Wednesday 17. August 2022

Bischöfe: Erfahrungen von Freundschaften ermöglichen Vertrauen

Mit einer Podiumsdiskussion mit Bischof Manfred Scheuer und dem orthodoxen Bischof Andrej Ćilerdžić und einem ökumenischen Gottesdienst in der Stiftskirche endete am 15. Juli 2022 die 23. Ökumenische Sommerakademie im Stift Kremsmünster.

Die Erfahrung von Freundschaft sei eine der ganz wesentlichen Bedingungen für die Ermöglichung von Vertrauen. Und dieses brauche es in der Gesellschaft wie in der Ökumene. Das war eine der zentralen Botschaften der abschließenden Podiumsdiskussion der Ökumenischen Sommerakademie im Stift Kremsmünster. Das Podium am Freitag, 15. Juli 2022 bestritten Bischof Manfred Scheuer und der orthodoxe Bischof Andrej Ćilerdžić. Der evangelische Superintendent Gerold Lehner war kurzfristig erkrankt und verhindert. Die bereits 23. Sommerakademie stand heuer unter dem Generalthema "Gesellschaft ohne Vertrauen. Risse im Fundament des Zusammenlebens".

Bischof Scheuer hob in der Diskussion u. a. die Generationengerechtigkeit hervor, an der sich die Glaubwürdigkeit der Kirche zu messen habe. Die Kirche schulde den jungen Menschen die Möglichkeit, das eigene Leben in die Hand nehmen zu können, ihnen dabei zu helfen, Selbstvertrauen aufzubauen und eine gute Verankerung im Leben zu finden. "Ermächtigung zum Leben und Mut zum Sein" brauche es vor allem auch in Krisenzeiten, wie man sie gegenwärtig vorfinde, so der Bischof. Die Erfahrungen von Freundschaften seien dabei ein Ur-Ort der Erfahrung von Gnade. Freundschaften seien auch das, was sich junge Menschen in der Regel an erster Stelle für ihr Leben wünschten und erhofften.

Er sei persönlich auch sehr dankbar für die vielen Freunde, die er in den Geschwisterkirchen habe, sagte Bischof Scheuer weiter. Das Lernen voneinander werde als Bereicherung und nicht als Gefahr für die eigene Identität verstanden. In diese Kerbe schlug auch Bischof Ćilerdžić: Im persönlichen Dialog könne man sich von der Aufrichtigkeit des anderen überzeugen und werde selbst bereichert. Das gelte nicht nur für die orthodox-katholischen, sondern ebenso für die orthodox-evangelischen Beziehungen.

Die Orthodoxie habe im ökumenischen Dialog auch gelernt, aus dem innerkirchlichen Bereich herauszutreten und sich verstärkt ethischen, wirtschaftlichen, politischen oder sozialen Fragen zuzuwenden. Der Bischof bestätigte zwar, dass der im Verlauf der Sommerakademie mehrmals festgestellte Vertrauensverlust in die katholische Kirche in der orthodoxen Kirche nicht in gleichem Maße festzustellen sei, dennoch klopfe die Säkularisierung auch bereits an die Tür der Orthodoxie. "Und hier sind die Erfahrungen der westlichen Kirchen für uns sicher von großem Wert", zeigte sich der Bischof überzeugt. Bischof Ćilerdžić räumte ein, dass sich manche orthodoxe Kirche nicht auf den ökumenischen Dialog einlassen wolle. – Für ihn freilich "völlig unverständlich".

 

V. l.: Bischof Andrej Ćilerdžić, Moderator Helmut Obermayr und Bischof Manfred Scheuer

V. l.: Bischof Andrej Ćilerdžić, Moderator Helmut Obermayr und Bischof Manfred Scheuer. © Kathpress / Georg Pulling


"Liebe ist nichts für Feiglinge"


Eröffnet wurde der Freitag bei der Sommerakademie von der deutschen Ordensfrau Melanie Wolfers. Sie sprach vom "schönen Wagnis, jemandem zu vertrauen". Vertrauen sei ein "gewagter Brückenschlag zu anderen Menschen", so die Salvatorianerin. Und mit anderen Worten: "Vertrauen ist wie das Gehen über eine Brücke, die gerade erst – Schritt für Schritt – gebaut wird." Dies gelte sowohl für zwischenmenschliche Beziehungen als auch für die Beziehung zu Gott.

Wolfers sprach vom Spannungsverhältnis zwischen Angst und Vertrauen und welche Hinweise die christliche Spiritualität biete, damit Angst nicht übermächtig wird. Vertrauen können sich nur jedenfalls langsam aufbauen, in keiner anderen Situation sei der Mensch so verletzlich, als wenn er vertraue und liebe, so Wolfers. Nachsatz: "Liebe ist nichts für Feiglinge."



Ökumenischer Gottesdienst: "Auf die Liebe Christi vertrauen"


Abgeschlossen wurde die Sommerakademie wieder mit dem traditionellen ökumenischen Gottesdienst in der Stiftskirche. Generalvikar Severin Lederhilger unterstrich dabei in seiner Predigt, dass zum "Prinzip Vertrauen" auch das "Prinzip Entscheidung" dazugehöre. Er zitierte in diesem Zusammenhang den Grazer emeritierten Bischof Egon Kapellari, der einst betont hatte, dass man sich aus dem "Zwielicht" eines bequemen "Jein" herausbewegen müsse, wozu es aber einen festen Grund brauche, "auf den wir uns verlassen können, der uns Sicherheit schenkt und auch das nötige Wagnis auf Unbekanntes ermöglicht".

Vertrauen – sowohl jenes, das man schenkt, als auch jenes, das man geschenkt bekommt – sei "wie ein Lebenselixier". Wenn es fehle, "gerät die Existenz von Menschen und ihren Gemeinschaften aus dem Gleichgewicht". Dabei gehe es, wie Kapellari betone, nicht um blindes Vertrauen, sondern um das begründete Vertrauen des Apostels Paulus, der zur Ermutigung anderer aus dem Gefängnis schreibe: "Ich weiß, wem ich geglaubt, wem ich vertraut habe" (2 Tim 1,12).

 

Ökumenischer Gottesdienst zum Abschluss der Sommerakademie in der Stiftskirche Kremsmünster

Ökumenischer Gottesdienst zum Abschluss der Sommerakademie in der Stiftskirche Kremsmünster. (vlnr. Abt Ambros Ebhhart, Generalvikar Severin Lederhilger, Bischof Manfred Scheuer, Bischof Andrej Ćilerdžić, Superintendentialkuratorin Renate Bauinger.

Foto: Stift Kremsmünster, P. Josef Stelzer.

 

Lederhilger betonte, religiöse Menschen unzähliger Generationen hätten sich Gott anvertraut. Ihr Weg habe sie dabei "nicht nur durch sonniges Grünland mit zahlreichen Quellen geführt, sondern ebenso durch karge Wüsten und finstere Nacht. Am Ende aber durften sie oft mit Ps 31 sagen, was auf einem Tunnelportal der Großglocknerstraße steht: 'In te Domine speravi, non confundar in aeternum – Auf Dich, Gott, habe ich vertraut und ich werde auf ewig nicht zuschanden werden'“.

 

Wenn jemand frage, worauf man vertrauen könne und was letztlich sicher sei, so laute die Antwort gläubiger Christ:innen mit Romano Guardini: "Die Liebe Christi.(... ) Wir können nicht einmal sagen: Die Liebe Gottes, denn dass Gott uns liebt, wissen wir endgültig nur durch Christus." Ein solcher religiöser Glaube sei radikal, aber kein "blindes" Vertrauen, das die Möglichkeit von Zweifel und Misstrauen nicht mit einbeziehe. Es gehe, so Lederhilger, vielmehr "um die bewusste Wahl, also ein entscheidendes Tun und den Erhalt eines 'authentischen Vertrauens', das nicht die Augen vor der Wirklichkeit verschließt und um dessen riskante Verletzlichkeit unter Menschen weiß, aber dann unter allen Umständen auf Christus als Beistand setzt." 

 

"Wer nicht am Herrn festhält, wird keinen Halt finden", zitierte der Generalvikar Kurienkardinal Kurt Koch. Dieses Wortspiel finde Koch auch im hebräischen Wort "Amen", dessen Sprachwurzel sowohl Treue, Sich-Anvertrauen, Sich-auf-etwas-Stellen, aber auch Festigkeit, guter Boden und Grund bedeute. Im Wort "Amen" sei präzise zusammengefasst, was Glauben im christlichen Sinne heiße: "Dass sich ein Mensch auf einen festen Grund stellt, der gerade deshalb trägt, weil er ihn nicht selbst gemacht". Dieser feste Grund sei für die Christen Jesus Christus.

 

Kathpress / (be)

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