Thursday 28. October 2021

Kirchliche Stellungnahmen zum Verbot der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare

Allen Liebenden, die dies wünschen, soll Gottes Segen zugesagt werden, so die Forderung vieler kirchlicher Organisationen.

Zahlreiche kirchliche Organisationen haben zum Verbot der Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren Stellung genommen. 

Die Glaubenskongregation hatte am 15. März 2021 erklärt, dass die katholische Kirche keine Vollmacht habe, gleichgeschlechtliche Partnerschaften zu segnen. Zwar sei bei solchen Initiativen "der aufrichtige Willen" zu erkennen, "homosexuelle Personen anzunehmen, sie zu begleiten und ihnen Wege des Glaubenswachstums anzubieten", hieß es in dem Papier. Da aber die Verbindungen von gleichgeschlechtlichen Paaren nicht dem göttlichen Willen entsprächen, könnten diese Verbindungen nicht gesegnet werden.

 

Dies hat heftige Diskussionen ausgelöst. Zahlreiche kirchliche Einrichtungen und Biscöfe haben dazu Stellung bezogen. Hier ein Auszug aus den Reaktionen auf das vatikanische Schreiben.

 

 

BEZIEHUNGLEBEN.AT: Den lebensbejahenden Gott der Liebe in allen Beziehungen ins Spiel bringen

 

Beziehungs-, Ehe- und Familienseelsorger Mag. Josef Lugmayr, nimmt zum römischen Schreiben Stellung. "Mit dem klaren Nein auf die Anfrage, ob die Kirche die Vollmacht hat, Verbindungen von Personen gleichen Geschlechts zu segnen, hat die Glaubenskongregation am 15.3.2021 viele gläubigen Katholikinnen und Katholiken vor den Kopf gestoßen, verärgert und auch verletzt. Die diözesane Fachstelle für Beziehung, Ehe und Familie, BEZIEHUNGLEBEN.AT, bemüht sich, gemeinsam mit vielen SeelsorgerInnen, nahe bei den Menschen und ihrer Lebensrealität zu sein. Darin hat sich eine gut bewährte pastorale Praxis in der Diözese entwickelt. Wir begleiten Einzelpersonen und Paare, unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung, in ihrem Bestreben nach gelingendem Leben und in ihrer Sehnsucht nach dem Segen Gottes für ihre Beziehung. Jüngste Äußerungen des Papstes und vor allem sein Schreiben Amoris laetitia (zum Thema Familie) ermutigen uns auf diesem Weg, der auch humanwissenschaftliche Erkenntnisse und neuere Entwicklungen in der Theologie mit einbezieht."

 

In ihren Beziehungen würden Paare immer wieder das Geschenkhafte, das Unverfügbare, das Göttliche erfahren, so Lugmayr. Die Kirche sei daher aufgerufen, Menschen in ihrer Suche nach gelingenden Beziehungen zu begleiten und die Nähe Gottes darin zur Sprache zu bringen. Lugmayr: "Das gilt in gleicher Weise für hetero- und homosexuelle Beziehungen. Wir werden auch in Zukunft unser seelsorgliches Wirken an der Lebenswirklichkeit der Menschen ausrichten. Wir werden Menschen unterstützen, die ihre Beziehung unter Gottes Segen stellen wollen und gemeinsam mit Seelsorgenden auch Segensfeiern ermöglichen. Auf diesem Weg wissen wir uns verbunden mit vielen pastoral Verantwortlichen und SeelsorgerInnen in anderen Diözesen hier in Österreich, in Deutschland und in der Schweiz."

 

Im Geist des päpstlichen Schreibens Amoris laetitia sei die Kirche Künderin der Freude der Liebe und wolle den lebensbejahenden Gott der Liebe in allen Beziehungen ins Spiel bringen. Der Beziehungs-, Ehe- und Familienseelsorger: "Wir fördern und unterstützen Beziehungen und wollen ihnen auch die Begleitung und den Segen Gottes zusprechen."

 

Zur Stellungnahme von BEZIEHUNGLEBEN.AT

 

 

Katholische Männerbewegung der Diözese Linz: Solidarisch mit allen Menschen, die sich ernsthaft um gelingende Beziehungen bemühen

 

Für die Katholische Männerbewegung ist die Praxis der Segnung homosexueller Paare Ausdruck der „kirchlichen Wertschätzung und Stärkung von Beziehungen, die es ernst meinen“, begründet der Obmann der KMB der Diözese Linz DI Bernhard Steiner seine Verärgerung zum jüngst veröffentlichten Dokument.

 

Aus vatikanischer Perspektive und in Kenntnis aller juristischen Aussagen und Texte sei es zwar absolut nachvollziehbar, dass das Schreiben aus Rom zum Urteil kommt, dass Segnungen homosexueller Paare nicht zulässig sind, aber, so Steiner: „Der aktuellen Lebenswelt und den Erkenntnissen von Sozialwissenschaft und Medizin entspricht das Urteil jedoch nicht.“ Er fordert, "dass sich die Römisch-Katholische Kirche nicht hinter Aussagen der Sexualmoral des vergangenen Jahrhunderts versteckt".

 

Auch wenn das Schreiben ausdrücklich betone, dass es nicht zur Diskriminierung homosexueller Menschen beitragen solle, werde es von gewissen Kreisen definitiv so verwendet werden, wie Obmann Steiner befürchtet. „Als Katholische Männerbewegung sind wir solidarisch mit allen Menschen, die sich ernsthaft darum bemühen, ihre Beziehungen gelingen zu lassen. Gottes Segen soll sie dabei begleiten“, so Steiner abschließend.

 

Zum Statement der Katholischen Männerbewegung

 

 

Katholische Aktion Oberösterreich: "Die katholische Lehre muss verheutigt werden"

 

Maria Hasibeder, Präsidentin der Katholischen Aktion OÖ, betont in ihrer Stellungnahme, mit der Absage an eine Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften habe sich die vatikanische Glaubenskongregation in der innerkirchlichen Debatte sehr polarisierend zu Wort gemeldet, anstatt humanwissenschaftliche Erkenntnisse anzuerkennen und pastorale Notwendigkeiten zu würdigen. Hasibeder: "Das Thema ist damit aber sicher nicht vom Tisch. Als Katholische Aktion machen wir uns dafür stark, dass Ausgrenzungen überwunden und Menschen in ihrer jeweiligen Lebenssituation ernstgenommen werden. Die katholische Lehre muss 'verheutigt' werden, so wie dies zahlreiche Moraltheologinnen- und theologen bereits seit langem fordern. Die Kirche darf sich nicht an Gesetzestexten aus der Vergangenheit orientieren, sondern muss stets die Sorgen und Nöte aller Menschen im Blick haben." Darauf mache auch die österreichische Pfarrer-Initiative aufmerksam, die sich in einer Stellungnahme vom 16.3.2021 für die Segnung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften ausspreche. Ein Anliegen, das sie, Hasibeder, vollinhaltlich mittrage. 

 

Zur Stellungnahme der KA Oberösterreich

 

 

Katholische Frauenbewegung Österreichs: Kirche braucht neue Sexualethik

 

Die Katholische Frauenbewegung Österreichs (kfbö) übt Kritik am Vatikanschreiben zu Segnungen homosexueller Paare. "Was wir brauchen, ist eine neue Sexualethik", stellte kfbö-Vorsitzende Angelika Ritter-Grepl dazu in einer Aussendung fest. Ein Segen sei ein Zeichen der Unterstützung, in dem die Liebe Gottes sichtbar zugesagt werde: "Von dieser Zusage kann niemand ausgeschlossen sein", mahnte Ritter-Grepl.

 

Ritter-Grepl ortete als Grund der ablehnenden Haltung der Glaubenskongregation eine veraltete Sexualethik. Diese orientiere sich nicht an der verantwortlichen Liebe und der von Gott gegebenen Vielfalt des Menschseins, sondern reduziere Sexualität auf einen Akt zwischen Frau und Mann in der Ehe. Ritter-Grepl wandte sich auch gegen eine Pauschalverurteilung homosexueller Bindungen: "Viele homosexuelle Partnerschaften sind Familien-Orte, die Kindern ein liebevolles Zuhause bieten, sind Partnerschaften, in denen Respekt voreinander geübt und verantwortete Sexualität gelebt wird."

 

Eine ähnliche Haltung der Glaubenskongregation gibt es laut der kfbö-Vorsitzenden auch in der Frage der Weihe von Frauen zu Priesterinnen. "Die Kirche besteht auf der Behauptung, sie habe kein Recht, Frauen zu Priesterinnen zu weihen oder gleichgeschlechtliche Paare zu segnen." Diese rechtliche Selbstbeschränkung der Institution Kirche übersehe ihre Verpflichtung, "mit den Menschen auf dem Weg zu sein und sich nicht gegen sie zu stellen", konstatierte die Tirolerin. Der Auftrag der Kirche bestehe darin, die Liebe Gottes in der Welt sichtbar zu machen und heilbringend für die Menschen zu wirken.

 

Zur Stellungnahme der kfbö

 

 

Katholische Jugend Österreich: Segnung darf niemandem verwehrt werden, der aufrichtig darum bittet

 

Die Katholische Jugend Österreich (KJÖ) hat sich mit scharfer Kritik am Vatikanschreiben zu Segnungen homosexueller Paare zu Wort gemeldet. "Wir sind fassungslos und lehnen diese von der Glaubenskongregation getroffene Entscheidung klar ab", hieß es in einer Aussendung. Die Katholische Jugend "respektiert und wertschätzt alle von gegenseitiger Liebe getragenen, auf Dauer ausgerichteten, in Treue eingegangenen und mit Verantwortung für das Gelingen übernommenen zwischenmenschlichen Partnerschaften, egal welchen Geschlechts", und halte diese für schützenswert. Dem Nein zur Segnung widerspreche sie "vehement", so die KJÖ.

 

Sie wolle Jugendliche dazu ermutigen, die von ihnen gewählte Art der Partnerschaft so zu leben, dass sie von respektvollem Umgang, Verantwortung und Achtsamkeit getragen ist. Die Segnung sei ein Grundvollzug der Kirche und dürfe niemandem verwehrt werden, der aufrichtig darum bittet - auch gleichgeschlechtlichen Paaren nicht, betonte die Katholische Jugend. Sie forderte einen offenen Dialog und einen "realistischen Blick auf bereits gelebte pastorale Praxis". Die Vielfalt in der Kirche darf nach Überzeugung der KJÖ durch den "realitätsfernen Beschluss" der Glaubenskongregation nicht untergraben werden.

 

Zur Stellungnahme der Katholischen Jugend Österreich

 

 

"Regenbogenpastoral": "Nicht letztes Wort"

 

Auch der Leiter der "Regenbogenpastoral Österreich" Franz Harant betonte in einer Stellungnahme, dass man seitens der Seelsorge auch nach dem Nein der Glaubenskongregation "weiterhin all das in den Blick zu nehmen sein, was den LSBTIQ*-Personen in ihren Lebensrealitäten gerecht wird und im Leben hilft". Er begrüße insofern auch die Stellungnahme, die der für Ehe und Familie zuständige Innsbrucker Bischof Hermann Glettler abgegeben hatte.

 

Zugleich zeigte sich Harant zuversichtlich, dass in der kirchlichen Lehrentwicklung ganz im Sinne einer menschenfreundlichen Seelsorge, wie sie Papst Franziskus in "Amoris laetitia" entwirft, "noch nicht das letzte Wort aus Rom" gesprochen ist. In der "Suchbewegung" der katholischen Kirche sei eine "Weiterentwicklung" durchaus möglich, zeigte sich Harant optimistisch: "So viel Anfang war noch nie!"

 

Zur Stellungnahme der Regenbogenpastoral

 

Kathpress / (be)

 

Lesen Sie auch: Bischof Scheuer: "In der Kirche haben wir den Auftrag, uns für die Liebe einzusetzen"

Katholische Kirche in Oberösterreich
Diözese Linz

Kommunikationsbüro
Herrenstraße 19
Postfach 251
4021 Linz
TEL: 0732 / 7610 - 1170
FAX: 0732 / 7610 - 1175

DVR: 0029874(117)

www.dioezese-linz.at
post@dioezese-linz.at
https://www.dioezese-linz.at/
Darstellung: