In Gedenken an Bischof emeritus Maximilian Aichern, 1932 - 2026
Maximilian Aichern, geboren am 26. Dezember 1932 in Wien als Sohn eines Fleischers, erlebte als Kind Krieg und Faschismus. Diese Wurzeln, verbunden mit seiner benediktinischen Spiritualität, prägten sein gesamtes Wirken – als Abt, Bischof und Seelsorger war er immer ein Vertreter des Dialoges und der Zusammenarbeit. Als Bischof der Diözese Linz von 1982 bis 2005 setzte Aichern Maßstäbe als „Sozialbischof“. Sein bischöflicher Wahlspruch „In caritate servire“ – „In Liebe dienen“ bestimmte nicht nur seine Worte, sondern vor allem sein Handeln. Er trat konsequent für soziale Gerechtigkeit, menschenwürdige Arbeitsbedingungen und die Wahrung der Würde jedes Einzelnen ein.
Unter seiner Verantwortung wurden zentrale kirchliche Impulse für das soziale Leben gesetzt:
Bischof Aichern war Mitinitiator des Sozialhirtenbriefs der österreichischen Bischöfe (1990) und des ökumenischen Sozialworts (2003), die wichtige Positionen zu sozialethischen Herausforderungen formulierten. Er engagierte sich unter anderem vehement für den Sonntag als arbeitsfreien Tag, eine Initiative, die heute noch breite gesellschaftliche Anerkennung findet und stand an der Spitze der Gründung sozialer Einrichtungen wie der bischöflichen Arbeitslosenstiftung. In der Diözese setzte sich Bischof Aichern für den Dialog zwischen Priestern, Diakonen und Laien ein sowie für die Förderung von Frauen in kirchlichen Leitungsaufgaben.
Über die Grenzen der Kirche hinaus war Aichern als Brückenbauer zwischen Kirche und Gesellschaft anerkannt. Seine Stimme hatte Gewicht in sozialen Debatten, und sein Einsatz für ein solidarisches Miteinander hat viele ermutigt und inspiriert.
Ein besonderes Anliegen war Bischof Maximilian Aichern die Erinnerung an den seligen Marcel Callo, einen jungen französischen Katholiken und Zwangsarbeiter, der 1945 im KZ Mauthausen starb. Aichern erkannte in Callo früh ein eindrucksvolles Vorbild für Standhaftigkeit, soziale Verantwortung und Solidarität unter unmenschlichen Bedingungen. Unter Aicherns maßgeblicher Mitwirkung wurde Marcel Callo 1987 seliggesprochen, und er förderte in der Folge bewusst dessen Rezeption in Kirche und Gesellschaft, insbesondere im Kontext von Arbeitswelt, Menschenwürde und Widerstand gegen Unrecht. Für Aichern war Callo kein ferner Märtyrer, sondern ein zeitloser Zeuge dafür, dass christlicher Glaube und soziales Engagement untrennbar zusammengehören – so verband er historisches Gedenken mit aktuellem sozialethischem Handeln. Bischof Aicherns Engagement für Marcel Callo fügt sich nahtlos in sein Lebenswerk ein: den beharrlichen Einsatz für eine Kirche, die nicht wegschaut, sondern Partei ergreift für Menschlichkeit, Gerechtigkeit und Solidarität.
Mit seinem Tod verliert die Kirche einen Seelsorger, der die christliche Botschaft glaubwürdig mit sozialer Verantwortung verbunden hat. Sein Vermächtnis lebt weiter in den vielen Initiativen, Impulsen und dem mutigen Einsatz für Gerechtigkeit und Mitmenschlichkeit.