Sonntag 4. Oktober 2026

Sant'Egidio fordert mehr Solidarität mit ChristInnen im Orient

Mehr internationale Solidarität mit den ChristInnen im Nahen Osten hat der Generalsekretär der katholischen Gemeinschaft Sant'Egidio, Cesare Zucconi, gegenüber der Kathpress eingefordert. 

 

Die Frage, ob es künftig noch eine christliche Präsenz im Orient gibt, "muss uns im Westen viel stärker betreffen", so Zucconi im "Kathpress"-Gespräch. Er kritisierte zudem die europäische Flüchtlingspolitik. Viele der abgeschobene Flüchtlinge und auch viele, die auf ihrer Flucht im Mittelmeer ertrinken, kämen aus dieser Region.

Die ChristInnen im Nahen Osten, die vielfach ein Martyrium durchmachen würden, seien der Garant für Pluralismus in der Region, formulierte Zucconi. Sant'Egidio versuche dies auch in vielen Gesprächen den moderaten Muslimen klar zu machen. Ohne die christliche Präsenz vor Ort sei auch deren eigenen Sicherheit in Gefahr.

Wie akut dieses Bedrohungsszenario ist, sehe man an der Islamistenbewegung ISIS, die sich in einigen Teilen Syriens und des Irak festsetzen konnte. Dass es etwa in der Niniveebene im Nordirak überhaupt noch Christen gibt, sei laut dem Sant'Egidio-Generalsekretär nur der militärischen Präsenz der Kurden zu verdanken, die die ISIS-Truppen noch fernhalten.

Zum Konflikt in Syrien meinte Zucconi, dass die internationale Gemeinschaft nicht länger in Agonie verhaftet bleiben dürfe. Wiewohl die politische und militärische Situation nicht mehr zu überschauen sei, müsse es zumindest verstärkte humanitäre Bemühungen geben. Der Sant'Egidio-Generalsekretär verwies auf die seit Jahren heftig umkämpfte nordsyrische Stadt Aleppo, wo das Leid der Bevölkerung unermesslich sei. Es brauche dringend humanitäre Korridore. Wenn dies gelingt, sei zumindest ein kleiner Hoffnungsschimmer gegeben.

 

Hl. Land braucht internationale Hilfe

 

Sehr besorgt zeigte sich Zucconi auch zur aktuellen Situation im Heiligen Land. Man dürfe die Hoffnung nie aufgeben, doch wenn sich nicht auch hier die internationale Gemeinschaft stärker engagiert, drohe eine weitere Eskalation der Gewalt. Sant'Egidio suche den Dialog mit Christen, Juden und Muslimen in der Region. Es gebe viele Menschen, die einen friedlichen Weg gehen wollten.

Um Konfliktparteien an den Verhandlungstisch zu bringen, brauche es viel Geduld, viele persönliche Beziehungen und Vertrauen schaffende Maßnahmen, betonte Zucconi. Sant'Egidio engagiere sich auf der ganzen Welt, von Lateinamerika über den Nahen Osten bis nach Afrika und Asien.

 

Cesare Zucconi im O-Ton

 

Österreichische ChristInnen setzen sich für Frieden ein. Bericht von der Ökumenischen Sommerakademkie 2014.

 

Kathpress, gec

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