projekte, die Hilfe und Unterstützung für fast 600.000 Menschen bieten. Die Maßnahmen sollen dazu beitragen, die Lebensverhältnisse in ausgewählten Regionen der Dritten Welt spürbar zu verbessern und zugleich die Oberösterreichische Bevölkerung für die Entwicklungszusammenarbeit zu gewinnen.

 

 Land OÖ 21. Juni 2017

Katholische Kirche in Oberösterreich
Diözese Linz

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