Wednesday 19. January 2022

Bischof Scheuer: "Stern der Sehnsucht führt zum Kind in der Krippe“

Am 6. Jänner 2022, dem Fest der Erscheinung des Herrn, fand in vielen Pfarren auch der Abschluss der diesjährigen Sternsingeraktion statt. Im Linzer Mariendom feierte Bischof Manfred Scheuer um 10 Uhr den Festgottesdienst mit der Gemeinde. 

Scheuer betonte in seiner Predigt, der Stern der Sehnsucht, der Wegweisung und der Orientierung führe auch heute Menschen zum Kind in der Krippe.

 

Der Diözesanbischof in seiner Predigt am Dreikönigstag: „Die Gestirne, Sonne, Mond und Sterne, Planeten üben nach wie vor eine große Faszination aus. Das war schon bei Abraham so, der unter freien Sternenhimmel den Auftrag erfuhr: Zieh fort aus deinem Land. Die Sterne waren auch ein Bild für die Verheißung der Nachkommenschaft. Sterne und Sternenhimmel, sie gehören ganz und gar zu seiner Glaubenslandschaft. Und die Weisen des heutigen Festes werden von einem Engel in der Nacht berührt und auf einen Stern verwiesen: es ist der Stern der Sehnsucht, der Wegweisung und der Orientierung. Der Stern führt zum Kind in der Krippe und zur Anbetung und zum Staunen.“

 

Neben den äußeren Gestirnen gebe das moralische Gesetz, das dem Menschen innewohne, Wegweisung und Orientierung, so Scheuer. „Das Zweite Vatikanische Konzil sieht im Gewissen nicht nur eine ethische Instanz im engeren Sinn; es sieht in ihm einen privilegierten Ort der Gottesbegegnung. Der Mensch erkennt seine eigene Größe und Würde, das vollendete Bild seiner Freiheit und Vernunft, wenn er nicht in sich gefangen bleibt, sondern sich dem öffnet, der ihm in Jesus Christus nahe kommt. Das Gewissen ist der Ort des Gehorsams Gott gegenüber. Das Gewissen ist so kein 'Handlanger der Eigeninteressen', wie der Theologe Eberhard Schockenhoff es formuliert. Es gibt nicht die Erlaubnis für alles und jedes, es ist nicht die Instanz der Beliebigkeit oder der Auflösung der Normen. Es ist auch nicht der Ort für ein Christentum zu ermäßigten Preisen. Das Gewissen ist der Ort der Erfahrung des Unbedingten, das uns in Anspruch nimmt und von uns Gehorsam einfordert. Es ist der Ort der Begegnung zwischen Gott und Mensch, der Ort der Nachfolge Christi.“

 

Das menschliche Innenleben sei freilich „zweideutig“, wie der Bischof ausführte. Es gebe darin „blühende Landschaften, trockene Gebiete, unbehauste Gegenden und Winkel, dunkle Winkel, einsame Regionen; offene Bereiche der Gastfreundschaft, dynamische Zonen, Orte der Müdigkeit und der Resignation, ausgebeutete und auch ausgeblutete Ressourcen, das tiefe Durchatmen, die frische und klare Luft oder die dicke Luft, den Smog und den Feinstaub“. Das menschliche Gewissen und die menschliche Sehnsucht bräuchten die Begegnung mit dem Kind in der Krippe, um gelöst und erlöst zu werden. Scheuer wörtlich: „Heute ist das eigentliche Christkönigsfest: Der ganze Kosmos geht vor dem Kind in die Knie, die Sterne, die Natur, die ganze Schöpfung. Alle Menschen finden zur Mitte: alle Kontinente, alle Schichten, Rassen und Gruppen, alle Lebensalter, die Kleinen und die Großen, die Kinder und die Greise. Und auch unsere inneren Erfahrungen, die Wege in die Berge des Herzens werden vom Stern zum Kind in der Krippe geführt.“

 

Viele Menschen stünden heute massiv unter Druck, beruflich und persönlich. Dieser Druck fresse sich gleichsam in den Alltag ein und mache „müde, manche auch aggressiv oder depressiv“. Bischof Scheuer: „Jesus wurde nicht in eine heile, gewaltlose Welt hineingeboren. Von Anfang an erfuhr er Unverständnis, Abweisung, Fremdheit, Heimatlosigkeit. Um ihn herum spitzen sich Ablehnung, Widerstand, Gleichgültigkeit, Verrat, Hass, Feigheit zu. Er begegnet uns als Kind und will uns nicht kleinkriegen, um selbst groß dazustehen. Durch ihn können sich andere aufrichten, durch ihn werden sie heil und gesund. Den Zirkel von Gewalt und Gegengewalt bricht er auf. Diese Begegnung mit Jesus ist kein Gewaltakt. In der Krippe begegnet uns das Kind mit seiner Schutzlosigkeit und Nacktheit.“

 

Predigt von Bischof Manfred Scheuer zum Nachlesen

 

Fest der Erscheinung des Herrn (6. Jänner 2022): Gottesdienst mit Bischof Manfred Scheuer und SternsingerInnen

Festgottesdienst mit Bischof Manfred Scheuer und SternsingerInnen im Linzer Mariendom. © Foto Dostal / Harald Dostal 

Katholische Kirche in Oberösterreich
Diözese Linz

Kommunikationsbüro
Herrenstraße 19
Postfach 251
4021 Linz
TEL: 0732 / 7610 - 1170
FAX: 0732 / 7610 - 1175

DVR: 0029874(117)

www.dioezese-linz.at
post@dioezese-linz.at
https://www.dioezese-linz.at/
Darstellung: