Kirchlicher Umweltpreis ging viermal nach Oberösterreich
Am 16. Jänner 2026 wurde in St. Pölten der österreichweite kirchliche Umweltpreis 2025 vergeben. Insgesamt wurden in den beiden Kategorien Mobilität und Biodiversität zwölf Hauptpreise an evangelische und katholische Pfarren sowie an Ordenseinrichtungen verliehen; darüber hinaus gab es 25 Anerkennungspreise. Als erste Gratulanten stellten sich der St. Pöltner Bischof Alois Schwarz und die neue evangelische Bischöfin Cornelia Richter ein.
Zwei der Haupt- und zwei der Anerkennungspreise gingen nach Oberösterreich:
- In der Kategorie „Mobilität" wurde u. a. das Ordensklinikum Linz für sein Mobilitätsmanagement ausgezeichnet.
- In der Kategorie „Biodiversität" ging einer der Hauptpreise an den St. Barbara Friedhof Linz.
- Einer der Anerkennungspreise in der Kategorie „Biodiversität" wurde an die Pfarrgemeinde Linz-St. Konrad überreicht.
- Die Pfarrgemeinde Seewalchen am Attersee erhielt ebenfalls einen Anerkennungspreis in der Kategorie „Biodiversität".
Mobilitätsmanagement: Alternativen zum Auto
Das Ordensklinikum Linz setzt seit 2023 ein umfassendes Mobilitätsprogramm um, das klimafreundliche und gesundheitsfördernde Alternativen zum Auto in den Arbeitsalltag integriert. Kernmaßnahmen sind die Umwandlung von Pkw-Stellplätzen in überdachte, versperrbare Fahrradabstellplätze mit E-Bike-Ladestationen, kostenlose Fahrradchecks zweimal jährlich sowie Reparatur-Workshops für Mitarbeiter:innen. Zusätzlich gibt es Rabatte bei Radgeschäften, die Möglichkeit, Falträder vor Ort zu testen, und eine Kooperation mit city bike Linz für Dienstwege. Fahrgemeinschaften profitieren von vergünstigten Parktarifen und einer App, die Mitfahrgelegenheiten organisiert und nachhaltiges Pendeln belohnt. Eine aktive Fahrradgruppe stärkt Gemeinschaft und Fitness.

Urkundenverleihung an das Team des Ordensklinikums Linz mit Umweltmanagerin Helene Großauer (M.), Bischof Alois Schwarz und der evangelischen Bischöfin Cornelia Richter © schoepfung.at/schönlaub
St. Barbara Friedhof als Ort des Lebens
Die Naturoase St. Barbara Friedhof ist in vielfältiger Weise ein Ort des Lebens mitten in der Stadt. „Mit seinem alten Baumbestand, dessen Wurzeln buchstäblich bis an die Anfänge des St. Barbara Friedhofs reichen, beruft sich der Trend zum Naturnahen auf eine gewisse Tradition. Wir freuen uns sehr, dass der kirchlich-ökumenische Umweltpreis würdigt, dass wir Verantwortung für künftige Generationen übernehmen und uns intensiv engagieren, die Naturoase mitten in der Stadt zu erhalten und ‚klimafit‘ zu machen“, sagt Friedhofsverwalter Clemens Frauscher.
Vielfältiges Biotop
Durch naturnahe Bewirtschaftung, Aufforstung und sanftes Wildtiermanagement hat sich das Areal des St. Barbara Friedhofs zu einem vielfältigen Biotop entwickelt. Landschaftsgärtnermeister Stefan Oberklammer betreut rund 1.200 Bäumen, 750 Sträuchern und 800 Laufmeter Hecken. Alte Baumbestände werden regelmäßig kontrolliert. „Muss ein Baum gefällt werden, wird zumindest ein neuer gepflanzt“, erklärt Oberklammer. Wegen zunehmender Trockenheit setzt man auf klimaresistente, heimische Arten. Die Artenvielfalt ist beeindruckend: Igel finden in eigens angelegten Haufen Unterschlupf, zahlreiche Bienenstöcke werden von einer Imkerin betreut, brachliegende Flächen in Blumenwiesen verwandelt. Etwa 27 Vogelarten nisten auf dem Gelände, unterstützt durch 120 Brutkästen. Auf chemische Unkrautvernichter wird verzichtet, wodurch Insekten und Vögel ausreichend Nahrung finden. Nachts bleibt der Friedhof dunkel und geschlossen – als Ruhezeit für Tiere.
© Clemens Frauscher / St. Barbara Friedhof_Nik Fleischmann, © schoepfung.at/schönlaub
Naherholungsgebiet mitten in der Stadt
Neben seiner ökologischen Bedeutung dient der Friedhof auch als Naherholungsgebiet mit Sitzgelegenheiten und Schattenplätzen. Nachhaltigkeit zeigt sich auch in der Energieversorgung: Drei Photovoltaikanlagen decken seit 2023 den Eigenbedarf und speisen Überschüsse ins Netz. Fahrzeuge und Arbeitsgeräte werden elektrisch betrieben.
Naturnahe Bestattung und Vermittlung
Als „Waldfriedhof“ bietet der St. Barbara Friedhof verschiedene naturnahe Bestattungsformen, darunter Baumurnengräber und den 2020 eröffneten Apfelbaum-Urnengarten des Künstlers Arnold Reinthaler. Bei Veranstaltungen, Führungen und Vogelbeobachtungen wird die Verbindung von Natur, Nachhaltigkeit und Erinnerung für Besucher:innen erlebbar. So steht heuer am 8. Mai 2026,um 14 Uhr, eine Führung zu den 1.200 Bäumen am Programm. Der Landschaftsgärtnermeister berichtet dabei auch, was getan wird, um als Friedhof mit dem auch in Linz schon spürbaren Klimawandel umzugehen.
Linz-St. Konrad: Ort gelebter Schöpfungsverantwortung
„Biodiversität – lebensfreundlich aktiv“ zeigt die Pfarrgemeinde Linz-St. Konrad als Ort gelebter Schöpfungsverantwortung. Auf dem Froschberg in Linz entstehen Blühstreifen, Klimaoasen und ein artenreicher Pfarrgarten, in dem Bienen, Blumen und Menschen gleichermaßen Raum finden. Photovoltaik, Begrünungen, Mülltrennung, Fairtrade und Mehrweg bei Festen verdeutlichen, wie ökologische Entscheidungen selbstverständlich werden. Bildungsimpulse, Klimavorträge, spirituelle Angebote sowie Projekte wie das Sozialgartl oder der Tauschbasar verbinden Wissen, Gemeinschaft und nachhaltiges Handeln. Neue Ideen – von der Schwammstadt bis zu einem vielfältigeren Kirchenumfeld – zeigen, wie sich Zukunft gestalten lässt.

Freude über die Auszeichnung herrschte im Team der Pfarrgemeinde Linz-St. Konrad bei der Preisverleihung. © Pfarrgemeinde Linz-St. Konrad
Naturnaher Friedhof in Seewalchen
Die Pfarrgemeinde Seewalchen gestaltet den Friedhof als Ort der Ruhe und ökologischen Verantwortung. Heimische, insektenfreundliche Pflanzen, Blumenwiesen und Blühstreifen schaffen Nahrung und Lebensraum für Wildbienen und Schmetterlinge. Im Winter bleiben Blütenstängel stehen – wertvolle Quartiere für Insekten. Mit dem Projekt „Grab mal anders“ informiert ein engagiertes Team über nachhaltige Grabgestaltung. Infostände, Vorträge und ein Folder fördern Bewusstsein für Schöpfungsverantwortung. Der Friedhof wird giftfrei gepflegt, Wege naturnah gestaltet, „Plauderbankerl“ laden zur Begegnung ein. So entsteht ein Ort, der Trauer, Hoffnung und gelebten Naturschutz verbindet.

Ein Anerkennungspreis ging an die Pfarrgemeinde Seewalchen . © Pfarrgemeinde Seewalchen
Feier in St. Pölten
Die feierliche Übergabe des Preises erfolgte am 16. Jänner 2026 in St. Pölten. Als erste Gratulant:innen stellten sich der St. Pöltner Bischof Alois Schwarz – in der Bischofskonferenz zuständig für Umweltthemen – und die neue evangelische Bischöfin Cornelia Richter ein.
Der kirchliche Umweltpreis zeige, so Bischof Schwarz, „wie viel Hoffnung und Tatkraft in unseren Pfarren, Orden und kirchlichen Einrichtungen steckt". Bischöfin Richter betonte, dass der Umweltpreis „neues, kreatives Denken und Handeln" unterstütze. Es brauche möglichst viele Menschen, „die sich trauen, anders zu denken, neue Wege auszuprobieren, die Dinge anders zu machen als bisher". Richter weiter: „Von den ersten Seiten der Bibel an ist uns die Verantwortung für die Schöpfung übergeben. Wir sind es, die sie in ihrer gesamten Schönheit zu bewahren haben." Vieles davon sei bereits aufs Spiel gesetzt, vieles sei durch die menschliche Gier nach immer mehr Wachstum bereits verloren. Umso wichtiger sei es, „unserer Verantwortung in ökumenischer Gemeinschaft nachzukommen".
Der kirchlich-ökumenische Preis wird von den katholischen und evangelischen Umweltbeauftragten gemeinsam mit den Ordensgemeinschaften und der Fachstelle „Überdiözesane Umweltarbeit der katholischen Kirche in Österreich" alle zwei Jahre vergeben.
Weitere Informationen: www.schoepfung.at








