Friday 15. November 2019

Ökumenische Premiere: Katholische und orthodoxe Bischöfe tagten gemeinsam

Es ist eine ökumenische Premiere in Österreich: Erstmals tagten die Mitglieder der katholischen sowie der orthodoxen Bischofskonferenz gemeinsam und kamen dafür am 4. November 2019 im Wiener Erzbischöflichen Palais zusammen. 

Die ökumenische Begegnung steht auf dem Programm der Herbstvollversammlung der Österreichischen Bischofskonferenz, die unter dem Vorsitz von Kardinal Christoph Schönborn bis Donnerstag, 7. November 2019 dauert. Noch vor den Gesprächen mit den orthodoxen Würdenträgern gab es einen ersten Höhepunkt: Montagmittag traf der katholische Episkopat mit Bundespräsident Alexander Van der Bellen auf Einladung des Staatsoberhauptes in der Wiener Hofburg zusammen. 

 

 

Van der Bellen dankte Bischöfen für Dienst an Gesellschaft

 

Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat am 4. November 2019 die Mitglieder der Österreichischen Bischofskonferenz mit Kardinal Christoph Schönborn und Nuntius Erzbischof Pedro Lopez Quintana an der Spitze in der Hofburg empfangen. Dabei hat er die Beziehungen zwischen Staat, Kirchen und Religionen als "äußerst kooperativ und vertrauensvoll" gewürdigt und den vielfältigen Dienst der katholischen Kirche am Gemeinwohl in Österreich aber auch weltweit hervorgehoben. Eigens betonte das Staatsoberhaupt das Engagement der Kirche für Friede, soziale Gerechtigkeit, den Erhalt der Umwelt und bei der Vermittlung spiritueller Antworten auf die Sinnsuche der Menschen. Kardinal Schönborn betonte im Blick auf die Ergebnisse der Amazonien-Synode die nötige ökologische Umkehr und Änderung im Lebensstil.

 

Der Bundespräsident erinnerte eingangs daran, dass beinahe 80 Prozent der Menschen in Österreich Mitglied einer Kirche oder Religionsgesellschaft seien. Nicht nur die Beziehungen zwischen dem Staat und den gesetzlich anerkannten Kirchen und Religionsgemeinschaften seien in Österreich äußerst kooperativ und vertrauensvoll, "genauso vertrauensvoll ist auch das Verhältnis der gesetzlich anerkannten Kirchen und Religionsgesellschaften untereinander", stellte Van der Bellen fest. Dazu gehöre beispielsweise die Zusammenarbeit der christlichen Kirchen im Ökumenischen Rat der Kirchen genauso wie die seit einigen Jahren bestehende informelle Plattform aller gesetzlich anerkannten Kirchen und Religionsgesellschaften. "Brücke und Brückenbauer zu sein, ist kein leeres Klischee", weder für Österreich noch für Kirche und Religionen", so Van der Bellen. Die österreichischen Bischöfe würden zeigen , "wie wichtig und zugleich selbstverständlich das Verstehen über Grenzen hinweg ist".

 

"Friede in der Welt lebt auch vom Frieden zwischen den Konfessionen und Religionen", betonte der Bundespräsident in diesem Zusammenhang und würdigte die diesbezügliche Haltung und das Engagement vieler geistlicher Amtsträger in den verschiedenen Kirchen und Religionen und sagte: "Damit der Friede wachsen kann, braucht es die Einbeziehung der Kirchen und den Dialog zwischen den Kirchen, Religionen und Kulturen. In Österreich und weit über unsere Grenzen hinaus, ist aus diesem Dialog schon viel Gutes erwachsen. Dafür danke ich den Bischöfen und wünsche weiterhin viele positive Impulse und Ergebnisse."

 

Der Bundespräsident betonte in seiner Ansprache vor dem Episkopat die globale Dimension von Kirche und verwies dabei auf die Amazonien-Synode und die Teilnahme von Kardinal Christoph Schönborn und Bischof Erwin Kräutler. Beide hätten die Synode "mitgeprägt". Das zeige auch, "wie sehr die Kirche hierzulande Teil der Weltkirche ist".

 

Bundespräsident Van der Bellen und die Mitglieder der Österreichischen Bischofskonferenz

Bundespräsident Van der Bellen und die Mitglieder der Österreichischen Bischofskonferenz. ©  Peter Lechner

 

"Höchste Wertschätzung für Papst Franziskus"

 

Die Regierungen dieser Welt stünden immer wieder vor der Herausforderung, dass sie in ihrer geographischen Begrenztheit vor Problemen stehen, die global gelöst werden müssen, führte der Bundespräsident aus und sagte: "Die katholische Kirche, die von ihrem Namen her 'allumfassend' ist, gibt hier ein schönes Beispiel wie man global denken und doch lokal vernetzt und verankert sein kann. Dies zeige sich in der vom Papst immer wieder angemahnten "Sorge um das gemeinsame Haus". Van der Bellen wörtlich: "Es ist kein Geheimnis, dass ich höchste Wertschätzung für Papst Franziskus habe", der die Verantwortung für die Schöpfung mit dem Einsatz für soziale Gerechtigkeit verbinde. "Dieser umfassende Ansatz ist für das Zusammenleben und Wohlergehen essentiell. Ich hoffe sehr, dass es gelingen wird, die globalen menschlichen, geistigen, sozialen und ökologischen Herausforderungen gemeinsam zu meistern", so der Bundespräsident, der ergänzte: "Ich danke allen jenen, die in diesem Sinn aus den Quellen des Glaubens schöpfen."

 

Wie sehr christliche Solidarität im Inland und im Ausland gleichermaßen gelebt werde, zeige die Arbeit der Kirche in Bildung, Gesundheit, Pflege und Sozialem. "Die Spendenbereitschaft der Österreicherinnen und Österreicher gepaart mit der professionellen Hilfe der Caritas lindert hierzulande, aber auch im Ausland die oft versteckte Not vieler", sagte das Staatsoberhaupt und schloss in Richtung der Bischöfe als Vertreter der "größten und wichtigsten Kirche im Land": "Ich danke Ihnen für Ihre Tätigkeit für unsere Gesellschaft."

 

Schönborn: Umdenken, Umkehr und Verzicht

 

An den Bundespräsidenten anknüpfend zeigte sich Kardinal Schönborn dankbar dafür, mit Van der Bellen ein Staatsoberhaupt zu haben, für den die ökologische Frage schon seit Jahren ein Anliegen sei. Das zentrale Leitwort der Synode sei "Konversion" gewesen. Damit sei ein notwendiges Umdenken und eine daraus resultierenden Umkehr gemeint und zwar in ökologischer, sozialer, kultureller und auch pastoraler Hinsicht.

 

An erster Stelle brauche es eine "ökologische" Konversion und ein Änderung des Lebensstils in den Wohlstandszonen der Welt. "Ihr erwartet von uns, dass wir den Amazonaswald erhalten, ihr seid aber nicht bereit, euren Lebensstil zu ändern", hatte ein Amazonasbischof die Sache auf den Punkt gebracht, so Schönborn. Bei der Synode sei deutlich geworden, wie eng die ökologische Herausforderung mit einer soziale und kulturelle Umkehr verbunden sei, etwa im Blick auf den Schutz der indigenen Minderheit im Amazonasgebiet. Papst Franziskus habe daher am Ende der Synode die Teilnehmer aufgefordert, diese Generalperspektive beizubehalten. "Wir sollen mit den Medien über diese Hauptsache, und nicht über Nebensächliches reden", habe der Wunsch des Papstes gelautet, so der Kardinal.

 

Der konkrete Beitrag von Religion bei der Bewältigung dieser globalen Herausforderungen sei neben eines umfassenden Sinnhorizonts die Befähigung zum Verzicht, zeigte sich der Vorsitzende der Bischofskonferenz überzeugt und sagte: "Das spirituelle Potenzial zum Verzicht speist sich aus der Quelle des Evangeliums." Das Leben von Bischof Erwin Kräutler mache deutlich, welch wichtige Rolle Religion beim konkrete Engagement für die Menschen vor Ort habe, betonte der Kardinal und überreichte dem Bundespräsidenten als Geschenk das jüngste Buch des austro-brasilianischen Bischofs.

 

Bundespräsident Van der Bellen und Kardinal Christoph Schönborn

Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Kardinal Christoph Schönborn. © Peter Lechner

 

Katholisch-orthodoxe Tagung

 

Das Treffen der katholischen mit der orthodoxen Bischofskonferenz bestand aus zwei Teilen. Nach einem Austausch über Themen, die für beiden Kirchen wichtig sind, wurde um 18.30 Uhr gemeinsam eine orthodoxe Vesper in der griechisch-orthodoxen Kathedrale gefeiert, zu der die Gläubigen eingeladen waren. Die gemeinsame Tagung endete mit einem Empfang des griechisch-orthodoxen Metropoliten Arsenois (Kardamakis), der auch Vorsitzender der orthodoxen Bischofskonferenz in Österreich ist.

 

Kardinal Christoph Schönborn konnte in seiner Funktion als Vorsitzender der katholischen Bischofskonferenz den griechisch-orthodoxen Metropoliten Arsenios (Kardamakis), den serbisch-orthodoxen Bischof Andrej (Cilerdzic) und den rumänisch-orthodoxen Bischof Serafim (Joanta) im Wiener Erzbischöflichen Palais begrüßen. Weiters nahmen an den Beratungen auch ein Vertreter des orthodoxen Patriarchats von Antiochien (Erzpriester Nikola Wahbeh) sowie weitere Vertreter der griechischen Kirche (Erzpriester Ioannis Nikolitsis und P. Athanasius Buk) sowie der rumänisch-orthodoxe Bischofsvikar Nikolae Dura teil. Im Mittelpunkt der Gespräche, die unter dem Vorsitz von Kardinal Schönborn und Metropolit Arsenios stattfanden,  stand u.a. die verstärkten Zusammenarbeit beim schulischen Religionsunterricht. So gebe es bereits seit Jahren eine international beachtete Kooperation zwischen katholischer und orthodoxer Kirche bei der Relionslehrerausbildung, die in der katholischen Pädagogischen Hochschule Wien/Krems stattfindet. Die anwesenden Amtsträger der Kirchen zeigten sich überzeugt, dass eine noch engere Zusammenarbeit beim Religionsunterricht nötig und wünschenswert sei.

 

Mit Dankbarkeit wisse man sich von den katholischen Kirche wertgeschätzt und konkret unterstützt, betonten alle orthodoxen Amtsträger. Sichtbares Zeichen dafür seien beispielsweise die zahlreichen katholischen Kirchen und Räume, die den verschiedenen orthodoxen Gemeinden oft unentgeltlich zur Verfügung gestellt würden. Das positive ökumenische Klima zwischen beiden Kirche wirke auch in die orthodoxen Herkunftsländer beispielsweise auf dem Balkan zurück und könnten so einen Beitrag zur Überwindung historischer Spannungen beitragen.

 

Metropolit Arsenios (Kardamakis), Kardinal Christoph Schönborn, Bischof Andrej (Cilerdzic)
Begegnung der katholischen und orthodoxen Bischofskonferenz im Wiener Erzbischöflichen Palais
Katholisch-orthodoxes Bischofstreffen
Katholisch-orthodoxes Bischofstreffen

© Georg Pulling / Kathpress; © Lukas Cioni / Kathpress

 

Insgesamt begrüßten die orthodoxen und katholischen Bischöfe die positiven Rahmenbedingungen für die Kooperation von Staat und Kirchen in Österreich. Als die beiden größten Kirchen des Landes seien die katholische und die orthodoxe davon besonders betroffen. Die Vertreter beider Kirchen sprachen sich unisono dafür aus, dass ähnliche Begegnungen beider Bischofskonferenzen in regelmäßigen Abständen stattfinden sollten. Eröffnet wurden die Beratungen mit einem gemeinsamen Vater Unser.

 

Den liturgischen Abschluss fand das erste katholisch-orthodoxe Bischofstreffen am Montagabend mit einer Vesper in der griechisch-orthodoxen Dreifaltigkeitskathedrale in der Wiener Innenstadt. Neben den orthodoxen und katholischen Bischöfen nahmen daran auch weitere orthodoxe Geistliche und Gläubige beider Konfessionen teil.

 

Vesper in der orthodoxen Dreifaltigkeitskathedrale (Kardinal Christoph Schönborn u. Metropolit Arsenios (Kardamakis))

Vesper in der orthodoxen Dreifaltigkeitskathedrale: Kardinal Christoph Schönborn und Metropolit Arsenios (Kardamakis). © Georg Pulling / Kathpress

 

Orthodoxe Bischöfe hielten Konferenz ab

 

Sieben orthodoxe Kirchen haben in Österreich kirchliche Strukturen und sind – theoretisch – seit 2010 in der Bischofskonferenz vertreten: die Griechisch-orthodoxe Kirche (Ökumenisches Patriarchat von Konstantinopel), das Patriarchat von Antiochien, die Russisch-orthodoxe, Serbisch-orthodoxe, Rumänisch-orthodoxe, Bulgarisch-orthodoxe und Georgisch-orthodoxe Kirche.

 

Nicht vertreten waren bei den Beratungen am Montag im Erzbischöflichen Palais die bulgarische, georgische und russische orthodoxe Kirche. Der Bischofssitz der Georgischen Kirche ist derzeit vakant, weshalb die Georgier zur Zeit nicht in der Bischofskonferenz vertreten sind. Da die russische Kirche seit rund einem Jahr die kirchliche Gemeinschaft mit dem Patriarchat von Konstantinopel abgebrochen hat, nehmen derzeit auch keine Vertreter dieser Kirche an Versammlungen der Bischofskonferenz teil. Aufgrund eines – dem Vernehmen nach – die Türkei betreffenden internen Konflikts zwischen dem Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel und dem Patriarchat von Bulgarien nimmt derzeit auch kein Vertreter der bulgarischen orthodoxen Kirche an den Aktivitäten der Bischofskonferenz teil.

 

Die orthodoxen Bischöfe hatten vor der gemeinsamen Tagung mit ihren katholischen Amtsbrüdern am Montag auch ihre eigene Herbstvollversammlung in Wien abgehalten. An dieser Tagung hatte auch noch Metropolit Isaak (Barakat) vom Patriarchat von Antiochien teilgenommen.

 

Die orthodoxe Bischofskonferenz ist das höchste Gremium der Orthodoxen Kirche in Österreich. Sie vertritt die Orthodoxe Kirche gegenüber dem Staat Österreich und seinen Behörden. Zugleich ist die Bischofskonferenz für gesamtösterreichische Aktivitäten zuständig. Das betrifft vor allem den Religionsunterricht, die Militär- und Krankenhausseelsorge sowie die Jugendarbeit.

 

Da der Patriarch des Ökumenische Patriarchats von Konstantinopel (derzeit Bartholomaios I.) das Ehrenoberhaupt der Orthodoxen Kirche ist, ist auch der jeweilige griechisch-orthodoxe Metropolit von Austria (derzeit Arsenios Kardamakis) oberster Repräsentant der Orthodoxen Kirche in Österreich und steht damit auch der Orthodoxen Bischofskonferenz vor.

 

 

Vorschau: Weitere Themen bei der Vollversammlung der Österreichischen Bischofskonferenz

 

Am Dienstag setzen die katholischen Bischöfe ihre Vollversammlung im Kloster Laab im Walde fort. Dorthin kommen die Caritasdirektoren der Diözesen, um mit den Bischöfen aktuelle soziale und kirchliche Themen zu beraten. Am Mittwoch wird der Apostolische Nuntius in Österreich, Erzbischof Pedro Lopez Quintana, an der Sitzung der Bischöfe teilnehmen. Ein wichtiger Punkt auf der Tagesordnung des Episkopats sind die Ergebnisse der Amazonien-Synode, an der seitens der Bischofskonferenz Kardinal Schönborn teilgenommen hat. Die Tagung der Bischöfe endet am Donnerstag, 7. November 2019 zu Mittag. Über die Ergebnisse der Bischofskonferenz wird Kardinal Schönborn im Rahmen einer Pressekonferenz am Freitag, 8. November, um 10 Uhr in Wien informieren.

 

 

Kloster Laab im Walde

 

Tagungsort der Bischöfe ist das Kloster Laab im Walde der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul. Das im Wienerwald gelegene geistliche Haus wird seit 1879 vom karitativen Schwesternorden betrieben, wo betagte Ordensfrauen ihren Lebensabend verbringen können. Die sogenannten "VinzenzRäume" sind der Seminarbereich des Klosters, der Tagungen für bis zu 100 Personen Platz bietet.

 

Eine Besonderheit des Klosters ist seine biologische Landwirtschaft. Vor über 20 Jahren starteten die Schwestern mit dem Annahof einen kreislauforientierten Musterbetrieb und holten dafür die Expertise der Universität für Bodenkultur ein. Der ebenfalls zum Kloster gehörende Gartenbaubetrieb Dorothea setzt ebenfalls auf natürliche Vielfalt und ermöglicht Jugendlichen mit besonderen Bedürfnissen zudem eine Ausbildung im Gartenbau oder im Bürowesen.

 

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