Montag 23. Januar 2017

Kompliment und Armutszeugnis: Dialog sozialwort 10+ in Wels

Die Probleme und Themen der heutigen Gesellschaft sind Herausforderung für alle gesellschaftlichen Kräfte. Deshalb erheben die christlichen Kirchen Österreichs dazu ihre Stimme und trafen sich zum Dialog am 10. Oktober 2014 im Cordatushaus in Wels.

 

Dialog Sozialwort 10+ der christlichen Kirchen Österreich Wels © Diözese Linz

 

Im Sozialwort aller christlichen Kirchen in Österreich 2003 wollen die Kirchen einen Kompass für soziale Themen geben und gleichzeitig sich selbst zum Tun verpflichten. Mit dem ergebnisoffenen Prozess „sozialwort 10+“ wollen sich die christlichen Kirchen in Österreich den aktuellen Herausforderungen stellen und ihren Beitrag zur Gestaltung des Wandels leisten.

Die Diözese Linz, vor allem Bischof em. Maximilian Aichern und die Katholische Aktion waren mit Oberin Christine Gleixner / Ökumenischer Rat der Kirchen sowie dem orthodoxen Metropoliten Michael Staikos am Entstehen des Sozialwortes 2003 wesentlich beteiligt.
Der Einsatz für menschenwürdige Arbeit, für eine nachhaltige Lebensweise, für Bildung sowie für gerechte gesellschaftliche und ökonomische Strukturen ist im Sozialwort gefordert und auch durch Selbstverpflichtungen festgeschrieben.

 

Dialog Sozialwort 10+ der christlichen Kirchen Österreich Wels © Diözese Linz
Dialog Sozialwort 10+ der christlichen Kirchen Österreich Wels © Diözese Linz
Dialog Sozialwort 10+ der christlichen Kirchen Österreich Wels © Diözese Linz
Dialog Sozialwort 10+ der christlichen Kirchen Österreich Wels © Diözese Linz

 

10 Dialogrunden

 

Am Freitag 10.10.2014 kamen in Wels rund 150 Personen aus Seelsorge und Einrichtungen der christlichen Kirchen in Oberösterreich und Österreich sowie ExpertInnen aus vielen gesellschaftlichen Bereichen und VertreterInnen anderer Religionen zum Gespräch zusammen. In Dialogrunden zu den Themen:  Bildung, Soziale Medien, Arbeit und Sozialstaat, Sorgearbeit / Care-Ökonomie, Stadt, Alternative Ökonomische Ansätze, Sozialgerechte Finanzwirtschaft, Sichtbare und unsichtbare Armut, Flüchtlinge und Entwicklungszusammenarbeit, sowie Klima und Ökologie wurden die aktuellen Themen erhoben und aus christlicher Sicht Handlungs- und Lösungsvorschläge gemacht.

 

Gesellschaftliche Konflikte und Machtverhältnisse aufzeigen, ökologische Ziele definieren

 

Diözesanbischof Dr. Ludwig Schwarz aus der Katholischen Kirche in OÖ sagte in seinen Begrüßungsworten, dass das Sozialwort ein Kompass für soziale und gesellschaftliche Herausforderungen ist. „Die Arbeit und Lösung der Probleme erfordert ein Zusammenwirken aller und somit wollen die christlichen Kirchen das Sozialwort auch im Jahr 2014 umsetzen. „Wir müssen den Wandel aktiv mitgestalten, damit gutes Leben für alle gelingen kann. Als Kirchen müssen wir auf gesellschaftlichen Konfliktlinien hinweisen oder ökologische Ziele aufzeigen sowie gesellschaftliche Machtverhältnisse aufdecken“, so der Bischof von Linz: „Die Christlichen Kirchen werden die Stimme der Stimmenlosen sein, das wünsche ich mir.“

 

Das Sozialwort ist heute nach wie vor aktuell

 

Bischof Dr. Michael Bünker der Evangelischen Kirche A.B. sprach für den Ökumenischen Rat der Kirchen Österreich und nannte das Sozialwort als Sternstunde der christlichen Kirchen. Es sei wunderbar, dass 2003 die 14 Vertreter der Kirchen ihre Unterschrift setzten. Die Kirchen verabschiedeten sich damals von der Position der „Lehrmeisterin“ hin zur Initiatorin der Diskussion über drängende Fragen der Gesellschaft. Er dankte Oberin Gleixner, Bischof Staikos und Bischof Aichern für ihre Arbeit: „Diese drei haben das Sozialwort vorangetrieben“, so Bünker: „Das Sozialwort ist heute nach wie vor aktuell. Das kann einerseits ein Kompliment sein, andererseits ein Armutszeugnis für die Realität.“ Im Prozess Sozialwort 10+ wird in Lesekreisen, ExpertInnen-Gesprächen und drei Dialogveranstaltungen an Positionierungen und Umsetzungslösungen gearbeitet. Bischof Bünker: „Heute in Wels soll es sein, dass die Kirchen sich in die Rolle der Hörenden begeben, deshalb sind viele Personen aus dem nichtkirchlichen Bereich und anderer Religionen hier. In Oberösterreich hat das soziale Engagement eine gute Tradition und das sieht man auch an der hervorragenden Beteiligung und dem Interesse an der heutigen Veranstaltung.“

Die Ergebnisse dieses Prozesses Sozialwort 10+ werden gebündelt und daraus einen Vorschlag für konkrete Positionierungen und Umsetzungen der Kirchen entwickelt. Das Ergebnis wird vom Ökumenischen Rat der Kirchen im Herbst 2015 vorgestellt.

 

Dialog Sozialwort 10+ der christlichen Kirchen Österreich Wels © Diözese Linz
Dialog Sozialwort 10+ der christlichen Kirchen Österreich Wels © Diözese Linz
Dialog Sozialwort 10+ der christlichen Kirchen Österreich Wels © Diözese Linz


 
Sozialwort 10+: Dazu müssen sich christliche Kirchen positionieren

Von den Teilnehmenden des Dialogtreffens in Wels wurden unten angeführte Themen als vordringlich für die Positionierung und das aktuelle Handeln der christlichen Kirchen gesehen:

 

Alternative ökonomische Ansätze

 

Profit ist nicht Selbstzweck. Es gibt kein grenzenloses Wachstum und die Wirtschaft muss den Menschen dienen. Um diese Grundsätze umzusetzen, wurde vorgeschlagen, innerhalb der kirchlichen Einrichtungen Experimentierräume für neue ökonomische Ansätze zu schaffen und eine Anwaltschaft für ethische Werte in der Wirtschaft zu übernehmen.

 

Sorgearbeit / Care-Ökonomie

 

In dieser Dialoggruppe wurde die Forderung nach sozialrechtlicher Absicherung der Care-Arbeit ausgesprochen und das Sichtbarmachen der Care-Arbeit gefordert.

 

Leben in der Stadt

 

Die Teilnehmenden diskutierten den sozialen Wohnbau und stellten die Frage nach den Kriterien dafür. Sie forderten einen besseren Mieterschutz, gerechteres Mietrecht und die Berücksichtigung der sozialen Einrichtungen bei der Städteplanung.

 

Arbeit und Sozialstaat

 

Die Ungerechtigkeit in der Gesellschaft zwischen großem Reichtum und großer Knappheit beinhaltet die Forderung der teilnehmenden an Ausgleich und mehr Gerechtigkeit sowie das faire Teilen von Arbeit und Einkommen. Der „Skandal“ der stark steigenden Arbeitslosigkeit wurde thematisiert und der Staat ermutigt, die gute Infrastruktur zu erhalten.  Eine Steuerreform, in der Vermögenden ihren Beitrag leisten sollen wurde gefordert

 

Bildung

 

Bildung ist ein integrativer Prozess und hat einen Selbstwert. Die Dialoggruppe sprach sich gegen die Verzweckung und Ökonomisierung von Bildung aus.

 

Sichtbare und unsichtbare Armut

 

Unsichtbare Armut macht einsam. Kirchen müssen die Anwaltschaft für Armut übernehmen und den Betroffenen nicht nur Würde, sondern eine Stimme geben. Gewünscht wurde auch eine korrekte Information über Betteln und Armut und eine klare Stellungnahme der Kirchen dazu.

 

Nachhaltige Finanzwirtschaft

 

Die Dialoggruppe sprach sich dafür aus, dass das Geld dienen muss und nicht regieren soll. Nach Meinung der Teilnehmenden gebe es kein Reparieren, sondern nur ein Ersetzen des derzeitigen Finanzsystems. Alle Energien müssten darauf verwendet werden, ein neues System zu entwickeln. Dazu wurde der Aufbau einer Akademie der christlichen Kirchen gefordert.

 

Flüchtlinge Entwicklungszusammenarbeit Soziale Gerechtigkeit

Die globale Ungerechtigkeit wird als eine Wurzel für Flucht gesehen und da gilt es auch in der Veränderung anzusetzen. Arbeit, Ernährung und Wirtschaftssysteme sollen auf Teilhabe und Mitbestimmung aufbauen.

 

Klima Ökologie

„Die Erde ist nur eine und nur diese ist unsere Lebensgrundlage“, so die Dialoggruppe. Um diese Grundlage zu erhalten, müssen Ressourcen geschont und nachhaltige Lebensweise gefördert werden. Entscheidungen dürfen nicht getroffen werden, ohne die Auswirkungen auf die Ökologie mitzudenken.

 

Soziale Medien - Demokratie - Beteiligung

 

Die Teilnehmenden beschäftigte die Frage, wie Regeln für das Internet aufgestellt werden können und wer dazu die entscheidenden Akteure sind. Die Kommerzialisierung neuer Medien sei zu hinterfragen und der freie Zugang zum Internet für alle anzustreben.


Sozialwort von A-Z: Was in 10 Jahren geschah

Programm Dialogveranstaltung am Freitag 10.10. in Wels

 

gec

Oft nachgefragt
Aus den Pfarren
Sternsingermesse

Dreikönigsaktion in Linz-St. Konrad

Von 2. bis 5. Jänner 2017 waren auf dem Pfarrgebiet von Linz-St. Konrad wieder mehrere Sternsingergruppen - Kinder,...

Sternsingen mit Alpaka-Begleitung

SternsingerInnen in Attnang: Alpakas trugen die Süßigkeiten

Besondere Aufmerksamkeit erregte bei der Sternsingeraktion 2017 in der Pfarre Attnang eine Gruppe, die mit zwei...

Gehörlose SternsingerInnen erfreuten nicht nur gehörlose Menschen mit ihren Liedern in Gebärdensprache.

Gehörlose SternsingerInnen in der Stadtpfarre Linz-Urfahr

Mit Liedern in Gebärdensprache erfreute eine Gruppe gehörloser SternsingerInnen in Begleitung von...

Sternsingeraktion 2017 - Die Freude der Menschen wurde spürbarIm Schneegestöber und Kälte waren 70 Kinder, Jugendliche und Erwachsene in Kirchdorf/Krems als Sternsinger unterwegs. Sie begegneten offenen Herzen für Menschen, denen es nicht so gut geh

Freude über den Besuch der SternsingerInnen in Kirchdorf/Krems

Im Schneegestöber und Kälte waren 70 Kinder, Jugendliche und Erwachsene in Kirchdorf/Krems als Sternsinger unterwegs.
Impulse
Soziale Botschaft der Woche

Acht Milliardäre besitzen so viel wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung

Die weltweite soziale Ungleichheit ist deutlich dramatischer als bisher bekannt – und nimmt weiter zu: Die acht...
Bibelwort
Bergleuchten

Bibelwort zum Tag

Mo, 23. Jänner 2017: Hebr 9,15.24–28 Was ist neu am neuen Bund?
Social Newsroom

Katholische Kirche in Oberösterreich
Diözese Linz

Kommunikationsbüro
Herrenstraße 19
Postfach 251
4021 Linz
TEL: 0732 / 7610 - 1170
FAX: 0732 / 7610 - 1175

DVR: 0029874(117)

www.dioezese-linz.at
post@dioezese-linz.at
https://www.dioezese-linz.at/
Darstellung: