Saturday 16. October 2021

Multireligiöse Corona-Gedenkfeier: Mit Hoffnung und vereinten Kräften den Weg gemeinsam weitergehen

Das Forum der christlichen Kirchen in Oberösterreich gestaltete mit VertreterInnen von Judentum, Islam und Buddhismus auf Anregung des Landes Oberösterreich am Sonntag, 19. September 2021 um 16.30 Uhr auf dem Maindeck des Ars Electronica Center in Linz ein multireligiöses Corona-Gedenken.

 

Über 1.770 Menschen sind in Oberösterreich aufgrund der Pandemie gestorben. Mehr als 131.400 Menschen sind in unserem Bundesland an diesem Virus erkrankt. Viele haben mit Langzeitfolgen zu kämpfen; alle sind in ihrem Leben durch die notwendigerweise gesetzten Maßnahmen zur Pandemie-Bekämpfung eingeschränkt. Gleichzeitig waren und sind sehr viele Menschen da, um in dieser Situation zu helfen. Zum einen, indem sie ihren Alltag leben, so gut es geht. Zum anderen, indem sie an neuralgischen Punkten dafür Sorge tragen, dass Menschen versorgt, begleitet und unterstützt werden.

 

In dieser noch immer herausfordernden Situation lud das Forum der christlichen Kirchen in Oberösterreich auf Initiative des Landes Oberösterreich dazu ein, gemeinsam innezuhalten und der Verstorbenen und ihrer Angehörigen zu gedenken. Den Rahmen dafür bildete eine multireligiöse Corona-Gedenkfeier am Sonntag, 19. September 2021 um 16.30 Uhr auf dem Maindeck des Ars Electronica Center in Linz, die von VertreterInnen von Christentum, Judentum, Islam und Buddhismus gestaltet wurde. Für die berührende musikalische Gestaltung zeichneten CellistInnen der Anton Bruckner Privatuniversität, Querflötist Norbert Trawöger vom Bruckner Orchester Linz und Ión López Leal, Akademist an der Deutschen Oper in Berlin, verantwortlich. Die Tanzeinlagen wurden von TänzerInnen der Anton Bruckner Privatuniversität Linz und von José Biondi, Professor für Zeitgenössischen Tanz an der Hochschule für Tanz in Dresden, beeindruckend umgesetzt.

 

Am Gedenken nahmen als VertreterInnen des politischen Lebens Landeshauptmann Thomas Stelzer, Soziallandesrätin Birgit Gerstorfer, Bürgermeister Klaus Luger, Vizebürgermeister Bernhard Baier und Vizebürgermeisterin Karin Hörzing teil. Ebenso gekommen waren VertreterInnen von Gesundheits- und Bildungseinrichtungen. Von den christlichen Kirchen, von Judentum, Islam und Buddhismus waren etliche RepräsentantInnen gekommen. Alle OberösterreicherInnen konnten online mit dabei sein: Das Gedenken wurde live auf LT1 übertragen und zeitgleich in der ORF-TVthek gestreamt. 

 

VertreterInnen von Politik und Religion beim Corona-Gedenken
Im Gedenken vereint: VertreterInnen von Christentum, Judentum, Islam und Buddhismus luden auf Initiative des Landes OÖ zum multireligiösen Corona-Gedenken auf dem Maindeck des AEC in Linz.
CellistInnen der Anton Bruckner Privatuniversität und Querflötist Norbert Trawöger vom Bruckner Orchester Linz.
TänzerInnen der Anton Bruckner Privatuniversität
TänzerInnen der Anton Bruckner Privatuniversität
TänzerInnen der Anton Bruckner Privatuniversität
Ión López Leal (r.) und José Biondi
Ión López Leal (r.) und José Biondi

© Diözese Linz / Hermann Wakolbinger

 

 

Klage, Dank und Hoffnung

 

Das Gedenken begann mit einem dreiminütigen Glockengeläut der Linzer Kirchen. Superintendent Gerold Lehner von der Evangelischen Kirche A. B. in Oberösterreich in seinen Eröffnungsworten: „Inmitten dieser sich noch immer abspielenden Pandemie wollen wir innehalten und gedenken, unserer Klage Raum geben und unserem Schmerz, aber auch dem Dank für die erfahrene Hilfe und der Hoffnung, die uns den Weg nach vorne öffnet.“

 

Klage und Schmerz über Krankheit, Tod und Isolation wurden durch drei Symbole verdeutlicht: einen Beatmungsbeutel, einen leeren Sessel und ein Absperrband. Klagegebete aus Judentum und Islam, vorgebracht von David Gov Ari und Murat Baser, verdichteten die Atmosphäre.

 

Beim Gedenken wurde ausdrücklich auch jenen gedankt, die in der Pandemie an bzw. über ihre Grenzen gegangen sind, um die Betreuung, Pflege, Begleitung und Versorgung von Menschen in Oberösterreich sicherzustellen. Berührend: eine Videoeinspielung, in der VertreterInnen einzelner Berufsgruppen – Müllabfuhr, Lebensmittelhandel, Gesundheits- und Pflegebereich, Schule und Kindergarten – schilderten, wie sie die Pandemie-Zeit erfahren haben, welche Reaktionen sie erlebt haben und worauf sie stolz sind.

 

Brigitte Bindreiter von der Österreichischen Buddhistischen Religionsgesellschaft: „Gedankt sei allen, die im Geist von großem Mitgefühl ihren Dienst verrichtet haben. Wenn ich gut zu jemandem bin, dann wird er oder sie die Güte erlernen und daraufhin auch gut zu anderen sein. Wenn die Welt nicht gut ist, dann muss ich meine Bemühungen verstärken, selbst gut zu sein. Wenn wir uns selbst durch Achtsamkeit schützen, dann schützen wir auch andere. Wenn wir andere Lebewesen durch mitfühlendes Handeln schützen, schützen wir auch uns selbst.“

 

Diözesanbischof Manfred Scheuer: „In Krisenzeiten gelangt so manches an die Oberfläche, was im ‚Normalbetrieb‘ unbemerkt am Grund dahindämmert. Tiefliegende Ängste und Egoismen kommen in solchen Situationen ebenso überraschend zum Vorschein wie herausragende Zeugnisse der Hilfsbereitschaft, der Güte und Nächstenliebe. Dank sei deshalb all jenen gesagt, die in den Herausforderungen der vergangenen Monate nicht ihren unmittelbaren Ängsten nachgegeben haben, sondern in ihren Worten und Taten – teils bis über ihre Kräfte hinaus – in ihrer Arbeit und in ihren Gesten ihren Mitmenschen treu geblieben sind. Ihre Großherzigkeit kann uns ein Zeichen sein für die Gnade Gottes, von dem es in Psalm 23 heißt, dass er uns begleitet auch im ‚Tal der Finsternis‘.“

 

Das letzte Wort hatte beim multireligiösen Corona-Gedenken die Hoffnung, die – trotz allem – nach vorne blicken lässt. Poetry Slammerin „LiRow“ thematisierte die Frage, ob ein „Zurück“ in den Lebensstil vor Corona wirklich wünschenswert ist oder ob nicht vielmehr die Sehnsucht nach einer „neuen Normalität“ besteht. LiRow hielt ein authentisches Plädoyer für eine Normalität, in der es echte Diversität gibt: „Diversität, die uns Freiheit und Freiraum gibt. Freiraum zur Weiterentwicklung und Freiheit, um uns alle auf einem Bildschirm zu sehen. Wir wollen Diversität, die uns zeigt, was wir alles erreichen können, doch die es uns nicht nur zeigt, sondern die auch dazu bereit ist, uns anstatt Steinen jede Menge Brücken mit auf dem Weg zu geben und sie uns zwar nicht vor die Füße, jedoch in die Hände zu legen.“

 

Superintendent Gerold Lehner führte durch die Gedenkfeier.
Klage und Schmerz über Krankheit, Tod und Isolation wurden durch drei Symbole verdeutlicht: einen Beatmungsbeutel, einen leeren Sessel und ein Absperrband. Pfarrer Samuel Ebner von der Altkatholischen Kirche sprach die Texte dazu.
Klagegebete aus Judentum und Islam, vorgebracht von David Gov Ari (r.) und Murat Baser.
Beim Gedenken wurde all jenen gedankt, die in der Pandemie an bzw. über ihre Grenzen gegangen sind, um die Betreuung, Pflege, Begleitung und Versorgung von Menschen in Oberösterreich sicherzustellen.
Bischof Manfred Scheuer und Brigitte Bindreiter.
Poetry Slammerin „LiRow“

© Diözese Linz / Hermann Wakolbinger

 

 

Bäume als Symbole der Hoffnung für alle Bezirke Oberösterreichs

 

VertreterInnen der Kirchen und Religionsgemeinschaften brachten Hoffnungsworte zum Ausdruck, die in Gedanken von Sorin Bugner von der Rumänisch-orthodoxen Kirche mündeten: „Oft können wir in diesen Tagen nichts Heilvolles erkennen. Aber die Zusage einer anderen Welt lässt uns nicht mutlos werden. Sie lässt uns intensiver leben und aufmerksam sein, für das, was uns ganz überraschend jeden Tag geschenkt wird – für jede Geste der Barmherzigkeit, der Zärtlichkeit, des Trostes oder Humors, die uns auch in den dunklen Stunden etwas von dieser anderen Welt künden. Jede Geste vermag wie die Geburt eines Kindes zum Anfang einer neuen Welt zu werden. Eine Welt, in der wir einander halten, uns umarmen, uns segnen und begleiten – und in der zuletzt alle Tränen getrocknet werden.“

 

Um diese Hoffnung in alle Regionen Oberösterreichs zu tragen, überreichten die VertreterInnen der Kirchen und Religionsgemeinschaften Bäumchen an Landeshauptmann Thomas Stelzer. Er wird dafür Sorge tragen, dass in jedem Bezirk ein Baum als Symbol der Hoffnung und des Lebens ausgepflanzt wird.

 

Bäume als Symbole der Hoffnung werden in allen Bezirken Oberösterreichs ausgepflanzt.
Bäume als Symbole der Hoffnung werden in allen Bezirken Oberösterreichs ausgepflanzt.
Die VertreterInnen von Christentum, Judentum, Islam und Buddhismus sprachen Hoffnungsworte.
Die VertreterInnen von Christentum, Judentum, Islam und Buddhismus sprachen Hoffnungsworte. Die Bäume, die von ihnen gespendet wurden, werden vom Land OÖ in den oö. Bezirken als Zeichen der Hoffnung ausgepflanzt
Landeshauptmann Thomas Stelzer und Superintendent Gerold Lehner
Im Gedenken vereint: VertreterInnen von Christentum, Judentum, Islam und Buddhismus luden auf Initiative des Landes OÖ zum multireligiösen Corona-Gedenken auf dem Maindeck des AEC in Linz.

© Diözese Linz / Hermann Wakolbinger

 

Namens des Landes Oberösterreich betonte Stelzer, dass den Verstorbenen ein ehrendes Andenken bewahrt werde, und brachte sein Mitgefühl gegenüber deren Angehören und Freunden zum Ausdruck. Der Landeshauptmann dankte den Kirchen und Religionsgemeinschaften für die Gestaltung des Gedenkens und „für die vielen guten Gedanken, Gebete und Dienste, die uns alle in den letzten Monaten begleitet haben“. Die Monate der Corona-Pandemie hätten den Einzelnen und der Gesellschaft ihre Verletzlichkeit gezeigt und alle mit einer Gefahr konfrontiert, die nach wie vor bestehe, so Stelzer. Der Landeshauptmann: „Wir haben gelernt, mit Rückschlägen, Entbehrungen und Einschränkungen umzugehen und es bleibt eine dauernde Herausforderung. Heute hat uns vor allem das Gedenken an die Opfer dieses Virus und dieser Krankheit zusammengebracht und geeint. Es hat uns aber heute auch die Zuversicht zusammengebracht, die uns gute Erfahrungen der letzten Monate auch gezeigt haben: Bei aller Gefahr, die dieses Virus bedeutet, werden letztlich unsere gemeinsame Kraft – auch die Kraft unserer Wissenschaft und unserer Medizin – und unser Fortschritt stärker sein als dieses Virus. Und dieses Miteinander werden wir gerade jetzt brauchen auf dem Weg aus der Krise, auf dem Weg zu einer wieder unbeschwerten Freiheit, die wir leben und genießen wollen. Genau jetzt sollten wir uns nicht auseinanderteilen und spalten lassen, genau jetzt sollten wir das Miteinander stärken.“ Der Landeshauptmann dankte all jenen, die durch ihren hohen persönlichen Einsatz dieses Miteinander bis heute tragen: „Ich möchte an dieser Stelle ein großes Danke sagen für die anhaltende Arbeit, die hier für uns und vor allem für die Erkrankten geleistet wird. Das sind Beispiele, die uns Mut machen, Beispiele, die auch Wegweiser sein können für diesen Weg aus der Krise heraus.“

 

Das Gedenken zum Nachsehen

 

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