Donnerstag 7. Mai 2026

Diözese Linz trauert um gehörlosen Bildhauer Peter Dimmel

Die Diözese Linz trauert um Professor Peter Hans Dimmel. Der gehörlose Bildhauer ist am 5. Mai 2026 im 98. Lebensjahr verstorben. Jahrzehntelang setzte er sich für die Rechte und Anerkennung gehörloser Menschen ein. Mit seinen Werken prägte er Kirchenräume und kirchliche Gebäude in der Diözese Linz von den 1960er bis zu den 1980er Jahren.

Peter Dimmels künstlerisches Schaffen ist eng mit der Diözese Linz und ihren Kirchen verbunden. „Peter Dimmel war ein herausragender Künstler, der die liturgische Ausstattung zahlreicher Kirchen in Oberösterreich im Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils maßgeblich geprägt hat“, zeigt sich Bischof Manfred Scheuer betroffen. Die Katholische Kirche in Oberösterreich verdanke ihm eine Vielzahl künstlerischer Impulse, die in Gegenwart und Zukunft hineinwirken. Bleibende Spuren habe Peter Dimmel auch durch seinen unermüdlichen Einsatz für gehörlose Menschen hinterlassen, für den er mit dem Solidaritätspreis der Kirchenzeitung ausgezeichnet wurde, so der Bischof.

 

Trauer um Bildhauer Peter Dimmel

Peter Dimmel (1928 - 2026) © GLVOÖ

 

„Als Künstler prägte er die erste Phase der kirchlichen Ausstattungskunst seit der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils wesentlich", sagt Martina Gelsinger, Kunsthistorikerin im Fachbereich Kunst der Diözese Linz.  Vor allem unter der Ära von Diözesankonservator Erich Widder (bis 1989) und Dombaumeister Gottfried Nobl wurde ihm neben dem bereits 2019 verstorbenen Künstler Jakob Kopp die Anfertigung der nun notwendig gewordenen neuen Ausstattungselemente – Altar, Ambo und Vorstehersitz – übertragen. Der Künstler verstand es, den Geist des Aufbruchs des Konzils in sein Werk umzusetzen, und gab dem Altar, um den sich die Gemeinde nun versammelte, ein gestalterisches Gewicht als neues Zentrum im Kirchenraum.

 

Eingangstor des Linzer Bischofshofs des Bildhauers Peter Dimmel.

Das Eingangstor zum Linzer Bischofshof stammt von Peter Dimmel. © Diözese Linz / Johannes Kienberger

 

Darüber hinaus zeugen seine Bronzetore, die er unter anderem für den Linzer Bischofshof und die Basilika Enns-Lorch gestaltete, von seinem handwerklichen Können. Dimmel, der kurz nach seiner Geburt aufgrund einer schweren Erkrankung sein Gehör verlor, setzte darin biblische Geschichten in seine Bildsprache um.

 

Zahlreiche Arbeiten in mehr als drei Jahrzehnten

 

Neben den zentralen Gestaltungsaufgaben im Kirchenraum prägte sein Schaffen in Form von Taufsteindeckeln, Kerzenständern und Tabernakeln aus Bronze eine Vielzahl von Kirchen in der Diözese Linz. Seinen ersten Auftrag erhielt er bereits vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil im Jahr 1962: Als 34-jähriger Künstler schuf er drei Bronzetore, den Kreuzweg, das Vortragekreuz und den Tabernakel für die neu erbaute Kirche St. Konrad in Linz. In den kommenden Jahrzehnten kamen die Konradstatue am Kirchenplatz und 1995 – als einer seiner letzten Aufträge – das Taufbecken in der Kirche hinzu. Er hatte den Wettbewerb für die Ausstattung der Kirche St. Konrad zusammen mit Rudolf Kolbitsch (1922 – 2003) gewonnen, mit dessen Werken er in den folgenden Jahrzehnten das Erscheinungsbild zahlreicher Kirchen in der Diözese Linz prägte: Rudolf Kolbitsch mit seinen Stahlätzungen und abstrakten Farbglasfenstern, Peter Dimmel mit seinen skulpturalen Werken, die er zumeist in Bronze und Stein ausführte.

 

Im Jahr 2011 sagte Peter Dimmel in einem Interview für die Festschrift „50 Jahre Pfarrkirche Linz-St. Konrad“: „Bronze ist mir das liebste Material, weil es eine starke Ausstrahlung besitzt und viele Nebenwirkungen von Lebendigkeit zeigt. Stein steht für mich an zweiter Stelle; er ist aber weniger lebendig. Holz, das durch Brand leicht vernichtet werden kann, verwende ich seltener.“

 

Bildhauer Peter Dimmel schuf insgesamt drei Bronzetore für die Pfarrkirche Linz-St. Konrad. Reliefs: verlorener Sohn

Das Hauptportal der Pfarrkirche Linz-St. Konrad von Peter Dimmel © Diözese Linz / Fachbereich Kunst

 

Peter Dimmel schuf seine Werke in einer Zeit, in der insbesondere bei Um- bzw. Neugestaltungen von Kirchen ein bewusster Bruch mit der Überlieferung und Geschichte des Raumes vollzogen wurde.

 

Eine Auswahl von Werken von Peter Dimmel in der Diözese Linz:

  • Windischgarsten, Pfarrkirche St. Jakob, Bronzetor, 1963
  • Tragwein, hl. Apostel Petrus und Paulus, Altäre im Chor und Seitenschiff, Ambo, Taufbecken und Sakramentsnische im Chor, 1967 (zweite Gestaltungsphase von PRINZGAU/Podgorschek 2013)
  • Bischofshof Linz, Bronzetore, 1967
  • Basilika Enns-Lorch,  Gestaltung der Altarzone im Langhaus, 1968, Altar in der Scherfenbergkapelle 1969, Floriantor (Südtor), Severintor (Westtor) 1970/71 und Auferstehungstor (Nordtor) 1985
  • Schenkenfelden, Pfarrkirche hl. Ägidius, Altarraumgestaltung 1969, Kreuzwegstationen, 1985
  • Sierning, Pfarrkirche hl. Stephanus, Portal und Altarraumgestaltung, 1970
  • Pfarrkirchen im Mühlkreis, Pfarrkirche Maria Himmelfahrt, Altarraumgestaltung, 1971
  • Enns-St. Marien, Stadtpfarrkirche, Altar, Ambo, Taufstein, Tabernakelstele, 1972
  • Pabneukirchen, Pfarrkirche hl. Simon und hl. Judas, Altarraumgestaltung, 1974
  • Pfarrkirche Haibach ob der Donau, Altarraumgestaltung, 1975
  • Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Heimsuchung, Frauenstein,  Altarraumgestaltung, 1976
  • Pfarrkirche Gutau, hl. Ägidius, Altarraumgestaltung, 1980

Das Floriantor in der Basilika St. Laurenz in Enns stammt vom Bildhauer Peter Dimmel.

Floriantor der Basilika Enns-St. Laurenz © Stefan Dorninger

 

Gestalter und treibende Kraft

 

Peter Hans Dimmel wurde am 31. August 1928 in Wien geboren, wo die Familie in Floridsdorf lebte. Kurz nach der Geburt erkrankte er an einer schweren Gehirnhautentzündung, deren Folge seine irreversible Gehörlosigkeit war. Zur Erholung verbrachte er einige Zeit bei der Großmutter in Ried in Innkreis, woher sein Vater, der Maler Herbert Dimmel, stammte. Zwischen 1931 und 1938 besuchte Dimmel die Döblingerschule. Seinem Vater war es zu verdanken, dass er privat in Laut- und Gebärdensprache unterrichtet wurde. Dadurch wurden ihm er bereits als Kind Literatur, Geschichte und Kunstgeschichte nähergebracht. Allerdings waren seine schulische und akademische Laufbahn sowie seine Lehrzeit immer wieder von Kommunikationsproblemen geprägt.

 

Von 1943 bis 1945 studierte Dimmel an der Akademie für angewandte Kunst in Wien unter Professor Robert Obsieger Bildhauerei. 1944 erfolgte der Befehl zur Musterung, Dimmel arbeitete in einer Prothesenschnitzerei und als Luftschutzmann.

 

Zwischen 1945 und 1949 absolvierte er eine Lehrlingsausbildung in der Keramikwerkstatt Angermayer in Eberschwang und arbeitet dort anschließend als Geselle.

 

Zwischen 1949 bis 1957 widmete sich Dimmel seinem Studium für Bildhauerei an der Kunstschule der Stadt Linz in der Meisterklasse von Walter Ritter. Bereits in dieser Zeit wurde er mit öffentlichen Aufträgen betraut. Seine Karriere als freischaffender Künstler begann Dimmel 1957, bis 1963 war er Mitbewohner des Egon-Hofmann-Atelierhauses in Linz und führte zwischen 1964 und 2000 ein Atelier in Leonding. Seit 1953 war Dimmel Mitglied der Innviertler Künstlergilde und der Künstlervereinigung MAERZ.

 

Zeit seines Wirkens wurde der Künstler mit zahlreichen Ehrungen bedacht – unter anderem mit dem Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich (2007), dem Kulturpreis und der Goldenen Kulturmedaille des Landes Oberösterreich (1962 und 2008), der Kulturmedaille der Stadt Linz (1986) und dem päpstlichen Silvesterorden (2012).

 

Lebenslanges Engagement für gehörlose Menschen

 

Aufgrund seines jahrzehntelangen ehrenamtlichen Engagements für gehörlose Menschen wurde Dimmel unter anderem auch mit der Humanitätsmedaille des Landes OÖ (2000), der Auszeichnung „Ehrenamt“ des Landes Oberösterreich (2001) und dem Solidaritätspreis der Kirchenzeitung (2011) ausgezeichnet. Er unterstützte gehörlose Menschen in vielen Funktionen der Gehörlosen-Interessenvertretungen, sowohl auf Österreich- als auch auf Oberösterreich-Ebene. So war er etwa zwischen 1985 und 1997 Präsident des Österreichischen Gehörlosenbundes und von 1996 bis 2012 Leiter des Landesverbandes der Gehörlosenvereine in OÖ; danach war er Ehrenpräsident bzw. Ehrenobmann.

 

Eine der besonderen Leistungen Peter Dimmels war die Organisation des Weltkongresses der Gehörlosen in Wien 1995. Es ist ebenso sein Verdienst, dass die Österreichische Gebärdensprache seit 2001 in der oberösterreichischen Landesverfassung und seit 2005 in der österreichischen Bundesverfassung als eigenständige Sprache verankert ist. Dimmel gründete auch die Linzer Fachausbildung Gebärdensprachdolmetschen (GESDO), wo bis heute professionelle Dolmetscher:innen ausgebildet werden, und errichtete eine Dolmetscher:innen-Vermittlungszentrale.

 

Die Verabschiedung des Verstorbenen findet am 27. Mai 2027 um 11.30 Uhr in der Pfarrkirche Linz-St. Konrad statt.

 

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