Dienstag 20. November 2018

Eine Bildungseinrichtung feiert: 75 Jahre Katholisches Bildungswerk

Seit 75 Jahren gehört das Katholische Bildungs­werk zur Bildungs­landschaft. Wie hat sie sich entwickelt? Was macht katholische Erwachsenen­bildung aus? Wohin bewegt man sich inpuncto Bildung beim diözesanen Zukunftsweg?

Man stelle sich vor, nicht googeln zu können. Keine Zeitung, kein Buch, keine Frauen-, Männer- oder Hobbyrunde zu haben, um sich auszutauschen, Neues zu sehen, zu hören, sich weiterzubilden. Was dann? Was würde geschehen? Nicht alle, aber manche würden zu Beobachtenden werden, aus dem Gesehenen und Gehörten ihre Schlüsse ziehen und eben aus der Beobachtung lernen. Leben ist lernen. Über die Kindheit hinaus. Wahrscheinlich gehört das Bedürfnis, zu lernen, zum Menschsein. So ist es kein Wunder, dass im Jahre 1943 der Grundstein für das heutige Katholische Bildungswerk gelegt wurde, als das NS-Regime wütete und es schwierig war, Erwachsenen eine adäquate Bildung zu bieten.


Eine Bildungseinrichtung feiert: 75 Jahre Katholisches Bildungswerk

Bildung ist mehr als Wissen. Seit 75 Jahren unterstützt das Katholische Bildungswerk Erwachsenen dabei, dass Leben gelingt. Mit Vorträgen, geistlicher Begleitung, Spielgruppen für Eltern in der Kleinkindphase und und kulturellen Angeboten. © fotolia.com/luckybusiness

 

„Der damalige Name war ,Vortragswerk‘“, erzählt Dr. Christian Pichler. Er ist Leiter des Katholischen Bildungswerkes der Diözese Linz. „Vor allem die geistliche Dimension war den Gründern Ignaz Zangerle und Ferdinand Klostermann wichtig.“ Bildungshunger und Wissensdurst in der Bevölkerung waren so groß, dass aus der Gründungsidee ein Selbstläufer wurde. Alleine von Juli bis Dezember 1945 sind zwölf große öffentliche Vorträge, drei Abende mit Musik und Dichtung, fünf Kurse und sieben Diskussionsveranstaltungen protokolliert. Zuerst waren sie auf Linz begrenzt, doch die Idee rief Nachahmer auf den Plan. Weitere Werke gründeten sich in den Regionen. Heute überspannt das Katholische Bildungswerk das gesamte Bundesland. „Rein rechnerisch sind wir in jeder Gemeinde zweimal vertreten“, sagt Pichler. Möglich ist dies, weil das Katholische Bildungswerk aus insgesamt sechs Geschäftsfeldern besteht, von denen in den meisten Gemeinden mehr als eines aktiv ist.

 

Dr. Christian Pichler ist Leiter des Katholischen Bildungswerkes der Diözese Linz.

„Ich sehe unseren Bildungsauftrag darin, Erwachsene zu unterstützen, ganz geboren und ganz Mensch zu werden“, sagt Dr. Christian Pichler. Er ist Leiter des Katholischen Bildungswerkes der Diözese Linz. © Diözese Linz

 

Damit Leben gelingt

 

Im digitalen Zeitalter kommt man schnell zu Wissen. Naturgemäß ist der Anspruch des Katholischen Bildungswerkes heute ein anderer, als vorrangig Wissensdurst zu stillen. „Ich sehe unseren Bildungsauftrag darin, Erwachsene zu unterstützen, ganz geboren und ganz Mensch zu werden“, formuliert es Christian Pichler poetisch und verwendet damit ein Bild aus einem Gedicht von Erich Fromm. „Wir wollen dabei unterstützen, Zusammenhänge erkennen zu lernen, die eigene Persönlichkeit weiterzubilden. Es geht uns um Sinnerhellung, Wertorientierung und letztlich um ein gelungenes Leben.“ Andererseits sollen die Menschen ermutigt werden, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen und zu einer humanen Gesellschaft beizutragen; dieser Auftrag richtet sich an alle Bereiche des Lebens. Damit dies zielgruppenorientiert möglich ist, gibt es die Geschäftsfelder.

 

Sechs Geschäftsfelder gehören zu dem Netzwerk aus Ehrenamtlichen, das sich über ganz Oberösterreich spannt. © fotolia.com/luckybusiness

 

Ein breites Spektrum und starkes Ehrenamt


Egal, um welches Geschäftsfeld es sich handelt: Ehrenamtlichkeit ist Teil des Konzeptes. „Wir sind ein Netzwerk, das von Ehrenamtlichen in den Pfarren und Gemeinden getragen wird“, beschreibt Pichler. Die Dachorganisation fungiert als Servicestelle und Impulsgeberin. So können die ehrenamtlichen MitarbeiterInnen der pfarransässigen „KBW-Treffpunkte Bildung“ aus einem jährlich aktualisierten Themen- und ReferentInnenpool mögliche Vortragsthemen und dazugehörige Vortragende für ihre pfarrlichen Bildungsveranstaltungen buchen.

 

Dank der pfarrlichen „KBW-Treffpunkte Bildung“ finden viele Vorträge in den Regionen statt.Dank der pfarrlichen „KBW-Treffpunkte Bildung“ finden viele Vorträge in den Regionen statt. © fotolia.com/Feel good studio

 

Für Eltern mit Kleinkindern gibt es den „SPIEGEL“. Eine ehrenamtliche, gut ausgebildete Gruppenleiterin (es kann auch ein Gruppenleiter sein) führt Eltern und Kinder an das gemeinsame Spiel heran. „Gold wert ist auch der Austausch der Eltern untereinander“, meint Pichler. „Auch pädagogische Vorträge werden organisiert, oft in Zusammenarbeit mit dem ebenfalls ortsansässigen ,KBW-Treffpunkt Bildung‘.“ Pichler ist überzeugt, dass man hiermit über den klassischen kirchlichen Kreis hinauskommt.

 

Für Eltern mit Kleinkindern bietet das Katholische Bildungswerk den „SPIEGEL“ an.

Für Eltern mit Kleinkindern bietet das Katholische Bildungswerk den „SPIEGEL“ an. © CC0 Pixabay/PublicDomainPictures

 

Dies nimmt er auch bei den „Spirituellen WegbegleiterInnen“ wahr. Für ihn ein Zukunfts- und Hoffnungsfeld der Kirche. „Wir erreichen Menschen, die spirituell auf der Suche und offen für neue Wege sind. Weniger die traditionellen Katholikinnen und Katholiken.“

 

 „Spirituellen WegbegleiterInnen“ begleiten bei Exerzitien, Meditation, Trauer, Pilgern, Fasten oder Geistlicher Begleitung.

„Spirituellen WegbegleiterInnen“ begleiten bei Exerzitien, Meditation, Trauer, Pilgern, Fasten oder Geistlicher Begleitung. © fotolia.com/Jürgen Fälchle

 

Seniorinnen und Senioren, die geistig und körperlich fit bleiben wollen, spricht das Geschäftsfeld „SelbA – selbstständig im Alter“ an. „Allerdings wäre es sinnvoll, mit dem Gehirnjogging früher anzufangen. Das sagt uns die Wissenschaft. Die Herausforderung ist, Jüngere zum Mitmachen zu motivieren“, meint Pichler selbstkritisch.

 

Mit „SelbA – selbstständig im Alter“ bleiben Seniorinnen und Senioren fit.

Mit „SelbA – selbstständig im Alter“ bleiben Seniorinnen und Senioren fit. © fotolia.com/Katarzyna Bialasiewicz Photographee.eu

 

Die „Bibliotheksfachstelle“ ist ein weiteres Geschäftsfeld. „Lesen ist leben“, sagt Pichler, „und dafür steht das Katholische Bildungswerk.“ Bibliotheken sind beliebte Treffpunkte. Menschen begegnen einander, in Büchern werden Geschichten lebendig und die Sprache, der Schlüssel zur Bildung, wird gefördert. Etwa 200 öffentliche Bibliotheken sind in pfarrlicher oder kooperativer Trägerschaft. Für die ehren- und hauptamtlichen MitarbeiterInnen in diesen Büchereien stellt die Fachstelle Service und Know-how zur Verfügung.

 

Bibliotheken sind beliebte Treffpunkte. Über die Bibliotheksfachstelle sind viele beim Katholischen Bildungswerk eingebunden.

Die „Bibliotheksfachstelle“ des Katholischen Bildungswerks stellten den 200 Büchereien in pfarrlicher oder kooperativer Trägerschaft Service und Know-how zur Verfügung. © CC0 Pixabay/jarmoluk

 

Was 1963 als „Christlicher Theaterring“ begann, ist heute „Szenario – das Theaterabo“. Angeboten werden sechs Abo-Varianten. Mit knapp 3.500 Abonenntinnen und Abonennten ist „Szenario“ die größte „Abo-Vereinigung“, die nicht vom Landestheater geführt wird. Pichler ist sichtlich stolz.

 

„Szenario – das Theaterabo“ ist Teil des Katholischen Bildungswerkes Oberösterreich.„Szenario – das Theaterabo“ ist ebenfalls Teil des Katholischen Bildungswerkes Oberösterreich. © CC0 Pixabay/skeeze

 

Aus Wissen soll Bildung werden

 

Was haben Persönlichkeitsbildung, Vorträge zu Politik, Umwelt und Gesellschaft, Pädagogik, Literatur und Medien abseits von explizit katholischen Angeboten wie Glaubenskursen etc. mit katholischer Bildung zu tun? Ist das noch im Sinne der Gründer im Jahre 1943, deren Vision es war, die geistliche Bildung in der Bevölkerung voranzutreiben?

 

Dr. Johann Hintermaier ist Bischofsvikar für Erwachsenenbildung und pastorale Fortbildung. In dieser Funktion möchte er Impulsgeber sein und bei der Vernetzung der vielen Bildungseinrichtungen unterstützen. Über katholische Bildung sagt er: „Es geht um eine Bildung nach innen und außen, um das Freilegen und Wertschätzen des Ursprungs.“ Gemeint ist, was Jesus uns mit dem Doppelgebot der Liebe ans Herz gelegt hat: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzer Hingabe und deinen Nächsten wie dich selbst. „Was zum Aufbau der Beziehung zu Gott, zu anderen und zu sich selbst förderlich ist, kann katholische Erwachsenenbildung sein“, so Hintermaier. „Bildung soll Freude machen. Sie soll nahrhaft sein für Körper, Geist und Seele. Bildung ist eigentlich ein Nahrungsmittel.“

 

Dr. Johann Hintermaier ist Bischofsvikar für Erwachsenenbildung und pastorale Fortbildung.

„Bildung soll Freude machen. Sie soll nahrhaft sein für Körper, Geist und Seele. Bildung ist eigentlich ein Nahrungsmittel.“ Dr. Johann Hintermaier ist Bischofsvikar für Erwachsenenbildung und pastorale Fortbildung. © Diözese Linz/Appenzeller

 

Vor allem ist Bildung mehr als Wissen. Unabhängig voneinander betonen dies Hintermaier wie auch Pichler. Sie verwenden fast dieselben Worte, wenn sie sagen: „Die Menschen mit dem größten Wissen haben auch die größten Krisen verursacht.“ Katholische Bildung soll, an christlichen Werten orientiert, Wissen zu Bildung reifen lassen. Diesem Auftrag kommen viele in der Diözese nach – von Bildungshäusern über Ausbildungsstätten bis zur Katholischen Aktion und zum Religionsunterricht. Generell wird Bildung in der Diözese flächendeckend angeboten. Es ist möglich, in jeder Lebenslage zu einer kirchlichen Bildungseinrichtung Kontakt zu haben – von der Krabbelstube bis zur Erwachsenenbildung.

 

Bildung als Thema des Zukunftsweges

 

Johann Hintermaier ist Mitglied des Themenfeldes „Option Bildung“ des diözesanen Zukunftsweges. „Bislang ging es um das Profil der katholisch-christlichen Bildung“, berichtet er. Man habe festgestellt, dass eine Schärfung benötigt, ja gefordert werde. „Die Zukunft katholischer Bildung wird sich daran entscheiden, ob wir Menschen haben, die bereit sind, unsere christliche Spiritualität mitzutragen. Das unterscheidet uns von Landes- oder Bundesbildungseinrichtungen. Wir brauchen das Katholische in unseren Bildungseinrichtungen nicht ständig explizit zu benennen, aber drinnen sein soll es.“ Also wurde überlegt, wie man Menschen, die Bildungsarbeit leisten, so im katholischen christlichen Selbstverständnis stärken kann, dass sie dieses Selbstverständnis weitergeben. Was das in der Praxis bedeutet, wird im nächsten Schritt mit jeder Einrichtung einzeln erarbeitet.

 

Das Katholische Bildungswerk OÖ ist der verlässliche Partner für Erwachsenenbildung in Oberösterreich. Hier kommen Sie zur Website und allen Angeboten.

 

Unter www.dioezese-linz.at/zukunftsweg kommen Sie zur Website des diözesanen Zukunftsweges.

 

Dieser Artikel erschien im informier, der MitarbeiterInnen-Zeitung der Diözese Linz, Ausgabe 10/2018. Verfasserin ist Maria Appenzeller

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