Monday 26. October 2020

TV-Gottesdienst: „Im Licht der Versöhnung gesehen“

TV-Gottesdienst: „Im Licht der Versöhnung gesehen“

Vier christliche Kirchen feierten am Sonntag, 27. November 2016 in der evangelischen Versöhnungskirche in Linz-Dornach einen adventlichen Gottesdienst, der in ORF 2 und im ZDF live übertragen wurde.

Der ökumenische Gottesdienst mit dem katholischen Diözesanbischof und „Ökumene-Bischof“ Dr. Manfred Scheuer und dem Bischof der Evangelischen Kirche A. B. in Österreich, Dr. Michael Bünker, war ein mehrfacher Auftakt: Er stand nicht nur am Beginn des Advent, sondern setzte auch für das evangelische „Jahr des Glaubens“ und das Reformationsjubiläum 2017 einen besonderen Anfangs-Akzent. Der Gottesdienst wurde in ORF und ZDF von 9.30 Uhr bis 10.20 Uhr live übertragen.


In ökumenischer Verbundenheit feierten die katholische Kirche, die evangelische Kirche A. B., die evangelische Kirche H. B. und die evangelisch-methodistische Kirche den Gottesdienst zum ersten Adventsonntag. Gastgeber-Gemeinde war die evangelische Pfarrgemeinde A. B. in Linz-Dornach. Die gemeinsame Feier fand in der evangelischen Versöhnungskirche statt – stimmigerweise unter dem Thema „Im Licht der Versöhnung gesehen“.

 

Foto: epd/Uschmann


Als Gäste waren VertreterInnen der katholischen Pfarre Linz-Hl. Geist (Linz-Dornach), der evangelischen Pfarrgemeinde Linz-Innere Stadt (Martin-Luther-Kirche) und der evangelisch-methodistischen Gemeinde (Linz, Wiener Straße) geladen. Mit der vielfältigen ökumenischen Gemeinde feierten neben den beiden Bischöfen Thomas Hennefeld (Landessuperintendent der Evangelischen Kirche H. B. in Österreich), Stefan Schröckenfuchs (Superintendent der Evangelisch-Methodistischen Kirche in Österreich), Klaus-Ortwin Galter (Pfarrer der evangelischen Pfarrgemeinde A. B. in Linz-Dornach, Dieter Reutershahn (Pfarrer der katholischen Pfarrgemeinde Linz Hl. Geist) und Veronika Obermeir (Pfarrerin der Evangelischen Pfarrgemeinde Linz-Innere Stadt).


Musikalisch gestaltet wurde der Gottesdienst von einem ökumenischen Vokalensemble (Leitung: Domkapellmeister Josef Habringer) und von einem ökumenischen Kinderchor (Leitung: evangelische Diözesankantorin Franziska Leuschner und Musikschulpädagogin Andrea Wögerer). An der Orgel musizierte Marina Ragger (Referentin am Referat für Kirchenmusik der Diözese Linz)

 

Kinderchor unter der Leitung von Franziska Leuschner
Vokalensemble unter der Leitung von Josef Habringer

Foto: Diözese Linz, hd

 

Gemeinsam das Licht bringen

 

Am Beginn des Gottesdienstes begrüßte Hausherr Pfarrer Ortwin Galter mit den Bischöfen Manfred Scheuer und Michael Bünker die Delegationen der drei Gast-Gemeinden, die sternförmig in die Versöhnungskirche eingezogen waren. Nach der liturgischen Eröffnung brachten VertreterInnen der vier Gemeinden vier Kerzen zum Adventkranz, der ein sogenannter „diakonischer Adventkranz“ war: Statt vier Kerzen konnten 20 Kerzen gezählt werden, die nun um die vier „Sonntags-Kerzen“ ergänzt wurden. „Diakonisch“ heißt der Kranz deshalb, weil er vor über 170 Jahren in der ersten Einrichtung der evangelischen Diakonie erfunden wurde. Der evangelische Theologe und Pädagoge Johann Hinrich Wichern betreute in Hamburg arme Kinder im sogenannten „Rauhen Haus“, einem alten Bauernhaus. Um ihnen die Wartezeit auf Weihnachten zu verkürzen, baute er aus einem Wagenrad einen Holzkranz und machte mit Hilfe von 24 Kerzen (vier große für die Sonntage, 20 kleine für die Wochentage) einen Kalender daraus. Aus diesem entstand der heutige Adventkranz.

 

Beim ökumenischen Gottesdienst entzündete ein Kind die erste Kerze am Adventkranz mit dem Licht der Osterkerze – eine „liturgische Leihgabe“ der katholischen Nachbargemeinde Linz-Hl. Geist.

 

Aron gab das Licht vom Adventkranz weiter

Aron entzündete die erste Kerze am Adventkranz.

Foto: Diözese Linz, hd

 

Das Trennende überwinden, das Gemeinsame stärken

 

Im Kyrie wurden Erfahrungen und Schmerzen der Vergangenheit sowie Hoffnungen der Zukunft thematisiert. Die Texte enthielten ein ehrliches Bekenntnis zu einander zugefügtem Leid ebenso wie die Bitte um die Überwindung des Trennenden und die Stärkung des Gemeinsamen. So lautete eine der Bitten: „Wir bekennen, dass wir durch unser Gegeneinander dein Evangelium verdunkelt haben und für viele Menschen unglaubwürdig geworden sind. Gib, dass wir immer mehr miteinander dein Evangelium bezeugen und in der Welt zum Leuchten bringen.“

 

VertreterInnen der vier christlichen Kirchen

VertreterInnen der vier christlichen Kirchen.

Foto: Diözese Linz, hd


Von störrischen Eseln und wiederentdeckter Verbundenheit

 

Die Bischöfe Bischof der Katholischen Kirche in Oberösterreich) und Michael Bünker (Bischof der Evangelischen Kirche A. B. in Österreich) hielten gemeinsam die Predigt zum Evangelium über den Einzug Jesu in Jerusalem auf einem Esel (Mt 21,1-9) und zur alttestamentlichen Lesung Jeremia 23, 5-8.

 

Der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker stellte kritisch die Frage, wie Jesus bei seinem Einzug die Menschen heute vorfinde. „Unsere Kirchen, durch Jahrhunderte zerstritten und deshalb heute umso dankbarer für das neugewonnene Miteinander, aber manchmal doch eher störrische Esel, was ihren Auftrag angeht. Unser Land, in dem die Gegensätze sich zuspitzen und vergrößern, der Ton sich verschärft, Hass und Ablehnung offen geäußert werden und das Miteinander vergiftet ist. Unsere Welt, gejagt und gehetzt von rasanten Entwicklungen, die scheinbar ungesteuert ablaufen, uneinig in dem, was dem Frieden dient, unentschlossen in der Bewahrung der Schöpfung, uneinsichtig, wenn es um Recht und Würde für alle, um Gerechtigkeit für jeden und jede geht. Wer heute gewinnen will, muss laut und polarisierend sein, verletzend in der Konfrontation und gnadenlos zu den anderen und zu sich selbst. Und dann kommt dieser König Sanftmut, der erste und einzige, und wir sehen schlaglichtartig, in welcher Situation wir uns befinden.“


Der Einzug Jesu fordere dazu heraus, der Verachtung und Missachtung von Menschen, von Minderheiten, von anders Denkenden, anders Glaubenden und anders Lebenden zu widerstehen. Bünker zitierte ein Wort von Martin Luther: „Auch wir sind Bettler und angewiesen darauf, dass unsere leeren Hände und leeren Herzen gefüllt werden. Dass auch wir es nötig haben, dass uns gegeben wird, lässt uns neu auf das Leben und die Welt blicken. Das Entscheidende erarbeiten wir uns nicht, verschaffen wir uns nicht, verdienen wir uns nicht, erwirtschaften wir uns nicht, das Entscheidende wird uns gegeben.“


In der Ökumene, dem Miteinander der Kirchen, sei heute sichtbar, wie viel man einander geben könne und auch schon gegeben habe, so Bünker. Zurecht werde von einer „Ökumene der Gaben“ gesprochen, in der die Vielfalt keine Bedrohung und kein Ärgernis sei, sondern eine bereichernde Erfahrung, die etwas von der Fülle spüren lasse, die aus Gottes Gnade fließe.

 

Bischof Michael Bünker und Bischof Manfred Scheuer

Bischof Michael Bünker und Bischof Manfred Scheuer.

Foto: Diözese Linz, hd

 

Der katholische Diözesanbischof Manfred Scheuer ging bei seiner Predigt zuerst auf ein sehr aktuelles Thema ein, das Betteln und die damit einhergehende Diskussion über Bettelverbote. „In Jesus, dem Bettelkönig, schreibt Gott das Hoheitszeichen seiner Liebe und Würde auf die Stirn eines jeden Menschen, des Freundes und Feindes, des Armen und Geringen. Es ist uns versagt, von uns selbst, von den anderen, von den Schwachen gering und verächtlich zu denken. Wir würden Gott selbst verachten und ihn gering schätzen.“


In Hinblick auf den erstmals von ORF und ZDF am Sonntagvormittag live übertragenen ökumenischen Gottesdienst sprach Scheuer die gute Verbundenheit im gemeinsamen Glauben an Jesus Christus an. „Es wird uns dabei auch schmerzlich bewusst, dass jahrhundertelang ein Klima der Abgrenzung und der gegenseitigen Anfeindung vorherrschte. So mag uns der Einzug Jesu in Jerusalem auch Folgendes sagen: Die Freude über die wiederentdeckte ökumenische Verbundenheit hat ihre Berechtigung. Wir feiern aber in einem Bewusstsein, dass dieses Miteinander keine Selbstverständlichkeit ist und ein kostbares Gut ist. Und in diesem Bewusstsein wollen wir verstärkt gemeinsame Wege gehen, wenn es um die Einmahnung für Menschenwürde und das Auftreten gegen Diskriminierung, Hass und Intoleranz geht. So werden wir als echte Zeugen der Barmherzigkeit wahrgenommen, wie es die gemeinsame ökumenische Erklärung von Lund auf den Punkt gebracht hat. Daran werden wir gemessen.“

 

Predigtteil von Bischof Manfred Scheuer zum Nachlesen

 

Bischof Manfred Scheuer und Bischof Michael Bünker beim Sendungswort
Feiergemeinde in der Versöhnungskirche
Blick hinter die Kulissen in den ORF-Übertragungswagen

Foto: Diözese Linz, hd und epd/Uschmann

 

Tragt das Adventlicht in die Welt


Am Ende des Gottesdienstes wurde das Licht vom Adventkranz an alle Anwesenden weitergegeben und aus der Kirche in die Welt hinausgetragen. Dazu erklang das Adventlied: „Mache dich auf und werde licht, denn dein Licht kommt.“

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