Thursday 4. March 2021

Tag des Judentums: Christlich-jüdisches Komitee OÖ nimmt Thema Antisemitismus in den Blick

Die geplante Abendveranstaltung im Linzer Priesterseminar muss zwar coronabedingt entfallen, nicht aber die Thematisierung des Tages des Judentums. Das christlich-jüdische Komitee Oberösterreich hat eine Stellungnahme zum Thema  Antisemitismus verfasst.

Das christlich-jüdische Komitee Oberösterreich veröffentlicht anlässlich des Tages des Judentums folgende Stellungnahme:

 

Seit Jahrtausenden werden Jüdinnen und Juden durch Verschwörungstheorien, Stereotypen und Vorurteile gebrandmarkt. Obwohl es nach den schrecklichen Verbrechen der Shoah unter dem NS-Regime nur wenige, teilweise sehr kleine jüdische Gemeinden in Österreich gibt, hält sich der Antisemitismus hartnäckig. Nur sehr wenige kennen persönlich jüdische MitbürgerInnen, dennoch weisen Umfragen immer wieder verbreitete, vielfältig ablehnende Haltungen ihnen gegenüber aus.

 

Auch ein Nichtsehen jüdischer Geschichte bzw. des Beitrags von Jüdinnen und Juden zur Geschichte nährt den Antisemitismus, so der Historiker und Theologe Cerny-Werner im Videostatement: „Der Focus auf Jüdische Geschichte ist demnach auch ein ganz bewusster impliziter Kampf gegen Antisemitismus heute, denn Antisemitismus ist ein Ergebnis aus bewusster Ignoranz, daraus resultierender Unkenntnis und den so gesetzten Handlungen! Nimmt man die Ignoranz aus der Gleichung, dann geht die Gleichung einfach nicht mehr auf!  In der Perspektive auf den Beitrag von Jüdinnen und Juden zur Geschichte die sich in unseren Breiten- und Längengraden vollzog, tun wir also etwas ganz Wichtiges: Wir nehmen die Ignoranz aus der Gleichung.“

 

Sorgen bereiten Vorfälle der jüngsten Vergangenheit und Gegenwart – auch mit Blick über die Landesgrenzen:  Sowohl die Anschläge in Halle, Paris und Wien als auch die judenfeindlichen Implikationen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie sind als dramatisch zu bewerten.

 

Dazu Generalsekretär Nägele: „In Österreich und Deutschland lässt sich Antisemitismus sowohl dem linken, rechten sowie islamistischen Milieu zuordnen, jedoch auch immer häufiger der sogenannten Mitte der Gesellschaft, wir beobachten eine gewisse Salonfähigkeit antisemitischer Ressentiments und Diskriminierung, die u.a. getragen wird von einer Verrohung  der politischen und sozialen Umgangsformen, einer Polarisierung der Gesellschaft und Erstarken des Rechtspopulismus, aber auch getrieben durch die aktuelle Corona Pandemie und die damit einhergehenden Verschwörungsideologien und Shoah-Relativierungen.“

 

Im Rahmen eines Vortragsabends in Linz mit dem Historiker und Theologen Assoz. Prof. MMag. Dr. habil.  Roland Cerny-Werner von der Universität Salzburg und Mag. Benjamin Nägele, dem Generalsekretär der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, wären bei einer Veranstaltung im Linzer Priesterseminar zum Thema „Warum immer wieder ‚die Juden‘? Antisemitismus in Verschwörungstheorien, Vorurteilen und aktuellen Erfahrungen“ antisemitische Erfahrungen aus kultur- und ideengeschichtlicher Perspektive beleuchtet worden. Zwar muss die Veranstaltung coronabedingt auf Jänner 2022 verschoben werden, das Anliegen des christlich-jüdischen Komitees OÖ zum diesjährigen Tag des Judentums (17.1.) bleibt jedoch als deutliche und dringende Botschaft aufrecht:

Dem Antisemitismus in welcher Form und aus welchen Motiven auch immer darf keinerlei Raum in Politik, Gesellschaft und Religionen gegeben werden! Jeder Angriff auf Menschen wegen ihrer religiösen und/oder kulturellen Zugehörigkeit, insbesondere auch auf Jüdinnen und Juden, ist zu verurteilen und ihm sofort Einhalt zu gebieten. Besonderes Augenmerk ist dabei auch auf implizite Formen des Antisemitismus und auf die schleichende Verbreitung antisemitischer Inhalte im Internet bzw. in den „Sozialen Medien“ zu legen.

 

„Soziale Netzwerke bedienen mit ihren Plattformen und Informationen ein Milliardenpublikum, sie vernetzen Ideen und Meinungen in Sekundenschnelle zwischen Menschen aus der ganzen Welt. Hiermit kommt ihnen eine einmalige Verantwortung als Bildungsmacher und Multiplikatoren zu, im positiven wie im negativen Sinne. Dieser Verantwortung werden viele Plattformen leider bis heute nur bedingt gerecht. Es braucht einheitliche Regelungen und Gesetze gegen Hassreden, Holocaust-Leugnung und Diskriminierung bis hin zu Mordaufrufen. Dieselben Regeln, die im realen Leben gelten, müssen auch online gelten.“, so Generalsekretär Nägele im Videostatement.

 

Die Stellungnahme zum Download, Videostatements der Referenten, Texte, Links und Informationsmaterialien zu den Themen Antisemitismus und christlich-jüdischer Dialog finden Sie auf der Website des Referats für Ökumene und Judentum.

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