Monday 21. October 2019

Obdachlosen-WM 2019: Mexiko siegt, Österreich jubelt über Spitzenergebnisse

Mexiko hat die soziale Straßenfußball-WM 2019 im walisischen Cardiff für sich entschieden. Sowohl die mexikanischen Männer als auch die Frauen gewannen am Wochenende ihre Finalspiele. Erfolge gab es aber auch für Österreich zu feiern.

Beim Homeless World Cup (HWC) 2019 in Cardiff (Wales) konnten SportlerInnen vom Rand der Gesellschaft im Rahmen der 17. sozialen Straßenfußball Weltmeisterschaft Selbstvertrauen und Motivation für ihr Leben abseits des Sports sammeln. Österreich war dabei neben einem Herren-Team erstmals auch mit einer Frauen-Nationalmannschaft vertreten.

 

Frauenteam vor dem Premierenmatch beim HWC

Das österreichische Frauenteam vor dem Premieren-Match. © Caritas Steiermark

 

Mehr als 500 Spielerinnen und Spieler aus 51 Nationen jagten ab 27. Juli 2019 eine Woche lang  beim Homeless World Cup 2019 in der walisischen Hauptstadt Wales dem runden Leder nach. Für sie ging es dabei aber nicht in erster Linie um den sportlichen Erfolg.

 

 

Durch den Sport neue Perspektiven entwickeln

 

Der HWC, der erstmals 2003 in Graz ausgetragen wurde, holt Menschen vom Rand der Gesellschaft – Obdachlose, Flüchtlinge, Menschen mit Alkohol- oder Suchtproblemen – in deren Mitte. Die SpielerInnen erfahren durch den Sport neue Motivation, erleben Gemeinschaft in einem Team, können ein neues Selbstbild und Perspektiven für die eigene Zukunft entwickeln. Die Idee dazu hatte der im Vorjahr verstorbene langjährige steirische Caritas-Mitarbeiter Harald Schmied. Gemeinsam mit dem Schotten Mel Young entwickelte er das Turnier, das 2003 im Programm von "Graz 2003 – Kulturhauptstadt Europas" erstmals ausgetragen wurde. Österreich wurde damals auch prompt Weltmeister.

 

In Österreich koordiniert traditionell die Caritas Steiermark den "Homeless World Cup" und arbeitet dabei mit Partnern wie der Gruft in Wien, Mädchenzentrum Klagenfurt und dem Sport-Integrationsprogramm SIQ+ in der Steiermark zusammen. Unterstützung erhalten die beiden Teams auch von der Fußball- Bundesliga und zahlreichen Sponsoren wie der Gaulhofer Familien-Privatstiftung.

 

 

Österreich jubelt über Spitzenplatzierungen

 

Für das Herrenteam bedeutete der Einzug in die Finalrunde und Platz 8 unter 44 Mannschaften den größten Erfolg beim Homeless World Cup (HWC) seit 2012. Das österreichische Frauenteam konnte die Erwartungen bei seiner HWC-Premiere übertreffen und belegte den 6. Platz unter 16 teilnehmenden Nationen. Der größte Erfolg für alle SpielerInnen ist es aber, über den Sport die eigene Stärke in einer Gemeinschaft erlebt zu haben und sich nun mit gestärktem Selbstbewusstsein den Herausforderungen des Alltags stellen zu können.

 

An den beiden letzten der insgesamt acht Turniertage in Cardiff standen beide österreichischen Teams im Viertelfinale um den Homeless World Cup. Die Frauen trafen dabei in ihrem ersten Match auf das Team aus Mexiko, dem man bei der ersten Begegnung in der Gruppenphase klar unterlegen war. Keine Überraschung, sind die Mittelamerikanerinnen doch seit Jahren das stärkste Team im Frauenbewerb: Sie haben nicht nur die letzten vier Turniere in Folge gewonnen, sondern sind im schließlich auch aus Cardiff mit dem Titel nachhause geflogen, nachdem die Österreicherinnen auch im Viertelfinale besiegt wurden. Im Gegensatz zum Gruppenmatch konnte das rot-weiß-rote Team mit einem Treffer durch Frahnaz Hossaini bei der 1:12 Niederlage aber einen Teilerfolg feiern.

 

Der Fokus wurde im Anschluss rasch auf das folgende Spiel gegen die Spielerinnen aus England gelegt, auf die man ebenfalls bereits in der Gruppenphase getroffen, und nach 2:1-Pausenführung noch mit 2:5 unterlegen war. Die bisher im Turnierverlauf gezeigte Leistungssteigerung und die starke erste Halbzeit gegen England im ersten Match ließen das Team trotzdem mit Zuversicht in das Match gehen. Es gelang dem rot-weiß-roten Team dann tatsächlich, das Match offen zu gestalten. Nach einer schnellen Führung passierte ein Eigentor zum Ausgleich, doch noch vor der Pause ging das österreichische Team wieder in Führung. Nach der Unterbrechung dann der abermalige Ausgleich, ehe Bianka Deak ihren starken Auftritt in diesem Match mit ihrem dritten Tor krönte. Die Engländerinnen konnten abermals ausgleichen. In der hochdramatischen Schlussphase fiel dann kein weiteres Tor und ein Penaltyschiessen musste entscheiden! Viktoria Anyalaiova schoss stark, die englische Torhüterin war geschlagen, doch der Ball prallte leider von der Stange zurück auf das Spielfeld. So lag es an Torfrau Frozan Noorzai, Österreich im Spiel zu halten. Gehalten! Nun der Auftritt von Bianka Deak, die ihren Penalty souverän verwertete. Die nächste Schützin der Engländerinnen lief an, doch es war abermals Frozan Noorzai im österreichischen Tor, die sich als unbezwingbar erwies. Ergebnis war ein viel umjubelter Sieg gegen England, der den Aufstieg in das abschließende Spiel um Platz 5 gegen Ungarn bedeutete.

 

Jubel nach dem Sieg gegen England

Jubel nach dem Sieg gegen England. © Caritas Steiermark

 

Mit den Ungarinnen standen den Österreicherinnen in ihrem letzten Match „alte Bekannte“ gegenüber. Man hatte beim Trainingslager in der Südstadt gemeinsam trainiert und bereits beim Turnier in Wroclaw gegeneinander gespielt. Und auch in Cardiff war es nicht das erste Match: In der Zwischenrunde ging Ungarn als 5:3-Sieger vom Platz. So war es also das große Ziel, bei diesem letzten Match erstmals als Siegerinnen vom Platz zu gehen. Nach der ersten Spielhälfte war das Team gut unterwegs, ein 1:1 Unentschieden ließ alle Chancen offen. Doch in der zweiten Hälfte konnten sich die Ungarinnen mit 3 Treffern in Folge absetzen. Der Anschlusstreffer zum 2:4 fiel zu spät, aber das österreichische Team warf nochmals alles nach vor, um vielleicht noch den Dreh zu schaffen. Im Konter waren es aber dann die Ungarinnen, die mit einem weiteren Treffen für den 5:2 Endstand sorgten.

 

Gemeinsam mit Ungarn nach dem letzten Spiel

Gemeinsam mit Ungarn nach dem letzten Spiel. © Caritas Steiermark

 

Trotz dieser Niederlage konnte das österreichische Frauenteam aber hochzufrieden aus Wales abreisen: „Beim allerersten Antreten und mit viel weniger Vorbereitung als viele der anderen Teams ist es uns gelungen, eine wirklich starke kämpferische Leistung hinzulegen und sehr geschlossen als Team aufzutreten. So blieben wir nur gegen die wenigen absoluten Topteams im Frauenbewerb chancenlos und können sehr zufrieden nach Hause fahren“ zog Assistenztrainerin Mansura Elsanova zufrieden Bilanz über Platz 6 unter 16 teilnehmenden Nationen.

 

Assistenztrainerin Mansura Elsanova und die österreichische Ersatzbank

Assistenztrainerin Mansura Elsanova und die österreichische Ersatzbank. © Caritas Steiermark

 

Auch das Herrenteam stand in den beiden letzten Turniertagen im Viertelfinale um den Homeless World Cup und somit unter den Top 8 der 44 teilnehmenden Teams! Als Auftaktgegner traf die rot-weiß-rote Auswahl von Teamchef Gilbert Prilasnig und Assistenztrainer Oliver Hunsturfer dabei auf Portugal. Die Portugiesen, die durch sehr starke Leistungen in der Vor- und Zwischenrunde als eine der absoluten Turnierfavoriten in dieses Match gingen, hatten trotzdem schwer zu kämpfen. Bei einer 2:0-Führung der Südeuropäer keimte Hoffnung im heimischen Team auf, als eine blaue Karte zwei Minuten Überzahl für die Österreicher bedeutete. Doch gerade in dieser Phase zeigten die Gegner ihre Klasse auf, indem unserem Team auch in Überzahl kein Tor gelang. Vielmehr waren es die Portugiesen, die in einem auf sehr hohem Niveau und mit viel Einsatz geführten Match einen weiteren Treffer nachlegen konnten. Die Österreicher steckten aber keinesfalls auf, sondern erzielten durch Mohsen Zahedi den Anschluss und drängten auf einen weiteren Treffer, der allerdings nicht mehr gelingen sollte.

 

Somit stiegen die Portugiesen ins Semifinale auf, Österreich spielte um die Plätze 5 bis 8 weiter. Als nächster Gegner wartete dabei mit Bosnien ein weiterer schwerer Brocken. Mit einem 0:1 Rückstand ging es in die Pause. Doch auch in Hälfte zwei kamen die Österreicher nicht wirklich ins Spiel und scheiterten vor allem an ihrer Chancenauswertung. Dem Gegner gelangen zwei weitere Treffer zum 3:0 Endstand, womit am Schlusstag für Österreichs Herren das Match um Platz 7 den Abschluss dieser sozialen Straßenfußball Weltmeisterschaft bedeutete. Auf der anderen Hälfte des Spielfeldes hatte wie gewohnt tanzend das Team von Südafrika Aufstellung genommen.

 

Gemeinsam mit Südafrika nach dem letzten Spiel

Gemeinsam mit Südafrika nach dem letzten Spiel. © Caritas Steiermark

 

Die Anfangsphase stand dann gleich ganz im Zeichen der Afrikaner, die durch zwei Blitztreffer in Minute 1 deutlich besser ins Spiel starteten. Mohsen Zahedi gelang es erst bei 0:3 die Torsperre der Afrikaner zu brechen, ein weiterer Treffer der Gegner und der Anschluss von Herbert Varga bedeuteten den 2:4 Pausenstand. Die Pausenansprache von Teamchef Prilasnig weckte das heimische Team aber auf und man trat in Hälfte 2 besser auf. Hussain Kamimi verkürzte auf 3:4 und es entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Ein Treffer der Afrikaner brachte wieder den zwei-Tore Vorsprung, ehe Kapitän Beis Ljajic auf 4:5 verkürzte. Das österreichische Team versuchte nochmals alles nach vorne zu werfen, doch der Schlusspfiff des Schiedsrichters brach die Schlussoffensive ab. Somit wurde beim Homeless SWorld Cup 2019 der 8. Platz 8 erreicht. Nachdem die erste Enttäuschung des letzten Spiels gewichen war, traten die Spieler zufrieden die Heimreise an. „Ich kann den Spielern zu ihrem Auftreten hier nur gratulieren“ zog Teamchef Gilbert Prilasnig ebenso zufrieden Bilanz wie Assistenztrainer Oliver Hunsturfer: „Wenn mir vor dem Turnier jemand gesagt hätte, wir können Platz 8 erreichen, hätte ich das sofort unterschrieben.“

 

Bei den Finalspielen konnte sich Mexiko wieder souverän durchsetzen. Sowohl im Herrenbewerb gegen Chile als auch im Frauenbewerb gegen Peru konnten sich die Mittelamerikaner den Titel sichern.

 

Mexiko feiert den doppelten Titel

Mexiko feierte den doppelten Sieg. © Caritas Steiermark

 

Nach dem HWC ist vor dem HWC

 

Noch vor den Finalspielen wurde mit Tampere in Finnland der Austragungsort des Homeless World Cups 2020 bekanntgegeben. Für die österreichischen SpielerInnen geht nun die Nachbereitung los, bei der wieder Mentalbetreuerin Beatrix Arlitzer unterstützt. Mit dem Tag des Sports in Wien und dem „Goal Open“ in Graz stehen Turnierauftritte auf dem Programm.

 

www.homelessworldcup.at

 

Kathpress / Caritas Steiermark

Getauft und Gesandt
Anneliese Schütz

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