Mittwoch 28. Juni 2017

Zeichen Setzen: Interuniversitäre Tagung zu Bedeutung und Relevanz von Bildern

Mit der Entstehung und Wirksamkeit von Zeichen beschäftigte sich die von Katholischer Privat-Universität Linz, Kunstuniversität und Anton Bruckner Privatuniversität organisierte interdisziplinäre Tagung "Zeichen Setzen".

Die Zusammenführung von verschiedenen Disziplinen und Positionen der Theorie wurde durch künstlerische Zugänge erweitert.


Wissenschafterinnen der 2015 neu errichteten Fakultät für Philosophie und für Kunstwissenschaft (ehemals IKP) der KU Linz stehen in regem fachlichen Austausch mit den Universitäten am Studienstandort sowie namhaften Forschungseinrichtungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Frage nach dem Besonderen in der Zeichnung und dem Bedeutungsgehalt der Bilder in der Kunst führte Monika Leisch-Kiesl über die Auseinandersetzung mit der Herkunft und Geschichte des Zeichens einschlägiger Theorien zum Bildbegriff u. a. von Charles Sanders Peirce, Gilles Deleuze und Jacques Derrida. In ihrem Buch ZeichenSetzung | BildWahrnehmung verwebt sie diese Theoreme mit Reflexionen über die ‚gezeichneten Malereien’ von Toba Khedoori, einer in Los Angeles tätigen, hierzulande wenig bekannten Künstlerin. Sie stellt Fragen nach der Entstehung und dem Wesen von Markierungen und Spuren (im Englischen marks) und insbesondere dem Moment ihres Wandels oder Überganges in Zeichen (signs).

 

Die interdisziplinäre Relevanz dieser Fragestellungen war der Anlass für die Fachtagung "Zeichen Setzen", deren Vorbereitung den Anstoß für eine einzigartige Kooperation dreier Linzer Universitäten gab: Im Zuge eines gemeinsamen Seminars während des Sommer-Semesters 2017, organisiert von Rose Breuss, Karin Harrasser, und Monika Leisch-Kiesl, konnten ausgewählte Studierende dieser Universitäten die Theorien und Fragestellungen im Rahmen der Erarbeitung und Entstehung einer Tanzperformance, unter der Leitung von Claudia Jeschke, im gegenseitigen Austausch erproben. Eine Einführung in die Gebärdensprache und andere Forschungsmethoden, Arbeits- und Denkweisen ermöglichte den Studierenden, die Entstehung von Zeichensetzung und Bedeutungsgenerierung über das Medium des Tanzes in Theorie, Kunst und Alltag neu zu denken.

 

Der Fokus der Fachtagung (8. - 10. Juni 2017) lag dementsprechend ebenso in einer Zusammenführung von verschiedenen Disziplinen und Positionen der Theorie erweitert durch künstlerische Zugänge: Renommierte ReferentInnen aus den Geistes- und Naturwissenschaften präsentierten ihre Zugänge in moderierten Panels, denen angeregte Diskussionen folgten. Den künstlerischen Rahmen bildeten Lecture Performances. Am Eröffnungsabend präsentierten die Studierenden der IDA ihr im Zuge des gemeinsamen Seminars erarbeitete Darbietung "Movement Markers" unter der Leitung und Moderation von Claudia Jeschke und Rose Breuss. Nikolaus Gansterer und Mariella Greil entwickelten am Freitagabend "Choreo-graphic figures. Deviations from the line". Schließlich nahm die Tagung ihr vorläufiges Ende thematisch dort, wo sie für die Studierenden begonnen hatte: in einer Vorführung des Films "Seeing Voices", der einen Einblick in den Alltag gehörloser Menschen gewährt. Die anschließende Diskussion mit Helene Jarmer, einer gehörlosen Politikerin der Grünen und Abgeordneten zum Nationalrat, die sich für die Belange von Gehörlosen in Österreich einsetzt, ihrer Dolmetscherin und dem Regisseur Dariusz Kowalski verdeutlichte die Notwendigkeit eines weiteren aufmerksamen Nachdenkens über das Setzen von Zeichen und das Generieren von Bedeutung ­– auch jenseits der hörbaren Sprache.

 

Lecture Performance: Movement Markers. Tanz: Anna Lis sowie Studierende des IDA. Anton Bruckner Privatuniversität Linz.
Performance: Choreo-graphic figures. Deviations from the line. Nikolaus Gansterer und Mariella Greil. Fakultät für Philosophie und für Kunstwissenschaft, KU Linz.
Performance: Choreo-graphic figures. Deviations from the line. Nikolaus Gansterer. Fakultät für Philosophie und für Kunstwissenschaft, KU Linz.
Vortragende der Fachtagung Zeichen Setzen. Kunstuniversität Linz.

© KU Linz / Susi Winder

 

Hermine Eder / KU Linz

 

 

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