Sonntag 15. Februar 2026

Requiem für Bischof Maximilian: Berührende Gedenkworte aus Politik, Ökumene und Diözese

Landeshauptmann Thomas Stelzer, Superintendent Gerold Lehner von der Evangelischen Kirche A. B. in Oberösterreich und Brigitte Gruber-Aichberger, Geschäftsführende Vorsitzende des Pastoralrats der Diözese Linz fanden sehr persönliche Worte der Würdigung.

„Wichtiger und mahnender Gestalter für Oberösterreich“

 

Landeshauptmann Thomas Stelzer betonte in seinen Gedenkworten, Bischof Maximilian Aichern habe auch nach seiner Emeritierung sein Leben in den Dienst der Sorge um die Menschen in Oberösterreich gestellt. „Er war zeitlebens ein sympathisches und gewinnendes Gesicht für unsere Kirche – ein offenes und öffnendes, das unserem Land, aber ganz besonders auch unserer Kirche gut tat“, so Stelzer. Bischof Maximilian habe stets vermittelt, dass er die Menschen mochte – „und die Menschen mochten und mögen ihn“. Aichern habe durch viele Jahrzehnte das kirchliche, aber auch das gesellschaftliche Leben in Oberösterreich entscheidend mitgestaltet und geprägt. „Sein Wahlspruch und Lebensprogramm ‚In Caritate servire‘, ‚In Liebe dienen‘, kann dafür als großer inhaltlicher Anspruch und als Klammer gelten“, betonte der Landeshauptmann.

 

Stelzer würdigte den Verstorbenen als Mann des Dialogs und des Brückenbaus „in unserer Kirche, zwischen den Kirchen, aber auch in Richtung Gesellschaft und ihrer vielen Gruppierungen und Gliederungen“. Aicherns Wort habe Gewicht gehabt, weil seine Worte mit Bedacht und Tiefgang gewählt waren und gleichzeitig für viele verständlich waren und Menschen anrührten. „Und damit bewegte er viel. Vor allem, weil in seinen Worten auch immer seine Überzeugung zum Ausdruck kam – und bei ihm Worte auch in konkreten Taten ihren Ausdruck fanden. Bischof Maximilian hörte man gerne zu; auf ihn hörte man“, unterstrich Stelzer. Für Oberösterreich sei „Sozialbischof“ Maximilian Aichern ein wichtiger, mahnender und mithelfender Gestalter gewesen. „Denn ein Land darf sich nur dann wirklich stark nennen, wenn es niemanden zurück- und niemanden alleinlässt. Bischof Maximilian stand dafür und wirkte dafür – und er war in Zeiten der Internationalisierung ein Botschafter der Globalisierung der Menschlichkeit“, so Stelzer.

 

Der Landeshauptmann verbindet auch ganz persönliche Erinnerungen mit dem Verstorbenen. „Ich hatte die große Ehre und Freude, als Sänger in der Dommusik viele Jahre hindurch viele schöne und bereichernde Gottesdienste hier im Dom erleben zu dürfen, vor allem aber ganz oft Bischof Maximilian und seine Worte und Predigten aus unmittelbarer Nähe miterleben zu dürfen. Damit war er auch für mich – wie für so viele – prägend, wofür ich unendlich dankbar bin.“ Stelzer an den Verstorbenen gewandt: „Du, lieber Bischof Maximilian, hast ein gesegnetes Alter erreicht. Unser Land und wir sind auch gesegnet, dass wir dich in unserer Mitte haben durften. So sage ich dir im Namen des Landes Oberösterreich, aber auch ganz persönlich, noch einmal ein großes Danke, ein herzliches Vergelt’s Gott für alles, was du für unser Land, unsere Landsleute, unseren Zusammenhalt und unser gutes Leben hier beigetragen hast.“

 

Landeshauptmann Thomas Stelzer

Landeshauptmann Thomas Stelzer. © Diözese Linz / Hermann Wakolbinger

 

Ökumene auf Augenhöhe in geschwisterlichem Geist

 

Gerold Lehner, Superintendent der Evangelischen Kirche A. B. in Oberösterreich, sprach den Dank der Evangelischen Kirche in Oberösterreich und in Österreich gegenüber Bischof Aichern aus. Kennengelernt hatte er ihn erst nach dessen Emeritierung. „Aber es ist bezeichnend, wie oft ich ihn getroffen und auch mit ihm zusammen für die Sache des Evangeliums eintreten durfte“, so Lehner. Maximilian Aichern sei auch nach seiner Emeritierung seiner Diözese und ihren Menschen treu geblieben. „Er hat sich nobel zurückgehalten, mit Kommentaren aus der zweiten Reihe, aber er war immer da, wo man ihn gebraucht und gerufen hat“, betonte Lehner.

 

Lehner zeichnete anhand von vier Begegnungen und Erfahrungen mit Bischof Maximilian ein sehr persönliches, berührendes und charakteristisches Bild des Verstorbenen. Ein prägendes Erlebnis: die Feier eines gemeinsamen ökumenischen Gottesdienstes im Mariendom, als Aichern bereits emeritierter Bischof war. „Wir ziehen aus der Sakristei in den Dom ein, verbeugen uns vor dem Altar und gehen auf die Sitze zu, und Bischof Maximilian zeigt auf den Bischofssitz und sagt zu mir: Das ist dein Platz. Du bist aktiv und ich bin Emeritus, deshalb leitest du den Gottesdienst. Und ich war ein klein wenig fassungslos und habe gesagt: Bischof Maximilian, das geht nicht, du bist der Bischof. Und er hat gesagt: Nein, wir machen das so.“

 

Diese Geste habe sich bei ihm, Lehner tief eingeprägt und sei zeichenhaft dafür gewesen, wie Aichern Ökumene gelebt habe: als Anerkennung der Schwesterkirche und ihrer Amtsträger auf Augenhöhe und als geschwisterliches Miteinander. Alles, was er mit Maximilian Aichern erlebt habe, sei getragen gewesen von diesem geschwisterlichen Geist. „Ich habe landauf, landab die Früchte jenes ökumenischen Frühlings gesehen, die in seiner Amtszeit gewachsen sind und die er bewusst gefördert hat“, so der Superintendent.

 

Lehner würdigte den Verstorbenen als Menschen, der bis ins hohe Alter bereit war, Dienste zu übernehmen. „Ein Bischof, immer noch unterwegs zu den Menschen, bereit, in Liebe zu dienen.“ Besonders beeindruckt habe ihn immer Aichern unglaubliches Gedächtnis, seine Gabe, sich an Menschen zu erinnern und sich ihnen zuzuwenden. „Da war er im besten Sinne des Wortes ein Bischof, ein Hirte, der seine Schäflein kannte und mochte“, so Lehner. Bis zuletzt sei er mit Aichern auch in brieflichem Kontakt gestanden, sie hätten Weihnachts-, Geburtstags- und Osterkarten gewechselt. „In den letzten Jahren habe ich immer mit sehr viel Liebe auf diese Karten geschaut, denn man hat gemerkt, dass ihm das Schreiben immer schwerer fiel und die Schrift ungelenker wurde, und die Worte weniger. Aber immer, bis zum Schluss, habe ich die Karte mit seiner Unterschrift bekommen. Und ich kann mir vorstellen, welche Mühe es ihm am Ende bereitet hat, zu schreiben. Aber er hat es getan. Und seine Unterschrift, der man die Spuren dieser Mühe so deutlich angesehen hat, ist mir zu einem ganz besonders wertvollen Gruß geworden und zum Zeichen einer unverbrüchlichen Treue und Verbundenheit in Christus.“

 

Der Superintendent abschließend: „Wir als evangelische Kirche und als Ökumene danken Gott, dass er uns Bischof Maximilian als Bruder und Bischof geschenkt hat. Und ich weiß, dass ihn unser Herr Jesus Christus in seinem Reich empfangen und zu ihm sagen wird: ‚Du guter und getreuer Knecht, geh hinein zu deines Herrn Freude!‘“

 

SuperSuperintendent Gerold Lehner

Superintendent Gerold Lehner. © Diözese Linz / Hermann Wakolbinger

 

 

Ermöglicher, Ermutiger, Förderer von Laien und Frauen

 

Brigitte Gruber-Aichberger war bis zu ihrer Pensionierung langjährige Leiterin der Abteilung Pastorale Berufe und ist nun Geschäftsführende Vorsitzende des Pastoralrates der Diözese Linz. Sie erinnerte in ihrer Ansprache an ein Wort von Bischof Maximilian Aichern aus seiner Ansprache am Tag seiner Bischofsweihe am 17. Jänner 1982: „Ich will ein Mann des Friedens, der Gesprächsbereitschaft und des Verstehens sein. Ich will beitragen, dass Brücken zwischen den verschiedenen Meinungen gebaut werden. Ich will euch allen ein Bruder im Glauben sein.“ Dieses Versprechen habe Bischof Maximilian eingelöst. „Er hat viele Brücken gebaut hin zu Menschen aller Schichten, zu und zwischen zivilgesellschaftlichen Initiativen, zur Politik, Interessensvertretungen, Wirtschaft. Er hat Brücken für Menschen gebaut. Er sah Kirche klar in der Mitverantwortung für das Gemeinwohl und verstand es, das christliche Menschenbild, die Option für die Armen einzuweben in das Sozialgefüge des Landes“, betonte Gruber-Aichberger.

 

Die Pastoralrats-Vorsitzende würdigte Aichern als auf Verständigung bedachten, aber starken Gesprächspartner. „Er war ein Mann mit klaren Optionen für ein würdevolles, gutes Leben für alle, für die Gleichstellung von Frauen, für die Berufung aller Getauften, das Evangelium zu verkünden, für gute Arbeitsbedingungen und für ein gutes Miteinander von Priestern und Laien in der Kirche. Menschlichkeit war sein Maßstab.“ So habe er etwa den ersten diözesanen Kollektivvertrag befürwortet, eine diözesane Frauenkommission eingesetzt, deren Vorsitzende in Entscheidungsgremien geholt und Frauen wesentliche Leitungspositionen übertragen.

 

Aichern sei Ermöglicher und Ermutiger gewesen, habe aber Ideen nie im Alleingang umgesetzt. „In den Gremien wie Pastoralrat oder Dechantenkonferenz war er ein aufmerksam Hörender. Es war seine Haltung des Vertrauens und der Einladung zur Mitverantwortung, die offen und ehrlich diskutieren ließ. Man hatte das Gefühl gehört und ernstgenommen zu werden. Die leitende Frage war: Wie finden wir verantwortbare Wege für eine gute Seelsorge in der Zukunft, damit Gemeinden leben und Kirche einladend bleibt und den Menschen dient?“

 

Gruber-Aichberger erinnerte daran, dass Bischof Aichern der Einsatz von Ehrenamtlichen und von theologisch qualifizierten Frauen und Männern als Pastoral- und Pfarrassistent:innen ein Anliegen war, was ihm Kritik eingebracht habe. „Mit deren Beauftragung zur Leitung von Begräbnissen und Wortgottesfeiern, mit der außerordentlichen Taufbeauftragung oder Gemeindeleitung sollte Seelsorge gesichert werden, wurde aber Widerstand wachgerufen.“ Leitung sei so zum Balanceakt im Kräftefeld von Notwendigkeiten für die Seelsorge, kirchenrechtlichen Möglichkeiten, Erwartungshaltungen von progressiven und konservativen Kräften und den Beanstandungen aus Rom geworden. Der Umgang von Aichern mit dieser Situation: „Bischof Maximilian suchte den Dialog, stellte sich der Kritik und nahm vieles auf sich, um zu deeskalieren und gleichzeitig nicht zu entmutigen. Er stand mit prophetischem Mut ein für eine weltoffene, von allen Getauften getragene Kirche im Dienst der Menschen. Er sagte einmal dazu: ‚Man muss manche Sachen ertragen können. Ich vertraue darauf, dass unrechte Saat nicht aufgeht.‘“

 

Gruber-Aichberger bezeichnete Bischof Maximilian Aichern als „Herzensöffner“ in der Begegnung mit Menschen. „Seine Menschlichkeit, Offenherzigkeit und seine Gabe, so viele mit Namen zu kennen, schenkten Wertschätzung und Zugehörigkeit. Er war ein Meister darin, Menschen Ansehen zu geben, sie zu würdigen und Danke zu sagen“, fand Gruber-Aichberger sehr persönliche Worte für den Verstorbenen. Maximilian Aichern sei zutiefst bescheiden gewesen, kein Machtmensch und alles andere als klerikal. „Er war glaubwürdig als Mensch und Christ, in seinem mutigen Eintreten für eine menschenfreundliche Welt und Kirche. So war er ein guter Hirte und Bruder im Glauben, wie er es versprochen hatte.“ An den Verstorbenen gewandt sagte Gruber-Aichberger: „Du warst ein Segen für die Diözese Linz, insbesondere für uns Laien und für uns Frauen. Die Verbundenheit mit dir wird uns weiter die Richtung weisen, aber du wirst fehlen.“

 

Brigitte Gruber-Aichberger, Vorsitzende des Pastoralrats

Pastoralrats-Vorsitzende Brigitte-Gruber-Aichberger. © Diözese Linz / Hermann Wakolbinger

 

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