Von der Donau bis zur Moldau: Wilheringer Pilgerweg feierlich eröffnet
132 Kilometer – sechs Tagesetappen – elf Gemeinden und ihre Kirchen, von der Donau bis zur Moldau: Als neuer Pilgerweg verbindet der Wilheringer Weg das Stift Wilhering in der oberösterreichischen Donauregion grenzüberschreitend mit dem Stift Vyšší Brod in der Tschechischen Republik. Am Sonntag, 19. April 2026 wurde er im Stift Wilhering feierlich eröffnet.
Bischof Manfred Scheuer: Gehen als Schule der Sehnsucht
Den Festgottesdienst feierten Bischof Manfred Scheuer und Abt Reinhold Dessl mit den Besucher:innen. Die Pilgerroute sei nicht nur ein äußerlicher Weg, sondern auch eine "Reise nach innen", betonte Bischof Manfred Scheuer in seiner Predigt beim Eröffnungsgottesdienst in der Stiftskirche Wilhering am Sonntag. Pilgern sei nicht nur ein Modetrend, sondern komme dem Bedürfnis nach Sinnsuche und spiritueller Erfahrung entgegen. Die Motivationen des "Gehens" seien unterschiedlich, bemerkte Scheuer. Neben sportlichem Ehrgeiz oder gesundheitlichen Motiven gebe es auch die "Suche nach dem ureigenen Selbst". Das Gehen sei "eine Schule der Sehnsucht, mich nicht mit zu wenig zufriedenzugeben, die Ziele meines Lebens nicht zu niedrig anzusetzen und diese Ziele nicht aus den Augen zu verlieren", hielt der Bischof in seiner Predigt fest. Ein Weg mit einem Ziel gebe nicht nur Orientierung. Das Gehen wirke darüber hinaus persönlichkeitsbildend, gemeinschafts- und freundschaftsstiftend.
Nicht selten hingen Pilgerwege und Wallfahrten auch mit biografischen und existenziellen Übergängen und Brüchen zusammen. Davon zeugten die vielen Votivtafeln für Anliegen und Dank entlang der Wege. Vor Prüfungen, nach der Matura, bei Verlusterfahrungen, bei Lebensübergängen würden sich viele Menschen auf den Weg machen, so Scheuer. Gehen sei ein Ausdruck für den Gang des Lebens mit Gelingen, mit Scheitern, mit Höhen und Tiefen, mit den Wegen, Umwegen, Irrwegen und Abwegen. "Das Gehen wird zum Bild der inneren Befindlichkeit und auch zum Symbol unserer Beziehungen: Menschen gehen aneinander vorbei oder wieder aufeinander zu", meinte der Bischof.
Predigtgedanken von Bischof Manfred Scheuer zum Nachlesen

Festgottesdienst mit Bischof Manfred Scheuer, Abt Reinhold Dessl und Prior Johannes Mülleder. © Roman Bartl
Festakt zur Eröffnung
Nach der Festmesse mit Abt Reinhold Dessl und Bischof Manfred Scheuer wurde der
neue Pilgerweg, der das Stift Wilhering in einem Rundweg mit seiner ehemaligen
Tochtergründung, dem Stift Vyšší Brod, verbindet, offiziell eröffnet. Für die musikalische
Gestaltung sorgten Sänger:innen aus den Kirchenchören der Wilheringer
Stiftspfarrgemeinden. Die Gesamtleitung aller Chöre lag in den Händen von
Stiftskapellmeister Till Alexander Körber. Mitwirkende waren außerdem die Leonfeldner
Kantorei unter der Leitung von Stefan Kapeller sowie Stiftsorganist Ikarus Kaiser an der
Orgel.
Zu den Festredner:innen zählte etwa Landesrat Markus Achleitner, der dem Team herzlich
zum gelungenen Projekt gratulierte und neben der spirituellen Wichtigkeit auch auf
dessen touristische und sportliche Attraktivität hinwies. Auch die Landesrätin der OÖ
Regionen, Michaela Langer-Weninger, die nicht persönlich an der Eröffnung teilnehmen konnte, betonte in einem Statement die Bedeutung des neuen Pilgerangebots: „Der
Wilheringer Pilgerweg zeigt, welche Kraft im ländlichen Raum steckt. Durch die enge
Zusammenarbeit von vier LEADER-Regionen ist ein Weg entstanden, der nicht nur
Gemeinden verbindet, sondern auch die Vielfalt unserer heimischen Kulturlandschaft
sichtbar macht. Gleichzeitig lädt er Menschen dazu ein, zur Ruhe zu kommen, neue
Perspektiven zu gewinnen und Schritt für Schritt zu sich selbst zu finden“.
Pilgern überwindet Grenzen – der Wilheringer Weg führt nicht nur wortwörtlich über die
Landesgrenze zwischen Österreich und Tschechien, sondern soll auch dazu anregen,
innere Grenzen auszuloten sowie gesellschaftliche Grenzen zu hinterfragen. Die "Reise nach innen" könne "empfänglicher machen für die Wunder der Schöpfung und den liebenden Urgrund des Lebens, den wir Gott nennen", so Abt Reinhold Dessl vom Stift Wilhering. Bewegung mache den Kopf freier und helfe dabei, "in uns zu gehen". In einer Welt voller Konfliktherde regte Abt Dessl dazu an, die Pilgererfahrung, den Weg ins Innere und die Überwindung von Grenzen auch nach außen zu tragen – als
Symbol für eine Gesellschaft, die das Verbindende sucht.

Feierliche Eröffnung des Wilheringer Pilgerwegs. © Roman Bartl
Längerübergreifendes Projekt
Eine Besonderheit des Projekts – die Zusammenarbeit in einem transnationalen Interreg-
Förderprojekt zwischen Österreich und Tschechien – wurde auch im Festakt gewürdigt,
indem sämtliche Reden simultan auf Tschechisch übersetzt wurden.
Neben der Interreg-Förderung ermöglichten LEADER-Mittel aus vier Regionen (Urfahr-West, Linz-Land, Donau-Böhmerwald, Sterngartl Gusental), die Zusammenarbeit mit den
Tourismusverbänden Mühlviertel und Donauregion Oberösterreich, dem Stift Wilhering
sowie zahlreichen Ehrenamtlichen die Umsetzung des Projekts.
In-sich-Gehen: Eine neue Art, das Land zu erfahren
Die Achtsamkeit, das langsame Tempo und das bewusste Erfahren von Land und Leuten, die eine Pilgerreise prägen, zahlen hier auf eine neue Art des Tourismus ein. Anstatt auf das Abhaken von Sehenswürdigkeiten setzt Pilgern auf spirituelle Erfahrung, bewusste Wahrnehmung und authentische Begegnungen – und belebt dabei ganz nebenbei die Region: Mit elf beteiligten Gemeinden und deren Pfarrgemeinden hat der Wilheringer Weg das Potenzial, das Mühlviertel sowie die Donauregion Oberösterreich nachhaltig zu bereichern. Entlang des Weges entstehen so bereits in den Gemeinden Eidenberg sowie Vorderweißenbach neue Unterkünfte für Pilger:innen.
Pilgerbegleitung und Begleitmaterial
Konkrete Angebote für Pilger:innen, wie geführte und thematisch begleitete Pilgerwanderungen, sind in Planung. Großes Interesse gibt es auch bereits am Begleitmaterial zum Pilgerweg – gemeinsam wurden ein knapp hundert Seiten starkes Begleitheft sowie eine Pilgerkarte entwickelt, die ab sofort unter www.wilheringerweg.at, im Mühlviertel Tourismus Büro Bad Leonfelden sowie im Stiftsshop des Stifts Wilhering erhältlich sind. Ins Begleitheft können nicht nur die gesammelten Pilgerstempel eingetragen werden, es liefert auch genaue Wegbeschreibungen, bietet für jede Etappe Meditationstexte und Raum für eigene Gedanken und ist so der ideale Begleiter für den eigenen Weg nach innen.

Eröffnung des Wilheringer Pilgerwegs mit Festgästen und Kooperationspartner:innen. © Roman Bartl
Der Wilheringer Pilgerweg
Der neue Wilheringer Pilgerweg „Von der Donau bis zur Moldau“ verbindet auf 132 Kilometern die beiden Flüsse und führt durch elf Gemeinden in den Bezirken Urfahr-Umgebung und Linz-Land bzw. in zwei EU-Ländern. Dieses grenzüberschreitende Pilgern lädt dazu ein, verbunden mit der Schönheit der Mühlviertler Landschaft neue Wege miteinander und zueinander zu gehen. Durch den Weg wird das Stift Wilhering mit seiner ehemaligen Tochtergründung, dem Stift Hohenfurth in Südböhmen und mit allen Kirchen der Region verbunden, die vom Stift Wilhering seelsorglich betreut werden. Entlang der Strecke laden die Kirchen zu spirituellen Impulsen ein, inspiriert von der zisterziensischen Spiritualität: 15 „Gs“ spannen den Bogen von „Gesegnet“ bis „Gewandelt“.
Der Wilheringer Weg wird durch LEADER- bzw. INTERREG-Mittel gefördert. LEADER ist eine Förderinitiative, welche die Stärkung des ländlichen Raums, die Förderung der regionalen Wirtschaft und die Steigerung der Lebensqualität in den Regionen zum Ziel hat. Interreg ist Teil der Struktur- und Investitionspolitik der Europäischen Union. Seit mehr als 30 Jahren werden damit grenzüberschreitende Kooperationen zwischen Regionen und Städten unterstützt, die das tägliche Leben beeinflussen, zum Beispiel zu Energie und Klimawandel, Umwelt- und Ressourcenschutz, beim Arbeitsmarkt und sozialen Themen und im Verkehr.
Alle Infos unter www.wilheringerweg.at
Pilgerbegleiter:innen der Diözese Linz
Quellen: Region Urfahr-West / Kathpress / Diözese Linz







