Sunday 16. June 2024

Künstlerische Positionen zu Tod und Vergänglichkeit in Hallstatt

„Über die Schwelle“ ist ein kirchliches Projekt im Rahmen der Kulturhauptstadt Europas Bad Ischl Salzkammergut 2024 das von 2. Juni bis 2. November 2024 neue Sichtweisen rund um Vergänglichkeit, Tod, Werden und Vergehen eröffnet.

Die Katholische Pfarrkirche von Hallstatt mit ihrer malerischen Lage ist für Generationen von Hallstätter:innen zentraler Ort von Glaube und Gemeinschaft und darüber hinaus ein bedeutender kultureller Ort.


Das eindrucksvolle Ensemble rund um die Kirche mit dem Friedhof, dem Beinhaus, der Gruftkapelle, der Michaelskapelle und dem Totengräberhaus macht den Tod als letzte und unausweichliche Wahrheit des Lebens – und für Christ:innen zugleich auch die Hoffnung auf die Auferstehung im Glauben – eindrucksvoll sichtbar.


In der Fastenzeit 2024 waren als erster Teil der Reihe „Über die Schwelle“ Werke der aus Japan stammenden Künstlerin Haruko Maeda zu sehen.


Von 2. Juni bis 2. November 2024 eröffnen ortspezifische Interventionen und künstlerische Arbeiten von Aldo Giannotti, Jochen Höller, Markus Hofer, Klara Kohler, Rosmarie Lukasser, Roman Pfeffer, Franz Riedl, Nicole Six und Paul Petritsch, Wendelin Pressl, Betty Wimmer neue Sichtweisen rund um Vergänglichkeit, Tod, Werden und Vergehen.


Erste Ausbildungsstätte für die meisten Künstler:innen der Reihe „Über die Schwelle“ war die HTBLA Hallstatt. Für prägende Jahre ihres Lebens waren sie mit diesem besonderen Ort verbunden oder haben im Umfeld der Absolvent:innen künstlerische Projekte realisiert. Nach der Ausbildung in Hallstatt hat sie ihr weiterer Weg über Kunstuniversitäten und Akademien, Auszeichnungen mit Kunstpreisen, viel beachteten Arbeiten im öffentlichen Raum und an kirchlichen Orten zu renommierten Galerien und Ausstellungshäusern in Österreich und darüber hinaus international geführt.

 

Betty Wimmer
Reges Interesse bei der Eröffnung
Six Petritsch
Rosmarie Lukasser


Kuratorin Martina Gelsinger vom Fachbereich Kunst und Kultur der Diözese Linz dazu: „Die Zusammenarbeit mit Künstler:innen, die im gegenwärtigen Kunstdiskurs – regional und international – präsent sind, ist in der Diözese Linz eine bewährte Tradition. In Hallstatt war es für einen Großteil der eingeladenen Künstler:innen die Rückkehr an einen ehemals vertrauten Ort, der vor Jahrzehnten prägend für einen wichtigen Lebensabschnitt war. Geschichte und Gegenwart überlagern sich in der Wahrnehmung. Charakteristika des Ortes und seine räumlichen Gegebenheiten waren Inspirationsquelle für die Künstler:innen. Es sind subtile, behutsame temporäre Ergänzungen zum Bestand des historischen Ensembles. Manche der Interventionen erschließen sich erst auf den zweiten Blick. An einem Ort, der von so vielen Besucher:innen aus aller Welt zumeist in sehr kurzer Zeit besucht wird, ist dieses Sich-Zeit-Nehmen, Entdecken und Reflektieren in der Begegnung mit Kunst eine hohe Qualität.“


Die Hallstattkultur“, eine Skulptur von Markus Hofer, thematisiert im Eingangsbereich der Kirche Salz als Konservierungsmittel. Mit einem handelsüblichen Rollkoffer und einem Salzgefäß nimmt der Künstler Bezug auf den Massentourismus und thematisiert mit einem Augenzwinkern mögliche archäologische Fundstücke der Zukunft. 
Vier lose gruppierte Kerzenständer von Wendelin Pressl im Altarbereich der Kirche tragen den Titel „REZYKLATION“. Erst auf den zweiten Blick wird sichtbar, dass es sich um handelsübliche PET-Wasserflaschen handelt, denen der Künstler
neues Leben gibt, indem er sie in das beständigere Material Aluminium gießt und in „Lichtträger“ verwandelt.


Roman Pfeffer erweckt mit seiner Intervention mit dem Titel „Sepp Auer activated by Roman Pfeffer“ das Kreuz und den Klangschlägl des Künstlers Sepp Auer aus dem Jahr 2004 zu neuem Leben. „Die Unendlichkeit der Zeit“ betitelt Jochen Höller seine Intervention – eine moderne Bahnhofsuhr im romanischen Durchgang – die als „Minutensprunguhr“ suggeriert, dass das Vergehen der Zeit mess- und steuerbar ist.
Das Gelebte“ nennt Klara Kohler die Überlagerung von Tagebuchaufzeichnungen ihrer Schulzeit in Hallstatt, die sie als Schriftbilder in Glas zwischen den historischen Epitaphien platziert und damit auf das Überlagern und letztendliche Verblassen von Erinnerung verweist.  
Franz Riedl schafft mit seiner Strahleninstallation Lichterker am Lichthäuschen der aus dem 12. Jahrhundert stammenden Michaelskapelle eine Verbindung von Innen und Außen und knüpft an die Funktion des Lichtes einer Kerze als weithin sichtbares Zeichen und Symbol an diesem Ort an. 
Im Beinhaus steht eine Sanduhr von Nicole Six und Paul Petritsch zwischen den aneinandergereihten und gestapelten Totenschädeln. Mit diesem überzeitlichen und überkonfessionellen Vergänglichkeitssymbol wird mit dem Sand, der genau 24 Stunden für einen Durchlauf benötigt, das stetige „Verrinnen“ der Zeit, an dem Ort, der an den Tod erinnert, sichtbar. 
Betty Wimmer hat im Friedhof ein „Bett“ aus Schmiedeeisen und Moos – als Referenz an den Schlaf als kleiner Bruder Todes und tröstliche Umschreibungen des Ortes als „letzte Ruhestätte – errichtet. Mit einem gebrauchten Stuhl, der im beständigen Material Beton ihr Gesäß als Sitzfläche abdruckt, verweist sie unter dem Werktitel „Rast“ auf Spuren von Menschen an Orten – in diesem Fall ihrer Zeit als Schülerin in Hallstatt.


Rosmarie Lukassers Terrakotta-Figur „Annäherungen an ‚…bin im Netzi3.0/F1‘“ hockt auf den mit Totenkopfkacheln gepflasterten Boden der Gruftkapelle und starrt gebannt auf ihr Mobiltelefon. Eine vergoldete Skulptur, von der Künstlerin als „Schaugefäß“ bezeichnet, ist in unmittelbarer Nähe platziert und erinnert an eine Monstranz. Die Leerstelle in der Mitte entspricht nicht der Form einer Hostie, sondern dem Umriss eines Mobiltelefons – eine Assoziation an die Unvereinbarkeit von Trauer, Stille und Massentourismus.


Das Video „Last Supper“ von Aldo Giannotti und Roman Pfeffer bezieht sich auf das letzte Abendmahl und inszeniert einen Moment der Veränderung und Überraschung, in dem sich in einem Sekundenbruchteil alles Bestehende verändert.

 

Christian Öhler, Dechant, Bad Ischl: „Der Pfarrgemeinderat von Hallstatt hat Künstlerinnen und Künstler mit Ortsbezug zur Auseinandersetzung eingeladen. Alle haben die Aufgabe mit Bedacht und Respekt vor dem Ort gelöst. Die Rolle der Pfarre als Gastgeberin wurde von den Kunstschaffenden als sehr positiv wahrgenommen. Wenn Gastfreundschaft gewährt wird, profitieren im besten Fall beide Seiten. Die Gastgeberin mit einem neuen und spannenden Blick auf Vertrautes. Die eingeladenen Künstlerinnen und Künstler haben in der Begegnung mit der religiös aufgeladenen Landschaft möglicherweise die Erfahrung gemacht, die der Maler Paul Klee so notiert hat: „Kunst spielt mit den letzten Dingen ein unwissendes Spiel – und erreicht sie doch.“

 

Über die Schwelle ist ein Referenzprojekt der Katholischen Kirche in OÖ / Pfarre Hallstatt und Fachbereich Kunst und Kultur der Diözese Linz für Kulturhauptstadt Europas Bad Ischl Salzkammergut 2024.
Öffnungszeiten täglich von 9 bis 17 Uhr.

 

Kuratorinnenführungen:
Samstag, 29.6., 16 Uhr, Sonntag, 4.8., 11.15 Uhr und Sonntag, 29.9.2024, 14 Uhr
Pfarre Hallstatt: Kirchenweg 40, 4830 Hallstatt,
+43-6134-8246, pfarre.hallstatt@dioezese-linz.at

 

Projektleitung Pfarre Hallstatt: Rita Aschauer und Josef Zauner
Kuratorinnen: Martina Gelsinger, Fachbereich Kunst und Kultur Diözese Linz und
Anja Ellenberger, Kunst- und Filmwissenschafterin, Hamburg

 

Weitere Infos finden Sie auf der Homepage

 

 

Teresa Kaineder

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