Thursday 28. January 2021

Mit Hospiz-Pionierin Sr. Annemarie Gamsjäger verlässt die letzte Missionarin Christi Oberösterreich

Sr. Annemarie Gamsjäger zählt zu den Pionierinnen der Palliativ- und Hospizarbeit in (Ober-)Österreich. Zu Jahresbeginn verlässt die gebürtige Bad Ischlerin Linz und übersiedelt nach München zu ihrer Gemeinschaft, den Missionarinnen Christi.

Annemarie Gamsjäger lernte in ihrer Heimat Bad Ischl das Handwerk der Herren- und Damenkleidermacherin und arbeitete bis 1963 als Schneidergesellin. Geistlich beheimatet war sie in der KAJ (Katholische Arbeiterjugend), wo sie 1963 ehrenamtliche Diözesanführerin wurde. Dazu übersiedelte sie nach Linz, ihren Lebensunterhalt verdiente sie sich als Pflegehelferin im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern. In dieser Zeit reifte auch ihre Berufung. Ihr Weg führte Gamsjäger in den damals jungen Orden der Missionarinnen Christi, in den sie 1965 eintrat. Der Ordensname „Missionarinnen Christi“ bringt zum Ausdruck, dass Christus in der Mitte der Spiritualität steht: „Christus lernen, lieben, leben und lehren und das mit Menschen zu teilen“ – das fasziniert Sr. Annemarie bis heute. Nach der Ordensausbildung wurde sie diplomierte Krankenpflegerin und war in Bad Ischl Lehrschwester, als sie der Orden ab 1976 vor allem für den Aufbau der Missionsprokur und für die Betreuung ihrer Mitschwestern in der Mission brauchte. Nach einer einsatzfreien Zeit nahm sie in Wien an einem Kurs zur Exerzitienbegleitung teil, bei dem sie mit Sr. Hildegard Teuschl CS in Kontakt kam. Teuschl lud die Krankenschwester Annemarie ein, in Wien beim Aufbau des Hospizdienstes mitzuarbeiten. Sr. Annemarie musste nicht lange überlegen, sie sagte sofort zu.

 

Sr. Annemarie Gamsjäger

Sr. Annemarie leistete Pionierarbeit im Bereich der Hospiz- und Palliativarbeit. © privat

 

Die entscheidende Frage: Was dient im Sterben dem Leben?

 

Die beiden Frauen begaben sich in enger Verbindung mit einigen Ärzten auf völliges Neuland. Was dann in rund dreißig Jahren von Wien aus gewachsen ist, ist mehr als beeindruckend: mobile Hospizbetreuung, Hospizverbände, Hospizstationen in Spitälern und eigene Hospize. 1988 startete der erste Ausbildungslehrgang für Lebens-, Sterbe- und Trauerbegleitung. Im Herbst 1989 begann Sr. Annemarie Gamsjäger als erste Hospizschwester mit Hausbesuchen in Wien, wo sie krebskranke Menschen betreute. In einem Interview im November 2020 mit Margret Krebelder, der Leiterin des St. Barbara Hospiz in Linz, erinnerte sie sich an einen dieser Besuche: „Da las ich auf einer Karte, die auf dem Tisch einer Kranken lag: ‚Was mich im Leben trägt, trägt mich auch im Sterben. Im Tod wird sichtbar, woraus und wofür ich lebe.‘ Diese Worte, über die ich mit der Sterbenden ein tiefes Gespräch führen konnte, klingen immer noch nach, wie ein Vermächtnis, in großer Dankbarkeit.“ Weitere Lehrgänge in ganz Österreich folgten, die Palliativgesellschaft und in der Folge Palliativstationen entstanden. „Im Zentrum von Palliative Care steht die Frage: Was dient jetzt, im Sterben, dem Leben? Dafür braucht es ein Zusammenwirken multidisziplinärer Teams“, so Sr. Annemarie. Sie, die bei ihrer Arbeit als Krankenschwester hatte miterleben müssen, welch unsagbare Schmerzen Menschen zu erleiden hatten, durfte nun bei der Hospizarbeit sehen, wie durch Hospizbewegung und Palliativ Care die Schmerztherapie professionell weiterentwickelt wurde.

 

In Oberösterreich baute Sr. Annemarie wesentlich auf Initiative von Julius Brock, der später Geschäftsführer der KirchenZeitung war, die Hospizbewegung auf. Vorträge halten, Ausbildungskurse durchführen, Netzwerke bilden und immer auch selbst Menschen im Sterben begleiten – das war das Leben von Sr. Annemarie Gamsjäger bis zu ihrer „richtigen“ Pensionierung 2010, die sie dreizehn Jahre nach der staatlichen antrat.

 

Das vergangene Lebensjahrzehnt verbrachte sie wieder in Linz, als ehrenamtliche Krankenhausseelsorgerin im Krankenhaus der Elisabethinen in Linz. Weiterhin wirkte sie in Ausbildungsveranstaltungen der Hospizbewegung mit. Darüber hinaus war sie Vortragende bei den Lehrgängen für Trauerbegleitung, die vom Referat Spiritualität der Diözese Linz angeboten werden und die Sr. Annemarie mitentwickelt hat.

 

Im Oktober 2020 verstarb der Mann einer nahen Verwandten von Sr. Annemarie 56-jährig im Hospiz St. Barbara in Linz. Eine Erfahrung, die Sr. Annemarie sehr berührt hat, wie sie im Interview mit Margret Krebelder erzählt: „Es war für mich als Angehörige eine tiefe Erfahrung, wie Lebensbegleitung im Sterben sein kann und ist. Ich bin unendlich dankbar für diese Hospizerfahrung – da konnte ich meinen Traum, meine Vision von 1989 als Wirklichkeit erleben.“ Ein Stück weit sei es eine „kleine Ernte“ für den langjährigen Dienst im Hospizbereich gewesen, so Sr. Annemarie.

 

 

„Ein Sterbender ist ein Lebender bis zuletzt“

 

Das „Corona-Jahr“, in dem sie als Ehrenamtliche nicht im Krankenhaus tätig sein konnte, hat den Entschluss, in eine Gemeinschaft ihres Ordens zu übersiedeln, reifen lassen: „Es ist gut und ich gehe offen auf das Neue zu.“ Wenn sie mit Jahresbeginn 2021 Linz Richtung München verlässt, wird es keine Missionarin Christi mehr in der Diözese Linz geben. Jahrzehnte hindurch waren Mitglieder des Ordens in Oberösterreich tätig.

 

Am 20. Oktober 2020 wurde Sr. Annemarie Gamsjäger für ihr Engagement beim Aufbau der Hospizbewegung in Österreich von Landeshauptmann Thomas Stelzer mit dem Silbernen Verdienstzeichen des Landes Oberösterreich ausgezeichnet – eine Würdigung, die sie dankbar angenommen hat und die für sie auch jenen gilt, „die sich für ein Sterben in Würde einsetzen“. Von Margret Krebelder wurde sie gefragt, was sie sich für die Weiterentwicklung im Palliativ- und Hospizbereich wünscht. Ihre Antwort: „Für alle, die sich in diesem Dienst für die Menschen einsetzen, ein weites, offenes Herz, eine gute Selbstsorge, Teamgeist in Wahrheit und Offenheit, gute Zusammenarbeit in der Multiprofessionalität und dabei immer bedenken: Ein Sterbender ist ein Lebender bis zuletzt – und dem Kranken mit seinen Angehörigen so begegnen.“

 

Am 20. Oktober 2020 wurde Sr. Annemarie Gamsjäger für ihr Engagement beim Aufbau der Hospizbewegung in Österreich von Landeshauptmann Thomas Stelzer mit dem Silbernen Verdienstzeichen des Landes Oberösterreich ausgezeichnet.

Würdigung eines Lebenswerks: Am 20. Oktober 2020 wurde Sr. Annemarie Gamsjäger für ihr Engagement beim Aufbau der Hospizbewegung in Österreich von Landeshauptmann Thomas Stelzer mit dem Silbernen Verdienstzeichen des Landes Oberösterreich ausgezeichnet. © Land OÖ / Max Mayrhofer

 

Missionarinnen Christi

 

Jahrzehnte hindurch waren Missionarinnen Christi in Oberösterreich tätig. Der Orden wurde 1956 von P. Christian Moser, dem damaligen Provinzial der Herz-Jesu-Missionare, gegründet. In der Ordenslandschaft stehen die Missionarinnen Christi den ignatianisch inspirierten Gemeinschaften nahe. Wie der Name schon sagt, verstehen sich die Ordensmitglieder als Frauen mit einer Mission, weil sie sich von Jesus Christus gerufen und gesendet wissen. Sie sehen sich als Botschafterinnen von Gottes Gegenwart in dieser Welt. Sie wollen Glauben anbieten, Suchende begleiten, Glaubende stärken und einen Beitrag leisten für eine gerechtere, menschlichere Welt, in der die Würde jedes Menschen ernst genommen wird. Auf der Website des Ordens heißt es: „Wir streben Einsätze an, wo wir die Lebenschancen von Menschen in Not durch konkrete Hilfe bzw. durch Handeln im Verbessern von Strukturen erweitern können, wo wir auch mit nicht-kirchlichen und nicht-christlichen Menschen in Kontakt kommen, wo wir bildend, begleitend und multiplikatorisch wirken können, wo die Zusammenarbeit mit Vertretern einer Kirche im Sinn des Zweiten Vatikanischen Konzils möglich ist, wo wir miteinander in einem gemeinsamen Projekt oder einer gemeinsamen Einrichtung wirken können, wo wir gemeinsam mit anderen in einem Projekt oder einer Einrichtung kooperieren können.“ Ihr Engagement für Glaube und Menschenwürde verwirklichen die Missionarinnen Christi in vielfältigen Aufgaben und Berufsfeldern. Sie leben vorwiegend in kleinen Gruppen von drei bis fünf Schwestern und gehen verschiedenen beruflichen Tätigkeiten nach.

 

Der Orden ist heute in Deutschland und Österreich (12 Schwestern leben in Maria Kirchenthal, Salzburg und Wien), in Brasilien, im Kongo, in Südafrika und in Tansania vertreten. Das Generalat (Generalleitung des Ordens) befindet sich in München.

 

https://www.missionarinnen-christi.de/

 

 

Quellen:

 

Interview mit Margret Krebelder, Leiterin des St. Barbara Hospiz in Linz (November 2020), nachzulesen auf der Website des Landesverbandes Hospiz OÖ
 

Begleitung als Schlüssel: Artikel von Josef Wallner in der Linzer KirchenZeitung (21. Dezember 2020)

https://www.kirchenzeitung.at/site/kirche/kircheooe/begleitung-als-schluessel

Virtuelle Sternsingergrüße
Katholische Kirche in Oberösterreich
Diözese Linz

Kommunikationsbüro
Herrenstraße 19
Postfach 251
4021 Linz
TEL: 0732 / 7610 - 1170
FAX: 0732 / 7610 - 1175

DVR: 0029874(117)

www.dioezese-linz.at
post@dioezese-linz.at
https://www.dioezese-linz.at/
Darstellung: