Sunday 19. May 2024

Erinnerungsobjekt von NS-Opfer Pfarrer Eiersebner an Bischof übergeben

Ein Esslöffel des 1969 verstorbenen Franz Eiersebner, Pfarrer in Pierbach und Opfer des Nationalsozialismus wurde am 9. April 2024 an Bischof Manfred Scheuer übergeben. Das Erinnerungsobjekt wird fortan im Diözesanarchiv aufbewahrt.

Ein Esslöffel steht symbolisch für die Geschichte von Franz Eiersebner (1911–1969), Pfarrer in Pierbach 1949–1969 und zahlreichen NS-Opfern. Bischof Manfred Scheuer hat das besondere Erinnerungsobjekt am 9. April 2024 von Eiersebners Neffen Franz Erwin Eiersebner zur Aufbewahrung im Diözesanarchiv entgegengenommen.


Franz Eiersebner wurde am 13. Juli 1911 als Sohn des „Mindlbauer“ in Roitham geboren und 1935 zum Priester geweiht. 1938 kam Eiersebner das erste Mal mit dem Nazi-Regime in Konflikt. Im Jahr 1944 wurde er in Goisern wegen „antinazistischer Propaganda und Zersetzung der Wehrkraft“ von den Nazis verhaftet, kam zunächst ins KZ Dachau, dann in das „Zuchthaus“ Straubing. Von der Haft in Straubing gibt es einen von ihm aufbewahrten Esslöffel. Das Kriegsende 1945 hat Eiersebner die Freiheit gebracht und vielleicht sogar das Überleben gesichert. Er war dann wieder im priesterlichen Dienst der Diözese Linz in verschiedenen Pfarren und ist am 24. Jänner 1969 als Pfarrer in Pierbach verstorben.

 

 

Löffel erzählt die Geschichte von Pfarrer Eiersebner


Als „Andenken“ an seinen Aufenthalt in Straubing hat Franz Eiersebner seinen dortigen Esslöffel nach der Befreiung mitgenommen und ihn bei sich aufbewahrt. Kurz vor seinem Tod hat er diesen – gemeinsam mit einem Taschenmesser aus dieser Zeit – seinem damals noch jugendlichen Neffen Franz Erwin Eiersebner (*1952) anvertraut – mit dem Wunsch, er möge diesen als Andenken an ihn und an seine Geschichte aufbewahren. Franz E. Eiersebner, mittlerweile selbst über 70 Jahre alt, möchte nun selbst dieses besondere Stück seines Onkels dauerhaft in sicheren Händen wissen.

 

„Viel Hunger, wenig Brot“
Esslöffel von Franz Eiersebner aus seiner Haft mit der persönlichen Aufschrift: „367/44 Straubing (Häftlingsnummer von Franz Eiersebner zum Zeitpunkt der Inhaftierung 1944, Anm.)

© KIZ / Heinz Niederleitner


Im Rahmen eines Besuchs im Linzer Bischofshof am 9. April 2024 übergab der in Salzburg lebende Neffe Franz E. Eiersebner den besagten Esslöffel an Bischof Manfred Scheuer. Begleitet wurde Eiersebner von seinem Cousin Klaus Eiersebner und seinem Freund Johann Kreuzeder, Direktor der Caritas Salzburg in Pension. Bei der Übergabe war auch Klaus Birngruber, Leiter des Diözesanarchivs, anwesend. Birngruber wird sich in weiterer Folge um die sichere Aufbewahrung und Erschließung des Artefakts kümmern.


Neffe Franz E. Eiersebner bedankte sich für die Möglichkeit, die Gegenstände persönlich übergeben zu dürfen. „Für mich ist es eine wahre Herzensangelegenheit, weil Pfarrer Eiersebner unser Lieblingsonkel war“, verdeutlichte Eiersebner das gute Verhältnis zu seinem Onkel. Er zeigte Bischof Manfred Scheuer die persönliche Aufschrift von Pfarrer Eiersebner, die auf dem Löffel nur mehr leicht zu erkennen ist: „Straubing 367/44“, „Viel Hunger, wenig Brot“. Bei der Zahl 367/44 handle es sich um die Häftlingsnummer von Franz Eiersebner zum Zeitpunkt der Inhaftierung 1944, erklärte Eiersebner. Der Löffel und das Taschenmesser – Pfarrer Eiersebner gelobte damals, sich mit dem Messer selbst zu richten, bevor die Nazis ihn umgebracht hätten – würden Eiersebner zufolge die Betroffenheit dieser ganzen Zeit widerspiegeln. „Bei dieser Symbolik geht es um Leben und Tod“, unterstrich Eiersebner.

 

Franz E. Eiersebner übergibt die Erinnerungsobjekte von Pfarrer Franz Eiersebner an Bischof Manfred Scheuer

Franz E. Eiersebner übergibt die Erinnerungsobjekte von Pfarrer Franz Eiersebner an Bischof Manfred Scheuer
© KIZ / Heinz Niederleitner


Bewegt über die Geschichte Eiersebners hob Bischof Manfred Scheuer die Bedeutung von Erinnerungs- und Gedenkkultur hervor. So würden diese beiden Gegenstände wertvolle Objekte für die Bildungs- und Vermittlungsarbeit darstellen. „Wichtig ist hierbei nicht nur die sichere Aufbewahrung der Gegenstände, sondern auch, weitere Quellen ausfindig zu machen, die zur weiteren Aufklärung des Schicksals von Pfarrer Eiersebner beitragen“, unterstrich Scheuer. Darüber hinaus eine Form des öffentlichen Gedenkens für die Symbolik zu schaffen, etwa in Ausstellungen oder durch Sichtbarmachen Eiersebners Biografie im Gedächtnisbuch Oberösterreich, halte Scheuer zudem für sinnvoll.

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