Mittwoch 22. November 2017

Kirchliches Engagement für Flüchtlinge in OÖ: Viele Bausteine, die gemeinsam Großes bewirken

Deutschkurs mit ehrenamtlichen HelferInnen in der Pfarre Linz-St. Peter

Die bestmögliche Aufnahme und Unterstützung von Flüchtlingen ist ein Thema, das derzeit die Öffentlichkeit beschäftigt. Auch Pfarren und Klöster in Oberösterreich tragen wesentlich dazu bei, Flüchtlingen den Neuanfang zu erleichtern.

Viel Engagement geschieht abseits der medialen Aufmerksamkeit. Viele Pfarren und Klöster hängen es nicht an die große Glocke, wenn sie Flüchtlinge oder andere schutzsuchende Menschen bzw. Menschen in schwierigen Lebenssituationen beherbergen – gerade auch deshalb, damit diese gehetzten Menschen zur Ruhe kommen können. Und: Ehrenamtliches Engagement für Flüchtlinge durch die Kirche hat viele Formen und ist nicht durch Zahlen belegbar. Es werden Quartiere zur Verfügung gestellt, Sach- und Geldspenden gesammelt, Deutschkurse und Aktivitäten organisiert und angeboten, Behördengänge begleitet und Begegnungsmöglichkeiten geschaffen.

Einige Beispiele aus Pfarren und Orden in Oberösterreich sollen aufzeigen, was tagtäglich abseits der Berichterstattung an Unterstützung und Hilfe geschieht.

 

 

Beispiele für Flüchtlingshilfe in Pfarren

 

In den Pfarren Linz-St. Peter und Linz-St. Michael reißt die Welle der Hilfsbereitschaft nicht ab, die bereits vor dem Einzug der Flüchtlinge begonnen hat. 10 Flüchtlinge sind im Pfarrheim in Linz-St. Peter untergebracht, bis September werden noch zwei weitere dazukommen. Im Pfarrhof von Linz-St. Michael sind es sogar 19 Personen. Gemeinsam mit der Caritas betreiben die beiden Pfarren intensive Flüchtlingsarbeit. So wird zusätzlich zum Deutschkurs von Arcobaleno fast täglich ehrenamtlich Deutsch-Nachhilfe angeboten. Dafür wurden Bücher und CDs angekauft, mit denen fleißig gelernt wird und sehr gute Fortschritte erzielt werden. In beiden Pfarren haben Feste der Begegnung zum Kennenlernen stattgefunden. Die Flüchtlinge sind aktiv ins Pfarrleben eingebunden. So haben sie in Linz-St. Peter schon Hollersaft produziert und angeboten bzw. beim Patrozinium („Namenstagsfest“ der Pfarre) für die Gäste gekocht. Auch gemeinsame Aktivitäten stehen immer wieder auf dem Programm, so wie kürzlich ein Ausflug in den Tiergarten Walding. Jüngere AsylwerberInnen werden bei der Lehrstellensuche unterstützt; 6 Plätze konnten bereits organisiert werden.In der Pfarre Linz-St. Michael geschieht Integration spielerisch: auf dem Spielplatz, der im Pfarrgarten errichtet wurde und wo die Kinder der Flüchtlinge mit den Nachbarskindern ganz ungezwungen in Kontakt kommen.

 

In beiden Pfarrkirchen ist auch ein „Ich-teile-gerne-Korb“ zu finden. In diesen Korb kann jede/r Spendierfreudige verschiedenste Sachspenden hineinlegen, die für die Flüchtlinge von Nutzen sein könnten – angefangen von Haarshampoo bis hin zu Nützlichem für den Haushalt. „Die Körbe sind jeden Tag voll“, heißt es aus beiden Pfarren. Auch Lebensmittelspenden sind ein willkommenes Geschenk.

 

Ein bisschen Leichtigkeit für Flüchtlingskinder auf dem Spielplatz in der Pfarre Linz-St. Michael
Deutschkurs in der Pfarre Linz-St. Peter
Ausflug in den Tiergarten Walding

© Zeiger

 

In der Pfarre St. Georgen an der Gusen engagiert man sich bereits seit 1992 für Flüchtlinge. Zur Zeit des Bosnienkrieges fanden zahlreiche Flüchtlinge ein neues Zuhause in der Gemeinde. „Einige davon leben noch immer hier und sind sehr gut integriert“, berichtet Pastoralassistentin Monika Weilguni, die in der Pfarre für die Flüchtlingskoordination zuständig ist. Seit Ende Jänner 2015 leben 20 AsylwerberInnen aus Somalia, Afghanistan, dem Irak, Kosovo und Tadschikistan in St. Georgen/Gusen, die von der Volkshilfe betreut werden. In Kooperation mit dem „Verein für mich und du“ unterstützt die Pfarre die Integration der AsylwerberInnen in die Gemeinde. Dafür wurden eigens zwei Häuser von der Gemeinde in der Mauthausener Straße zur Verfügung gestellt. Zweimal wöchentlich können die Asylsuchenden von ehrenamtlichen DeutschlehrerInnen organisierte Kurse besuchen, in denen sie in Gruppen von zwei bis drei Personen Deutschunterricht bekommen. Für jene Flüchtlinge, die schon länger hier sind, bietet die Pfarre Begleitdienste an, etwa bei Behördengängen oder bei der Wohnungs- und Arbeitssuche.

 

Asylwerber gestalten ihren eigenen Garten.

Asylwerber bepflanzen den Garten des Asylwerberhauses. © Volkshilfe St. Georgen

 

Auch in der Gemeinde Wartberg an der Krems hat sich eine Gruppe von Freiwilligen formiert, die den Flüchtlingen die Integration in die Gemeinde erleichtern möchte. Die Plattform „Vielfalt für Wartberg“, bestehend aus Mitgliedern der Pfarre und Gemeinde, unterstützt das Caritas-Gästehaus und dessen BewohnerInnen mit Deutschkursen, gemeinsamen Aktivitäten, durch Begleitung bei Behördengängen und durch Geldspenden. Einmal im Monat können Sachspenden für die Flüchtlinge in der Gaststube des Gästehauses abgegeben werden. Dort sind auch AsylwerberInnen anwesend und es besteht die Möglichkeit, bei Kaffee und gemütlichem Beisammensein mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Den freiwilligen HelferInnen ist es ein großes Anliegen, die Kommunikation zwischen AsylwerberInnen und GemeindebürgerInnen zu fördern.

 

Initiiert von Privatpersonen, gibt es auch in der Gemeinde Ostermiething im Innviertel eine Gruppe von Freiwilligen die sich für die Unterbringung und Verpflegung von Flüchtlingen einsetzt. Die Pfarre hilft dabei immer wieder mit. Bisher wurden beispielsweise Geldspenden gesammelt, gemeinsam Wohnungen gesucht und Kleidung für die Flüchtlinge gekauft.

 

Derzeit wird das Pfarrheim der Pfarre Pabneukirchen adaptiert, damit dort ab September Flüchtlinge ein Zuhause finden. Gemeinsam mit zahlreichen Freiwilligen möchte die Pfarre Deutschkurse organisieren und Geld- und Sachspenden für die Flüchtlinge sammeln.

 

Fleißig gesammelt wird auch in der Pfarre Schlierbach. Freiwillige HelferInnen der Pfarre stehen im ständigen Gespräch mit den Flüchtlingen, die derzeit in der örtlichen Landwirtschaftsschule eine Unterkunft finden. Sie helfen den AsylwerberInnen, sich in ihrer neuen Umgebung zurechtzufinden, und unterstützen sie auch bei Behördengängen.

 

Auch in der Pfarre Pichl bei Wels hat man bisher nur positive Erfahrungen mit den Flüchtlingen gemacht. Mit neun jungen syrischen Männern ist das Grundversorgungsquartier der Caritas voll belegt. Sie sind in zwei Wohnungen im Pfarrhof untergebracht. „Die alltägliche Kommunikation wird uns erleichtert, da einer der Asylwerber Englischlehrer ist und somit schnell gegenseitiges Verstehen möglich ist“, berichtet die Pfarrassistentin über die Situation im Pfarrhof. Die jungen Asylwerber versuchen in der Gemeinde anzukommen und sich zu integrieren. Dazu gehören gemeinsames Fußballspielen mit der Feuerwehr und andere Aktivitäten mit Jugendlichen aus der Pfarre. Zweimal wöchentlich findet, organisiert von ehrenamtlichen MitarbeiterInnen der Pfarre, ein Deutschkurs statt.

 

In Mauthausen richtet die Volkshilfe gerade ein Gebäude zur Unterbringung von AsylwerberInnen ein. Die örtliche Pfarre ist in die Versorgung der Flüchtlinge eingebunden und möchte den Menschen unter anderem mit Spenden und Deutschkursen tatkräftig zur Seite stehen.

 

Im Sprachcafé in Steyregg, das in einem Raum der Pfarre stattfindet, treffen sich ca. 10 SteyreggerInnen und etwa 16 Asylwerber aus Syrien, dem Iran, Irak und Afghanistan wöchentlich, um gemeinsam Zeit zu verbringen. Das Projekt ist weit mehr als nur ein Sprachkurs: Es werden österreichische Gewohnheiten vermittelt, Erfahrungen ausgetauscht und oft wird einfach nur geplaudert. Im Gegenzug revanchieren sich die Asylwerber, wo es ihnen möglich ist. So konnte der Pfarrflohmarkt mit ihrer tatkräftigen Unterstützung erfolgreich umgesetzt werden.

 

Deutsch lernen und mehr im Steyregger Sprachcafé

Deutsch lernen und mehr im Steyregger Sprachcafé. © Gaisberger

 

 

Beispiele für Flüchtlingshilfe durch Orden

 

 Im Zisterzienserstift Wilhering wohnen seit April 2015 zehn Flüchtlinge aus Syrien in den Räumen des Jugendzentrums. Die Räume wurden vom Stift entsprechend adaptiert, sodass fünf Zimmer mit jeweils zwei Betten und Kästen, Sanitäranlagen und eine Küche zur Verfügung stehen. Auch ein Internetanschluss ist vorhanden, damit die Asylwerber in Kontakt mit ihren Angehörigen in Syrien treten können. Betreut wird die Unterkunft für zehn Männer im Alter von 25 bis 40 Jahren von der Caritas Linz. „Das Zusammenleben mit den Flüchtlingen funktioniert einmalig. Die Betreuung ist eine gute Kombination zwischen dem Stift, der Pfarre und der Gemeinde Wilhering“, sagt Abt Reinhold Dessl. Inzwischen wurde auch ein Deutschkurs organisiert, der von einem pensionierten Deutschprofessor geleitet wird. Auch die SchülerInnen und LehrerInnen des Stiftsgymnasiums Wilhering haben sich für die Flüchtlinge engagiert. Mit der Sammelaktion von Hygieneartikeln und Kleidung konnten sie ganz konkret Hilfe leisten. Viele weitere Freiwillige haben ihre Hilfe angeboten.

 

Der Abt von Stift Wilhering, P. Reinhold Dessl (3. v. l.) mit syrischen Asylwerbern.

Der Abt von Stift Wilhering, P. Reinhold Dessl (3. v. l.) mit syrischen Asylwerbern. © Stift Wilhering

 

Die Gemeinschaft der Franziskaner in Pupping hat ebenfalls Flüchtlinge aufgenommen. Die Gemeinschaft besteht aus vier Mönchen und einer Klosterschwester und seit einigen Wochen zusätzlich aus zehn Flüchtlingen aus Syrien und dem Iran, allesamt junge Männer zwischen 20 und 35 Jahren. „Wir sind ein offenes Haus und haben aufgrund der großen Flüchtlingsnot gesagt, wir versuchen es, die Asylwerber in unsere Gemeinschaft hereinzunehmen“, so Pater Fritz Wenigwieser. Untergebracht sind die Flüchtlinge in Doppelzimmern mit Nasszelle im Osttrakt des Klosters. Sie werden in das klösterliche Alltagsleben integriert und sind in einen strukturierten Tagesablauf eingebunden. Dazu gehört unter anderem gemeinsames Essen und Arbeiten, wobei sich die Flüchtlinge an Putz- und Küchendiensten, Garten- und Bauarbeiten beteiligen. Schließlich sollten die jungen Männer nach ihren schlimmen Erfahrungen „nicht in die Luft schauen müssen“. Zwei der Asylwerber hätten gute Englischkenntnisse, welche die Kommunikation erleichtern. Auch ein regelmäßiger Deutschkurs, abgehalten von einem ehemaligen Volkschuldirektor und zwei weiteren Lehrkräften, wurde bereits organisiert.

 

Das Kloster der Benediktinerinnen von Steinerkirchen beherbergt ebenfalls Flüchtlinge. „Bei uns wohnen 14 Flüchtlinge: eine sechsköpfige Familie aus Afghanistan, drei Syrer und fünf Afrikaner aus Nigeria bzw. Sierra Leone“, so Priorin Sr. Hanna Jurman. Für die Unterbringung der Flüchtlinge wurde kurzfristig ein Bereich in der Nähe der Klosterpforte adaptiert. Bei der Unterbringung handelt es sich um ein Grundversorgungsquartier der Caritas, welche auch zu einem Teil für die Betreuung der Flüchtlinge zuständig ist. „Wir ersuchen um eine wohlwollende Aufnahme dieser Menschen in unserer Gemeinde und wir sind dankbar für alle Unterstützung und Mithilfe, um diese Herausforderung zu meistern“, betont Priorin Sr. Hanna Jurman.

 

Sr. Gisela Radinger in der Spielgruppe.

Sr. Gisela Radinger in der Spielgruppe. © Benediktinerinnen Steinerkirchen

 

Österreichweite kirchliche Zusammenarbeit

 

Um effizienter helfen zu können, haben sich die österreichischen Diözesen auch im Bereich Flüchtlingshilfe vernetzt. Der Generalsekretär der Österreichischen Bischofskonferenz, Peter Schipka, leitet ein österreichweites Gremium, in das neben der Caritas die Generalvikare und Finanzverantwortlichen der Diözesen und die Leitungen der männlichen und weiblichen Ordensgemeinschaften eingebunden sind. Seit einem Monat gibt es in jeder Diözese einen „Diözesankoordinator für Flüchtlingsunterbringung“. In der Diözese Linz ist dies Mag. Hans Schwarzbauer-Haupt, Leiter der Abteilung „Beratung & Hilfe“ der Caritas OÖ. Als diözesaner Koordinator ist er dafür zuständig, die Quartierangebote für Flüchtlinge in Pfarren und Ordensgemeinschaften in Oberösterreich zu erweitern. Er berät kirchliche Einrichtungen und klärt ab, ob kirchliche Angebote für die Unterbringung von Flüchtlingen geeignet sind.

 

Johann Schwarzbauer-Haupt

 Johann Schwarzbauer-Haupt. © Caritas OÖ

 

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