Dienstag 18. Dezember 2018

Zukunftsweg der Katholischen Kirche in Oberösterreich: Den Wandel aktiv mitgestalten

„Kirche weit denken“: So lautet der Titel des zweijährigen Zukunftsweges der Katholischen Kirche in Oberösterreich. Beim zweiten Diözesanforum wurde nach einem Jahr Zwischenbilanz gezogen,  konkrete Umsetzungen wurden präsentiert.

Beim zweiten Diözesanforum mit Bischof Manfred Scheuer und über 200 diözesanen MitarbeiterInnen im Bildungshaus Schloss Puchberg wurde nach einem Jahr eine erste Zwischenbilanz gezogen und konkrete Umsetzungen wurden präsentiert. Im Fokus des Tages standen konkrete Umsetzungen, die dem Wandel in Gesellschaft und Kirche heute Rechnung tragen: eine Fortschreibung der Pastoralen Leitlinien, mutige und entlastende Neuerungen in der Praxis der Taufpastoral und ein Schreiben von Bischof Scheuer an Papst Franziskus.

 

Zum zweiten Diözesanforum zum Zukunftsweg hatten sich am 17. November 2018 über 200 Mitglieder des sogenannten „erweiterten Diözesanforums“ – im Wesentlichen bestehend aus Pastoralrat mit haupt- und ehrenamtlichen MitarbeiterInnen, Dechantenkonferenz, Priesterrat und weiteren Personen in diözesanen Leitungsfunktionen – im Bildungshaus Schloss Puchberg eingefunden.

 

 

Konkrete Schritte: Brief des Bischofs an den Papst und Neuerungen in der Taufpastoral

 

Besonders zwei Veränderungen reagieren auf drängende und oft vorgebrachte Anliegen vieler haupt- und ehrenamtlich Engagierter.

 

Unter Schilderung der Situation in der Diözese Linz hat Bischof Manfred Scheuer Papst Franziskus in einem Brief um die Erweiterung der Zulassungsbedingungen zu den Weiheämtern gebeten. Bischof Manfred Scheuer betonte beim Diözesanforum, es habe im ersten Jahr des Zukunftsweges viele Anfragen und Rückmeldungen in Bezug auf die Zulassungsbedingungen zu Weiheämtern (Priesteramt, Diakonat) gegeben. Es gebe ein deutliches „Rumoren“ in der Diözese in dieser Frage.

 

Er habe sich daher entschieden, in einem Brief den Papst über die Situation in der Diözese Linz zu informieren: über Gelingendes und die Grundhaltung der Hoffnung, die in der Diözese lebe und für ihn immer wieder erfahrbar werde, aber auch über die Sorgen vor allem in Bezug auf die personelle Situation, den Mangel an Priestern und deren Überalterung. Er habe im Brief auch auf die Eucharistie als Quelle, Mitte und Höhepunkt kirchlichen Lebens hingewiesen und vor diesem Hintergrund formuliert, was im Kirchenvolk gefordert werde: die Veränderung der Zulassungsbedingungen zum Priesteramt – die Weihe von sogenannten „viri probati“ (bewährten verheirateten Männern) und die Entbindung vom zölibatären Gelübde unter Beibehaltung des geistlichen Amts – und die Weihe von Frauen zu Diakonen. Er formulierte auch, dass sich das Zeitfenster für Lösungen zunehmend schließe. Bischof Scheuer wörtlich: „Es braucht ein Ringen um Lösungsvorschläge in dem Bewusstsein, dass wir unseren Weg in der Einheit mit der Gesamtkirche gehen.“

 

Bischof Manfred Scheuer

Bischof Manfred Scheuer beim zweiten Diözesanforum in Puchberg.  © Diözese Linz / Peter Mayr

 

Bischof ermöglicht Beauftragungen zur Taufspendung für PfarrassistentInnen und PastoralassistentInnen

 

Generalvikar DDr. Severin Lederhilger und die Direktorin von Pastorale Berufe Mag.a Brigitte Gruber-Aichberger stellten eine Änderung in der Taufpastoral vor, die für die Pfarren und die SeelsorgerInnen am Ort eine große Erleichterung in der Praxis bedeutet. Beide betonten, die Taufpastoral habe in der Diözese Linz einen hohen Stellenwert und erfordere eine gute Vorbereitung, für ein aufmerksames Hinhören und eine individuelle Gestaltung. Es habe sich bewährt, dass stets auch Pastoral- und PfarrassistentInnen in der Taufvorbereitung mit einbezogen wurden. Aufgrund der veränderten personellen Situation im Klerus (Priester, Diakone) ist deren Mitarbeit verstärkt notwendig. Man habe nun eine Möglichkeit gesucht, um der Qualität, dem Sinn des Sakraments Taufe und den Menschen, die die Taufe erbitten würden, Rechnung zu tragen. Grundsätzlich seien ordentliche Taufspender weiterhin „von Amts wegen“ Kleriker, also ein Bischof, Priester, Diakon und Pfarrer als Leiter einer Pfarrgemeinde. Die veränderten Rahmenbedingungen – Priestermangel und Überalterung, Beauftragung von Priestern für mehrere Pfarren – hätten dazu geführt, dass verstärkt auf die Notwendigkeit einer speziellen außerordentlichen Beauftragung von Laien hingewiesen wurde. Deshalb ermöglicht Bischof Scheuer nun außerordentliche Beauftragungen zur Feier der Taufe: generell für alle PfarrassistentInnen im eigenen Pfarrgebiet, wenn die zuständigen ordentlichen Taufspender abwesend oder verhindert seien, und unter bestimmten Voraussetzungen auch für entsprechend qualifizierte PastoralassistentInnen.

 

Brigitte Gruber-Aichberger
Severin Lederhilger

Generalvikar DDr. Severin Lederhilger und die Direktorin von Pastorale Berufe Mag.a Brigitte Gruber stellten eine Änderung in der Taufpastoral vor. © Diözese Linz / Peter Mayr

 

 

Verstärktes Zugehen auf Kirchenmitglieder

 

In zwei der acht Themenfelder des Zukunftsweges wurden konkrete Umsetzungen für einen intensivierten Dialog mit den Kirchenmitgliedern beschlossen.

Finanzdirektor und Ökonom Mag. Reinhold Prinz und die Leiterin der Abteilung Kirchenbeitrag Mag.a Ursula Schmidinger haben es sich zum Ziel gesetzt, die Beziehung zu jenen Kirchenmitgliedern zu stärken, die die Arbeit der Katholischen Kirche in Oberösterreich durch die Zahlung ihres Beitrags unterstützen, häufig aber keinen persönlichen Bezug zur Kirche mehr haben.

 

Reinhold Prinz
Ursula Schmidinger

Finanzdirektor und Ökonom Mag. Reinhold Prinz und die Leiterin der Abteilung Kirchenbeitrag, Mag.a Ursula Schmidinger, stellten konkrete Umsetzungen im Hinblick auf den Dialog mit den Kirchenmitgliedern vor.  © Diözese Linz / Peter Mayr

 

Der Kontakt mit diesen Menschen soll durch zeitgemäße Formen des Dialogs intensiviert werden, um deren Zugehörigkeitsgefühl zur Kirche zu stärken. So wird der Bereich Kirchenbeitrag einen neuen Außenauftritt bekommen und eine neue Website wird einen Zugang mit Überraschungsmomenten bieten. Geplant ist auch ein attraktives Magazin für alle Kirchenmitglieder, das die Lebensthemen der Menschen aufgreift.

 

Die Leiterin des Themenfelds „Glaubensvermittlung neu“ Mag.a Brigitte Gruber-Aichberger präsentierte Ideen, wie Glaube in einer pluralen Welt gelebt und verkündet werden kann. Angedacht sind Projekte, die bewusst den Kirchenraum verlassen und hinaus zu den Menschen gehen. Ebenso sollen neue Feierformen für Feste im Kirchenjahr gefunden werden.

 

Leitlinien und Visionen für die Zukunft der Seelsorge: Fundamentaler Wandel steht an

 

Univ.-Prof. Dr. Franz Gruber, Rektor der KU Linz und theologischer Begleiter des Zukunftsweges, präsentierte gemeinsam mit Mag.a Gabriele Eder-Cakl, Zukunftsweg-Leiterin und Pastoralamtsdirektorin, einen Entwurf für eine Fortschreibung der Pastoralen Leitlinien der Diözese Linz von 2001. Der Text beinhaltet eine Analyse der derzeitigen gesellschaftlichen und kirchlichen Situation, Prinzipien und Wegmarken für die pastorale Arbeit in der Zukunft sowie Visionen, die aus den acht Themenfeldern des Zukunftsweges entstanden sind.

 

In dieser „Philosophie für den Zukunftsweg“ wird zunächst ein fundamentaler Wandel mit globalen Ausmaßen konstatiert. Diesen Wandel, der Gesellschaft und Kirche gleichermaßen betrifft, möchte die Katholische Kirche in Oberösterreich „wahrnehmen, annehmen und gestalten“, wie Gruber betonte. Kirche werde vor diesem Hintergrund zum Teil völlig neue Wege suchen müssen, um ihrem Leitwort gemäß „nah bei den Menschen und wirksam in der Gesellschaft“ zu sein. Den Wandel wahrzunehmen bedeutet, drei markante Entwicklungen wahrzunehmen, die die „Volkskirche“ verändern, da eine selbstverständliche kirchliche Sozialisierung nicht mehr gegeben ist: die Individualisierung des religiösen Glaubens, dessen Pluralisierung und die freie Glaubensentscheidung. Diesen Wandel anzunehmen bedeutet, als Kirche Raum zu geben für unterschiedliche Glaubens- und Lebensstile und Pluralität zuzulassen, ohne dabei das Ziel der Einheit aus den Augen zu verlieren. Für die Gestaltung des Wandels wurden mehrere Leitprinzipien erarbeitet, u. a. „Öffnung“ (mutig in Öffentlichkeiten hineingehen), „Solidarität“ (Einsatz für Arme und Bedrängte, Bewahrung der Schöpfung) und „Qualität“ (Sicherstellung einer qualitätsvollen Seelsorge).

 

Der Textentwurf wird nun von den diözesanen MitarbeiterInnen diskutiert und kommentiert; diese Ergänzungen werden dann in eine Überarbeitung einfließen.

 

Franz Gruber
Gabriele Eder-Cakl
Rückmeldungen und Diskussion
Arbeit am Text der der neuen pastoralen Leitlinien
Arbeit am Text der der neuen pastoralen Leitlinien
Arbeit am Text der der neuen pastoralen Leitlinien
Arbeit am Text der der neuen pastoralen Leitlinien

Univ.-Prof. Dr. Franz Gruber, Rektor der KU Linz und theologischer Begleiter des Zukunftsweges, präsentierte gemeinsam mit Mag.a Gabriele Eder-Cakl, Zukunftsweg-Leiterin und Pastoralamtsdirektorin, einen Entwurf für eine Fortschreibung der Pastoralen Leitlinien der Diözese Linz von 2001. Der Textentwurf wird diskutiert. © Diözese Linz / Peter Mayr

 

 

Aufwachmittel: Wie Zuhören und Begleiten auch die Kirche verändern werden

 

Das Diözesanforum selbst wurde von Dr. Joachim Wanke, emeritierter Bischof von Erfurt, mit einem geistlichen Impuls eröffnet, der auch diesen umfassenden Wandel im Blick hatte. Bischof Wanke hat die sieben Werke der Barmherzigkeit in sieben Sätzen neu für die heutige Lebenswirklichkeit formuliert: Ich höre dir zu | Ich gehe ein Stück mit dir | Ich rede gut über dich | Ich bete für dich | Ich teile mit dir | Ich besuche dich | Du gehörst dazu. Drei dieser Sätze griff er in seinem Impuls heraus und formulierte daraus Ermutigungen zu einem veränderten Stil kirchlichen Handelns: zu einer Haltung des Zuhörens, verbunden mit der Zusage des Dazugehörens und der Bereitschaft, Menschen ein Stück auf ihrem Weg zu begleiten.

 

In einer Gesellschaft, in der Zeit knapp und wertvoll sei, bestehe ein großes Bedürfnis danach, angehört zu werden. Wanke stellte die kritische Frage, ob die Haltung „Ich höre dir zu“ nicht auch ein „Aufwachmittel für eine Kirche ist, die manchmal sehr mit sich selbst beschäftigt ist – mit der eigenen Befindlichkeit, mit ihren Lehrsätzen, ihren Strukturen und ihren Sünden“. Christsein heute heiße, in Bewegung zu kommen, im Dialog mit suchenden Menschen zu bleiben und von ihnen zu lernen. Der Satz „Du gehörst dazu“ lade dazu ein, alle Menschen zuerst und vor allem als Mitmenschen anzusehen und Gottes Heilswille universal zu verstehen, also alle Menschen in die Glaubenshoffnung einzuschließen. Wanke warnte eindringlich vor einer Seelsorge, „die nur die Engagiertem die Starken und Überzeugten sammeln will. Die Kirche hat aus der Haltung der Grundsolidarität und Empathie die Menschen, wie sie uns konkret begegnen, zu begleiten und sie in ihren Suchbewegungen auf Gott hin zu bestärken.“ Mit dem Satz „Ich gehe ein Stück weit mit dir“ sei gemeint, besonders in schwierigen Lebenssituationen mit Menschen mitzugehen und besonders die ersten Schritte zu unterstützen – oder einfach auch nur da zu sein und Schweres mit auszuhalten.

 

Geistlicher Impuls von Bischof em. Dr. Joachim Wanke zum Nachlesen

 

Bischof em. von Erfurt Joachim Wanke
Bischof em. von Erfurt Joachim Wanke stimmt die TeilnehmerInnen mit einem Impulsreferat ein
Bischof em. von Erfurt Joachim Wanke stimmt die TeilnehmerInnen mit einem Impulsreferat ein
Gabriele Eder-Cakl, Bischof em. von Erfurt Joachim Wanke, Diözesanbischof Manfred Scheuer
Bischof em. von Erfurt Joachim Wanke, Diözesanbischof Manfred Scheuer

Bischof Wanke: "Ich höre dir zu" als Grundhaltung kirchlichen Handelns. © Diözese Linz / Peter Mayr

 

Bischof Scheuer: „Es braucht konkretes Handeln und Veränderung in einer Grundhaltung der Hoffnung“

 

Beim abschließenden gemeinsamen Gottesdienst betonte Bischof Manfred Scheuer in seiner Predigt, erste Schritte seien auf den Weg gebracht und viele Anliegen aufgegriffen worden. Der Zukunftsweg bleibe nicht bei der Analyse stehen, sondern brauche konkretes Handeln und Veränderung – und dies in einer Grundhaltung der Hoffnung. Bischof Scheuer zu den Anwesenden: „Ich danke euch, dass ihr engagiert dabei seid, den Weg mitgeht und ihm ein Gesicht gebt. Danke dafür, dass ihr Zukunft gestalten wollt und offen seid für Veränderungen.“

 

Predigtgedanken von Bischof Manfred Scheuer zum Zukunftsweg zum Nachlesen

 

Gemeinsamer Gottesdienst am Ende des Diözesanforums
Gemeinsamer Gottesdienst am Ende des Diözesanforums
Gemeinsamer Gottesdienst am Ende des Diözesanforums
Gemeinsamer Gottesdienst am Ende des Diözesanforums
Gemeinsamer Gottesdienst am Ende des Diözesanforums

Gemeinsamer Gottesdienst am Ende des Diözesanforums. © Diözese Linz / Peter Mayr

 

 

Ausblick: Wie geht es auf dem Zukunftsweg weiter?

 

Der nächste wichtige Schritt auf dem Zukunftsweg: Bei einer Diözesanversammlung am 18. Jänner 2019 wird eine Diskussionsgrundlage zu zeitgemäßen kirchlichen Strukturen vorgestellt. Danach wird diese Grundlage im Jahr 2019 in diözesanen Gremien und Gruppen bearbeitet und diskutiert. Bei einem dritten Diözesanforum im November 2019 werden dann die Ergebnisse dieser Diskussionen eingebracht.

 

Zukunftsweg der Katholischen Kirche in Oberösterreich

 

Der Auftakt zum „Zukunftsweg der Katholischen Kirche in Oberösterreich“, der auf rund zwei Jahre angelegt ist, hatte vor fast genau einem Jahr, am 11. November 2017, ebenfalls im Bildungshaus Schloss Puchberg stattgefunden. Der Grundgedanke hinter diesem Weg: Wenn die Katholische Kirche in Oberösterreich ihrem Leitsatz gemäß „nah bei den Menschen und wirksam in der Gesellschaft“ sein möchte, muss sie sich anstehenden Themen ehrlich und mutig stellen und als lebendige Kirche neue Wege wagen. Es braucht eine thematische und auch strukturelle Weiterentwicklung, die dem Grundauftrag von Kirche und der Lebensrealität der Menschen von heute Rechnung trägt. Und es braucht Antworten auf jene Fragen, die auf dem Tisch liegen. Daher auch das Motto „Kirche weit denken“, unter das der Zukunftsweg gestellt wurde.

 

Diözesanforum am 17.11.2018 in Puchberg
Willi Vieböck
Magda Hinterplattner (Jugendzentrum Gewölbe Steyr) mit Jugendlichem
Jugendlicher aus dem Jugendzentrum "Gewölbe" in Steyr
Manfred Scheuer
Gabriele Eder-Cakl und Prozessbegleiterin Reingard Lange
Thomas Berger-Holzknecht, Prozessbegleiter für die "zweite Halbzeit"

Ein paar "Blitzlichter" vom Diözesanforum am 17. November 2018.  © Diözese Linz / Peter Mayr

 

Mehr Info unter www.dioezese-linz.at/zukunftsweg

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