Samstag 23. Juni 2018

„Was ist los im Nahen Osten?“

Gudrun Harrer sprach in Linz über die verworrene Situation im Nahen Osten nach dem Arabischen Frühling und äußerte düstere Zukunftsaussichten.

„Die Hoffnungen des Arabischen Frühlings wurden bitter enttäuscht. Der Nahe Osten wird so schnell nicht zur Ruhe kommen.“ Das sind Einschätzungen der Nahost-Expertin und Standard-Redakteurin Gudrun Harrer, die am 25. November 2016 auf Einladung von Pax Christi u. a. im Alten Rathaus in Linz zu Gast war.

 

Was derzeit derzeit im Nahen Osten geschehe, erinnere an den Dreißigjährigen Krieg: Wie damals gebe es ständig wechselnde Allianzen, religiöse Überladungen und wenig Willen zur Kooperation. Noch glaubten zu viele Staaten und militärische Gruppen, dass sie kriegerisch den Sieg davontragen könnten.

 

Dr. Gudrun Harrer

Dr.in Gudrun Harrer © Manfred Weis, www.manfredweis.com

 

Ein markantes Jahr war für Harrer das Jahr 2003. Damals wurde von einer US-geführten Allianz Krieg gegen den Irak geführt und der damalige Machthaber Saddam Hussein gestürzt. Hussein war Sunit in einem mehrheitlich schiitischen Land. Durch seinen Sturz und die darauffolgenden Wahlen kamen die Schiiten an die Macht. Damit hat sich auch für den schiitischen Iran das Machtgefälle zu seinen Gunsten verändert. „Die USA haben nicht nur den Irak, sondern auch den Iran von Hussein befreit.“

 

Für die Suniten (v. a. im Irak) war 2003 ein traumatisches Jahr. Ihr Einfluss wurde zurückgedrängt. Sie fühlen sich vom Westen verraten. Radikale Kräfte haben sich schon 2004 zu einer Terrorvereinigung zusammengeschlossen, aus der schlussendlich der Islamische Staat hervorgegangen ist. Der IS artikuliert auf brutale Weise den Protest gegen den Machtverlust der Suniten. Die hegemoniale Vormacht des Irans hat wiederum andere Staaten auf den Plan gerufen, allen voran das sunitische Saudi-Arabien. Daraus ist eine tiefe Feindschaft zwischen Iran und Saudi-Arabien entstanden, die seither einen wesentlichen Hintergrund für viele Konflikte und Kriege im arabischen Raum bilden.

 

Den Krieg in Syrien hält Harrer auch für einen Stellvertreterkrieg: zum einen zwischen den regionalen Mächten Iran und Saudi-Arabien, zum anderen aber auch von globalen Mächten: Russland mischt wieder voll im Nahen Osten mit, die Türkei versucht ihren Einfluss auszuweiten, die NATO und die USA stützen ihre Verbündeten.

 

Der Krieg in Syrien sei laut Harrer kein Religionskrieg, aber er doch auch ein religiöser Krieg, weil die Heilsversprechen ihres Glaubens für viele Soldaten und Terrorgruppen eine zentrale Rolle spielen. Harrer bedauert, dass viele aufgeklärte islamische Institutionen in einem erbärmlichen Zustand seien und von den religiösen Autoritäten wenig Widerstand gegen den Islamismus komme.

 

Für die Zukunft erwartet Harrer nicht viel Gutes: Es wird weiterhin wechselnde Allianzen geben. Es ist zu befürchten, dass sich eine stabile Neuordnung des Nahen Ostens erst bilden wird, wenn auf den Schlachtfeldern eine Ermattung einsetzt; wie im Dreißigjährigen Krieg.

 

VeranstalterInnen waren Pax Christi OÖ, Friedensstadt Linz, Katholisches Bildungswerk OÖ, Evangelisches Bildungswerk OÖ, Land der Menschen OÖ und das Sozialreferat der Diözese Linz; mit Unterstützung der Österreichischen Gesellschaft für Politische Bildung. Etwa 80 Interessierte nahmen an der Veranstaltung teil. 

 

Markus Pühringer / Pax Christi OÖ

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