Thursday 22. October 2020

Papst legte vor fünf Jahren Enzyklika "Laudato si" vor

Papst Franziskus

Fünf Jahre ist es her, dass Papst Franziskus der Welt seine Enzyklika "Laudato si" ("Sei gepriesen"; die Anfangsworte des Gebets "Sonnengesang" von Franz von Assisi) vorgelegt hat. Veröffentlicht wurde sie am 18. Juni 2015 in acht Sprachen.

Vieles spricht dafür, dass sie als das wichtigste Lehrschreiben seines Pontifikats in die Geschichte eingehen wird. Es ist ein Text voller Enthusiasmus, dessen Nachhall auf dem gesamten Globus vernehmbar ist.

 

Die Sorge um das "gemeinsame Haus", wie es im Untertitel heißt, beschäftigt beileibe nicht nur die katholische Kirche. Kaum eine bedeutende Organisation oder politische Kraft, die sich nicht der Worte des Papstes bedient, wenn es um Nachhaltigkeit, Umwelt und Klimaschutz geht. Begriffe wie "ökologische Schuld" oder "Wegwerfkultur" sind in den allgemeinen Sprachschatz übergegangen. Das hat Franziskus den Ruf eines "grünen" Papstes beschert.

 

Doch wie kam es zu dieser eindrucksvollen Rezeptionsgeschichte? Ein Grund ist sicherlich der klug gewählte Veröffentlichungszeitpunkt. Das auf den 24. Mai 2015 datierte Dokument erschien wenige Monate vor Beginn der Pariser Weltklimakonferenz und verlieh dieser beträchtlichen Schwung. Die an "Laudato si" anknüpfende Rede des Papstes, die er im selben Jahr vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen hielt, gilt als historisch. In jüngerer Zeit sorgten obendrein die populäre Aktivistin Greta Thunberg und die Bewegung "Fridays for Future" für erhöhte Aufmerksamkeit.

 

 

Hymne auf die Schöpfung mit 18 Rufzeichen

 

Aber das Schreiben ist weit mehr als nur ein PR-Coup, es ist eine Hymne auf die Schönheit der Schöpfung. "Die Welt ist mehr als ein zu lösendes Problem, sie ist ein freudiges Geheimnis, das wir mit frohem Lob betrachten", lässt uns Franziskus wissen. Nicht weniger als 18 Ausrufezeichen setzt er ein, um solche Erkenntnisse zu vermitteln – ein für offizielle päpstliche Einlassungen eher untypisches Stilmittel.

 

Zugleich vertritt der Papst eine für die reichen Industrienationen höchst unbequeme Botschaft: Ein effizienter Kampf gegen Umweltzerstörung und Klimawandel sei nur möglich, wenn der wohlhabende Teil der Menschheit seinen Konsum einschränke und den Lebensstil grundlegend ändere. "Laudato si", das hat Franziskus oft betont, ist gewiss nicht das katholische "Öko-Manifest", als das es oft wahrgenommen wird. Umweltschutz ist für ihn untrennbar verknüpft mit der Forderung nach weltweiter sozialer Gerechtigkeit. Die Auswüchse des Kapitalismus, Flüchtlingsströme, Menschenrechte und nicht zuletzt den Lebensschutz kann man nach seiner Auffassung nicht losgelöst davon betrachten.

 

Mit dieser Deutung hat der Papst die Paradigmen der Kirche nachhaltig verschoben und ihre Theologie um eine ökologische Dimension bereichert. Vor allem in Lateinamerika hat er dadurch neue Mitstreiter gewonnen.

 

Herz für die Schöpfung

Ein Herz für die Schöpfung und alle Geschöpfe. © Bianca Mentil / www.pixabay.com CC0 1.0

 

Von der Enzyklika zur Amazonien-Synode

 

Einer, der die Inhalte von "Laudato si" verinnerlicht hat wie kein Zweiter, ist Mauricio Lopez. Der 43-Jährige ist Generalsekretär des kirchlichen Amazonien-Netzwerks Repam (Red Eclesial Panamazonica). Die Enzyklika ist zu dessen Grundsatzprogramm geworden.

 

Wer Lopez in seinem Büro im ecuadorianischen Quito besucht, findet im Regal neben dem Schreibtisch Dutzende Ausgaben. Für interessierte Gesprächspartner hat er sie stets griffbereit. "Wer 'Laudato si' nicht kennt, kann unmöglich die Amazonien-Synode und ihre Bedeutung verstehen", sagt der Repam-Experte. Das Engagement für den tropischen Regenwald und die dort lebenden indigenen Völker lasse sich unmittelbar aus dem Papstschreiben ableiten.

 

Das "Doppel Enzyklika-Synode" hält Lopez für eine der kraftvollsten aktuellen Entwicklungen innerhalb der Kirche. Der Prozess sei mit dem Ende des Bischofstreffens, das im Oktober im Vatikan stattfand, keineswegs abgeschlossen. Die Notwendigkeit zum Handeln, so der Mexikaner, werde immer größer: "Wir erleben Morde, Enteignung, Brandstiftung."

 

Tomas Insua, der aus Argentinien stammende Geschäftsführer der Klimaschutzbewegung Global Catholic Climate Movement (GCCM), sieht das ähnlich. Die Gründung seiner Organisation ist eine Folge von "Laudato si", die er für "einen Meilenstein" hält. "Der Weg ist weit und wird noch lange dauern", sagt der 32-Jährige. Er koordiniert den weltweiten Ausstieg katholischer Institutionen aus fossilen Energien. Mehr als 150 haben sich bisher beteiligt, darunter verschiedene Diözesen und der Caritas-Welt-Dachverband "Caritas Internationalis". So beschloss im Vorjahr die Österreichische Bischofskonferenz - nach Belgien und Irland - den Rückzug des Kirchenvermögens (Divestment) aus allen Unternehmen, die fossile Energieträger fördern. Der fünfte Geburtstag der Enzyklika ist für Insua eine Gelegenheit zum Innehalten. "Wie weit sind wir gekommen, wohin ruft uns der Glaube jetzt?", fragt er sich.

 

 

Weltweites Aktionsjahr zu Anliegen von "Laudato si"

 

Papst Franziskus hat zum fünften Jahrestag der Veröffentlichung seiner Umwelt- und Sozial-Enzyklika "Laudato si" ("Sei gepriesen") dazu aufgerufen, deren Anliegen im kommenden Jahr zu vertiefen und umzusetzen. Das von der vatikanischen Behörde für menschliche Entwicklung angeregte "Laudato-si"-Jahr soll bis zum 24. Mai 2021 gehen, gab der Vatikan am Wochenende bekannt. Es schließt an eine bereits begangene Aktionswoche an, die jedoch im Schatten der aktuellen Coronakrise stand.

 

Zum Jahrestag der Unterzeichnung (24. Mai) lud der Papst beim Mittagsgebet in Rom "alle Menschen guten Willens" dazu ein, sich dem Aufruf zu einem "Laudato-si"-Jahr anzuschließen und sich gemeinsam um "unser gemeinsames Haus und um unsere schwächeren Brüder und Schwestern zu kümmern". Gleichzeitig stellte er ein diesem Aktionsjahr gewidmetes Gebet vor, das die Hauptanliegen von "Laudato si" vor dem Hintergrund auch der Corona-Krise aufgreift.

 

Liebevoller Gott, Schöpfer des Himmels, der Erde

und all dessen, was sie bergen.

Öffne unseren Geist und rühre unsere Herzen,

damit wir ein Teil sein können

deiner Schöpfung, deines Geschenks.

 

Sei in diesen schwierigen Zeiten den Bedürftigen nahe,

besonders den Ärmsten und Schwächsten.

Hilf uns, kreative Solidarität zu beweisen,

um die Folgen dieser globalen Pandemie anzugehen.

 

Lass uns mutig werden, die umwälzenden Veränderungen anzugehen,

um das gemeinsame Wohl aller zu suchen.

Dass wir mehr als je zuvor spüren,

wie wir untereinander verbunden und voneinander abhängig sind.

 

Tu dies auf eine Art und Weise,

sodass wir in der Lage sind,

den Schrei der Erde und den Schrei der Armen

zu hören und zu antworten.

So können die derzeitigen Leiden

zum Geburtsschmerz einer Welt werden,

die geschwisterlicher und nachhaltiger ist.

 

Unter dem liebevollen Blick Marias,

der Trösterin, bitten wir dich durch Christus, unseren Herrn.

Amen."

 

 

"Globale Kampagne"

 

Um dem Anliegen seines auch außerkirchlich beachteten Rundschreibens noch einmal Nachdruck zu verleihen, hatte Papst Franziskus im März 2020 mit einer Videobotschaft zunächst zu einer Aktionswoche vom 16. bis 24. Mai eingeladen. Dies solle eine "globale Kampagne" zum Jahrestag von "Laudato si" werden.

 

Wegen der Corona-Pandemie fielen jedoch zahlreiche geplante Veranstaltungen aus, unter anderem ein internationales Treffen mit mehreren Hundert Jungunternehmern zum Thema nachhaltiger Wirtschaft in Assisi. Daher weitete das federführende vatikanische "Dikasterium für ganzheitliche menschliche Entwicklung" die Aktionswoche nun zu einem Aktionsjahr aus.

 

 

Fünf Jahre "Laudato si": Vatikan ruft zu ökologischem Wandel auf

 

Fünf Jahre nach Veröffentlichung der Umwelt- und Sozialenzyklika "Laudato si" von Papst Franziskus hat der Vatikan die Weltgemeinschaft erneut zum Handeln aufgerufen. Mehrere vatikanische Kurienbehörden stellten am Donnerstag ein gemeinsam verfasstes Dokument vor, das Wege zu einem "ökologischen Wandel" aufzeigen soll.

 

"Es handelt sich nicht um eine Kopie des Papstschreibens", sagte Kurienerzbischof Paul Gallagher bei der Vorstellung des neuen Textes. Die 227 Seiten unter dem Titel "Auf dem Weg zur Sorge für das gemeinsame Haus" enthielten konkrete Praxisbeispiele, wie die Anregungen von Papst Franziskus umgesetzt werden könnten. Die verschiedenen Initiativen seien mithilfe katholischer Institutionen in aller Welt zusammengestellt worden, so der Außenbeauftragte des Vatikans. Es gehe um die Vermeidung von Umweltverschmutzung, den Umstieg auf erneuerbare Energie, nachhaltiges Wirtschaften oder Bildungsprojekte.

 

Corona verleiht Enzyklika noch mehr Gewicht

 

"Laudato si" habe angesichts der Corona-Pandemie noch an Bedeutung gewonnen, betonte Vatikansprecher Matteo Bruni, der den Papst zitierte: "Wir haben unerschrocken weitergemacht in der Meinung, dass wir in einer kranken Welt immer gesund bleiben würden." Umso wichtiger sei es nun, endlich neue Wege einzuschlagen. Einige Möglichkeiten, wie diese Umkehr gestaltet werden könnte, seien in dem neuen Dokument aufgelistet. Es richte sich nicht zuletzt an Regierungen weltweit, die zu einem Wandel beitragen wollten.

 

In er aktuellen Krisenzeit bewahrheiteten sich die Visionen von "Laudato si", sagte der Generalsekretär des Weltcaritas-Dachverbandes "Caritas Internationalis", Aloysius John. "Integrale Ökologie" sei die Linse, durch die man die man die heutige Realität sehen und verstehen und auf sie reagieren könne. Papst Franziskus rufe die Menschen dazu auf, diese Zeit der Prüfung als "Zeit der Entscheidung" zu sehen, um sich für mehr Gerechtigkeit und Menschenwürde einzusetzen. "Nach Covid-19 wird nichts mehr so sein wie vorher. Wie Papst Franziskus sagte, ist es an der Zeit, eine neue Zukunft aufzubauen - und diese neue Zukunft muss im Licht von Laudato si gebaut werden", sagte John.

 

Das 2015 veröffentlichte Schreiben "Laudato si" gilt als erste päpstliche Umweltenzyklika. Sie ist zugleich eine "grüne Sozialenzyklika", mit der Franziskus eine "ganzheitliche Ökologie" aus Sicht der Ärmsten vertritt. Laut Franziskus kann man über Umweltschutz nicht sprechen, ohne soziale Gerechtigkeit, das globale Wirtschaftssystem, die Flüchtlingsproblematik und die Menschenrechte in den Blick zu nehmen.

 

Vatikan verstärkt Klimaschutz

 

Der päpstliche Außenbeauftragte Gallagher kündigte bei dem Pressetermin am Donnerstag auch an, dass der Heilige Stuhl in Kürze das Kigali-Abkommen zum Montreal-Protokoll unterzeichnen wird. Diesen Schritt zur Verstärkung des Engagements gegen den Klimawandel hatte der Papst bereits im vergangenen November angekündigt.

 

Die sogenannten Kigali-Änderungen von 2016 zielen auf eine Reduktion von Fluorkohlenwasserstoffen, die zwar nicht die Ozonschicht angreifen, aber für den Treibhauseffekt mitverantwortlich sind. Das Protokoll von Montreal ist ein internationaler Umweltvertrag, der die Umsetzung des Wiener Ozon-Abkommens von 1985 regelt. Das Protokoll war 1987 unterzeichnet worden und trat 1989 in Kraft. Der Heilige Stuhl trat dem Abkommen und dem Protokoll als einer der letzten Unterzeichner bei.

 

Laudato si: Enzyklika im Wortlaut

 

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